Buch 27 – 2019

Raymond Chandler – von dem ich vor Urzeiten mal was gelesen habe, habe ich letztens mit drei Büchern im verwaltungsinternen Büchertauschschrank gefunden. Eines davon las ich noch vor dem Jahresende: Playback

Handlung: Philip Marlowe wird auf eine junge Frau angesetzt, von der er ein Foto bekam, die Zugverbindung, mit der sie in LA eintreffen würde und den Auftrag, herauszufinden, wo sie sich niederlässt.

Die junge Frau fährt von LA weiter in einen kleinen Ort, nimmt sich dort einen Mietbungalow, wird von einem schmierigen Typen erpresst, schlägt Marlowe nieder, taucht dann im Nobelrestaurant des kleinen Örtchens wieder auf, dort wird sie von einem Hotelbesitzer vor dem Schmierlappen bewahrt … und Marlowe merkt nach einer kleinen Weile, dass er nicht der Einzige ist, der ihr folgt.

Von seinem Auftraggeber bekommt er keine weiteren Infos, da dieser auch nicht mehr von dem eigentlichen Hintergrund weiß. Und so muss Marlowe entweder das Vertrauen der jungen Frau gewinnen – oder der Zufall ihm zu Hilfe kommen. Letzteres passiert.

Und noch einiges andere … Letztlich sterben zwei Leute, einer wird übel zusammen geschlagen, Marlowe schläft mit diversen Frauen (obwohl er sich als dick und alt beschreibt, ja klar, Chandler) – und am Ende ist das Schlimmste ein Gerichtsurteil, ein übereifriger Ex-Schwiegervater und zwei Erpresser. Wer den  Selbstmord des einen Menschen verursacht hat, bleibt unausgesprochen.

Dieser Roman ist aus den späten 50ern, dem Abgesang der Marlowe-Ära. Und ich gebe auch nur 2 Kokosnüsse, da der Unterhaltungswert eher mau war. Ständig drängt sich Marlowe irgendwelchen Frauen auf, die ihn gewähren lassen, während sich dieselben Frauen gegen andere Männer durchaus zur Wehr setzen … Da spricht für mich viel AlterMann-Traum raus.

Und der eigentliche Fall – ist so lieblos erzählt, so wenig spannend, so wenig der Auflösung bedürftig … da wäre 3 schon großzügig. Daher zwei Kokosnüsse.

Playback

Raymond Chandler

Diogenes-Ausgabe, gefunden im Büchertausch auf der Arbeit

Keine 200 Seiten – glücklicherweise.

Buch 26 in 2019

Der zweite Japan-Krimi. „Ich habe ihn getötet“ von Keigo Higashino.

Ein unsympathischer Autor in seinen 40ern, auf dem absteigenden Ast, will eine junge, erfolgreiche Lyrikerin heiraten.

Die befindet sich in einer inzestuösen Beziehung zu ihrem Bruder. Einer der Hauptverdächtigen, als der Bräutigam zu Beginn der Zeremonie an Gift stirbt.

Des Weiteren gibt es einen Manager des Autors, der ihm Geld schuldete und dem Opfer verübelte, dass sich eine junge Frau seinetwegen umgebracht hat. Eine junge Frau, auf die der Manager selbst ein Auge geworfen hatte.

Dritte Verdächtige ist die gemeinsame Lektorin von Braut und Bräutigam, die selber ein Verhältnis mit dem Autoren hatte und von ihm aufgrund einer anderen ausgebootet wurde.

Wie schon im ersten Inspektor Kaga-Roman wechseln auch hier die Perspektiven munter hin und her, hier allerdings zwischen den drei Verdächtigen.

Die Lösung wird nicht geliefert. Die muss man sich mit den Extra-Hinweisen am Ende des Buchey erarbeiten.

Da mir das nicht zweifelsfrei gelingt, drei von 5 Kokosnüssen.

Ich habe ihn getötet

Keigo Higashino

2002 in Japan, 2017 hier erschienen

Verlag Piper

Toiletten-Un-Humor

Einem Artikel des Guardians zufolge, ist eine neue Toilette für Toiletten am Arbeitsplatz und Öffentliche Toiletten konzipiert worden. Ihr Hauptvorteil – sie lädt nicht zum Verweilen ein. Das Toilettenbecken ist nach vorne geneigt (13 °) und damit nicht wirklich bequem, aber es soll zumindest keine Schmerzen verursachen. Mehr als 5 Minuten auf dem Örtchen sind mit einer unangenehmen Belastung der Beine verbunden.

Dadurch soll die Produktivität der Mitarbeiter erhöht werden. (Und die öffentlichen Toiletten sollen so schneller wieder frei gemacht werden).

Mal davon abgesehen, dass ich nicht allzu viele Leute kenne, die ohne Notwendigkeit länger als fünf Minuten auf dem Sitz einer Toilette verweilen (vielleicht zwei, aber da kann man streiten, ob es Notwendigkeit ist), die nicht ihnen gehört, schließlich ist so ein geteilter Stiller Ort weder still, noch wirklich wirtlich – aber muss ich mir als Arbeitgeber wirklich immer mehr STRAFmaßnahmen einfallen lassen, um die Produktivität zu erhöhen? Was ist denn das für eine Einstellung zum MIT-ARBEITER?

Und außerdem – wenn die Toiletten erst nach 5 Minuten wirken – und der durchschnittliche Brite auf der Arbeit AM TAG ca. 10 Minuten auf dem WC verbringt … wie wahrscheinlich ist es, dass sich diese 10 Minuten verkürzen? Die 10 Minuten sind die GESAMTZEIT am Tag – alle Toilettenpausen zusammen! Ne, ne, außer, sich besonders unbeliebt zu machen, sehe ich nicht so recht den Sinn dahinter.

Weihnachtsfeier ZweiPunktNeunzehn

Gestern tauchte ich, trotz Urlaubs, auf der Arbeit auf, weil wir da unser jährliches Schrottwichteln hatten. Jeder brachte ein weniger geliebtes Staubfängerchen, in Zeitungspapier verpackt, dann wurde gewürfelt:

bei einer 6 (und einer 1, wir hatten wenig Zeit, da wir noch weiter mussten) durfte man sich ein Geschenk nehmen – und als alle versorgt waren, wurde zunächst einmal ausgepackt und die „Schönheiten“ ins Auge gefasst. Dabei waren:

Weihnachtliche Dekofiguren, ca. 15 cm hoch und 20 breit, Kinder auf einem Schaukelreh und einem Schaukelpferd, ein Buch über Knigge in Behörden (wir sind eine), zwei Porzellan-Eier (ein Geschenk), vier Farbwechsel-LED-Glasfiguren im Svarovski-Style (Pinguin, Diamant etc), ein Stapel Videos Doktor Who (auf Englisch) mit einem Buch über Terrorismus, ein chinesisches Stäbchenorakel (das hatte bei mir Staub gefangen, ich hatte es drei- oder viermal benutzt und dann lag es nur noch rum), ein herbstliches Dekoarrangement mit Teelicht, eine Flasche Wein (traditionell hätte es eine Scheußlichkeit wie Amselfelder sein müssen, aber der Kollege kaufte einen spanischen, weil er keinen Tand mehr rumliegen hatte), ein Strickset für einen gestrickten Hund (liebevolles Schwiegermuttergeschenk an die eigene Tochter, die aber HÄKELN angefangen hatte) (jetzt fehlen mir noch zwei, aber das waren dann die weniger spektakulären) …

Jahrmarkt der Scheußlichkeiten …

Dann wurde weiter gewürfelt, bei einer 1 wurde an den linken Nachbarn weitergegeben, was vor einem stand und zwar von allen, bei einer drei durfte man mit dem rechten Nachbarn tauschen, bei einer sechs durfte man einen Wunschtauschpartner auswählen.

Eine Zeit wurde heimlich auf dem Handy eingestellt von einer Anwesenden (wir wollten ja noch weiter) und dann ging das Geschachere auch schon los. Die Dekoobjekte waren besonders unbeliebt, immer wieder dagegen rissen wir uns allerdings alle um den Knigge für Behörden und auch die Orakelstäbchen fanden ihre Fans (vor allem bei den weiblichen Kollegen).

Als die Zeit um war, hatten wir alle etwas vor uns stehen, oder liegen. Ich sah vor mir die Holzfiguren – die ich dann zur weihnachtlichen Dekoration dem Flur spendete … Die Dr Who DVDs hätte ich noch verwenden können – und natürlich hätte auch ich gerne den Knigge gehabt … Aber wartet, nächstes Jahr räche ich mich! Rache ist ein Gericht, dass man am Besten kalt genießt …

Dann brachen wir auf zu unserem nächsten Punkt – Neon-Mini-Golf mit 3-D-Effekten. Im Schwarzlicht gespielt. Lasst uns den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten, wie ich abgeschnitten habe. Immerhin hab ich nicht 126 Punkte gemacht, also, einige Male hab ich sogar geschafft, mit nur 2 Schlägen einzulochen. Es gab 18 indoor-Bahnen, auf jeder konnte man maximal 6 Schläge durchführen. Wenn der Ball dann nicht im Ziel war, wurde die 7 auf dem mitgeführten Zählinstrument gespeichert. Und ja, ich hab ein paar Mal die 7 erreicht. Meine Punktzahl war über 80, ich meine 88 oder so. Ja, ich war die Schlechteste. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht, es hat mich immer wieder gewundert, dass ich manche Bahnen doch noch bewältigt habe. Nicht glorios, aber angekommen!

Anschließend bummelten wir bis zum Weihnachtsmarkt (also bis zum ersten Glühweinstand, wo unsere alkohol-konsumierenden Kollegen sich mit Glühwein aufwärmten) – und dann ging es ab 18 Uhr in eine deutsches Lokal in der Altstadt, Otts. Die einzige Servicekraft hatte mit einem vollen Lokal zu kämpfen, wir warteten eine Weile auf die Karte, wir warteten dann länger darauf, dass wir ein erstes Getränk zu uns nehmen konnten. Dass wir auf das Essen warteten, war in Ordnung, schließlich muss das Essen frisch zubereitet werden. Die Portionen waren gut, zwei Kollegen kämpften mit ihren Schweinshaxen, es gab reichlich Rotkohl für die Leute mit Rouladen und Gänsekeulen und Bratkartoffeln. Ich hatte um 10:30 bei mir zu Hause gegessen und hätte eigentlich mehr Hunger haben sollen, aber mein Appetit war gering, so dass ich mir den vegetarischen Burger bestellte. Gemüse, nicht unbedingt als Patty, mit einer hellen, kräuterhaltigen Sauce und statt Buns gab es zwei Puffer. Allein schon für die Kreativität gab es von mir daher 4 Kokosnüsse. Geschmacklich – vier Kokosnüsse. Optisch – nett dekoriert mit Erdbeere, aber nebendran ziemlich lieblos ein Salatblatt und eine halbe Cocktailtomate … wenigstens wurde der vegetarische Burger nicht in Jus ertränkt, wie die Rouladen oder die Gänsekeulen.

Der Kollege neben mir zur Linken hatte ein Dessert – das sehr lecker aussah, aber ich war wirklich satt. Schokoladenmousse-Pyramide mit Dreierlei-Sorbet.

Wenn es einem nichts ausmacht, dass man schon bei der Ankunft auf einem Schild mit einem „Hier sagt man gefälligst Bitte und Danke“ angeranzt wird … (also ganz so extrem war es nicht, aber nett klang es auch nicht gerade) … mit der Enge leben kann … damit zurecht kommt, dass man manchmal warten muss, bis man nachbestellen kann … dann ist das Otts nicht verkehrt. Ich würde aber, da es direkt beim Weihnachtsmarkt liegt, zumindest im Dezember unbedingt eine Tischreservierung empfehlen – einige Gäste mussten abgelehnt werden, weil es wirklich voll dort war.

So sehen bei uns „Christmasparties“ aus … Kein Saufen bis keiner mehr stehen kann, keine Knutschereien oder Quickies auf der Bürotoilette, keine Kopien des eigenen, unbekleideten Hinterns … Ganz lahm und brav … Aber trotzdem lustig. Sonst würde ich ja aus meinem Urlaub nicht extra dort rüberlaufen.

 

 

Sei kein Arsch (1)

Gerade kam ich die Treppe an der U-Bahn hoch, da schloss der Fahrer meines Busses demonstrativ die Tür und fuhr ein paar Meter vor. Naja, dachte ich, vielleicht hat er ja schon Verspätung. Ich saß dann, nur unzureichend gegen die Kälte geschützt, auf der Metallbank der Haltestelle, und haderte mit meinem Schicksal. Ich hätte mich freuen sollen und getrost sein.

Es hätte ja schlimmer kommen können. Ihr ahnt es, auch ohne dass ich mich freute und getrost war, kam es schlimmer!

Eine Frau schaute nach, wo der nächste Bus blieb, und sie informierte mich, dass dieser eine Viertelstunde Verspätung habe. Das machte aus ca. 10 Minuten Wartezeit plötzlich 25. 😱 Es ist gerade kalt hier! 3 Grad!

Dem nicht warten wollenden Busfahrer sag ich: das nächste Mal wenn die dicke Frau die Stufen hochkeucht, wartest du gefälligst, sonst muss ich leider von deinem Verhalten (verhält sich wie ein Arsch) auf den Menschen schließen.

Buch 25 aus 2019

Michael Booth, The meaning of rice. Dies ist das zweite Buch, in dem der Autor mit seiner Familie einen Ausflug in die Küche(n) Japans macht. Leider hab ich das zu spät realisiert und daher mit den Spezialitäten angefangen. Buch 1 wartet aber auch schon.

Der Autor ist mit seiner dänischen Familie vom Süden Japans bis nach Hokkaido unterwegs, und weil dies seine zweite derartige Tour ist, berichtet er von einer Menge ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Lebensmittel, inkl. diverser Getränke.

Am deutlichsten wird mir wohl die Beschreibung der Natto-Bohnen in Erinnerung bleiben, die nicht gerade zum Testen verlockt: „snotlike texture“ – also eine Konsistenz wie Schnodder. Uhm, Danke, denke ich.

Aber es gab auchSachen, die ich viel ansprechender fand. Und ich wurde bestätigt, es gibt zumindest eine Sorte Sushi die zum Verzehr als Fingerfood gedacht ist.

Für meine anstehende Japanreise nehme ich mit: Sake wird dort zum Essen getrunken wie hier Bier oder Wein. Gasthäuser haben auch 30 Jahre nach Alan Booth noch immer Angst vor gaijin*. Frühstück ist herzhaft. Und Englisch bleibt eine Herausforderung für Japaner.

*gaijin ist das japanische Schimpfwort für Fremde

Japaner streben nach Einheitlichkeit/ Konformität und Perfektionismus in ihren Produkten. Und noch eins: Japan ist ein großes Land. Vielleicht hat man deswegen soviel Abneigung gegen Individualität.

Nun, ich werd es mir doch anschauen müssen.

Michael Booth

The meaning of rice

2017

331 Seiten

4 Kokosnüsse (ich habe schon flüssiger geschriebene Reisetexte gelesen)

Demon in Hannover

Oder eher Demonstrieren in Hannover.

Zuerstmal gab es eine kleine rechte Demo, die gegen bestimmte, namentlich genannte Journalisten ein paar Gewalttätige aufhetzen wollte. Dem braunen Pack gefiel die Berichterstattung nicht.

Und Hannover, ich kenne und liebe meine Stadt, dachte sich, MOMENT MAL – das können wir uns nicht bieten lassen. Sie haben versucht, die Rechten zu verbieten, aber die Verfassung legt da hohe Hürden an, und die Richter gaben dem Antrag der Rechten statt.

Nun, der Hannoveraner an und für sich ist ja nicht so, dass er sich sowas bieten lässt. Also zogen wir mit sehr manierlichen Plakaten los. „Omas gegen Nazis“ trugen ein paar 70- und 80jährige bei sich, „No Nazis“, „Bunt Statt Braun“. Auf meinem stand

„FÜR PRESSEFREIHEIT

Lasst Euch nicht einschüchtern

Wir stehen bei Euch“

Gekommen waren sehr viele, sehr verschiedene Leute, die sich geduldig auch exzentrischere Redner anhörten, die friedlich die Hauptverkehrsader der Südstadt abwanderten und am zentralen Kundgebungsplatz eine ewig lange Abschlusskundgebung aushielten (im kalten Wind). Ok, das war der Zeitpunkt, an dem immer mehr Leute aufgaben … Ich habe von über 80jährigen bis noch nicht mal zweijährigen alles auf den Beinen gesehen, auch drei Hunde zeigten sich, einer trug eine Protestaufschrift.

Wir hörten dann, dass beim Braunen Pack ungefähr 90 bis 110 aufgeschlagen waren.

Bei der Abschlusskundgebung sprachen Onay, der neue OB von Hannover, der Superintendent der Evangelischen Kirche in Niedersachsen und diverse Gewerkschaftsleute. Auch zwei Journalisten waren (auf die Bühne) gekommen, die sich ob der Solidarität wirklich freuten. Die Polizei hatte wenig zu tun, ein paar hitzköpfige Jugendliche waren zu den Braunen durchgebrochen, aber wurden zurück gescheucht und es gab insgesamt 4 Verhaftungen.

So gehen wir in Hannover mit (teilweise zugereisten) Rechten um (man traf sich an einem kleinen Bahnhof …)  Zivilisiert – aber bestimmt.

Nein, nicht IHR seid das Volk, WIR sind das Volk, wir sind viel mehr (über 50fache Übermacht) – und wir lassen uns von Euch lauten Dummschwätzern nicht sagen, in welchem Staat wir zu leben haben! Schleicht Euch.