Punkt, Punkt, Punkt – (18) – Gesundheit

„Bless you“ sagt der Engländer, „Verreck du Aas“ der Deutsche, wenn er nicht gerade „Gesundheit“ sagt (und wir hoffen, er meint den Schnupfen mit dem „frommen Wunsch“), „A vos/tes souhaits!“ hören wir im Westen (direkt übersetzt wäre es wohl so in etwa Alle [guten] Wünsche). In unserer westlichen Gesellschaft ist es weit verbreitet, seinem Gegenüber, das gerade geniest hat, einen guten Wunsch mit auf den Weg zu geben.

Der deutsche Wunsch „Gesundheit“ gilt allerdings erst seit „neuerer“ Zeit als Wunsch für den Erkrankten, er kommt ursprünglich aus der Pestzeit und war früher eher ein „Gott erhalte MIR die Gesundheit!“ Wir sind inzwischen ein wenig sozialer gewesen.

Bis irgend jemand meinte, dass diese Formel jetzt neuerdings unhöflich sei. So Knigge. Diese Haltung konnte sich allerdings nicht durchsetzen. Wäre sonst auch komisch gewesen, in den US wird neuerdings nicht mehr „Bless you“ gewünscht sondern – ja, wir exportieren auch deutsche Wörter in die englische Sprache, nicht nur andersrum – tatsächlich „Gesundheit!“

Meine Antwort auf „Gesundheit“ ist übrigens „Hört sich eher nach Krankheit an, aber Danke!“

Und ein Foto wollt Ihr auch noch? Ist aber eklig, so ein Nieser-Foto. Wollen wir nicht doch lieber drauf verzichten? Danke, ich wusste, Ihr würdet es verstehen. Denn meine Fotos würden eher zum Thema Krankheit passen …

„Gesundheit kann sich auf den einzelnen Menschen beziehen und als Zustand des körperlichen wie geistigen Wohlbefindens oder der physischen und psychischen Funktions- und Leistungsfähigkeit gefasst werden.“ (Wikipedia)

Dann wäre jeder, der mal ‚einen schlechten Tag‘ hat, gleich krank … Und da wir meistens gemischte Tage haben, wären wir alle dauerkrank.

„Gesundheit kann auch als Gegenbegriff zu Krankheit gefasst werden und beschreibt dann den wünschenswerten Normalzustand als Abwesenheit von Krankheit.“ (Wikipedia)

Da stellt sich dann wieder die Frage, was ist Krankheit? Ist auch nicht einfacher.

Ich kann aber wahrscheinlich sowieso nicht mitreden. Ich bin eh chronisch krank, mit meinem Glaukom.

An der Bushaltestelle – Kurzes Update

Heute Morgen, die selbe Bushaltestelle, die selbe Situation – anderer Radfahrer. Das machte einen Riesenunterschied!

Dies war keine junge Frau, sondern ein Mann im mittleren Alter.(Ich denke, dass das Geschlecht weder am Montag noch heute ausschlaggebend war.)

Er pochte nicht auf ein imaginäres Vorrecht der Wegenutzung. Er fuhr langsam, wich auch langsam auf den Bürgersteig aus, hielt an, als es zu viele Buspassagiere wurden. Ohne ein Wort der Beschwerde, ohne ein Anzeichen von Ungeduld.

Kompliment! Ich war begeistert und konnte mich gerade noch stoppen, zu ihm hinzugehen und ihm zu gratulieren.

Es gibt Radfahrer, die KENNEN § 20 (2) S. 3 StVO!

SO wünscht man sich mehr Radfahrer.

Andere Bushaltestelle, eine gehbehinderte Frau (stark eingeschränkte Beweglichkeit) steigt aus dem Bus aus und erreicht den Radweg. Anstatt von dort weiter auf den Bürgersteig zu wechseln, ging sie auf dem Radweg lang. Obwohl der Fußweg zwei Schritte weiter war.

So wünscht man sich Fußgänger natürlich NICHT. Auch Fußgänger, und ja, auch behinderte Fußgänger, können sich wie Verkehrsrowdys benehmen.

An der Bushaltestelle

Gestern war MONTAG – und zwar ein ECHTER Montag – wie Montage so sind:

Ich hätte beinah noch den Bus verpasst (bei einer weniger freundlich gestimmten Busfahrerin hätte ich das auch), musste dem hinterher sprinten, was bei meinen Massen Erdbeben verursacht. Es hätte auch leicht als Versuch, den Bus zu verjagen, gedeutet werden können – und scheint auch gewirkt zu haben – heute kam kein Bus. (Danke ver.di für die gerade nicht sehr passende Gelegenheit, zum Dienst zu laufen. Mein Oberschenkel ist innen bereits aufgerieben, das heilt bei bei längeren „Spaziergängen“ auch besonders gut ab! Und wenn mich das nicht schafft, ist die Kombination aus Schweiß und Temperaturen um 6 bis 8 Grad auch noch da, nicht wahr. Das nennt man Beamte zum „Streiken“ zu zwingen, PFUI! Das ist es nicht, was die Koalitionsfreiheit des GG meint!!)

Dann stieg ich um, wie jeden Morgen. Der Bus hält direkt am Radweg, eine andere Möglichkeit, als umgehend auszusteigen, gibt es für die Buspassagiere nicht. Das sollte auch Radfahrenden klar sein. Diese Buspassagiere versuchen natürlich sofort, den Radweg zu verlassen und der dort befindlichen U-Bahnstation zuzustreben. Auch das sollte Radfahrenden klar sein.

Logische Konsequenz: Wenn ein Bus hält, hält auch der Radfahrer, wartet einige wenige Sekunden, bis die Busfahrenden den Radweg frei gegeben haben und fährt dann entspannt weiter.

Nicht so die junge Dame, die gestern weiter fuhr, genau in den Weg der vom Bus weg strömenden Fahrgäste hinein. Und als ich sie darauf aufmerksam machte, dass sie besser getan hätte, anzuhalten, pampte sie noch rum, dass sei IHR Radweg.

Also, von der StVO hat sie noch nicht gehört:

„(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“

Da die Buspassagiere hier aussteigen MÜSSEN und auch vom Bus weg MÜSSEN, damit die nachfolgenden Passagiere auch aussteigen können, war es an IHR, Rücksicht zu nehmen!

Aber Rücksichtnahme war wohl nicht ihre Stärke. Oder Regeln beachten. Oder Logik Oder alles zusammen.

Oder in anderen, allgemeineren Worten gesprochen – Radfahrende wie sie sind der Grund, warum Radfahrer einen so schlechten Ruf haben … scheinbar scheinen sie der Meinung anzuhängen, für sie existieren keine Regeln.

Ich hätte weitere Regeln aufzubieten:

§ 11  Absatz 3 StVO

„(3) Auch wer sonst nach den Verkehrsregeln weiterfahren darf oder anderweitig Vorrang hat, muss darauf verzichten, wenn die Verkehrslage es erfordert;“

Ich denke, nach meinen obigen Ausführungen kann man hier diesen Fall bejahen. Die Buspassagiere MÜSSEN den Bus umgehend verlassen, da ist kein Abwarten möglich. Daher ergibt sich für die Radfahrende, die EIGENTLICH ein Vorrecht auf ihrem Radweg hat, die Pflicht, die querenden Fußgänger vorbeizulassen.

Jetzt könnte mir besagte Radfahrende natürlich § 14 Absatz 1 vor die Nase halten:

„(1) Wer ein- oder aussteigt, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer am Verkehr Teilnehmenden ausgeschlossen ist.“

Aber wenn ich aus einem Bus aussteige, kann ich nur den gerade vor meiner Bustür befindlichen Radfahrer abwarten, nicht den, der noch von hinten heran kommt.

Freundlicherweise aber kann ich mir die ganzen Ausführungen oben eigentlich sparen, denn es gibt einen Spezialparagrafen für Buspassagiere:

§ 20
Öffentliche Verkehrsmittel und Schulbusse

(1) An Omnibussen des Linienverkehrs, an Straßenbahnen und an gekennzeichneten Schulbussen, die an Haltestellen (Zeichen 224) halten, darf, auch im Gegenverkehr, nur vorsichtig vorbeigefahren werden.

(2) Wenn Fahrgäste ein- oder aussteigen, darf rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in einem solchen Abstand vorbeigefahren werden, dass eine Gefährdung von Fahrgästen ausgeschlossen ist. Sie dürfen auch nicht behindert werden. Wenn nötig, muss, wer ein Fahrzeug führt, warten.

Also – auch der Gesetzgeber sieht hier einen besonderen Schutz für aussteigende Fahrgäste vor – und die Radfahrerin hätte hier gemäß Absatz zwei, Satz drei eine Wartepflicht gehabt! Denn ohne Behinderung der Fahrgäste kam sie hier nicht am Bus vorbei.

So, nun, liebe mitlesende Radfahrer, habt Ihr was gelernt. Die junge Dame wird es wohl nicht mitlesen – daher, weitersagen! Vielleicht erreicht es sie ja sogar. Denn: DIE REGELN der  StVO GELTEN AUCH FÜR UNSERE RADFAHRENDEN FREUNDE.
*Ich habe fast zwei Tage die Luft angehalten, um nicht in der ersten Wut zu schreiben.*

Der Rest der Woche wurde dann auch nicht besser – heute mit dem Streik. Ich bin ja hin- und hergerissen.
Ich bin selber im Öffentlichen Dienst. Ich profitiere vom Abschluss. Natürlich ist da ein kleiner Spaziergang (kostet mich 1 Stunde meines Lebens heute, beide Richtungen) ein kleines Opfer.
ABER – ich bin eben auch KUNDE des Öffentlichen Dienstes, wie wir alle. Ich bin momentan, wie oben erwähnt, gesundheitlich angeschlagen – Danke Großer Vorsitzender für die Erkältung. Ich muss jetzt bei KALTEM WETTER auf meine im Voraus bezahlten Leistungen verzichten und bekomme nichts erstattet, obwohl keine Leistung erbracht wurde. Dass ich keinen Schadensersatzanspruch gegen die Üstra habe, ist mir ja klar – Höhere Gewalt. Aber normalerweise, wenn man eine Leistung nicht erhält, muss man dafür auch nicht bezahlen, es sei denn, man hat die Nichtleistung verschuldet. Das ist hier nicht der Fall. Ich hätte also einen Erstattungsanspruch von 1/30tel meiner April-Monatskarte – das ist kein Schadensersatzanspruch (sonst würde ich Schmerzensgeld geltend machen, s.o.) – aber dass ich zahlen muss, ohne eine Leistung erhalten zu können, wurmt mich.
Mit dem Streik werde also ich als Kunde der Üstra geschädigt, der Arbeitgeber Üstra dagegen merkt es weniger. Keine Lohnkosten für den Tag, kein Strom, keine Treibstoffkosten – die Üstra ist fein raus.
Hier wird also in der Tat der Passagier, der ja KEINEN Einfluss auf die Tarifparteien hat, in seinem Vermögen geschmälert. Kann das sein? Ja, das Streikrecht von ver.di ist ein hochwertiges Gut. Aber kann ich nicht statt bei den Üstra-Leute beim Müll oder statt bei der Kinderbetreuung beim Finanzamt (da vor allem bei der Steuerprüfung, wo richtig Geld reinkommt) streiken? Irgendwo, wo es den Arbeitgeber richtig trifft, weniger die Bevölkerung??
Ja, ich weiß, Polizei darf nicht streiken, die sind nämlich Beamte. Aber die Üstra ist wirklich der falsche Ansatzpunkt. Bestraft werden vor allem Kranke (heute kam mir eine Frau mit Zwillingen und auf Krücken entgegen, weil ihr Bus nicht fuhr), Senioren (beim Arzt kam eine Frau mit Rollator raus – es war der Hautarzt, bei dem man einen Termin auf eigene Gefahr absagt, man bekommt nie wieder einen.) oder Leute, die gerade mit Gepäck unterwegs sein müssen (ein Postcrosser tritt heute seine Reha an – gut, dass er nicht in Niedersachsen zur Kur muss).
Das Allerschlimmste – dies ist „nur“ ein Wanrstreik. Man verhandelt eigentlich noch. MUSS DAS SEIN, ver.di, dann schon die Keule rauszuholen, auf den Esel einzuschlagen und doch nur den Sack zu treffen? Muss man gleich mit Atombomben auf Spatzen schießen? Das ist doch unverhältnismäßig! Zeigt Krallen, aber zerfleischt nicht gleich das unbeteiligte Publikum, nur um Eure Gegenseite zu beeindrucken.

 

Punkt, Punkt, Punkt – (17) Fenstergugger – Ein Blick in fremde Fenster

Heute hat sich Sunny also für uns ein Thema mit Durchblick ausgesucht, bitteschön, damit kann ich dienen:

Ihr seht hier Erinnerungen an meinen Irland-Urlaub 2008 – also auch noch ein Zeitfenster😉

Das eine ist entweder der Rock of Cashel oder Cahir Castle – diese Ir(r)en – kein Dach überm Kopf aber Zierrat am Fenster😛

Das andere ist definitiv vom Rock of Cashel – eher eine Art Schießscharte denn ein Fenster gibt dies den Blick auf eine Farm frei, die mal zum alten Kloster gehörte.

Zum Thema Blumen am Fenster habe ich Euch auch noch ein Foto mitgebracht (ja, ja, erst nicht aus dem Quark kommen und dann gleich zwei Beiträge mit Fotos vollkleistern …)

Blumenschmuck

Wie von Geisterhand schwebt die Rose im Fenster

Dies ist eine Ruine in den Cotswolds, die Oliver Cromwell zu verantworten hat – dieser Teil des Herrenhauses durfte nicht wieder aufgebaut werden. Nun wird er von Büschen, Bäumen und Blumen bewohnt – und nicht mehr von Briten.

Meine Oma hatte ja wirklich einen grünen Daumen, aber Rosen zum Schweben zu bringen hat sie dann doch nicht geschafft😉

Diese beiden Schönheiten stammen aus einem Miniaturdorf in den Cotswolds, in dem das Dorf nachgestellt wurde, in dem es sich befindet. Viel Liebe zum Detail, und nein, die Blätter vor dem Laden waren nicht künstlich😉

Ich habe Euch dann natürlich auch noch ein echtes Kirchenfenster zu bieten, ohne die es fast nicht geht, so ein Thema Fenster. Definitiv ein fremdes Fenster auch wenn das Hineingucken schwer gemacht wird:

Kirchenfenster

Ausnahmsweise mal weder Mini noch Ruine

Und zum Abschluss gibt es noch ein Dachfenster der besonderen Art aus dem Berggarten mit Untermieter:

Dachfenster

Dachfenster im Gewächshaus im Berggarten – gleichzeitig Brutstätte.

Die Gärtner im Berggarten ließen das Dachfenster geöffnet, damit sich die kleine Vogelfamilie frei bewegen konnte. Das nenne ich nicht mehr Durchblick – sondern Weitsicht.😀

Freitag Morgen

Heute war Blödmannsgehilfen-Morgen.

Ich stand an der Kasse des Discounters meines Vertrauens, hinter mir zwei Männer. Einer davon gab erst von sich, dass er „Handwerker liebe, aber Blagen hasse“ – merkwürdige Aussage, aber was solls. Damit wollte er den Handwerker vorlassen …

Er ließ sich nicht bremsen, laberte den Typ, den er vorgelassen hatte, zu, wie wenig ihm die augenblickliche Politik passen würde, dass man als Handwerker ja nicht mal vor dem Haus parken könne, in dem man arbeitet – und kam dann, in einem sehr gewagten Bogen, auf „Mutti“ zu schimpfen. Sie kümmere sich ja um die ganze Welt, aber sie sei doch Kanzlerin von DEUTSCHLAND (seine Betonung, nicht meine). *Und ich bin kein Mutti-Kind – wirklich nicht – aber ich habe gelernt, sie zu respektieren!*

Und dann das übliche, man dürfe ja nicht mehr seine Meinung sagen, sonst sei man gleich ein Nazi.

Meine Großeltern kamen mal als Flüchtlinge in diesen Teil Deutschlands – Großmutter aus Westpreußen, das unter polnischer Verwaltung stand und wo sie jeden Morgen in der Schule die polnische Nationalhymne singen musste – auf polnisch … obwohl sie Deutsche war. Und Großvater aus Ostpreußen. Beide nach dem Krieg heimatlos, beide angewiesen darauf, dass ihnen niemand streitig machte, dass sie ein Recht auf Leben haben, eine Unterkunft brauchten und dass sie eine Möglichkeit erhielten, als die jungen Leute, die sie waren, etwas Nützliches zu tun. Ja, sie sprachen die Sprache dieses Landes. Ja, Großvater hatte in der Wehrmacht gedient. Aber er war trotzdem ein Fremder. Und wurde auch oft so angesehen und behandelt. Doch als er 1998 starb, war fast das ganze Dorf auf den Beinen, um seiner Trauerfeier beizuwohnen und es gab wirklich kein Problem, Sargträger zu finden – freiwillig, unbezahlt! Hatte sich offensichtlich integriert.

Und daher geht mir bei diesem: „Die sind nicht von hier, die gehören hier nicht her“-Geschwafel wirklich die Geduld flöten! Benehmt Euch nicht so, als wenn Euch der Boden in diesem Land gehört! DEM IST NICHT SO! Niemand zwingt Euch, Euer Haus für Flüchtlinge zu öffnen, Eure Wohnung mit ihnen zu teilen, Eure Sachen für sie herzugeben. Aber ihnen das Recht auf Leben abzusprechen – denn wenn man sie nicht in diesem Land  aufnimmt, droht ihnen in Syrien, im Südsudan und ähnlichen Krisengebieten der Tod – DAS finde ich hat etwas von Nazigedankengut. Dieses „Was interessiert mich, ob es anderswo so schlimm ist, dass die Leute sterben; hier sind LÖCHER IN DEN STRASSEN“ ist eine sehr dämliche Nabelschau. Und zu meinen, dass uns die anderen nix angehen, ist mega-egoistisch. Check your privilege.

Dieser, dieser „AfD-Wähler“ …

Und dann war da noch der Idiot, der heute so an mir vorbeschrappte, um ein paar Plastiktüten zu ergreifen, dass er mein Gesäß berühren musste – obwohl ja genug Platz da war, diese Berührung zu vermeiden! Notfalls kann man mal einen Ton sagen. Halloo? So ist das ein sexueller Übergriff – und zudem noch echt nur peinlich, wenn man das bei einer schwer übergewichtigen, mittelalten und nicht gerade standardschönen Frau macht. Dieser Typ war so richtig verzweifelt …

Aber meine Sachen an der Kasse zu bezahlen, hat mich leider nicht von allen Blödmännern befreit.

Bushaltestelle. Gegenüberliegende Straßenseite. Ein Auto steht dort, eine Autotür öffnet sich. Herangedrohnt kommt ein schwarzer Golf. Weicht der Autotür aus, nix ist passiert. Aber der Blutdruck des Blödmannsgehilfen muss das irgendwo nicht mitbekommen haben – Blödmannsgehilfe dreht seinen Wagen, dröhnt zurück, pampt den Autofahrer an, der seine Tür geöffnet hat. Der antwortet ihm, dass er die Tür aufgemacht habe, weil er aussteigen wollte. Golf-Fahrer pampt weiter, dröhnt dann, zu schnell, in eine Seitenstraße weiter … Neben mir der Mann sagt: „Da freuen sich meine Kollegen schon, wenn sie den vom Baum kratzen!“ Er arbeitet bei der Feuerwehr.

Wenn nur nicht so oft Kollateralschäden zu befürchten wären, würd ich dem Herrn ja Recht geben … wäre das Beste, was passieren kann. Aber so tun mir die anderen Personen leid, die betroffen sein könnten.

Der Blödmannsgehilfe jedenfalls hat sich eine MPU verdient – ein Seminar im Anger-Management kann auch nicht schaden. Auto beschlagnahmen, Fahrerlaubnis einziehen – Tauglichkeit zur Führung eines Kraftfahrzeuges überprüfen. Hat der eigentlich nicht in der Fahrschule gelernt, dass man immer mit der Blödheit der anderen rechnen müsse? Dass an einem parkenden Auto vorbei zu fahren immer mit einer gewissen Achtsamkeit erfolgen muss? Dass man eben kein Recht darauf hat, beim Autofahren nicht von anderen „gestört“ zu werden?

Seufz – ich habe doch auch kein Recht auf einen blödmannsfreien Morgen. Aber wenigstens darf ich in diesem Lande meine Meinung sagen. Jawohl.

 

 

 

Gestern im Bus (2)

Mein Weg nach Hause findet ja oft spät statt – schließlich gehe ich auch nicht früh zur Arbeit. Daher war es auch gestern wieder gegen 20 Uhr, als ich im Bus saß. Ich saß da trotz der „fortgeschrittenen“ Stunde nicht allein. Eine Gruppe junger Männer, mit Migrationshintergrund, stieg noch kurz vor Abfahrt ein, einige andere Leute saßen vorne weiter im Bus, ich saß hinter der zweiten Tür und auf einem Sitz nicht weit davon, saß ein Mann, ca. 60, vielleicht ein bisken drüber, mit schlohweißem Haar, über Schulter lang, aber nur knapp, Cowboyhut, der sein Mobiltelefon benutzte, aber so laut, dass er das Telefon nur für die Beiträge der anderen Seite brauchte.

Er rühmte sich lautstark der Bekanntschaft diverser Hannoverscher Berühmtheiten: Unter anderem  erwähnte er Hahnebutt (halbseidener Rocker, der im Drogen- und Damenmilieu Geld macht), ein gewisser Ex-Bundeskanzler … Und alle mit „Kosenamen“.

Als die jungen Männer einstiegen, hatte er sein Telefonat beendet und quatschte sie voll. Ständig riss er „Witze“ – onliner, alle absehbar, alle vom Niveau mehr für einen Niederflurbus geeignet … So machte er auch Witze über unseren hochwichtigen Besucher aus den USA, dass der ja ohne seine Ehefrau käme und die Beatles nun nicht am Abend für ihn spielen würden – und er stimmte (mehr oder weniger erkennbar und eindeutig nicht mal textsicher) den entsprechenden Beatles-Song an. *Seitdem hab ICH nen Ohrwurm – allerdings – die FabFourversion, nicht seine*

Die jungen Männer waren eindeutig peinlich berührt – wie ein alter Mann sich so anbiedern kann. Aber kein böses Wort, mit der Nachsicht eines geistig überlegenen wünschten sie ihm noch einen schönen Abend, als sie ausstiegen. Eine Reife, die ich erst VIEL später erreichen werde (und ja, das Futur ist bewusst gewählt!). Ich dagegen bemühte mich wirklich ernsthaft, an dem Mann vorbei zu gucken. Nur nicht von ihm angelabert werden …

Eine Station, bevor es mich aus dem Bus trieb, stieg er dann aus, eine Shots-Flasche in der Hand … irgendein rotes Gesöff … Nun, wie gesagt, es war bereits nach 20 Uhr, als ich ausstieg – die Regel, nicht vor 17 Uhr, hat der Mann also eingehalten.

Den jungen Männern jedenfalls kann ich nur mein Kompliment aussprechen – Integration hervorragend geglückt. Aber vermutlich waren es eh alles deutsche Staatsbürger. Hier geboren, zur Schule gegangen, aufgewachsen und besser sozialisiert in einer bunten, vielschichtigen Großstadt als ich!

*Summt

„Michelle, ma belle,

c’est sont les mot qui vont très bien ensemble,

très bien ensemble“*

 

Heute in der Bahn

Draußen:

Sonniges Wetter, leichter Wind, Temperaturen so 10 Grad und mehr … (je nachdem, ob in der Sonne oder nicht).

In der Bahn:

Junger Mann, tiefschwarzes Haar (nein, das soll keine Nationalität begründen, für mich sah er wie ein Westeuropäer aus), Haar vorne eher auf einer Linie, die beide Ohren verbinden würde, hinten ein langer, langer Pferdeschwanz. Mit Trend-Rucksack. T-Shirt. Trekking-Hosen. Und Fahrrad. Fahrrad sah fit aus. (War zu erlaubten Zeiten, nicht vor 9 und nicht zwischen 15 und 19 Uhr, das ist hier nicht der Punkt.)

Mit dem Fahrrad fahren habe ich mir immer anders vorgestellt aber ich bin ja bereit, dazuzulernen.