Monatsarchiv: November 2018

Daggis Buch-Challenge 2018 – Buch 10

Warum Buch 10? Weil ich zweimal sieben hatte …

The Snowchild von Eowyn Ivey

Ausgangssituation: Ein älteres Ehepaar aus ungleichen Verhältnissen, sie aus einer „besseren“ Familie, er aus Arbeiterhaushalt, zieht nach einer Familientragödie (Totgeburt) nach Alaska (auf den Wunsch der Frau hin). Jack und Mabel gewöhnen sich langsam an den rauhen Alltag und erfahren Unterstützung von freundlichen, aber nicht sehr nah wohnenden Nachbarn. Mabels unerfüllt gebliebener Kinderwunsch bestimmt ihr ganzes Denken – dann, eines Nachts, bauen sie ein Mädchen aus Schnee, dem sie Schal und Mütze geben – und am nächsten Morgen sehen sie ein Kind durch die Gegend laufen. Es dauert eine Weile, bis das Menschen gegenüber schüchterne Mädchen Vertrauen gewinnt. Sie ist vielleicht vier, fünf Jahre alt und auf sich allein gestellt! Ihr Vater, ein Trinker, ist in den Bergen gestorben. Die Kleine lebt allein in einem rauhen Verschlag und kommt damit klar – sie isst Beeren, tötet Tiere und lebt mit einem alten Fuchs zusammen, der ihr zeigt, wie sie Beute macht. Mabel und Jack sind natürlich entsetzt – aber lassen den kleinen Wildling in Ruhe, laden sie immer wieder ein, geben ihr auch Kleidung, die Mabel für sie angefertigt hat und sie nennen das Kind Faina.

Mabel wird dann an eine russische Geschichte erinnert, ein Märchen – das Schneekind.

Keine der Versionen dieses Märchens geht gut aus – und damit setzt in diesem Buch eine Stimmung von Niedergeschlagenheit ein, die mir den Spaß am Buch ziemlich nahm. Als dann noch der Jüngste der Nachbarn, der gern auf die Jagd geht, den alten Fuchs des Mädels erschießt und dem Mädchen kurz darauf in den Bergen begegnet (wir sind nun schon über 12 Jahre weiter), wird die Stimmung sehr bedrohlich.

Es löst sich dann auf – und das Ende ist klassisches amerikanisches Melodram …

In den Kritiken wird immer wieder die Landschaftsbeschreibung gelobt. Ich tu das auch – weil sie nicht heraussticht. Sie ist natürlicher Teil der Geschichte – nicht wie z.B. bei Tolkien, der sich seitenlang darin ergehen kann.

Alles in allem, wegen der niedergedrückten Stimmung und dem Element von magischem Realismus, worauf ich nicht besonders stehe – vier Kokosnüsse von fünf.

The Snowchild, Eowyn Ivey, 2012, 423 Seiten (mit der russischen Geschichte und den Acknowledgements, die zwischen Buchstory und dem russischen Märchen eingequetscht waren). Verlag headline review

 

Advertisements

Dagmars Buchchallenge 2018 – Buch 8

The Murder of Roger Ackroyd

Agatha Christie hat hier einen weiteren Poirot-Roman abgeliefert. Ein klassischer Whodunnit, eine begrenzte Anzahl von möglichen Verdächtigen, viele Ablenkungen, ein Täter mit einer gewissen Arroganz, die mit der von Poirot selber vergleichbar ist – und ein Element, das auch im Buch Endless Night vorhanden ist, das ich aber verschweige. Es ist ein Krimi, und wer ihn mit Spannung lesen will, sollte vielleicht nicht vorher wissen, was passiert ist.

Ich fühlte mich wesentlich besser unterhalten als bei Endless Night, der klassische Whodunnit war das Element von Christie. Das Genre, das sie wohl mit am meisten geprägt hat.

Auch dieses Buch wird diesen Monat im Guardian von Sam Jordison und seiner Reading Group (Leser des Guardians) zerpflückt, die letzte Woche musste Endless Nights dran glauben, diese Woche The Murder of Roger Ackroyd.

Was nun halte ich von dem Buch? Es war längst nicht so eindeutig, wer er war wie z.B. bei Vier Frauen und ein Mord. Es war auch nicht so gekünstelt wie bei And then there were none. Und es war wesentlich unterhaltsamer als Endless Night, das mich ein wenig gelangweilt hat.

Ich gebe daher die vollen fünf Kokosnüsse, obwohl dieses Element, dass es mit Endless Night teilt, nicht zu meinen Lieblingsmerkmalen eines Romans gehört.

The Murder of Roger Ackroyd, Agatha Christie. Kindle Ausgabe (242 Seiten). Erscheinungsjahr 1926

Aufgabe 50  in der Buchchallenge: Der Protagonist befindet sich auf einer Insel. Da man sich hier in England befindet …

 

Daggis Buch-Challenge 2018 – Buch 7

Geht jetzt wie’s Brezelbacken, aber das liegt am Guardian, die haben diesen Monat Agatha Christie in der Reading Group, und gleich zwei Romane.

Heute beendet:

Endless Night, der Gewinner der Umfrage, was wir lesen wollen.

Ein Krimi, bei dem eine junge, reiche Frau ums Leben kommt und wir rätseln dürfen, ob ihre Stiefmutter, ihr Ehemann, ihre beste Freundin oder eine Nachbarin sie umgebracht haben – oder ob es doch die allzu offensichtliche Gipsy war …

Nun, das Buch wird aus der Ich-Perspektive des Ehemanns erzählt – und es fängt schon ein wenig schräg an. Wir haben auch keinen Detektiv und keine Miss Marple im Buch.

Am Ende sind 4 Morde aufgeklärt.

Und ich schwankte ein wenig, war mir am Anfang sicher, wer es war, dann wechselte ich – nur um dann von der Autorin gesagt zu bekommen, ÄTSCH, war doch offensichtlich.

Nun, für einen Krimi hat mich das Buch viel zu lang gelangweilt. Daher nur 3 Kokosnüsse

Endless Night, englische Originalausgabe, Kindle-Edition

248 Seiten

Erschienen 1967

Agatha Christie

 

 

Einzelhandelsprobleme

Ich las gerade im Guardian einen Artikel über die Probleme des Einzelhandels, genügend Kunden in die Läden zu locken.

In der Hannoverschen Allgemeinen war u.a. Ende März ein Artikel zu dem Thema:

http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/In-der-Innenstadt-Hannover-sind-zu-wenig-Passanten-unterwegs

Wie kommt’s? Eine subjektive Erklärung:

Ich wollte mir gestern ein Handy kaufen, mein erstes Smartphone. Aus der Zeitungsbeilage des gestrigen Tages. Sollte man meinen, dass man das bekommt. Ich bin also zum Elektronikmarkt gefahren und habe dort auf einen freien Verkäufer gewartet, ca. eine halbe Stunde vor Ladenschluss.

Alle sichtbaren Verkäufer waren in Gespräche verwickelt, einer nahm eine Reklamation auf, der andere sprach entweder mit einem Freund oder einem Kunden … so genau war das nicht erkennbar. Ich stellte mich zu dem Reklamationsaufnehmer und wartete. Kam nach 5 Minuten ein anderer Verkäufer, ohne Side-Kick. Den hab ich mir geschnappt. lch zog die Werbebeilage aus der Tasche. „Ich würde gerne ein Smartphone kaufen, dieses hier!“ Erste Reaktion: „Weiß ich gar nicht, ob wir das bis Ladenschluss hinbekommen!“

Ahem – ok … Ich klärte also auf: „Nicht mit Vertrag, ich wollte nur das Gerät!“ Verkäufer: „Dann muss ich mal sehen, ob wir das da haben!“

Hallo, das war die Werbebeilage des gestrigen Tages!

Sie hatten es tatsächlich nicht da. „Die Werbung hätte noch zwei Wochen gar nicht erscheinen dürfen!“

Ahem – also bis in zwei Wochen dann.

Der Grund, warum ich in einem Geschäft und nicht im Versandhandel kaufe, ist übrigens, weil ich meine Ware dann sofort habe. Also, theoretisch.

Montag, den 26. startete ich einen neuen Versuch. Und dieses Mal war es ausverkauft .. eines schon 4 Tage, bevor ich es im Prospekt gesehen hatte. Wie bitte??

Naja, ich sagte dem Verkäufer dann, dass ich jetzt zweimal vor Ort versucht habe, mein Geld auszugeben – und nun bei Amazon bestellen muss. Und heute, am 01.12. kam mein Smartphone! Tut mir ja auch leid, wenn der Einzelhandel eingeht, aber wenn ich dort nicht bekomme, was ich will, bestelle ich es mir eben woanders!

Daggis Buchchallenge 2018 zum 7.

Nachdem ich den Agatha Christie im Öffentlichen Bücherschrank für umme gefunden hatte, hab ich das Ding schnell durchgelesen, darüber im Guardian (in den Kommentaren des Book-Blogs „Tips, Links and Suggestions“, nicht als Artikel) – und wurde im TLS diesen Montag zitiert mit dem Hinweis darauf, dass im November die Reading Group das Guardian einen Christie lesen wird. Welchen? Ja, das war bis Freitag noch nicht entschieden, aber die Top 3 waren Endless Night, And then there were none (der Originaltitel war schon damals rassistisch, denn es wurde ein Wort verwendet, das sich auf Digger reimt!) und The Murder of Roger Ackroyd, wenn ich richtig gezählt habe.

Ich habe mir also drei englische E-Books gekauft, die ich auf dem Notebook mit der App des Evil-Online-Empires lese. Aber englisch sollte es sein, und schnell sollte es auch bei mir sein. Dass noch zusätzlich kein weiteres Buch hier rumliegt, ist ein Plus.

Beendet habe ich ziemlich schnell And then there were none.

Hier führt Christie 10 Leute auf einer Insel in einem „Closed room mystery“ zusammen. Wie der Titel verspricht, sind am Ende alle 10 tot. Die Tötungen geschehen in der Reihenfolge eines Kinderliedes, nicht alle werden vom eigentlichen Mörder begangen, nicht alles sind Morde.

Mehr will ich nicht verraten. Ich fühlte mich am Ende ein wenig … veralbert.

Und einer der Charaktere äußert wirklich erschreckend rassistische Einstellungen. Woran man die Zeit merkt.

Daher vergebe ich nur 4 von 5 Kokosnüssen. Ich ziehe doch Poirot oder Miss Marple vor.

And then there were none, Agatha Christie,

1939

englische Kindle-Version von der deutschen Website (von der UK-Website erhält man keine Kindleversionen mehr!)

250 Seiten

Aufgabe erfüllt: 7, ein Buch, das verfilmt wurde – (und zwar schon 8mal)

Daggis Buchchallenge 2018 zum 6. oder so

Mein erst sechstes Buch dieses Jahr:

The Lion in the Living Room

Ein Sachbuch über Hauskatzen und wie sie die Welt eroberten

Ms Tucker, selber Katzenbesitzerin, hat sich sehr darum bemüht, die Gegenargumente darzustellen.

Sie zweifelt u.a. an, dass Katzen unser Nagetierproblem wesentlich beeinflussen, dass Katzen gesundheitsfördernd seien oder dass Katzen wie Hunde als Nutztiere ausgebildet werden können. Sie legt in neun Kapitel auf knapp 190 Seiten auch dar, wie Katzen auf Inseln, die vor den Katzen keine echten Raubtiere kannten, für die Ausrottung ganzer Arten verantwortlich sind.

Für jedes ihrer vorgebrachten Anti-Katzen-Argumente habe ich ein Gegenargument, möchte aber jetzt kein eigenes Buch darüber schreiben.

Katzen sind Mäusejäger. Sie als ineffektiv bei der Rattenbekämpfung darzustellen, ist daher unredlich. Die normale Hauskatze hat eine ausgewachsene Ratte nicht im Beuteschema. Aus genau diesem Grund sieht man auch die wenigsten Katzen ausgewachsene Tauben jagen oder sich an Krähen gütlich tun … In Ausnahmefällen tötet eine Katze auch mal eine Ratte – meist sind dies nicht kastrierte „Bolzen“ – also echt mächtig gewachsene Kater. Daher nimmt eine Katze auch eher Jungkaninchen als die Alten … Die Jungen sind noch klein genug, die ausgewachsenen Tiere sind nicht nur zu wehrhaft, sie sind auch schlicht und einfach zu groß.

Wie Ms Tucker richtig anmerkt, sind Katzen Solitärjäger. Aber d.h. nicht, dass Katzen nicht soziale Tiere sind. Ihre Bindung an den Menschen ist eine andere als die eines Kindes oder eines Hundes. Sehr richtig beschreibt sie sie auf den letzten Seiten des Buches als „familiar“ – mehr Gefährte als untergeordnete Abhängige.

Die Inselproblematik an sich anerkenne ich – aber Ms Tucker versteigt sich zu der These, dass in stark bevölkerten Gegenden alle Natur insulär sei – d.h. aber doch nicht, dass die Tiere auf Kontinenten keine Erfahrung mit Beutegreifern haben! Auf diesen modernen „Inseln“ gibt es Marder, Füchse, Luchse, Wildkatzen (wenn auch immer seltener) – und neuerdings auch wieder Wölfe. Auf Ms Tucker’s Kontinent (Amerika) gibt es Koyoten … Daher sind diese „Inseln“ nicht mit den Inseln wie Neuseeland vergleichbar!

Und Studien haben belegt, dass der Besitz einer Katze den Blutdruck senkt. Sorry Ms Tucker …  Ja, Katzenbesitzer bewegen sich weniger als Hundebesitzer. Aber sie haben gelernt, mit einem Wesen zu leben, das seine ganz eigene Sicht auf die Welt hat, ohne sich ständig bis zum Schlaganfall aufzuregen.

Und Katzen sind als Suchkatzen ausgebildet (wie Schweine übrigens auch), sie sind als Blindenkatze gesichtet worden, sie wirken beruhigend auf Leute mit PTSD (Therapiekatzen) … soviel zu „es gibt keine Nutzkatzen“

Das vorletzte Kapitel ist das Einzige, bei dem ich Ms Tucker zustimme – ja, Katzen züchten ist nicht notwendig – sie erfüllen ihre Aufgabe bereits gut. Und gerade Qualzuchten wie Perser ohne Nase sind mir persönlich ein Dorn im Auge.

Und Kaptel 9 beschäftigt sich mit dem Internetphänomen Katze. Der Ursprung soll beim berüchtigten 4chan-Forum gelegen haben – nichts Genaues weiß man nicht, aber ich halte es für unwahrscheinlich – es sind immer noch deutlich mehr Frauen als Männer Katzenmenschen. Und noch eine gewagte These: Katzen hätten keine Gesichtsausdrücke. Sie hat eine Katze. Wenn sie der Meinung ist, ihre Katze kann keine Stimmungen mit Mimik ausdrücken, hat sie weder ihren Kater noch Katzen an und für sich verstanden.

Katzen kommunizieren wesentlich mehr mit Mimik als mit Miaus oder mit Fauchen. Die Mimik umfasst bei einer Katze die Ohren (die sehr beweglich sind), die Augen, die entspannt halb geschlossen sind, die vor Panik weit aufgerissen mit dunklen – d.h. weit geöffneten Pupillen sindn und die auch mal vertrauensvoll ganz zu bleiben. Ich gebe ihr recht, dass Menschen Katzen vermenschlichen (was die Katze verschlechtert) – aber Katzen sind zu Gefühlen fähig. Es sind nur kätzische Gefühle. Das Gefühl, gestört zu werden, belästigt zu sein – mein Kater hatte das drauf – Augen wieder halb zu, aber nicht entspannt, die Ohren leicht zurück, den Kopf angehoben … eine leichte Anspannung der Muskeln im ganzen Körper. – Man muss solche Zeichen nur sehen.

Ja, eine Katze ist ein Gewohnheitstier – nicht aus Faulheit – sondern weil Gewohnheit Sicherheit bedeutet. „Faul“ – ist kein Adjektiv, dass zu einer Katze passt. Auch wenn die eine oder andere Katze Anstrengungen sparen mag – sie tut das, weil es effektiver ist und Energie spart – eine Maus weniger, die sie fangen muss. Das ist klug, nicht faul.

Alles in allem fand ich das Buch interessant, es hat mich zum Nachdenken gebracht. Daher erfüllt es Aufgabe 6 der Challenge.

(Es hätte auch Aufgabe 20 erfüllt, ein Buch, das von Tod und Krankheit handelt – Toxoplasmose ist u.a. ein Thema – außerdem war es ein geschenktes Buch – Aufgabe 54, aber ich nehme 6)

Nur 3 von 5 Kokosnüssen – aber drei, weil sie sich ernsthaft bemüht hat.