Und die Idiotie geht (noch) weiter

Erneut haben ca. 80 bis 100 geistig Verwirrte den Opernplatz als Sammelpunkt genommen. Vielleicht macht das Hannover ja ein Stück sicherer, immerhin war der Platz abgesperrt und man wusste, wo man die Idioten finden würde.

380 – 400 haben sich dagegen aufgestellt – sicher auch keine Kinder von Traurigkeit, denn eine Gegendemo war nicht angemeldet. Die legale Gegenveranstaltung war erneut ein Friedensgebet in der Marktkirche, bei dem aber auch deutlich weniger Teilnehmer als sonst gekommen waren.

Hoffentlich hört der Spuk bald auf – denn wenn jeder mit einer kruden Verschwörungstheorie mit etwas über 50 Gleichgesinnten eine ganze Innenstadt blockieren kann, werden deutsche Städte bald unbewohnbar.

Deutsche Bahn baut

Liebe Deutsche Bahn AG

mir eine “Anwohnerinformation” zu Bauarbeiten in den Briefkasten zu werfen ist so ungefähr das Äquivalent feierlustiger junger Nachbarn, die in derselben Weise eine ihrer Feten ankündigen.

Ihr habt Ende Januar also “Bescheid gesagt, dass es vom Samstag 7.2. bis Mittwoch, 11.2. lauter werden kann”. Das ist eine zivile Geste, ich kann mit Ohrenstöpsel schlafen.

Ich sehe auch ein, dass Eure Bauarbeiten nirgendwo anders stattfinden können als natürlich an den vorhandenen Gleisanlagen. Das ist in Ordnung. Und dass Bauen nicht immer leise ist, ist mir auch klar.

Dass es nachts erfolgen muss, wenn wenige Züge unterwegs sind, kann ich verstehen. Wir sind ja nicht so. Dass wenn Züge passieren müssen, gewarnt werden muss, ist mir auch klar. Was ich mich viel mehr frage ist:

Warum lasst Ihr noch Güterzüge über eine Strecke laufen, die bebaut wird? Es ist auch möglich, wenn eine Brücke unterspült wurde, die Züge woanders lang fahren zu lassen, wie ihr nach der letzten Flut gezeigt habt. Und das sogar über Monate, sogar Ausfälle wurden dann möglich.

Das soll für 5 Tage nicht machbar sein? Denn, würde die Strecke in den bebauten Nächten nicht befahren, würden die in unregelmäßigen Abständen betätigten, sehr lauten Warnsirenen nicht ertönen, die Arbeiten müssten auch nicht unterbrochen werden und alles wäre schneller – und leiser. Die eigentlichen Baugeräusche höre ich nicht, aber die Sirenen haben mich heute Nacht um halb zwei geweckt und am Wiedereinschlafen gehindert. Trotz Ohrenstöpsel. Und erst um 5 kroch ich völlig übermüdet ins Bett zurück, schlief nochmal bis halb 8 (gut, dass mein Arbeitgeber auch späte Arbeitsbeginne unterstützt) und langsam weicht der Zombie-Status aus dem Hirn.

Alternativ – wenn so ein Zug vorbei fährt ist ein HÖRBARES Signal eben nicht ideal – wie wäre es, wenn Ihr ein neues Warngerät einführt, eines, dass vibriert und statt mit Geräuschen mit Lichtshow auf sich aufmerksam macht – ein Armband z.B.?? Bitte, gern geschehen. Der Nächste bitte.

Fat-shaming im Hausfrauen*-Radio

Heute hörte ich mir den Anfang von “Tietjen talkt” an. Zu Gast war Til Schweiger, wenigstens mal ein Name, den ich schon mal gehört hatte. Sonst ist die Redaktion eher darauf bedacht, B-Promis einzuladen.

Ich schlage vor, beim nächsten Mal Siegmar Gabriel einzuladen. Warum? Nun, sie hat ihn völlig unnötigerweise in dieser Sendung verunglimpft. Sie wollte darauf hinaus, dass es unbeantwortete Fragen gäbe, die sich wohl jeder schon mal gestellt habe. Und als Beispiel brachte sie: “Warum nimmt Siegmar Gabriel nicht mal ein paar Kilo ab?”

Nun, Frau Tietjen, dazu habe ich ein paar Dinge zu sagen.

Herr Gabriel ist Politiker, die wählen wir wegen ihrer Parteizugehörigkeit und/oder Sachkompetenz, nicht wegen ihres Aussehens.

Herr Gabriel wird sicher wissen, dass er nicht dem herrschenden Schlankheitsideal entspricht, damit entfällt auch die Notwendigkeit, sich “über ihn lustig zu machen”, weil man ja nur Gutes will und es dem Siegmar (auch bekannt unter dem Spitznamen “der dicke Siggi”) doch endlich mal jemand sagen muss. Und in einem Witz verpackt tut das doch auch gar nicht weh, nicht wahr?

Egal wie man zu seinen Leistungen als Minister steht – sein Aussehen als Kritikansatz zu wählen ist unter aller Kanone – ich bin mir sicher, das ginge besser von einer seriösen Journalistin, stellt sich nun die Frage, ob auch von Ihnen.

Und zum Thema “Warum nimmt man nicht mal eben ein paar Kilochen ab?” – Sie wissen schon, dass für 95 % aller Probanden, die sich einer Diät unterziehen, das ganze mit Jo-Jo-Effekt und nur kurzfristigem Erfolg endet? Und bei den anderen 5 % zählen schon 2 Kilo, die ein Jahr unten bleiben, als Erfolg. Und glauben sie mir, ich habe eine Gewichtsklasse mit Herrn Gabriel – da sieht man 2 kg nicht! Selbst wenn er also ein paar Kilochen abgenommen hätte, würden sie immer noch diesen Spruch zur Erheiterung eines schlanken Schauspielers bringen, weil sie einfach nicht wüssten, dass Herr Gabriel 2 kg abgenommen hat. (Wie gesagt, damit wäre er schon bei den 5 % , die überhaupt Erfolg haben.)

Also, das nächste Mal, wenn man einen Witz über Leute macht, die nicht anwesend sind – vielleicht mal vorher informieren und nachdenken. Danke.

*Hausfrauen-Radio? Na, weil die Sendung am Sonntag zwischen 10 und 12 läuft, da ist die Zielgruppe die in der Küche stehende “Mutti” … Sage mir keiner, dass dies eine Zeit ist, in der  überwiegend Männer typischerweise Radio hören.

Ich als Kinderfreie schalte ja auch nur ein, wenn ich Langeweile habe – und noch abwaschen muss – und mich der Gast interessiert.

Der schlechte Witz… (94)…

Ursprünglich veröffentlicht auf Herr und Frau Müller:

Herr MuellerDer Nerd-Witz zum Wochenende.

Präsentiert von Herrn Müller:

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Bunt

Der Abend heute stand für mich unter dem Motto “Bunt statt braun”:

Es drohte sich hier ein Trüppchen breit zu machen, mit dem ich meine kleine Provinzstadt nicht in Verbindung gebracht sehen möchte. Wir sind Hannover, wir sind NICHT Hagida – Hass gegen Islam deutscher Ausprägung – oder so ähnlich.

Ich sprang also um 17 Uhr in eine Bahn vor meiner Behörde, fuhr in die Innenstadt, wunderte mich über die vielen jungen und auch älteren Menschen, die um die Zeit unterwegs waren – und die fast alle mit mir am Kröpcke (unserem zentralen Bahnhalt) ausstiegen. Als ich dann auf die Hauptroute zum Versammlungsort einschwenkte, sah ich, dass sie NICHT zum Versammlungsort von Hagida wollten – sondern wie ich, die Hannoversche Marktkirche anstrebten. Kirchen waren schon 1989 der Zuflucht derjenigen, die sich nicht als schweigende Mehrheit vereinnahmen lassen wollten. Die Hannoversche Marktkirche konnte ich nicht betreten, ein großes Plakat wurde hochgehalten: Kirche überfüllt. Immerhin hatte ich es bis zum Eingangsportal geschafft. Vom multireligiösen Gebet bekam ich nichts mit, aber ich sah die Hannoveraner um mich:

Alte (sicher schon bis 80) und Junge (wenige Wochen alt), Frauen und Männer, Studenten, Gewerkschafter (davon viele, die hatten das organisiert), Rentner und Beamte, Atheisten, Christen, Juden und Muslime (rein alphabetische Reihenfolge, keine Wertung), Deutsche und Ausländer, die kaum deutsch sprachen, verschiedenste Hautfarben, Singles wie ich, die allein dorthin kamen, Paare, verheiratet oder auch nicht, Familien (in den verschiedensten Formen), Witwer und Witwen, Freunde. Geistliche, Weltliche, Laute und Schweigende, Plakatträger und die, die einfach nur ihre Fäuste in den Taschen geballt hatten.

Es dauerte gefühlte Ewigkeiten, bis sich die Massen zum Versammlungsplatz in Bewegung setzten. Dort bekam ich nur noch die letzten Redner mit – aber das machte nichts. Das Zeichen war gesetzt.

Wir haben sie im Verhältnis von (nicht mal) 1 zu 85 übertroffen:

Hagida<200, Gegendemonstranten ungefähr 17.000. Zur gleichen Zeit gingen im wesentlich größeren München 20.000 auf die Straße mit dem gleichen Ziel:

Toleranz und Integration, nicht Ausgrenzung und Monokultur. Auch in Leipzig wurden die ca. 1000 von Demagogen verhetzten und die Rechtsextremen bei weitem durch die Gegendemonstranten (30000) übertroffen. Nur Dresden … was soll ich sagen? Mehr als sonst, sagen die beim Heute-Journal. Dresden, du lernst es nimmer. Bleibst ein Außer-Raum-Dresden …

 

 

Gemahlener Pfeffer

Ich fürchrte, gestern habe ich keinen Pfeffer aus der Mühle gehabt, sondern vorgemahlenen Pfeffer, der einen Teil seiner Schärfe bereits verloren hat.

Gestern war Kabarett-Abend. Ich bin mit meinem kulturellen Begleiter ins Theater am Aegi gegangen, dort gastierte die Leipziger Pfeffermühle. Ich habe die Truppe bereits einmal gesehen – als sie in München bei der Lach- und Schießgesellschaft gastierten. Damals wie heute habe ich mich trefflich amüsiert. Aber es gab einen gewaltigen Unterschied.

Damals war der Spaß wesentlich bissiger, der Pfeffer war sozusagen grob gemahlen und hin und wieder wurde man mit einem ziemlich scharfen Stück konfrontiert.

Ich bin eigentlich ein großer Fan von ostdeutschen Kabarettisten, die wesentlich pointierter und schärfer zu Gesellschafts- und Politik-Kritik ausholen. Leider wurde ich darin gestern enttäuscht. Man kann sicher viel über die Bundeswehr lästern und die neue Verteidigungsministerin hat mit ihrer ERSTEN Forderung, nach mehr Kindertagesstätten, sicher Humorstürme ausgelöst. Nur – das ist schon lange her. Seither ist bei der Truppe einiges andere daneben gegangen. Immer noch wird aber vor allem auf Frau von der Leyens Familienfreundlichkeit herumgeritten. Als Quasi-Ex-Insider weiß ich, dass die Ministerin dabei vor allem durch in diesem Fall die Einseitigkeit des Presse-Interesses schlechter weg kommt als sie es verdient. Oh, nicht, dass Mutti Uschi nicht Kritik verdienen würde. Ob die Familienfreundlichkeit der Truppe wirklich als erste Maßnahme sein musste .. darüber kann man trefflich streiten. Aber Frau von der Leyen ist nun schon ein paar Tage im Amt – und es gab wesentlich größere Baustellen, die nur nicht so witzträchtig sind. Von Kabarett erwarte ich aber mehr als den Easy-Witz, der ist der Comedy vorbehalten.

Angela musste gleich mindestens dreimal im Programm herhalten -nun, das könnte man doch als Politik-Kabarett sehen? Nein, leider nicht. Es erreichte nicht die Tiefe, nicht die scharfe Überspitzung, nicht den BISS, den ich von politischem Kabarett erwarte. Stattdessen wurde ihre wohlbekannte Raute imitiert (und das auch noch schlecht), wurde darüber gelästert, dass alle in der Kritik stehenden Politiker, denen sie ihr VOLLSTES VERTRAUEN aussprach, nach wenigen Tagen abgesägt waren (Warum eigentlich hat Frau Merkel niemals Herrn Putin ihres vollsten Vertrauens versichert? – Aber nicht mal diese Frage wurde gestellt.)

Generell wurde in dem Programm ein Thema wiederholt und wiederholt – Ja, Deutschland hat ein Generationenproblem. Aber wie sieht es denn mit anderen Sachen aus? TTIP irgendjemand? Aber nein, dazu hätte man sich ja damit auseinandersetzen müssen. Stattdessen wurde ziemlich platte Anti-Reichtum-Prop gemacht. Jemand hat Geld? Dann ist er automatisch der Böse. Das war zu billig. Und ich bin nicht mal selber reich. Also eigentlich Zielpublikum für Neidpolemik.

Dass nicht mal eine winzige Zugabe den Cartoonisten von Charlie Hebdo gewidmet wurde, hat mich auch ein wenig enttäuscht – schließlich lebt man vom selben Zweig: Gesellschaftskritik.

Alles in allem, ja, ich habe mich zwei Stunden amüsiert – aber ich war enttäuscht. Wenn man politisches Kabarett liebt, war dieser Abend um Längen zu flach. Wenn man nur ein paar schnelle, billige Lacher wollte, haben die fünf (zwei Musiker und ein Kabarettisten-Trio) geliefert.

Diese fünf waren jedenfalls nicht Charlie Hebdo.

Von fünf Narrenkappen gibt es daher hier nur zwei. Ein Teil des Abzugs davon auch, weil ich weiß, dass sie mal besser konnten. Ist aber schon ca. 20 Jahre her, dass ich sie in anderer Besetzung gesehen habe.

 

Ausgepackt

Erstmal die Lösung vom gestrigen Rätsel:

Egal ob “Krippe”, “Krippenszene”, “Heilige Familie” oder “Stall in Bethlehem” – alles geht, ist ja schließlich Weihnachten.

Und ansonsten – mein Umweltgewissen schlägt – in meiner Küche stapeln sich die Gelben Säcke (für Leute aus anderen Ländern, die hier mitlesen: Abfallsäcke für Umverpackungen) – ja ich bin bereits bei der MEHRZAHL angekommen.

Zum einen wäre heute Abfuhrtermin, der natürlich ausfällt. Und zum anderen kam durch das Fest natürlich einiges dazu. Egal ob eingeschweißte Bücher, Weihnachtsbaumnetz (aber ohne krieg ich den Baum nicht mit dem Bus hierher) oder Umverpackungen um die Lebensmittel – die Mehrheit der Sachen, die in diesem Haushalt konsumiert werden, ist verpackt. Da hilft auch nicht das eine oder andere Pfandglas Joghurt, die gelegentliche Pfandflasche für Saft oder lose Ware von der Käsetheke. Plastik aller Orten. Und was machen wir mit soviel Müll? Ich stecke die Kunststoffe natürlich in den Gelben Sack, wie auch die Weißblechdosen oder eventuell vorhandene Alufolie (glücklicherweise der kleinste Teil).

Papier stapelt sich hingegen in meinem Abstellraum (früher mal euphemistisch als Arbeitszimmer bezeichnet) – denn was ist ein Geschenk ohne wenigstens einen Hauch von Geschenkpapier – da geht noch was, Altpapier ist schließlich Rohstoff – HEY ich kann Rohstoffe herstellen! Stellt sich die philosophische Frage, wann wird aus der Zeitung/dem Pizzakarton/dem Toilettenpapierkartonkern/dem Geschenkpapier/… denn Altpapier? Wenn ich das Geschenk ausgewickelt, die Zeitung beiseite gelegt, das letzte Blatt im Bad vom Kern abgewickelt habe? Oder erst dann, wenn ich es INS ALTPAPIER GEPACKT habe? Und sollte ich, z.B. zum Basteln, wieder Papier herausholen (Zeitungspapier oder Karton) – recycle ich dann bereits hier? Wird so mein Abstellraum wieder zum Arbeitszimmer? Fragen über Fragen und es ist noch vor 7 Uhr am Weihnachtsmorgen …

Aber man könnte natürlich auch sein Verhalten ändern.