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Satire wird mal wieder von der Realität überholt

DAS hier:

 

Und jetzt musste ich das hier im Guardian lesen.

Es ist Zeit meine Koffer zu packen, die Erde anzuhalten und auszusteigen.

 

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Vorbesitzer

Dieser Artikel im Guardian ließ mich mal wieder nachdenken. In diesem Falle über die Frage: Was ist in dieser Wohnung schon alles passiert.

Alle unter Euch, die nicht nur in Neubauten groß wurden, kennen diesen Gedanken – oder verdrängen ihn erfolgreich – je nach Gemüt.

Aber dieses Haus ist 1929 gebaut (oder 1939, wenn meine Nachbarin unter mir recht hat, aber ich bezweifle das, weil die anderen Häuser hier drumrum alle um die 1929/30 sind) – und damit 90 Jahre alt – oder 80. Und in den 1930ern sind Leute noch öfter daheim gestorben und Kinder daheim geboren worden und an Kinderkrankheiten verstorben.

In das erste Jahrzehnt dieses Hause fiel auch der Beginn der Nazi-Zeit. Wieviel Hitler-Wähler wohnten an dieser Adresse oder gar in dieser speziellen Wohnung?

Oder wohnte hier eine jüdische Familie oder SPD-Wähler, die in den Jahren ab 1933 immer größeren Repressalien ausgesetzt waren?

Vor diesem Haus gibt es jedenfalls keinen Stolperstein.

Polizeieinsätze hab ich ja schon in diesem Blog geschildert … aber vor mir wohnte hier eine ältere Frau – also, noch deutlich älter als ich. Dass hier ähnlich interessante Geschichten in meiner Wohnung stattfanden wie bei der Autorin des Artikels halte ich für unwahrscheinlich. Allerdings nicht ausgeschlossen. Und ich vermiete ja auch nicht über AirBnB.

Allerdings hab ich den Verdacht, dass mein Vermieter die Wohnung neben mir für Kurzzeitmieter nutzt! Dort ist nämlich manchmal LICHT an, nur an wenigen Tagen hintereinander, dann ist die Wohnung wieder leer und verwaist. Und es klebt immer noch der Name der Vormieterin auf der Klingel … am Briefkasten dagegen ist KEIN neues Namensschild.

 

 

 

Schwabengene

Ich muss mich jetzt outen: Ich bin von einem Urgroßvater her Schwäbin. D.h. ein Achtel von mir ist Schwabe. Und ich fürchte, das Sparsamkeitsgen gehört dazu. In seiner übersteigerten Form.

Woran ich das gerade jetzt fest mache?

Ich musste gestern zur Apotheke und habe das genutzt, um auch gleich in den Supermarkt zu huschen (ist bei mir ja alles ums Eck). Lebensmittel einkaufen ist ja gestattet, auch wenn man krank ist. Und wie ich so die Region von Obst und Gemüse verlasse, komme ich am Tchibo-Stand vorbei, wo ich Pantoffel in meiner Größe fand.

Nun sind Pantoffel nicht ungewöhnlich, aber in meiner Größe (42) eher selten. Normalerweise gehe ich trotzdem dran vorbei. Nur – vorletztes Jahr hatte ich nach über 20 Jahren treuer Dienste meine Papillon-Korksohlen-Latschen entsorgen müssen und mir im August 2017 ein neues Paar mit Korksohle gekauft, allerdings von einer Nicht-Marke … und die waren mir schon vor Weihnachten unter den Fersen weggebröselt. Nun … ich hatte da noch ein altes Paar Filz-Latschen rumstehen … sehr geschmackvoll – fanden jedenfalls die Motten. Und die mussten es dann trotz der Auflösungserscheinungen tun, weil die Sohlen ja noch ok waren.

Ich wollte die ganze Zeit dieses Gelumpe ersetzen. Aber ich war auch nicht bereit, dafür in die Stadt zu fahren und dort richtig Geld in die Hand zu nehmen.

Tadaa – hier nun meine neuen Hausschuhe:

https://www.tchibo.de/hausschuhe-p400120183.html

Für den ruinösen Preis von 7,99 – immerhin habe ich nicht die für 6,00 Euro genommen. (Die waren nicht da und ich weiß auch nicht, ob die Größe 41/42 gehabt hätten).

Was ist daran sparsam? Ich HABE immerhin neue gekauft … ABER ich hab eben auch gut drei Monate gewartet, bis ich es getan habe – und ich habe dieses Mal eben deutlich weniger ausgegeben als das letzte Mal. Und die Bestellung dieser Schuhe erfolgte im Auugst 2017 – die haben also nur 1 1/3 Jahre gehalten. Jetzt bin ich gespannt, wie lange es diese Dinger tun. Wenn diese nur ein Jahr halten, waren sie ihr Geld auf jeden Fall wert.

Und daher war noch Geld übrig für ein Katzenbuch. Das mich den ruinösen Preis von 0,63 Euro kostete – plus circa das Fünffache an Porto und Versand …

 

 

Zufall? So steht es geschrieben

Ich war heute beim Arzt – und musste erstaunlicherweise mit vier anderen das Wartezimmer teilen. Einer davon hatte eine andere, dunklere Hautfarbe als ich.

Soweit, so gut.

Und dann schau ich gerade auf der Webfail-Seite nach lustigen Memes:

http://de.webfail.com/3e145acd6bd?tag=image

War dann doch nicht dazu verdammt, zu warten bis sich meine Hautfarbe verdunkelt. Weil – ich einen Termin gemacht hatte. Kleiner Anruf, große Wirkung.

Buch 2/2019 – wieder ohne Challenge

Ich habe mich durchgerungen und The Remains of the Day von Kazuo Ishiguro beendet. Warum durchgerungen? Der Erzähler war unsympathisch. Das Problem mit einem unsympathischen Erzähler ist, dass er/oder auch sie in anderen Büchern/ die Figur ist, an deren Sichtweise wir teilhaben, durch dessen Augen wir die Welt sehen – und wenn es eine Ich-Perspektive ist oder eine nicht neutrale dritte Person-Perspektive, dann erfahren wir auch die Gedanken. Sicher, das Buch wäre sehr kurz gewesen, wenn die Gedanken von Stevens nicht geschildert worden wären! Aber angenehm ist es nicht, wenn man die Welt „in“ Stevens erlebt.

Stevens kommt in seiner Unfähigkeit, andere Leute einzuschätzen, schon eher autistisch daher . Er hat wenig Einfühlungsvermögen hat er, wenig kann er andere Leute verstehen und wenig nur ist ihm Humor geläufig. Für einen Butler, der als Vorsteher eines größeren Haushalts eine Menge Personal zu dirigieren hat, der sowohl Wünsche der Gäste seines Dienstherrn vorher zu ahnen hat wie auch Zwistigkeiten im Personal unterbinden muss, ehe sie sich richtig zeigen und damit die Arbeit im Haushalt stören, zeigt sich der Held der Geschichte erstaunlich frei von sogenannten People Skills.  Und das bereits nach mehreren Jahrzehnten in dem Beruf. Wie er es zum Butler geschafft hat, weiß ich nicht.

Dementsprechend ist seine Schilderung seines Tuns auch voll von Fremdschäm-Momenten. Wenn ihn der neue Herr des Hauses aufzieht, nimmt er ihn wörtlich, als wäre er ein Kind, das noch nie davon gehört hat, dass nicht jedes Wort ernst gemeint ist. Besonders kommt dies zutage in den Szenen mit der zur Zeit seiner Reise ehemaligen Haushälterin, die verheiratet in Cornwall lebt. Ihm entgeht völlig, dass Miss Kenton an ihm Interesse hat, was dazu führt, dass diese an einem wichtigen Abend (upstairs) ihm vom Antrag eines anderen Mannes berichtet, über den sie noch nachdächte … und der Esel merkt nicht, dass sie nur darauf wartet, dass er sie bittet, zu bleiben und seine Frau zu werden. Dies ist bereits ein sehr später Moment im Roman, aber es ist eine Rückschau, daher gestatte ich mir diesen „Spoiler“. Bereits am Anfang des Romans wird klar, dass aus Miss Kenton Mrs Benn wurde. Ich habe daher nicht wirklich etwas verraten.

Eine andere peinliche Szene war es dann, die mich wochenlang zur Pause zwang: Er bleibt mit dem von seinem Arbeitgeber geliehenen Wagen liegen, wird von freundlichen Leuten aufgenommen und die halten ihn wegen des Wagens und weil er so sauber und adrett gekleidet ist (mit der Ausnahme seiner Hosenaufschläge, da er durch den Matsch musste) für einen feinen Herrn. Dazu kommt, dass dieser Esel sich selbst seinen Dienst an seinem Lord gern schön redet – und so erwähnte er, dass er Churchill getroffen habe. Die Spannung, wann es denn zur völligen Blamage kommt, war mir unerträglich, zumal er, bevor er diesen Abend schilderte, bereits schrieb, dass er sich blamiert habe.

Er wird dann nicht bloß gestellt, aber am nächsten Morgen, als ihn der freundliche Landarzt zu seinem Auto fährt, wird klar, dass der Arzt ihn durchschaut hat. Er spricht ihn direkt darauf an, ob er ein Diener sei. Dieser Arzt besaß weit mehr People Skills als der Butler …

Für alle, die einen großartigen Anthony Hopkins und eine fabelhafte Emma Thompson sehen wollen, ist der Film sicher ein Vergnügen, aber als Leser*in (HALLO – inhannover wird doch jetzt ge-genderstern-t) war das Buch nicht angenehm. Helden eines Buches müssen nicht fehlerfrei sein, nein, dürfen es sogar nicht – schließlich wollen wir in guten Büchern eine Entwicklung beobachten. Aber Stevens ist mit Fehlern behaftet von der ersten bis zur letzten Seite. Er glaubt auch zum Schluss noch daran, dass er Humor lernen könne und hält es für eine moderne Entwicklung – wobei er uns selber eine Szene aufschrieb, in der bereits 20 Jahre vorher Humor dazu benutzt wurde, ihn zu demütigen. Das gelang allerdings nicht – weil Stevens gegenüber seinem Dienstherrn und dessen Gästen die Demut in Person war. Man kann jemanden nicht demütigen, indem man sein Nichtwissen aufzeigt, wenn dieser jemand nicht seine Aufgabe darin sieht, dieses Wissen zu besitzen.

Ishiguro zeigt aber auch auf, welche Sorte Mensch damals die Herrenhäuser in England bewohnt hat – und es jetzt wieder tut, nur oft ohne Titel …

Die Verbrechen der Nazis werden nie ausdrücklich erwähnt, aber schweben über jeglicher politischer Einflussnahme des vormaligen Arbeitgebers wie ein Damoklesschwert. Denn der Dienstherr von Stevens war ein Faschistenfreund. Er pries wie wunderbar die Faschisten ihr Land in Ordnung gebracht hätten und dass Demokratie überlebt sei …

Stevens Loyalität zu diesem Mann, mit dessen politischen Ansichten er sich nur am Rande näher auseinandersetzt – und dann auch eher mit einem „naja, er hat sich halt vertan“, ist der Hauptgrund des Fremdschämens.

Dieses Buch hat auch wegen der Tendenz, immer wieder schon anzudeuten, wie etwas ausgeht, mich nicht so gut unterhalten, wie ich es erhofft habe. Ein Buch muss mich nämlich vor allem überraschen. Dann darf es auch ruhig eine Tragödie sein. Diese Tragikomödie dagegen war nur in der Szene überraschend, an der ich gestockt bin.

Daher von mir nur, Booker-Preis und Nobelpreis hin oder her, ich bin ja kein Profi-Preisrichter, dies ist eine sehr persönliche Einschätzung, ich lese nun mal nicht gerne Bücher, in denen ich „in einem Esel“ stecke – also wohlwollende 2 bis 3 Kokosnüsse.

The Remains of the Day, Kazuo Ishiguro (europäische Schreibweise, der Autor ist japanischer Herkunft aber Brite), 1989, 245 Seiten, Englisch, Verlag Vintage Books (zu Random House gehörig).

Und ja, ich weiß, ich werde jetzt ganz viele Ishiguro-Fans beleidigt haben. Nein, ich schrieb MEINE Reaktion zu diesem Buch. Es sagt nichts aus über Ishiguros Stand als Künstler. Doch jeder hat so seine Präferenzen beim Lesen. Ich bin mal wieder von „Großer Literatur“ enttäuscht worden. Und Leute wundern sich, warum ich so viel Genre lese …

 

 

Good bye Johnnie

Heute Abend mal aus gegebenem Anlass mit Musik:

Cheerio – Cheerio

Goodbye Johnnie, goodbye Johnnie

schön wärs mit uns zwein

aber leider

Du musst weiter

Deiner Tour hinterdrein

Goodbye Johnnie, goodbye Johnnie

Ich mach’s dir auch nicht schwer

Du fährst weiter

Immer weiter

Ist der Bus auch ganz leer

Ich – beim Anblick des davon fahrenden Busses. Da werd ich immer so sentimental – mir wird da Hans Albers …

Und für den, der zu jung ist, um das zu kennen:

West Side Story

Heute konnte ich mich endlich wieder in der Öffentlichkeit aufhalten – und habe mit Freunden, die mich eingeladen hatten (Geburtstagsgeschenk), West Side Story gesehen.

Die eigentliche Maria konnte nicht singen (Stimme war von einem Virus ruiniert) – aber sie hatten eine Künstlerin aus Berlin geholt, die sang (fürs Publikum am Rande sichtbar), während die eigentlich vorgesehene Sopranistin spielte.  Derzeit haben sowohl die Staatsoper unter den Linden wie auch die Komische Oper in Berlin West Side Story im Spielplan, daher bin ich mir nicht ganz sicher, welche Sängerin aushalf. Aber es war jedenfalls sehr, sehr gut gelungen!

Sie sang den tragischen Helden von Bersteins Romeo und Julia Geschichte in Grund und Boden. Nicht, weil sie nicht auch leise Töne konnte, sondern weil der Sänger einfach nicht mithalten konnte – zumindest hatte ich diesen Eindruck am Anfang. Später wurde es besser.

Gerade aber das erste Duett ging eindeutig für die Sängerin aus (ob das bei der Originalbesetzung auch so gewesen wäre, weiß ich nicht).

Die Geschichte sollte bekannt sein, sie ist auch bei Wikipedia nachzulesen. Was mir besonders gefallen hat – man hat sich sehr zurück gehalten bei den Gewalt- und  Vergewaltigungsszenen.

Aber  – man hat den Text der Lieder etwas geändert – zumindest den von America!

IN dieser Inszenierung singt eine Puertoricanerin vom Heimweh und dass sie in Puerto Rico in Luxus leben möchte … und im Original singt eine junge Frau davon, dass sie gern in Amerika lebt – während eine Männerstimme einwirft, dass auch in Amerika nicht alles Gold ist, was glänzt.

Die anderen Lieder kenne ich nicht gut genug, aber bei diesem fiel es mir auf, auch weil ich in der Schule die Originaltextversion kennen lernte.

Nichtsdestotrotz hat sich das Stück vier von fünf Kokosnüssen auch in dieser Inszenierung verdient. Die Musiker waren so gut, dass die Musik in der Handlung stimmig war – Musical-Musik ist immer dann am besten, wenn sie natürlich in die Handlung einsinkt … Eine Musik, die herausragt, ist ein „Störfaktor“.

Die Tanzszenen haben mir besser gefallen als der Gesang des Hannoverschen Helden … Es ist bei einem Musical ja nun mal so, dass man schauspielern können muss, dass man singen und tanzen können muss. Dass nicht alles drei in bester Qualität vorliegt, ist kein Verbrechen.

Ich bin jedenfalls glücklich aus dem Theater heraus gegangen.