Monatsarchiv: Januar 2015

Der schlechte Witz… (94)…

Das löst alle meine Schokoladenprobleme!

Herr und Frau Müller

Herr MuellerDer Nerd-Witz zum Wochenende.

Präsentiert von Herrn Müller:

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Bunt

Der Abend heute stand für mich unter dem Motto „Bunt statt braun“:

Es drohte sich hier ein Trüppchen breit zu machen, mit dem ich meine kleine Provinzstadt nicht in Verbindung gebracht sehen möchte. Wir sind Hannover, wir sind NICHT Hagida – Hass gegen Islam deutscher Ausprägung – oder so ähnlich.

Ich sprang also um 17 Uhr in eine Bahn vor meiner Behörde, fuhr in die Innenstadt, wunderte mich über die vielen jungen und auch älteren Menschen, die um die Zeit unterwegs waren – und die fast alle mit mir am Kröpcke (unserem zentralen Bahnhalt) ausstiegen. Als ich dann auf die Hauptroute zum Versammlungsort einschwenkte, sah ich, dass sie NICHT zum Versammlungsort von Hagida wollten – sondern wie ich, die Hannoversche Marktkirche anstrebten. Kirchen waren schon 1989 der Zuflucht derjenigen, die sich nicht als schweigende Mehrheit vereinnahmen lassen wollten. Die Hannoversche Marktkirche konnte ich nicht betreten, ein großes Plakat wurde hochgehalten: Kirche überfüllt. Immerhin hatte ich es bis zum Eingangsportal geschafft. Vom multireligiösen Gebet bekam ich nichts mit, aber ich sah die Hannoveraner um mich:

Alte (sicher schon bis 80) und Junge (wenige Wochen alt), Frauen und Männer, Studenten, Gewerkschafter (davon viele, die hatten das organisiert), Rentner und Beamte, Atheisten, Christen, Juden und Muslime (rein alphabetische Reihenfolge, keine Wertung), Deutsche und Ausländer, die kaum deutsch sprachen, verschiedenste Hautfarben, Singles wie ich, die allein dorthin kamen, Paare, verheiratet oder auch nicht, Familien (in den verschiedensten Formen), Witwer und Witwen, Freunde. Geistliche, Weltliche, Laute und Schweigende, Plakatträger und die, die einfach nur ihre Fäuste in den Taschen geballt hatten.

Es dauerte gefühlte Ewigkeiten, bis sich die Massen zum Versammlungsplatz in Bewegung setzten. Dort bekam ich nur noch die letzten Redner mit – aber das machte nichts. Das Zeichen war gesetzt.

Wir haben sie im Verhältnis von (nicht mal) 1 zu 85 übertroffen:

Hagida<200, Gegendemonstranten ungefähr 17.000. Zur gleichen Zeit gingen im wesentlich größeren München 20.000 auf die Straße mit dem gleichen Ziel:

Toleranz und Integration, nicht Ausgrenzung und Monokultur. Auch in Leipzig wurden die ca. 1000 von Demagogen verhetzten und die Rechtsextremen bei weitem durch die Gegendemonstranten (30000) übertroffen. Nur Dresden … was soll ich sagen? Mehr als sonst, sagen die beim Heute-Journal. Dresden, du lernst es nimmer. Bleibst ein Außer-Raum-Dresden …

 

 

Gemahlener Pfeffer

Ich fürchrte, gestern habe ich keinen Pfeffer aus der Mühle gehabt, sondern vorgemahlenen Pfeffer, der einen Teil seiner Schärfe bereits verloren hat.

Gestern war Kabarett-Abend. Ich bin mit meinem kulturellen Begleiter ins Theater am Aegi gegangen, dort gastierte die Leipziger Pfeffermühle. Ich habe die Truppe bereits einmal gesehen – als sie in München bei der Lach- und Schießgesellschaft gastierten. Damals wie heute habe ich mich trefflich amüsiert. Aber es gab einen gewaltigen Unterschied.

Damals war der Spaß wesentlich bissiger, der Pfeffer war sozusagen grob gemahlen und hin und wieder wurde man mit einem ziemlich scharfen Stück konfrontiert.

Ich bin eigentlich ein großer Fan von ostdeutschen Kabarettisten, die wesentlich pointierter und schärfer zu Gesellschafts- und Politik-Kritik ausholen. Leider wurde ich darin gestern enttäuscht. Man kann sicher viel über die Bundeswehr lästern und die neue Verteidigungsministerin hat mit ihrer ERSTEN Forderung, nach mehr Kindertagesstätten, sicher Humorstürme ausgelöst. Nur – das ist schon lange her. Seither ist bei der Truppe einiges andere daneben gegangen. Immer noch wird aber vor allem auf Frau von der Leyens Familienfreundlichkeit herumgeritten. Als Quasi-Ex-Insider weiß ich, dass die Ministerin dabei vor allem durch in diesem Fall die Einseitigkeit des Presse-Interesses schlechter weg kommt als sie es verdient. Oh, nicht, dass Mutti Uschi nicht Kritik verdienen würde. Ob die Familienfreundlichkeit der Truppe wirklich als erste Maßnahme sein musste .. darüber kann man trefflich streiten. Aber Frau von der Leyen ist nun schon ein paar Tage im Amt – und es gab wesentlich größere Baustellen, die nur nicht so witzträchtig sind. Von Kabarett erwarte ich aber mehr als den Easy-Witz, der ist der Comedy vorbehalten.

Angela musste gleich mindestens dreimal im Programm herhalten -nun, das könnte man doch als Politik-Kabarett sehen? Nein, leider nicht. Es erreichte nicht die Tiefe, nicht die scharfe Überspitzung, nicht den BISS, den ich von politischem Kabarett erwarte. Stattdessen wurde ihre wohlbekannte Raute imitiert (und das auch noch schlecht), wurde darüber gelästert, dass alle in der Kritik stehenden Politiker, denen sie ihr VOLLSTES VERTRAUEN aussprach, nach wenigen Tagen abgesägt waren (Warum eigentlich hat Frau Merkel niemals Herrn Putin ihres vollsten Vertrauens versichert? – Aber nicht mal diese Frage wurde gestellt.)

Generell wurde in dem Programm ein Thema wiederholt und wiederholt – Ja, Deutschland hat ein Generationenproblem. Aber wie sieht es denn mit anderen Sachen aus? TTIP irgendjemand? Aber nein, dazu hätte man sich ja damit auseinandersetzen müssen. Stattdessen wurde ziemlich platte Anti-Reichtum-Prop gemacht. Jemand hat Geld? Dann ist er automatisch der Böse. Das war zu billig. Und ich bin nicht mal selber reich. Also eigentlich Zielpublikum für Neidpolemik.

Dass nicht mal eine winzige Zugabe den Cartoonisten von Charlie Hebdo gewidmet wurde, hat mich auch ein wenig enttäuscht – schließlich lebt man vom selben Zweig: Gesellschaftskritik.

Alles in allem, ja, ich habe mich zwei Stunden amüsiert – aber ich war enttäuscht. Wenn man politisches Kabarett liebt, war dieser Abend um Längen zu flach. Wenn man nur ein paar schnelle, billige Lacher wollte, haben die fünf (zwei Musiker und ein Kabarettisten-Trio) geliefert.

Diese fünf waren jedenfalls nicht Charlie Hebdo.

Von fünf Narrenkappen gibt es daher hier nur zwei. Ein Teil des Abzugs davon auch, weil ich weiß, dass sie mal besser konnten. Ist aber schon ca. 20 Jahre her, dass ich sie in anderer Besetzung gesehen habe.