Monatsarchiv: Mai 2019

Buch 10/2019 – ohne Herausforderung

Das 7. Buch der Flüsse von London Reihe hat am Samstag meinen Weg zu mir gefunden, aber ich kam am Wochenende auch wegen der Wahl nicht zum Lesen.

Daher nun heute, am Feiertag, wo ich mir die Zeit nehmen konnte, es am Stück zu verschlingen.

Unser Held, der Ich-Erzähler Zauberlehrling, ist wieder gut in London unterwegs, macht sich auch in diesem Band neue Freunde und erwirbt sich sogar den Respekt des Chefs der Mordkommission – mehr oder weniger.

Seinen Konflikt mit einem der Gegner löst er – und am Ende gibt es Raum für mehr Fälle des Follys.

Wenn Ihr die anderen 6 Bände nicht kennt, will ich hier nix verraten, nur soviel – mir fiel an einer Stelle eine Ungereimtheit auf: Er behauptete, als er im Feenreich war, konnte er nicht zaubern, aber er hat damals gezaubert – kurz vor dem Ende … noch im Feenreich.

Solche kleinen Fehler sind ärgerlich, vor allem, wenn es für die Handlung wichtig ist. Daher nur 4 Kokosnüsse von 5. Aber die eigentliche Lösung des Falls ist dadurch nicht berührt worden.

Die Glocke von Whitechapel

Ben Aaronovitch

2019 (Deutsche Ausgabe)

401 Seiten

 

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Europawahl

Als Wahlvorsteher untersteh ich dem Wahlgeheimnis, daher von mir keine Anmerkungen zu den gewählten Parteien. Aber ich muss mal feststellen, dass zumindest die Bürgerinnen und Bürger, die bei mir im Wahllokal (noch) wählen durften, zu über 73% auch kamen! Für eine Europa-Wahl ist das ein sehr erstaunliches Ergebnis. (Die anderen Wahlberechtigten hatten Wahlscheine beantragt und erschienen nun nicht mehr bei uns).

Wie gesagt, zum Wahlergebnis von mir nichts, das könnt Ihr morgen in einschlägigen Zeitungen nachlesen oder auf entsprechendem offiziellen Weg.

Aber besonders imponiert hat mir eine Wählerin, die ein Jahr nach meiner Stiefgroßmutter geboren wurde (und damit Mitte 90 ist) – und die selber sagte, sie habe „diese Zeiten einmal durchgemacht – nie wieder“ – und deshalb sei sie wählen gegangen, obwohl sie zuerst gedacht habe „du alte Krähe, was willst du denn noch wählen“ … (Originalzitate der Wählerin).

Diese Zeitzeugen von Zeiten, in denen die Wahlen höchst irregulär waren, sterben leider langsam aus. Daher möchte ich dies nochmal festhalten: Wählen gehen ist ein hohes Gut! Und wir haben Zeiten in diesem Land gehabt, in denen vielen Leuten mit fadenscheinigen Begründungen das Wahlrecht aberkannt wurde, in denen es einigen aufgrund ihres Geschlechts, ihres Vermögensstandes (vor 1918), ihrer politischen Gesinnung oder ihrer Religion (nach 1933) aberkannt wurde. Diese dunklen Zeiten dürfen wir nie vergessen und wir sollten uns daher immer daran erinnern, dass man die jetzigen Zeiten mit relativem Wohlstand und Frieden nicht geschenkt bekommt. Man muss etwas dafür tun. Z.B. sollte man wählen gehen, damit die Nie Zufriedenen, die ja auch nur eine Stimme haben, nicht plötzlich zu DER STIMME des Volkes werden obwohl sie eine kleine Minderheit sind.

Eine Wahlbeteiligung wie heute hat dies jedenfalls eindrucksvoll verhindert.

Für alles andere schaut Euch im Internet um.

Buch 09/2019

Das neunte Buch war ein Wiederlesen. Allerdings kann es sein, dass ich beim ersten Mal die deutsche Variante gelesen habe, jetzt im englischen Original:

Good Omens, von Neil Gaiman und Terry Pratchett (alphabetische Reihenfolge)

Für die, die es immer noch nicht kennen:

In einem kleinen Hospital in England wird der Sohn Satans einem nichtsahnenden Ehepaar untergeschoben. Eigentlich sollte es dem amerikanischen Botschafter untergejubelt werden, aber es gab da leider eine Verwechslung – und statt dessen gingen ein kleiner Angestellter und seine Frau ein paar Tage später mit dem Spross des Bösen nach Hause.

Die Jahre vergingen, ein Engel und ein Dämon überwachten die Erde, eigentlich in Vorbereitung auf das Armageddon … aber nach all den Jahren unter Menschen blieb eine gewisse Assimilation nicht aus.

Als dann die Zeit gekommen war, fanden sich diese beiden, der Sohn des Bösen, ein Höllenhund mit einer Vorliebe für Stöckchen, drei Freunde von Adam (SdB) und die vier Reiter der Apokalypse ein … sowie zwei Hexenjäger, eine Hexennachfahrin, eine Wahrsagerin/Domina und ein paar US-Militärs.

Nicht alle Reiter der Apokalypse überleben dieses Zusammentreffen.

Aber gemessen an Game of Thrones war die Zahl der Verbleichenden doch eher gering.

Zwei Supermächte (hier Himmel und Hölle) streiten sich um einen Planeten, doch letztlich siegt das Menschliche. Wenn man das doch im richtigen Leben auch so sagen könnte.

Dass das Buch aus den 90ern ist, merkt man. Die Technik ist … gelinde gesagt … veraltet. Die kulturellen Anspielungen sind ebenfalls aus den 90ern. Die Botschaft aber, dass es wichtig ist, Mensch zu bleiben, die wird immer wichtig bleiben.

Außerdem ist das Buch ein herrlicher Spaß!

Also, von mir volle 5 Kokosnüsse für
Good Omens

Neil Gaimann, Terry Pratchett

e-book-Ausgabe.

 

Noch nicht in Hannover

… aber sagt das nicht aha*, sonst müssen wir demnächst unsere Leichen im Keller in die Ökotonne tun.

Ein neuer Trend aus Amerika macht jetzt Erde aus Verstorbenen. Ich dachte bisher immer, dass das das ist, was bei einer Erdbestattung passiert, wenn der Sarg erstmal zersetzt ist. Aber nein, es ist brandneu – Mensch wird jetzt kompostiert …

Neu ist dabei sicherlich die Zeitspanne: Innerhalb weniger Wochen wird so eine Leiche in Erde umgewandelt. Nicht länger „pushing up the daisies“ oder „sich die Radieschen von unten betrachten“ – jetzt düngen wir sie stattdessen.

*lokaler Abfallentsorgungsbetrieb

Buch 08/2019 – unchallenged

Ich las mich also weiter durch meinen Stapel Japan-Reisebücher, der nächste auf der Liste war Alan Booth, The Roads to Sata – Die Straßen nach Sata.

Ich las die englische Ausgabe. Er schildert darin seine vier Monate auf japanischen Landstraßen, in denen er vom extremen Norden (Hokkaido, Cape Soya) zum südlichsten Kap der südlicheren Hauptinsel (Okinawa ist keine Hauptinsel) Kyushu.

Anders als Ferguson, der alle vier Hauptinseln bereiste, beschränkt sich Booth auf drei. Er schildert seine Begegnungen mit Japanern, die im ländlichen Japan leben, die ihn meist freundlich, immer neugierig und manchmal aggressiv behandeln (das ist wirklich die Ausnahme). Sie fragen ihn z.B. fast alle immer, ob er japanisches Essen essen kann (nicht, ob es ihm schmeckt). Er beschränkt sich in seinen Unterkünften auf die traditionellen japanischen Familienherbergen und läuft wirklich die ganze Zeit, wenn er nicht gerade per Fähre von Insel zu Insel reist.

Seine Schilderungen Japans haben mich zunächst erstaunt – er beschreibt immer wieder, wie dreckig die Strände, die Touristenattraktionen sind. Und dann machte ich mir klar, dass es eine Reise 1980 war. 1980 waren wir hier in Deutschland auch noch nicht so umweltbewusst … Schon hier machen sich aber die Umbrüche in der japanischen Gesellschaft bemerkbar – Umbrüche, die wir hier in Deutschland auch kennen – die Veränderungen auf dem Lande, das Zurückdrängen traditioneller Lebensweisen.

Alan Booth starb 1993, er hat also nicht mehr erlebt, dass japanische Fußballfans in den Stadien in Russland hinter sich aufgeräumt haben.

Die 281 Seiten haben mich jedenfalls Japan näher gebracht, als die 344 Seiten von Ferguson, der mehr auf sein eigenes Wohlergehen aus war als darauf, Japan zu erkunden.

Und ich freue mich darauf, sein posthum erschienenes Werk Looking for the Lost zu lesen.

Alan Booth

The Roads to Sata

281 Seiten

Erschienen 1985, meine Ausgabe ist von 1997, Kodansha Verlag (USA)

5 Kokosnüsse

Buch 7/2019 – unchallenged

Nachdem es zuerst so aussah, als ob ich als nächstes Horrorstör beenden würde, hab ich, mal wieder vom Guardian, einen neuen Lesetipp bekommen, Alan Booth, The Roads to Sata. Und das führte dazu, dass ich bei Amazon vier Bücher bestellte, zwei von Alan Booth, einem Engländer, der in Japan lebte, ein Buch von Michael Booth (nicht verwandt, wenn ich das richtig gelesen habe). Aber zuerst gelesen habe ich Will Ferguson: Hokkaido Highway Blues. (Englischer Titel, ich habe die englische, vom Autor gekürzte, spätere Taschenbuchausgabe gelesen, auch veröffentlicht unter Hitching Rides with Buddha).

Ferguson, Kanadier, lebte ein paar Jahre als Englisch-Lehrer im  südlichen Japan, ehe er, ein wenig betrunken. bei einem Kirschblütenfest ein folgenschweres Versprechen abgab: Er würde der Kirschblüte durch Japan folgen – und zwar als Anhalter.

Die Kirschblüte ist DAS Frühlingsereignis in Japan, und wird von den Japanern mit viel Alkohol und Picknicks und Ausgelassenheit gefeiert.  Gleichzeitig ist Sakura auch eine sehr ernstzunehmende Sache, in den Nachrichten wird der Stand der Kirschblüte in den einzelnen Regionen gemeldet!

Unser Kanadier, nach zwei Jahren in Japan des Japanischen einigermaßen mächtig, zumindest gesprochen (Kanji brauchen ihre Zeit, sogar Japaner brauchen ungefähr 7 Jahre in der Schule, bis sie die erforderlichen Anzahl von Kanji erlernt haben, um eine Zeitung zu lesen), bricht also auf und erzählt nur ein paar Randnotizen von Japan, aber sehr viel von den Japanern, die ihn mitgenommen haben.

Bis dahin liebte ich das Buch. Leider hat er seine Unzufriedenheit darüber, dass man ihn nach 3 Jahren in Japan immer noch als Außenseiter bezeichnete und behandelte, den Autor dazu gebracht, seine durch japanische Tradition schon fast zum Mitnehmen gezwungenen Fahrer besonders kritisch zu beobachten. Er schont zwar auch sich selber nicht, aber für jemanden, der sich so durchschnorrt wie Herr Ferguson, war er sehr oft sehr hart mit den Leuten, die ihn mitgenommen haben (oder die er anderswo traf). Er beschrieb z.B. ein Freundinnenpaar, die aufgeschlossene junge Frauen waren, und vielleicht auch Liebende, sowas soll es ja auch in Japan geben, sehr eigenartig. Ja, in Freundschaften ist oft einer der Erfahrenere, der Wissendere und der andere eben weniger erfahren, weniger wissend. Aber dass Japan dieses Verhältnis mit Worten beschreiben kann ist doch noch lange kein Grund, sich darüber lustig zu machen. Hier zeigt er sein Außenseitertum in voller Ausprägung.

Er schreibt auch gerne den Japanern eine gewisse Arroganz zu (und ganz sicher gibt es auch in Japan arrogante Leute – die gibt es überall), aber übersieht, welche Arroganz es ist, eine ganz andere Kultur mit ganz anderen Prämissen an kanadischen (westlichen) Maßstäben zu messen.

Alles in allem war das Buch gut zu lesen. Flüssig und unterhaltend geschrieben. Aber es fordert mich eben auch zu Widerspruch heraus. Es ist eine Sache, sich über Sachen zu wundern, eine ganz andere, Sachen, die einen verwundern, als schlecht darzustellen.

Ich werde mich nun Alan Booth zuwenden, der die Tour in anderer Richtung BEGANGEN hat (also, in der Richtung, nicht unbedingt dieselben Orte, weil Herr Ferguson ja per Auto unterwegs war – oder per Fähre) und mich auf The Roads to Sata begeben. Wieder auf Englisch. Nur 281 Seiten dieses Mal.

Hokkaido Highway Blues – Hitchhiking Japan

344 Seiten

Will Ferguson (tatsächlich wohl William, so zumindest stellt er sich einem der Japaner im Buch vor)

2003 (abridged edition), die ungekürzte Version ist nicht mehr aufgelegt.

3 von 5 Kokosnüssen, weil ich seine harschen Beurteilungen von Leuten, die einfach nur eine andere Kultur als er haben, als unangenehm zu lesen empfand, wenn er auch eine flüssige, meist eben unterhaltsame Schreibweise hat. Immerhin noch drei, weil er sehr unterhaltsam schreibt. Und sich selbst auch nicht schont. Auch den einen oder anderen bewegenden Moment hält er gekonnt fest.

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Reiselektüre

 

 

Wieder die Küchenfee

Am Freitag hab ich mit Freunden gekocht, ausgesucht hat das Rezept der, der auch einkaufen musste. Das war auch gut so, denn er suchte ein Rezept raus, das mit Bananenblättern arbeitete …  Wir haben dann seinen Backofen unter Dampf gesetzt, weil wir sonst nicht vier Bananenblätterschalen auf einmal hätten dämpfen können.

Dazu: Fettpfanne mit bereits heißem (man könnte auch sagen, vorgekochtem, haha) Wasser füllen und ganz nach unten geben, und die Bananblätterschalen mit Inhalt auf den Rost stellen, direkt darüber.

Was war nun drin in den Bananenblätterschälchen? Kohl, Hähnchen, eine Sauce, deren Einzelbestandteile ich mir nicht gemerkt habe. Aber lecker wars – also, soweit ich geschmacksbehinderte das sagen kann. Ja, immer noch. Arzt sagte ja, das mit dem Geschmack, das kann sich hinziehen. Nun, das tut es auch.

Am Samstag gab es dann das Curry, das ich schon letzte Woche machen wollte: Fenchelcurry mit roten Linsen. Und weil ich das Rumexperimentieren nicht lassen konnte, waren außer Fenchel, Paprika, Frühlingszwiebeln und roten Linsen auch noch Möhren, gekochte Kartoffeln, Sellerie und Erbsen drin. Ergab bei der gleichen Menge Soße ein schönes 3-Portionen-Curry, von dem ich eine am Samstag aß, eine gestern mit Hähnchenbrustwürfeln aufwärmte und eine weitere ist noch im Kühlschrank. Da meine Hähnchenbruststücke in einer Packung daher kamen (leider war Bio-Fleisch schon aus, so dass ich konventionelles Fleisch kaufen musste), hab ich alle drei Stücke gebraten, Fleisch aus der Pfanne geholt, dann aus dem Bratensatz, etwas Wasser, etwas Sahne und noch etwas Salz und Pfeffer ein Sößchen gekocht. Das wartet nun auf Kartoffeln und Gemüse, das Fleisch ist schon drin und wird damit aufgewärmt. Zwei Abende gerettet. Am dritten Abend könnte es dann eine Chefkoch-Pfanne geben:

https://www.chefkoch.de/rezepte/1016571206873248/Bunte-Kartoffel-Cabanossi-Pfanne-mit-Paprika.html?comments=all#kommentar_box_2583305

Außerdem lachte mich ein Schweinefleisch, süß-sauer-Rezept an. Und danach werde ich wieder viele, viele Gemüserezepte raussuchen … Ich glaube, dann hatte ich erstmal genug Fleisch … Spargel … es ist ja Spargelsaison … Und da gibt es ein paar schmackhafte Auflaufform-Rezepte (also, im Original verwenden sie Alufolie, aber da sie daraus nur Päckchen basteln, kann man auch die Auflaufform verwenden und die mit Backpapier zubinden, ist auch ein Päckle … Wo es geht, Alufolie sparen!)