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Online-Sprachkurs Russisch

Ich habe, beruflich bedingt, viel mit russischen Urkunden zu tun, daher sind elementare Grundkenntnisse der russischen Sprache für mich im Dienst hilfreich. Ich hatte daher zwei Wochenenden Russischkurs gebucht vor einer Weile, das hat mir auch sehr weiter geholfen, es wurde aber keidn Nachfolgekurs angeboten. Dann habe ich ein Wochen-Seminar, wieder von Anfang an, gebucht, eine Art Bildungsurlaub, nur dass ich dafür klassichen Erholungsurlaub genommen habe. Drei Tage nahm ich daran teil, dann hatte ich leider eine Erkrankung, die das aus dem Haus gehen schwer machte.

Immerhin kam ich dieses Mal wesentlich besser mit als beim ersten Mal.

Zwischenzeitlich hatte ich Babbel angetestet, aber wegen der Kosten erstmal verworfen.

Wöchentlich einmal stattfindenden Abendkurse bringen mir nix. Ich brauche intensiveren Input, mehr Übungen. 16 Leute im Kurs mögen in der Volkshochschule aus Wirtschaftlichkeitsgründen anstrebbar sein, aus pädagogischen Gründen sind derart große Gruppen beim Sprachenlernen katastrophal. 6 Leute – das würde garantieren, dass jeder dran kommt, jeder gefordert ist, sich keiner verstecken kann. Bei 16 Leuten hab ich in 90 oder 135 Minuten (2 bis 3 Schulstunden) nicht mal 10 Minuten als Schüler, und da ja noch Stoff-Vermittlung durch den Lehrer stattfindet, bin ich eher bei 5 und darunter. Das und nur einmal pro Woche und dann noch mit Unterbrechungen durch Ferien (schließlich finden die Kurse nicht in den Schulferien statt) hindert mich daran, mir einen klassischen Abend-Russischkurs bei der vhs zu buchen.

Nun hat mir vor 11 Tagen meine Schwester zu duolingo geraten. Duolingo ist kostenlos (in der Basisversion, die mir auf jeden Fall reicht, da ich ja noch sehr am Anfang bin).

Ich bin froh, dass ich das Alphabet inzwischen beherrsche (weitestgehend, allerdings sind die sch-tsch-ts-Laute mit ihren Zeichen immer noch ein Fall für Verwechslungen). Denn DAS könnte ich bei Duolingo nicht lernen. Duolingo ist nicht strikt strukturiert, die Übungen sind zwar immer unter einem großen Aufhänger, aber nicht wie in einem Anfängerkurs mit Regeln durchsetzt (Regeln gibt es nur in der Desktop-Version, als App, so meine Schwester, sind diese nicht verfügbar).

Das sorgt zwar für größere Abwechslung beim Üben, aber um Struktur hineinzubringen oder selber zu schreiben, muss ich zusätzlich auf andere Quellen zurück greifen. Für Druckschrift fehlt mir die russiche Tastatur (und nein, es hilft nicht, eine russische Tastatur auszuwählen, wenn ich raten muss, wo die Buchstaben sind, weil sie bei meinem Laptop nicht aufgedruckt sind).

Und doch, ich habe das Gefühl, ich mache auch unstrukturiert Fortschritte. Sprache ist eh nicht stringent, da lernt man viel durch Nachahmen (und da Duolingo mit einem spricht und auch eigene Sprachbeiträge fordert, lernt man auch ein wenig die andere Sprachmelodie – also, ein wenig.)

Also stolpere ich mich seit 11 Tagen durch meine Russischlektionen (und zwar täglich).

да, ежедневно – ja, täglich. (Da, eschednewno)

Und damit mir nicht langweilig wird, gibt es noch ein paar Wiederholungen meiner Französischkenntnisse … après tout c’est gratuitement (schließlich ist es umsonst).

Lustigerweise gibt es, wenn man sich als Deutsch-Muttersprachler einträgt, keinen Russischkurs, daher habe ich mich als Englisch-Sprecher ausgegeben. Das ist lustig, da ich so alle russischen Sätze ins Englische übersetzen muss (zwei Fliegen mit einer Klappe) – und umgekehrt. Mein Französischkurs wurde dann automatisch mir als Englisch-Sprachiger zugeordnet. Das führt zu so abstrusen Fehlern, dass ich eine Sprache lese – und dann den Satz, anstatt zu übersetzen, einfach noch mal in derselben Sprache hinschreibe. Solange ich nicht die russischen Beispielsätze ins Französische übersetze, ist es wohl noch im Rahmen. Sonst bin ich wieder bei Babel.

Es gibt da auch einen Chinesischkurs … *Ein ganz klein wenig verlockt bin, aber zur Zeit ist mir Russisch einfach wichtiger. Ich hab allerdings schon mal drei Sprachen nebeneinander gelernt: Als ich ab der 9. Französisch zu Englisch und Latein dazu bekam – nur hatte ich da jeweils zwei Jahre zwischen den einzelnen Anfängen. Heute lerne ich Französisch zur Wiederholung – weil ich ja viel vergessen habe. Und Russisch ist ja nicht wirklich im dritten Lernjahr. Bei weitem nicht! Also muss Chinesisch noch ein wenig warten.*

Ihr wisst ja:

Optimisten lernen Englisch,

Pessimisten lernen Russisch

und Realisten lernen Chinesisch.

Dans cet esprit. (In diesem Sinne) Oder auch: в этом ключе (We ätom klutschje)

(Was man nicht alles online nachschlagen kann …)

 

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Noch ein Buch – mein viertes

Gestern Nachmittag habe ich Joachim Fuchsberger gewidmet. Oder besser seinem Buch „Denn erstens kommt es anders …“. Erschienen im Jahr 2007, noch zu seinen Lebzeiten (Herr Fuchsberger verließ uns 2014) erzählt er darin Geschichten aus seinem Leben. Nicht immer ganz wahrheitsgetreu, wie ihm seine Frau vorwarf, aber er antwortete in typischer Fuchsbergermanier, dass er seine Version lieber möge.

Nun kenne ich die Realität nicht, aber die Version, die er uns so präsentiert, gefiel mir auch.

Er wurde 1927 geboren, vier Jahre nach meiner Stiefgroßmutter, und teilt sich den Geburtstag mit meiner Schwester. Er wuchs also vor allem in der „dunklen Zeit“ Deutschlands auf. Deutlich jünger als meine Großväter (beide Jahrgang 1910) und deutlich älter als mein Vater (Jahrgang 1942). Er machte den Krieg als Feuerwart, Flakhelfer und später als junger Soldat mit (er war 18, als der Krieg endete). Seine Geschichten aus der dunklen Zeit erscheinen mir zumindest ehrlich, denn er schont weder seinen Vater, der zuerst ein sehr überzeugter Nazi, nur wenig später dann (schon vor der Reichspogromnacht) ein sehr enttäuschter Nazi war. Auch die anfängliche Begeisterung des jungen Fuchsbergers (der unausweichlich Mitglied der üblichen Jugendorganisationen war) ließ nach 1938 deutlich nach.

Der Krieg hat dann den noch jungen Fuchsberger schnell sehen lassen, welch grausames Geschäft Krieg war. Er hat von einem Turm auf dem Rathaus in Düsseldorfs Altstadt die erste Bombennacht in Düsseldorf erlebt. Immer wieder tauchen in diesen eigentlich ja sehr grauenvollen Geschichten unserer deutschen Geschichte dabei Menschen auf, die eben das Bild der anonymen Masse aufbrechen. Menschen, die versuchen, anderen gegenüber fair zu bleiben, Menschen, die Rücksicht auf die noch sehr jungen Beteiligten nehmen, Menschen, die das Schwarz-Weiß-Bild von Nazi-Deutschland aufbrechen.

Und Fuchsberger schont weder den Vater noch sich selber. Er erzählt von dieser Zeit, von der ersten Begeisterung des Vaters, dessen Stolz auf die Uniform, er erzählt von seinem eigenen Stolz als Ordensempfänger nach der ersten Bombennacht. Aber er spart eben auch nicht an Kritik mit seinem jugendlichen Arschloch-Ich (seine Worte, nicht meine).

Er nimmt uns mit zu seinem „ersten Mal“ (während der Nachtwachen mit einem der Mädels, die als Ersthelferinnen bereit standen), berichtet dann von seinem Glück, sowjetischer Kriegsgefangenschaft entronnen zu sein, und der Lüge, mit der er seine Kriegsgefangenschaft beendete (Bergleute wurden früher entlassen, also gab er an, in den Minen zu arbeiten, wo er dann auch später Kohle abbaute).

Er arbeitete dann mit seinem Vater zusammen, der Druckmaschinen reparierte, und kam so in Kontakt mit der Presse.

Seine schulischen Leistungen litten schon als Junge unter seinen Streichen, seiner Abenteuerlust – und dann später unter dem Krieg. Er sollte ein Notabitur nach dem Krieg nachholen, aber die Lehrer an der Anstalt waren weder nach seinem, noch nach dem Geschmack seines Vaters, so dass seine schulische Karriere mit mittlerer Reife endete.

Er machte Ausstellungsradio, fing dann beim Bayrischen Rundfunk an, wurde dort Nachrichtensprecher, heiratete eine Sängerin, der zuliebe er dann seine Karriere als Nachrichtensprecher aufgab, die Ehe hielt aber nur kurz.

Dann kamen erste Auftritte als Moderator (er sprang einmal für Hans-Joachim Kulenkampff ein), als Schauspieler (wobei er ziemlich schnell eine Hauptrolle in den 08/15 Filmen erhielt), eine neue Liebe, die seine zweite Ehefrau wurde (diese Ehe sollte dann fast sechzig Jahre halten, bis zu seinem Tod), ein Kind, das die Karriere seiner Ehefrau (auf deren eigenen Wunsch) beendete. Ab da flacht das Buch etwas ab. Das liegt wohl daran, dass sich Krisen und Rückschläge spannender lesen als Erfolge.

Seine szenische Erzählweise weicht einer Art Aufzählung, nur noch wenige Szenen werden aus der Zeit nach den 70ern erzählt. Am deutlichsten in Erinnerung aus den 70ern ist allerdings seine Tätigkeit 1972 als Chefsprecher der Olympischen Spiele in München.

Von seinen Filmen erzählt er wenig, so hätte ich mir noch einen Satz zu einem meiner Lieblingsfilme mit ihm gewünscht, zum Fliegenden Klassenzimmer. Doch da kam gar nichts.

Erst gegen Ende, in Australien, seinem zweiten Zuhause (Heimat blieb für ihn bis zu seinem Tode Deutschland, obwohl er die doppelte Staatsbürgerschaft hatte) nimmt seine Erzählweise noch einmal Szenen auf – und er erwähnt seinen letzten Kinofilm, Neues vom Wixxer. Anfangs stand er dem Projekt sehr, sehr skeptisch gegenüber, wollte partout nicht Teil des ersten Films werden. Aber als er dann den ersten Teil auf DVD zugeschickt bekam, änderte er seine Meinung. Sein letzer Kinofilm davor war aus dem Jahr 1982, „Der Fan“. Dazwischen kamen noch einige Fernsehfilme, doch von 1998 bis 2007 hat Fuchsberger keine Filme gedreht. Auch nach dem „Neues vom Wixxer“-Film hat er nur noch Fernsehfilme gemacht. Dafür Theater. U.a. mit Ralf Bauer.

Ich konnte das Buch heute Nacht nicht aus der Hand legen bis ich es beendet habe, aber wegen der abfallenden zweiten Hälfte gibt es doch nur 4 von 5 Kokosnüssen. Die aufzählende Erzählweise war sicher dem Buchumfang geschuldet (und dem halt doch sehr langen Leben, in dem sovieles passiert ist), aber ich fühlte mich am Anfang des Textes mehr mitgenommen.

„Denn erstens kommt es anders …“ von Joachim Fuchsberger

Erscheinungsjahr 2007

Verlag: Lübbe-Verlag (Hardcover-Ausgabe, gebraucht gekauft)

345 Seiten (es hätten bei 80 Jahren ruhig ein paar mehr sein dürfen!)

Erfüllte Aufgabe der Lesechallenge: 19 – Buch, das Musik/TV/Film oder Kunst zum Thema hat.

Nun, Fuchsberger war ein TV- und Filmstar, seine erste Ehefrau war Sängerin und er hat sogar Schlagertexte geschrieben. Wenn das nicht diese Aufgabe perfekt erfüllt, weiß ich nicht …

 

 

Heute eingetroffen

Ich hatte ja in meinem Post über die Lange Nacht der Theater erwähnt, dass wir uns eine Lesung aus der Fuchsbergerschen Biographie gegönnt haben. Es war so gut, dass ich mir diese Biographie bestellt habe – heute traf sie ein. Ein gebrauchtes Hardcover, mit einem Namen und der Jahreszahl 2007 drin. Den Namen werde ich natürlich nicht veröffentlichen.

Und wie ich mir das schon gedacht habe, liest sie sich genauso gut, wie sie sich angehört hat.

Dazu später mehr – es wird Aufgabe 16 meiner Challenge. Und sollte nicht allzu lange dauern.

Buch 3 – Lesechallenge 2018

Ich habe jetzt Clochemerle beendet, von den Lesern der Tips, Links and Suggestions-Kolumne des Guardian empfohlen.

Clochemerle ist eine fiktive Kleinstadt im Beaujolais, in dem Gabriel Chevallier seine bunten ländlichen Kleinstadtbewohner in der Art von Ehm Welk und Giovannino Guareschi (der erstere hat „Die Heiden von Kummerow“ geschrieben, der zweite das italienische, fiktive Dorf Boscaccio mit seinen Hauptcharakteren Don Camillo und Peppone bevölkert) aufs Korn nimmt, allerdings schrieb Chevallier sein Werk 14 Jahre vor Guareschi und drei Jahre vor Ehm Welk.

Der Plot ist schnell erzählt, das Buch (erster Teil einer Trilogie) ist ja auch nicht so dick wie Ehm Welks Werke und kommt auch nicht an die Dichte der Don Camillo-Geschichten heran:

1922, Oktober, der Bürgermeister, Piéchut, hat Geltungsbewusstsein, daher will er für sein ländliches Provinzkaff etwas Modernes schaffen, das dem Ort und damit ihm zur Ehre gereichen soll: Ein Pissoir.

Das, und vor allem der Standort, nahe bei der Kirche, erregt das Missfallen eines bereits älteren, frömmlerischen Fräuleins, die sich auf diesen Stand der Unerfahrenheit einen Menge einbildet. Als das Ding im April 1923 gebaut wird, zieht es die entleerungs-bedürftige, weil oft volltrunkene Meute dorthin, nicht immer wird dabei das Innere der Anstalt zum Ziel. Das aber bedeutet, dass das Fräulein nun sieht, was es angeblich nicht sehen will (warum sie sich dann am Fenster den Hals ausrenkt, sei jedem selbst überlassen). Sie wittert eine Attacke auf die unschuldigen Seelen, die jungen, noch unverheirateten Mädchen der Gemeinde, erregt sich darüber und gleich über alle moralischen Missstände, die sie wahrnimmt. So auch über die zwei gut aussehenden, Mittdreißigerinnen aus dem Ort, die eine Warenhausbesitzers Frau, die andere Gasthausbesitzers Frau, die sich gleichzeitig um einen dritten Mann streiten, der schon länger der ersteren die Ehe mit dem Warenhausbesitzer erträglich macht, der aber im Gasthaus wohnt und dort, bei einer Krankheit, der Wirtin zugänglich und der Händlerin unzugänglich wird …

Wie dann später sogar noch wegen des Pissoirs der Dorfheilige im August 1923 geköpft, danach 100 Soldaten nach Clochemerle beordert und am 19. September der Dorftrottel erschossen und die Wirtin angeschossen werden – nun, das ist der Plot des Buches – ich will ja nicht alles verraten.

Eigentlich eine Geschichte, wie ich sie gern lese. Und hätte Monsieur Chevallier diese Geschichte mit der liebevollen Hand eines Ehm Welk behandelt oder mit dem nachsichtigen Auge eines Giovannino Guareschis beäugt, ich wäre höchst erfreut und unterhalten gewesen, denn diese beiden Autoren lassen Menschen menscheln, ohne sie gleich mit der Klinge des Sarkasmus zu sezieren.

Nicht so Chevallier. Chevallier macht aus dem alten Fräulein, dessen Aufgeregtheit für diesen ganzen Skandal gesorgt hat, eine so bösartige Hexe, die er hinterher im Wortsinne nackt durch Clochemerle treibt, dass mir der Autor unangenehmer wurde als sein weiblicher Bösewicht. Und so hält es Chevallier mit allen Parteien. Jeder wird mit soviel Schwung durch den Mist gezogen, keiner geschont, immer gnadenlos. Wo Welk und Guareschi ihre irrenden Schäfchen mit Nachsicht betrachten, ist Chevallier unbarmherzig, holt noch das Mikroskop hervor, unter dem er die Leute seziert.

Was auch unangenehm ist, sogar mir, als fülliger fetter Person: Die Glorifizierung von üppig ausgestatteten Frauen. Dass ein Franzose die Liebe in seinem Text feiert, ist keine Überraschung (oh jeh, immer diese Vorurteile). Dass er aber alles, was von seinem persönlichen Geschmack abweicht ins Lächerliche treibt, dass er jegliches Verhalten von Frauen auf ihren Befriedigungszustand zurück führt, dass er Frauen entweder als wollüstig oder als frigide darstellt, dass geht mir sehr gegen den Strich. Und natürlich ist das ältliche Fräulein bei ihm mager. Er beschreibt sie in der Szene, in der er sie unbekleidet durch den Ort laufen lässt, als knochig (es ist eine ältere Frau, eine ärmliche noch dazu, wo sollte sie die Mittel hernehmen, um sich zu mästen?), und die von jungen Leuten vor einigen Jahren so gefeierten „thigh gaps“ waren für ihn der größte Horror (nun, der Geschmack hat sich in 80 Jahren deutlich gewandelt, Monsieur Chevallier). Das arme Fräulein konnte einem leid tun, aber Chevallier war erbarmungslos.

Das und das ständige Durchbrechen der vierten Wand hat verhindert, dass ich an Clochemerle das gleiche Vergnügen empfand wie an Guareschis Geschichten oder an Welks Werken. Ich konnte mich in diese Geschichte nicht so recht versenken. Ein volles Viertel hat Chevallier gebraucht, um überhaupt sein Personal vorzustellen (nicht während der Geschichte – sondern jeder Akteur trat vor und die Stimme aus dem Off beschrieb ausführlich die Fehler dieser Person – eine Charakterisierung, wie sie ein guter Autor durch die Geschichte selber leistet). Auch während des eigentlichen Plots kommt uns unser Autor immer wieder „an den Bühnenrand“, hält das Geschehen an und erläutert. Ein schlechteres Beispiel für Erzählen hab ich noch nicht gefunden – außer bei einer meiner frühesten Geschichten … Doch ich habe nicht veröffentlicht. Dieses ständige Herausreißen aus der Geschichte durch den Autor ist wohl die größte Schwäche. Zusammen mit der Frauenfeindlichkeit und der Unmenschlichkeit, mit der er sich über alle seine Charaktere mokiert hat das zu einem Urteil von 2 Kokosnüssen geführt. Zwei, weil ich mich immerhin nicht gelangweilt habe.

Gabriel Chevallier – Clochemerle

Erstveröffentlichung 1934, erstmalig auf Deutsch 1960, meine Ausgabe von 1971.

272 Seiten

Fischer Taschenbuch

Aufgabe erfüllt: 18 – Ein Buch, in dem Politik oder Religion eine Rolle spielen (hier: Beides)

Neues Buch – Challenge 2018 cont.

Bei dem Lesetempo wird das ein Mini-Lesejahr für mich, ich habe jetzt erst das zweite Buch am Ende des vierten Monats beendet …

Und nicht etwa Clochemerle, das eigentlich kurz vor dem Ende steht, sondern ein Buch, das ich von einer Kollegin bekam, die nur auf Krimis steht, von einer Freundin aber ein Buch erhielt („Cottage mit Kater“), das eher so nicht ihr Ding war.

Cottage mit Kater – ja, es ist das, was man bei dem Namen vermutet – eine „Schnulze“ – ein Liebesroman, in dem auch einige andere Themen angerissen werden. Die Titelheldin, Nora, hat eine Schreibblockade und deswegen das Angebot eines Freundes angenommen, der sich länger in Kanada aufhält, sein Haus in Cornwall zu nutzen. Sie hat gerade eine schwere persönliche Zeit hinter sich, auch mit einer Enttäuschung in Liebesdingen, na klar …, aber das nicht allein. Ihr Verleger hat wegen dieser familiären Probleme Aufschub gewährt, aber nun steht eine Deadline an. Sie reist also noch Cornwall, wo sie einen – hach, jetzt bin ich aber überrascht – gut aussehenden Nachbarn ihres Freundes vorfindet. Irgendwie sind diese Begegnungen ja immer gut aussehend. Nur bei mir ist noch nie ein schicker Mann nebenan eingezogen.

Sie rettet am zweiten Tag einem kleinen Katzentier das Leben, der sich als anhänglicher erweist als ihr zunächst lieb ist. Das ist jetzt kein Spoiler, wenn ich sage, dass am Ende Mann, Frau und Kater zusammen finden, oder? Auch wenn es zunächst so gar nicht danach aussieht, Phil scheint mal mehr gewesen zu sein als nur der Nachbar des schwulen Cottagebesitzers.

Wie die Autorin nun ihre Schreiberei auf Vordermann bringt und ihre Vergangenheit loslässt – das müsst Ihr schon selber lesen.

Ich bin ja nun schon „älter“, da ist man näher am Wasser gebaut, hab ich mir sagen lassen, manche Stellen haben mich dann auch zum Weinen gebracht, andere zum Lachen – also gibt es von mir volle fünf Kokosnüsse.

Einziger Kritikpunkt – die Autorin, Hermien Stellmacher muss dringend an ihren Adjektiven arbeiten – und d.h. in aller Regel: STREICHEN. Und zwar nicht in Farbtönen … davon gab es schon zuviele. Das war aber das einzige, was mir am Schreibstil nicht gefallen hat.

Hier nochmal die Daten:

Hermien Stellmacher

Cottage mit Kater

Veröffentlicht 2015 im  inseltaschenbuch-Verlag

Gelöste Aufgabe 16 – Frauenroman

Shop around the world – Desserts

Mm – I am an expert of desserts. We had one going fabulously wrong last time we cooked here, a wine-egg-cream … That is what counts as expert these days, non?

My sister came up with this little gem, mixed and quick, nothing for a formal dinner, but good enough for an average dessert:

serves 2 or 3

250 g quark/curd/junket (whatever you call it, we use the 20 % variety, there is a more fat-containing variety) – about 0,60 €

one tin/can of mandarine slices with sugary water – 0,85 €

one cup of vanilla cream pudding – 200 g – 0,89 €

That is all folks, you open the tin/can, you throw it all together in one big bowl, you stir till it a homogenous mass (not mess …)

And it costs 2,34 € – 2,83 $

The unsweetened quark takes some of the sweetness from the ready made vanilla cream pudding and the sugar water from the mandarine, so it is sweet, but less sweet than the mandarines or the pudding alone. And the mandarine have a nice slightly sour zing. So it is fruity and sweet and creamy – what is not to like?

You do not have to cook, you do not have to cut anything – ideal for Phenny’s „mom“* who is slightly under-skilled in the kitchen department. And I am no Bocuse myself as you can see from my confession at the start of this post.

*You know who you are …

Oneword

Wer kennt sie nicht, die kleinen Schreibübungen, die sich im Englischen Creative Writing gern hinter dem Ausdruck „Writing Prompts“ verbergen. Und wer von denen, die gern schreiben, hat nicht schon ganze Listen gelesen und sich inspiriert gefühlt, ohne auch nur für einen Eurocent Tinte zu verschwenden/ die Tastatur zu malträtieren, „weil man ja keine Zeit dafür hat“?

Nun, beim Story-Reading-Ape blog bin ich auf eine Seite gestoßen, die täglich EIN Wort als Writing Prompt präsentiert – und ein Formular, in dem man innerhalb von sechzig Sekunden ein paar Sätze dazu schreibt. Niemand erwartet einen Roman in der Zeit, niemand erwartet eine ganze Geschichte. Aber es ist auch sehr wenig Zeit, um Fehlerkorrektur zu betreiben. Danach kann man seinen Text auf der Seite speichern. Oder auch nicht. Man kann ihn kopieren und ich tu das zusätzlich, und speichere ihn in einem Textverarbeitungsprogramm ab, das ich mir gestern „for free“ heruntergeladen habe – LibreOffice. Der Nachfolger von OpenOffice, das es allerdings immer noch gibt.

Gestern gab es das Wort „Chill“ – heute war „typical“ an der Reihe.

Nein, man gewinnt mit dem, was man da schreibt keinen Nobelpreis für Literatur. Man ist allerdings täglich dabei, seine „Schreibmuskeln“ zu trainieren – und das in meinem Fall erschwert auf Englisch. Wer es lieber auf deutsch schreiben möchte, kann das ja gern in Eigenregie machen. Das Schöne ist halt, es dauert nur knapp zwei Minuten. Aufrufen, schreiben, abspeichern und kopieren. Die Zeit hab ich. Um wieder schreiben zu wollen und schreiben zu üben, ist es prima.