Heute am Straßenrand

Donnerstags ist hier Altpapierabfuhr. Gestern in der Zeitung: Aha: Altpapier ruiniert das Stadtbild. Das Altpapier werde „Zu jeder Tages- und Nachtzeit“ an die Straße „geschmissen“ … Lose natürlich.

Später im Artikel:

Aha hat zu Jahresbeginn die Bedingungen für Sammlung angezogen, Mitarbeiter sollen kein Altpapier in Kartons mehr mitnehmen, sondern nur noch solches in Tonnen und Blauen Säcken. Gleichzeitig wurde der blaue Sack kostenpflichtig.

Ähem … wie kommt’s, dass jetzt immer mehr Altpapier lose bereitgestellt wird? Kann es sein, dass dieselben Bürger, die (falsch) die blauen Säcke als billige Mülleimerbeutelalternative angesehen haben, sich nun weigern, Geld für die blauen Säcke auszugeben?

Was wir als nächstes sehen werden, ist noch weniger sortierter Müll – dann werden die Restmülltonnen voll damit sein. Das bringt Aha dann zwar wieder Geld, aber eben auch kein gesammeltes Altpapier mehr.

Und was die auf Wertstoffinseln bereitgestellten Altpapiercontainer angeht – hier gibt es im ganzen Umkreis von drei Straßen NUR einen Container. EINEN – und gestern habe ich diesen vom Bus aus gesehen – an dem stand – lose bereitgestelltes Altpapier (also, Kartons) … Ja, Aha, Ihr könntet auch einfach zugeben, dass Ihr mit den kostenpflichtigen Säcken ein Eigentor geschossen habt.

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Heute in den Nachrichten

Auf der Tagesschauseite von heute wurde gemeldet, dass das Handwerk eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes fordere, in dem ein Achstundentag festgeschrieben sei.

Das lese ich mit Erstaunen. Denn mein Dienstherr verlangt von mir als Beamter dass ich jeden Tag 8 Stunden 12 „in der Bütt“ stehe. Die Wochenarbeitszeit ist für Bundesbeamte auf 41 Stunden per Gesetz festgelegt. Unsere Arbeitszeit ist flexibel, ich kann also an manchen Tagen deutlich weniger, an anderen deutlich mehr arbeiten – die Grenzen sind:

Mindestens 11 Stunden zwischen Arbeitsende des einen Tages und Beginn des neuen – sowie maximal 13 Stunden an einem Tag auf der Arbeit anwesend, davon ist eine Pause von 45 Minuten abzuziehen – ich kann also längstens 12:15 Arbeitszeit an einem Tag erbringen.

Was der Staat für seine eigenen Staatsdiener für gut und richtig hält (und ich beschwere mich nicht, klar würde ich auch lieber nur 40 Stunden Arbeitszeit in der Woche leisten müssen, aber ich habe mich inzwischen mit 41 Stunden arrangiert) – kann er das dem Handwerk vorenthalten? Das Handwerk muss dann allerdings auch der Mindestpause zwischen den Arbeitsleistungen zustimmen – denn ein Beschäftigter braucht Ruhezeiten. Schlafen, Hygiene, Einkäufe und Essen – da sind 11 Stunden schnell rum mit!

Und – das Handwerk darf dann nicht noch zusätzlich fordern, dass der Arbeitnehmer auch nach Arbeitsende noch unendlich erreichbar ist.

Beides geht nicht. Entweder – kein 8-Stunden-Tag – dann ist aber auch gut mit dem Verlassen der Arbeitsstätte. Oder – 8-Stunden-Tag – und ebenfalls geregeltem Sonder-Arbeitseinsatz (klar braucht ein Klempner Leute in Rufbereitschaft …)

Deutsche Arbeitnehmer sind einsichtig, der Arbeitgeber muss auch sein Geschäft am Laufen halten können. Aber der Mensch ist keine Maschine, er braucht Ruhezeiten, er braucht ungestörte Familienzeiten, schließlich will der Arbeitgeber in nächster Generation sozial kompetente Arbeitnehmer, er braucht Zeit, den Nicht-Arbeitsalltag zu absolvieren.

Außerdem – die Wahrheit ist doch – die meisten Handwerksbetriebe haben ihre Arbeitnehmer schon lange nicht mehr im reinen 8-Stunden-Modus. Da wird die Saison ausgenutzt und zu anderen Zeiten abgefeiert. Weil es sinnvoll ist.

Spät kommt sie – aber mein erstes Buch für 2018 hab ich nun auch gelesen

Wieder mal wollte ich an der Buch-Challenge von Daggi teilnehmen – aber irgendwie habe ich mich nicht so richtig zum Lesen motivieren können. Nun bin ich erkältet, da habe ich mal eben schnell ein dünnes Taschenbuch zwischengeschaltet (eigentlich lese ich gerade eine e-book-Version von Orhan Pamuks Schnee, aber Bildschirm geht gerade gar nicht, blendet tierisch).

Jetzt beendet habe ich: Her Privates We von Frederick Manning. Das Buch stammt aus dem Jahr 1929 und beschreibt die Erfahrungen von Herrn Manning im Ersten Weltkrieg, nur dünn verschleiert durch seinen Protagonisten Bourne. Manning war Australier, der aber in Großbritannien lebte und auch in der Englischen Armee diente.

In dem Buch finden wir uns an der Seite eines einfachen Soldaten, der eher einzelgängerisch ist, aber die distanzierte Kameradschaft von Soldaten zu schätzen weiß. Das Buch setzt ein nach den blutigen Tagen von der Somme Juli/August 1916 und endet im November.

Letztes Jahr begann ich meine Leserei mit Poilu, dem Tagebuch eines französischen Ersten Weltkriegsteilnehmers. Dieser Roman nun (eine nur dünn verhüllte Autobiographie mit fiktivem Ende) erinnerte mich stark an dieses Tagebuch. Von Im Westen nichts Neues dagegen kenne ich (meine ich) nur den Film (und wenn ich das Buch doch gelesen haben sollte, ist das schon viele, viele, viele Jahre her). Aber ich habe den Eindruck, als wenn Remarque sehr viel mehr Fiktion geschrieben hat.

Es gab auch etwas, das mir an Her Privates We nicht gefiel – immer wieder gleitet der Held Bourne in philosophische Betrachtungen des Kriegs ab – und genau dann scheint er den Krieg zu glorifizieren. Für mich ist Krieg jedoch die Kapitulation des Intellekts vor der Gewalt.

 

Neues Buch

Ich brauche mal wieder einen Regency-Romance Kickstarter,  weil ich dieses Jahr noch gar nicht gelesen habe. Also habe ich mir einen Barbara Metzger auf meinen Laptop geladen, The duel. Gute Wahl.

Ich habe gerade nur die zwei Voranstellungen zum ersten Kapitel gelesen, und schon gelacht:

„Honor is everything to a man“

Anonymous, On the Nature of Marriage

„Pride is everything to a man. He is just too proud to admit that, so he calls it something finer.“

Anonymous’s wife

Diese „Zwiesprache“ hat die Autorin über alle Kapitel gesetzt – immer wieder der Mann die Ehre und das rationale Denken der Männer feiernd – und die Frau das Ganze hinterfragend.

 

Ich freue mich aufs Wochenende!

Gerade in der Werbung

Ich mag die neue Werbung eines Bodenstaubwischers (Ihr wisst, welches Produkt ich meine, nicht wahr, auch ohne dass ich den Namen erwähne).

Da ist eine junge Frau, die sich darüber äußert, dass sie mit ihren Haustieren viele Haare in der Wohnung hätte. Und dann greift Ihr Kerl zum Produkt und sammelt diese Haare ein. Ohne dass er irgendwie als lustiger Versager daher kommt. Einfach so.

Ich liebe diese Werbung. Nicht wegen des Produkts. Weil hier mal nicht zu den hässlichen Rollenklischess gegriffen wird, die sonst die Werbung dominieren. Keine Hausfrau, deren ganze Lebenserfüllung von der klinischen Reinheit ihrer Böden abhängt, kein Kerl, der nicht weiß, was er zum Bodenreinigen verwenden soll und den Frau auslacht. Sondern ein Kerl, der ganz einfach mal zum modernen Produkt greift. Ohne nun ins Mansplaining abzudriften. Einfach so.

Danke, Werbeagentur.

 

Nachtrag:

Hier ist der Clip:

Congrats USA

You might be shite at the Winter Olympics (ok, you just won a gold medal  in women’s giant slalom, I give you that, you have won 5 gold and 8 medals at all, compared to Germany you are 4 times as big … and compared to the Netherlands, who are only a 20th of your population – you are still shite)

But congrats, you just managed to achieve 18 events with firearms near or in a school. Some where only suicides. Others did no damage, like this one:

  • January 10: A student at Grayson College in Texas accidentally fired a bullet during a gun training session with an instructor. No one was hurt.

But

  • January 20: A Winston-Salem State University football player was shot and killed during an event at Wake Forest University. ONE body
  • January 22: A 16-year-old shot and injured a female student several times at Italy High School in Texas.
  • January 22: Someone in a pickup truck fired at a group of students gathered in front of Net Charter School in New Orleans. One boy was injured.
  • *January 23: A 15-year-old student at a high school in Kentucky shot and killed two students and injured 17 others. TWO MORE BODIES.

And now, today it is 17 more Bodies – that is already 20 in all – and nearly 3 per week. That is how much you love your children. With all the bad rhetoric you give to Ms Merkel and her taking in refugees of which a few misbehaved (less than a percent who came!) – you, America, have a problem. A serious problem. Look at your mirror, long and hard – and ask yourself: Is it normal that I rather risk my children dying than risk to offend the NRA? Is it the only way to go, spreading more and more weapons and messages of hate and neglecting the duty to take care of your vulnerable? Today’s shooter had mental health problems. That was recorded. What did you do about that, America? Yes, right, you expelled him from school. Why help your next of kin – when you can punish him? Oh, it is in the Bible? You did not read that part, did you? You only go on about the OLD testament. But Jesus made a new one, giving us tasks. Be unselfish, be good.

To go and produce more weapons is NOT what Jesus would do.

Go and ask yourself, what WOULD Jesus do, Mr Pence! You claim to be a good Christian? Then follow his words and his example. „Blessed are the peacemakers: for they shall be called the children of God.“ It is not quite what you lot are doing.

Heute in der U-Bahn

Mir gegenüber saß eine ältere Frau, und das wird langsam echt schwer … also, mit dem Ältersein als ich, werde ich doch noch 50 dies Jahr.

Und die zog einen alten Briefumschlag heraus, auf dem sie ein Sudoko aufgemalt hatte, das noch nicht völlig gelöst war und einen Stift -und sie malte akribisch ein weiteres Sudoku-Gitter auf. Dann zog sie ein bereits gelöstes Sudoku aus dem Umschlag und schrieb die Ausgangszahlen hinein, sah aus, als wenn sie ein altes Rätsel aus einer Zeitschrift geschnitten hatte, das schon jemand anderes gelöst hatte. Als ich das sah, fiel mir ein, dass in meiner Tageszeitung, die ich eh nur noch ins Altpapier tun wollte, auch ungelöste Sudokus drin sind. Also packte ich die Zeitung aus, schlug die entsprechende Seite auf und fragte sie, ob sie diese haben wollte? Sie wollte und sagte mit diesem eindeutigen Russlanddeutschen-Einschlag „Vielen, vielen Dank“.

Manchmal ist eine gute Tat auch nur, was man selber übrig hat und nicht mehr braucht, an jemanden weiterreichen, der es noch gebrauchen kann. Es muss nicht immer ein großes persönliches Opfer sein, um jemandem eine kleine Freude zu machen.