Monatsarchiv: September 2019

Buch 22 aus 2019

Ein kleines, aber feines Buch über Japan, über Menschen, die in ihrem Leben viel Leid erfahren und über Freundschaft, das Einstehen für eigene Werte, Mut und Entschlossenheit, Familienbande – und über eine Katze.

Ich habe geheult wie der Klischee-Hund aus der feinen Behausung.

Die Story ist schnell erzählt, ein junger japanischer Mann (ca. Ende 20, Anfang 30), nimmt sich eines Streunerkaters an, der ein Jahr alt einen Autounfall hatte. Er pflegt das Tier nicht nur gesund, er nimmt es auch bei sich auf und dem Kater, der die Erzählperson in dieser Geschichte ist, es sei denn, wir verschwinden in die Vergangenheit des Helden (denn der Held ist nicht der Erzähler, sondern der junge Japaner).

In Rückblenden werden einige einschneidende Ereignisse im Leben des jungen Japaners erzählt, entweder aus der Perspektive seiner Freunde, die er alle auf einer letzten Reise besucht, oder gar vom neutralen Standpunkt aus.

Der Kater erzählt die Gegenwart.

Das Buch ist sentimental. Der Begriff „letzte Reise“ legt das schon nahe. Aber es ist wirklich nett erzählt, zeigt die Freunde und den Erzähler von ihren menschlichen Seiten und behandelt nicht nur das Thema „endgültiger Abschied“ sondern auch das Thema, wie man mit Dingen umgeht, die einem das Leben so in die Speichen steckt …

Auf Englisch ist es 2018 erschienen, das japanische Erscheinungsdatum habe ich nicht gefunden.

Die Autorin ist, laut der englischen Wikipedia, ein light-novelist – also eine Leichter Roman-Autor … Light novels sind dabei kurze Romane (Novellen?), die sich an den Young Adult Bereich richten und oft mit Manga-Illustrationen versehen sind. Das ist bei The Travelling Cat Chronicles definitiv nicht der Fall.

Mir gefiel es trotz der Tränen sehr gut, und es erhält von mir 5 von 5 Kokosnüssen.

The Travelling Cat Chronicles

Hiro Arikawa

Erscheinungsdatum auf Englisch 2018

Hardcover, ca. A 6, 263 Seiten

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Buch 21 in 2019

Mal so als kleines Intermezzo, hatte ich mir spontan von amazon ein E-book herunter geladen. Eine Kurzgeschichtensammlung von mir unbekannten Autoren, Fantasy-Satire:

Die Hilfskräfte – die wahren Herren des Dungeon

Wie bei jeder Kurzgeschichtensammlung so gab es auch hier Geschichten, die mir besser gefielen, wo ich gern mehr vom Autor/der Autorin gelesen hätte – und Geschichten, die waren eher … naja. Es ließ halt gern der Toilettenhumor durchscheinen.

Worum geht es in allen Geschichten?

So ein Fantasy-Dungeon, in der normalen, epischen Fantasy-Geschichte ein von Monstern, Schätzen und Fallen wimmelndes Labyrinth, dessen Erbauer längst tot und vergessen sind, würde, wenn man logische Regeln ansetzt, mit nicht mehr funktionsfähigen Fallen (jedenfalls würde nur noch ein kleiner Teil auslösen), mit nur kleinen Monstern (Drachen oder Hydras passen einfach nicht durch die Eingangstür oder Durchgänge) und mit unzähligen Abenteurerskeletten ausgestattet sein. Und so ein wenig Logik kann man ja durchaus auch im Fantasytext erwarten.

Daher haben sich die Anthologie-Zusammensteller wohl gedacht, dass sie eine Anthologie verfassen, die sich darum dreht, wieso die Monster dort sind, wer dafür sorgt, dass nicht alles in Trollmist erstickt, warum die Fallen funktionieren wie geschmiert und wie es sich erklärt (ein häufiger filmischer Logikfehler), dass unzählige Fackeln an den Wänden brennen.

Aber auch der Sinn der Dungeons wurde hinterfragt. Warum stellt jemand ein Riesenlabyrinth in die ansonsten leere Landschaft, lässt darin etliche Fallen installieren, macht sich die Mühe, Armeen von Untoten zu rekrutieren.

Dieser Sinn ist – TADAAA – die Bespaßung der Heldengruppen. Daher sitzt an den Eingängen einiger dieser Dungeons auch ein Wächter, der Geld für den Zutritt kassiert. Diese riesige Entertainment-Industrie hat natürlich ihre eigenen Standards und Kontrolleure. Kotrolleure auch, aber das war der oben schon beklagte Toilettenhumor – und ein Schreibfehler.

So treffen wir in den schwächeren Geschichten auf IDO (Internationale Dungeon Ordnung)-Kontrolleure, auf IDO-Regeln, auf Labyrinth-Manager, oder auf einen Exkrementinator.

In den besseren Geschichten wird ein NPC in einem Dungeon im Stich gelassen, gibt es eine Zeitreisende mit Kunden und trifft ein Fallen-Wiederhersteller auf ein Opfer.

Das war teilweise sehr amüsant zu lesen, mit netten Seitenhieben auf Spielercharaktere und Dungeon-Master (es ist also kein Buch für Leute, die mit Rollenspiel nichts am Hut haben), große Fantasy-Satire war es nicht. Wenn ich es an Terry Pratchett messe – der bei mir eigentlich durchgehend 5 Kokosnüsse verdient – bis auf vielleicht die allerersten und den letzten Roman – dann kann ich hier inhaltlich nur zwei bis drei Kokosnüsse vergeben. Und ich weiß jetzt, warum ich von diesen Fantasy-Autoren bisher noch nichts gelesen habe – und warum das vermutlich auch so bleiben wird, jedenfalls bei den allermeisten.

Aber auch dafür sind Kurzgeschichtenanthologien ja immer gut – um mich mit mir fremden Autoren bekannt zu machen und mir zu zeigen, ob ich diesen Autor lesen möchte.

Die Hilfskräfte – die wahren Herren des Dungeons

Diverse Autoren

Erscheinungsjahr: 2018

E-book-Ausgabe, Seitenzahl der Print-Ausgabe: 300

Die E-book-Ausgabe war mit unter 5 Euro auch sehr erschwinglich! Von daher, drei Kokosnüsse insgesamt.

Diebstahl und seine Folgen

Ich habe jetzt zum Ende des Jahres meine Tageszeitung gekündigt. Weil sie mir seit Wochen aus meinem Briefkasten geklaut – oder nie hinein gelegt und dann aus dem Hausflur geklaut wurde.

Nun, ich spare damit jeden Monat Geld. Ich habe sowieso meist nur die Glossen und die Cartoons gelesen, selten Lokalnachrichten, fast nie den Finanz- oder Sportteil … und den Hauptteil habe ich nur überflogen, weil es ja alles bereits „old news“ waren – da ich ja täglich Radio höre und online den Guardian lese.

Die Extravaganzen im Hannoverschen Rathaus kann ich nicht ändern, die Stadtbaurätin, die mit ihrer Glaskasten-Architektur die Stadt verschandelt, kann ich nicht leiden, die sportlichen Misserfolge des hiesigen Fußballklubs kann ich nicht schön reden.

Das alles hat wenig mit den Mitarbeitern der Zeitung und dem Produkt zu tun. Allenfalls der Zeitungsbote, der meine Zeitung nicht mehr in den Briefkasten steckte, konnte den Diebstahl verhindern. Und da ich mich weigere, einem Dieb die Zeitung zu finanzieren, habe ich nun beschlossen, das Abo zu kündigen und das dann auch getan. Ich kauf mir höchstens noch mal eine Zeitung im Laden, sollte ich der Meinung sein, ich möchte Zeitung lesen. Abo hat sich für mich.

Es wird langsam Zeit, dass unser Gemeinschaftsflur Video-überwacht wird, damit Diebe zumindest festgestellt werden können. Das kann doch so nicht weitergehen!

Ausgesperrt!

Gestern wurde bei Bauarbeiten eine Fünf-Zentner-Bombe (250 kg, für Euch Heiden) gefunden. Diese musste noch in der Nacht entschärft werden. Also wurde geräumt. Meine Arbeitsstelle lag im Räumungsgebiet. Und wo ich normalerweise bis kurz nach 20 Uhr am Schreibtisch gesessen hätte, hieß es jetzt, ab 19 Uhr wird das Gelände dicht gemacht.

Ich war nicht die Einzige, die so Zeit vom Zeitkonto verloren hat. Aber wenigstens konnte ich nach Hause. Eine andere Kollegin hat es da schlimmer getroffen. Ihr Sohn wohnt buchstäblich nebenan. Der hatte aber Nachtschicht. Und IHRE Wohnung lag auch innerhalb der Räumungszone.

Die Bombe war erst nachts um 1 Uhr entschärft. Da schlief ich schon selig in meinem eigenen Bett. Wer hat eigentlich die Bomben im Tausch gegen unsere Georges akzeptiert?

 

Buch 20 aus 19

Ja, ich habe es schon wieder getan. Dieses Mal habe ich meinen Sonntag Nachmittag mit Lesen verbracht – und schwupp ein weiteres Buch ist gelesen:

Keigo Higashino, Böse Absichten, aus meinem studiosus-Buchpaket (noch ein weiterer Krimi vom selben Autoren wartet auf mich).

Ich mochte die Struktur des Romans. Der Autor lässt abwechselnd den Ermittler und einen Beteiligten erzählen. Es geht um die Ermordung eines japanischen Bestsellerautors, der mit seiner zweiten Frau (die erste verstarb vor fünf Jahren), nach Kanada auswandern wollte.

Der Beteiligte findet das Opfer und hat, wie auch die Ehefrau des Opfers, ein Alibi.

Wie es dann immer hin und her geht bis endlich die ganze Wahrheit ans Licht kommt, ist sehr fesselnd zu lesen gewesen. Ein paar Eigenheiten Japans werden auch erwähnt (die japanischen Schulkinder, die die Sportanlagen harken z.B.).

Für mich der erste japanische Krimi, aber er hat Lust auf mehr gemacht.

Keigo Higashino

Böse Absichten

2001 geschrieben, 2017 erst in Deutschland herausgekommen

gut 250 Seiten

Buch 19 in 19

Heute in den frühen Morgenstunden habe ich Michelle Obamas Biografie beendet, Becoming.

Darin schildert sie in drei großen Abschnitten erst ihr Leben als Michelle Robinson, wie sie aufwuchs in einer Arbeiterfamilie mit einer „Nur“-Hausfrau-Mutter (die Mutter hatte ihren Beruf aufgegeben, um sich um die beiden Kinder zu kümmern) und einem bei der Wasserversorgung arbeitenden Vater, sowie mit dem älteren Bruder Craig.

Was man ihr von Anfang an beibrachte, war, nach „Höherem“ zu streben, sich anzustrengen, mehr vom Leben zu wollen, sich gegen die Ungerechtigkeit zu wehren, die sie als schwarze Jugendliche aus Chicago erfahren hat.

Und das hat sie getan. Sie hat in Princeton und Harvard studiert und als Rechtsanwältin gearbeitet (in einer Firma, die sich um Vertragsrecht kümmerte, nicht bei so nem Feld-, Wald- und Wiesenanwalt). Sie hat dabei dann ihren Ehemann kennen gelernt, hat den Job gewechselt, hat sich für Benachteiligte eingesetzt, hat dabei auch Rückschläge in den Finanzen hingenommen – und hat dann die Politikkarriere des Ehemannes unterstützt und zwei Töchter bekommen, was nicht einfach war.

Sie ist als erste Schwarze „First Lady“ geworden, hat sich dabei nicht nur um ihre Initiative für Gesünderes Essen für Kinder gekümmert, sondern auch um eine Initiative, die es den Familien von Soldaten und Veteranen erleichterte.

Sie hat definitiv KEINE Ambitionen, sich selber in den Politikbetrieb zu stürzen. Ein wenig Schade, aber verständlich. Eine ihrer Schwächen, die sie einräumt, ist, dass sie mit (ungerechtfertigter) Kritik und irrationaler Ablehnung nur schwer umgehen kann.

Ihre Stärken sind ihre Fokussierung auf ein Ziel, das sie erreichen will, ihre wirklich aufopfernde Liebe für ihren Mann und die zwei Töchter und ihr Gerechtigkeitssinn. Sie übersieht nicht, dass sie es trotz der nicht gerade reichen Familie leichter hatte als andere Jugendliche, die ein instabiles Elternhaus hatten.

Ihre Eltern haben für die Kinder viel geopfert, wie das viele Eltern für ihre Kinder getan haben. Das war Michelle auch bewusst, weshalb sie ihren Eltern nichts von dem geplanten Frankreichtrip der Klasse erzählt hatte, in der Annahme, dass das eh viel zu teuer sei. Und die Eltern hörten es doch, von einer anderen Mutter und teilten ihrer Tochter mit, dass nicht SIE zu entscheiden habe, was zu teuer sei. Und so flog Michelle mit den anderen nach Paris.

Diese hingebungsvolle Liebe hat Michelle also zum Vorbild bekommen, etwas, das anderen fehlt.

Beschreibt sie auch Sachen, die eher peinlich für sie waren? Ja, aber nur wenige. Ein großes Lob galt auch der Queen, die sie einige Male getroffen hat, und die ihr bei einem Besuch sagte, sie solle doch aufs Protokoll pfeifen … (also, nicht genau in den Worten).

Welchen Eindruck hatte ich nach dem Lesen von Michelle Obama gewonnen? Dass sie eine pflichtbewusste und fleißige Frau ist. Dass sie intelligent ist – ICH käme weder in Princeton noch in Harvard an, und ich halte mich schon für nicht ganz blöd. Dass sie eine Kämpferin ist. Und dass sie mit Humor ein kleines Problem hat, weil sie das Leben viel zu ernst nimmt, aber sie selber sagt immer wieder, dass ihr Barack Obama in der Beziehung weiterhilft. Der ist nämlich etwas entspannter als sie – nach ihrer Aussage.

Hat mir das Buch gefallen? Ja, und ich kann es weiterempfehlen, wenn man etwas über die neuere amerikanische Geschichte hören will, das aus dem Alltagsleben der Personen kommt – und nicht nur die großen Schlagzeilen. Man sieht hier mal die andere Seite Amerikas, fern der weißen Vororte mit weißen Zäunen. Man sieht hier ein schwarzes Amerika jenseits der Ghettos und jenseits der Celebrities. Ein Amerika, das immer noch nicht die Hautfarbe ignoriert.

Michelle Obama

Becoming (englischer Titel, ich hab es auf Englisch gelesen)

2018

426 Seiten im Hardcover