Monatsarchiv: Juni 2013

Mr. Chartwell

Wie schon Nachtzug nach Lissabon, war auch dieses wieder eine Leihgabe einer Kollegin (die dritte folgt).

Mr. Chartwell ist ein Hund, der sich bei einer jungen Londonerin einmietet, die vor zwei Jahren ihren Mann verloren hat. Mr. Chartwell, ein großer, schwarzer Hund ist die Depression, nach Churchill, der seine immer „einen großen schwarzen Hund“ genannt haben soll. Dieser Hund ist eklig, unhöflich, besitzergreifend und dominant.

Während Churchill, der in diesem Buch, das ein halbes Jahr vor seinem Tod spielt, seine politische Karriere beendet, mit viel Kraft gegen den Hund aufbegehrt, ist die junge Londonerin nur allzu willig, sich von dem groben Tier schubsen zu lassen. Erst die berufliche Begegnung mit Churchill verändert sie.

Dieses Buch, sehr viel kürzer als der Nachtzug, war spannender – von einem melancholischen Humor geprägt – und wenn es auch nicht ganz in die MUSS-MAN-LESEN-Kategorie fällt, so ist es doch eher bei KANN-MAN-LESEN als bei KANN MAN AUCH NICHT LESEN 😉

Die oben verlinkte Guardian-Rezensentin hätte sich hier weniger sprachliche Eskapaden gewünscht – ich hoffe, sie liest nie Nachtzug nach Lissabon 😉

Bewertungskategorien für die Buchrezensionen:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

Nachtzug nach Lissabon

Gemeint ist nicht dieser hier.

Sondern das gleichnamige Buch, das dieses Jahr auch in die Kinos kam.

Ein Buch über einen Schweizer in Midlifecrisis, der diesem Gefühl, dass er das Leben verpasst hat, nachfährt, in dem er das Leben eines anderen „erfahren“ möchte. Nur um Ende, wie alle Midlife-Crisis-Opfer zu erfahren, dass der Mensch altert und sterblich ist.

Das Buch hat 495 Seiten, in der Ausgabe, in der ich es gelesen habe, und ich fasse es in 2 Sätzen zusammen. Unfair? Ja, wenn man auf schwurbelige, selbstverliebte Sprache steht, die fehlt in den zwei Sätzen. Nein, wenn man nur wissen will, was diesen Mann bewegt, sein Leben fallen zu lassen und sich vor jeder Verantwortung auch für sich selber davon zu stehlen – dazu gehört das schöne Doppelwort Midlife-Crisis. Vielleicht bin ich noch zu jung, um es zu verstehen, vielleicht habe ich meine Selbstmitleidtour schon hinter mir und kann dies nicht mehr verstehen. Die Erzählperson ist ein weinerlicher Altsprachen-Lehrer, der in schwärmerischer Weise einem portugiesischen Arzt und Autor hinterherjagt, der längst gestorben ist und eine Menge heißer Luft, ungefähr so wichtig wie der in diesem Buch allgegenwärtige Zigarettenrauch, hinterließ.

Das Buch langweilt über weite Strecken, als ich die ersten Filmkritiken dazu las, wusste ich, der Plot ist einfach zu dünn, es geht nicht nur mir so. Wer gerne philosophisches (habe gelesen, dass der Autor Philosoph ist, also ist es nicht nur PSEUDOphilosophisch) Geschwurbel liest, dem würde ich es empfehlen.

Bewertungskategorien für die Buchrezensionen:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

Namenloses Buch

Ab heute gibt es (hoffentlich täglich) Buchrezensionen.

Manche Bücher liegen bei mir schon jahrelang teilgelesen herum, aber ich so schaffe ich dann vermutlich doch mein Ziel von 1 Buch pro Tag und kann in meinem Urlaub trotzdem noch was anderes machen.

Heute das gestern beendete „Das Buch ohne Namen“ von „Anonymous“. Der erste Band aus einer Reihe, die ich nicht lesen werde. Das sagt schon alles über mein Ergebnis. Ich bekam es geschenkt und las es daher ganz, obwohl ich bereits nach 100 Seiten von Gewaltszenen und Fäkalsprache nicht besonders angetan war.

Kurzer Abriss: In Santa Modega (fiktive Stadt in Texas oder New Mexico) tritt ein Serienkiller auf. In einer klassischen Western-Style-Bar erschießt er sämtliche Gäste. Eine Lady überlebt auf wundersame Weise, der Barmann versteckt sie und sie erholt sich wieder vollständig.

Fünf Jahre später erwacht sie aus dem Koma, weiß -angeblich- nicht, wer sie ist und tut sich mit einem Kopfgeldjäger zusammen.

Bei dem ersten Massaker waren auch zwei Mönche in der Stadt, die danach eine Weile nicht erwähnt wurden.

Fünf Jahre später schickt der Abt des südpazifischen Klosters wieder zwei junge Mönche aus, die, wie die ersten, einen geheimnisvollen Stein wiederholen sollten. Wie die ersten Mönche treffen sie in Santa Modega auf eine völlig verwahrloste Stadt, passen sich an und verletzten Ordensregeln.

Das Gerücht geht um, der Serienkiller sei wieder in der Stadt. Kurz nach dem Aufwachen aus dem Koma werden die Schwester des Barmanns und ihr Mann, bei denen die Lady unterkam, auf grausamste Weise getötet. Die Leichen werden mit viel Liebe zum grausigen Detail beschrieben.

Es stellt sich heraus, dass Untote in der Stadt sind, die den Stein wegen einer Mondfinsternis in die Finger bekommen möchten. Der geheimnisvolle Dark Lord wird erwähnt, aber bis auf die letzten 50 Seiten werden keine weiteren Hinweise auf die Lösung gegeben. Stattdessen wird eine Gewaltorgie nach der anderen angezettelt, Köpfe abgerissen, Zungen herausgerissen, Blut Barrel-weise verspritzt … 

Einzig die letzten 50 Seiten bieten soetwas wie einen Plot, mit Motiven für die Handelnden, mit Fragen, die der Leser auch gelöst wissen will – und mit einem Twist, was die Person des Dark Lords angeht. Wenn die Massaker auf das Notwendigste zusammengestrichen wäre, die kulturellen Missverständnisse der Mönche nicht endlos ausgewalzt worden wären, nicht eine Figur nach der anderen ausgeweidet worden wäre – vielleicht hätte ich das Buch dann ganz amüsant gefunden. So fällt es in die Splatter-Kategorie.

Bewertungskategorien für die Buchrezensionen:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

 

Von Buchhandlungen und Buchhandelsketten – und Versandbuchhändlern

Wo kauft man neue Bücher? [Lasst mich mal die Second-Hand-Variante ausklammern]

Wo es welche gibt!

Kleine, inhabergeführte Geschäfte. Freundlicher und sachkundiger Service, laden mit ihrer Ruhe zum Stöbern ein, haben nur ein limitiertes Angebot vorhanden (können natürlich alles andere bestellen).

Filialisten. Davon haben wir in der Innenstadt zweieinhalb. Eines war lange Zeit Hannovers größte, in Familienbesitz befindliche Buchhandlung – mit einem unglaublich arroganten Personal. Das mit dem Personal hat sich geändert – man ist dort jetzt freundlich, war es auch schon bevor es zu einer großen Kette gehörte. Die zweite Kette kam noch dazu, als die große Buchhandlung noch Familienunternehmen war. Wechselte dann (aus kartellrechtlichen Gründen). Und hat sofort zur Serviceverbesserung in der ersten Buchhandlung geführt 😉 Konkurrenz belebt eben doch …Dort bekommt man viel. Abe das Angebot ist unübersichtlich. Wer, wie ich, sich mit Autorennamen schwer tut, muss fragen gehen. Die aktuellen Bestseller sind prominent platziert (als wenn die sich nicht von allein verkaufen), der (in welche Richtung auch immer) exklusivere Geschmack darf suchen. Oder fragen. Auch hier kann bestellt werden, was nicht vorhanden ist. Meist gibt es ein recht großes Angebot an Non-Books – außer Karten und Lesezeichen eben auch Spiele, Süßwaren, Tassen etc. Diese Läden sind stark frequentiert – so stark, dass ein reines Stöbern keine Freude macht.

Wenn man weiß, was man will, ist der Versandbuchhandel eine Alternative. Lieferung ist schnell. Vorbestellungen werden automatisch geliefert (keine weitere Tätigkeit von mir notwendig), und ähnliche Produkte werden vorgeschlagen. Aber noch stärker ist der Versandbuchhandel, wenn ich nicht für mich, sondern für Freunde/Familie kaufen möchte – weil ich mich dann nicht um den Transport der Geschenke bemühen muss, ich sogar bei denen, die sie eingerichtet haben, Wunschzettel zur Auswahl habe – wenn man wenig Zeit hat, sich um Geschenke zu kümmern, ein Segen!  DAS ist sicher eines meiner Lieblingsfeatures beim Versandbuchhandel.

Und auch wenn ich Second-Hand außen vor lassen will – aber die Möglichkeit hätte man dort auch. Kann sogar eigene Käufe dort wieder verkaufen. (Noch nie gemacht).

Ja, ich bin meist ein Versandbuchhandeltyp. Aber wenn ich nicht arbeiten muss, wenn ich Zeit und Lust zum Bummeln habe, dann bin ich froh, wenn ich die anderen beiden habe!

 

Alarmstimmung im Neuen Rathaus

Es ist tatsächlich passiert. Ein unbenannter Bogenschütze bedroht Hannovers Rathaus mit einem Bronzepfeil!

Ein kundiger Kunstexperte bekam sofort „kriegerische Assoziationen“.

Das ist eindeutig ein Anschlag auf die öffentliche Ordnung.

Wir reden hier von einer Statue, die sehr klassisch aussieht in den 60ern an ihren jetzigen Standort verbracht wurde. Nun, nach einem halben Jahrhundert, ist diese permanente Bedrohung zuviel für die Rathausinsassen und die Verwaltung hat beschlossen, die Statue muss weg, da man soviel Aggression nicht aushalte. (Ich hätte ja den HAZ-Artikel verlinkt, aber der soll Geld kosten – also lest nach bei der Zeitung mit den Großbuchstaben.)

Geld ist übrigens auch dafür da: 2000 Euro soll diese besonders dringliche Kulturangelegenheit kosten. Und da sagt man immer, im Kulturetat müsste gespart werden 😉

Friedhofsnews

Dass auf Friedhöfen Tote herumliegen, ist ja allgemein bekannt. Aber es ist auch bekannt, dass man für dieses Privileg gut zahlen muss. Eigener Grund und Boden für die nächsten 20 bis 25 Jahre kann richtig teuer sein.

Das dachte sich wohl auch ein 70-jähriger aus Süddeutschland. Leider hat er nicht daran gedacht, seine verräterische Tasche vorher zu entsorgen – denn die brachte, wie jede herrenlose Tasche die Polizei auf den Plan – in diesem Fall war der Plan der Friedhof in Göttingen-Weende. Und die herrenlose Tasche, die gefunden wurde, ließ die Ermittler nach dem Besitzer suchen. Den fand sie auch – in einem dichten Gebüsch. Tot. Beim öffentlichen Nahverkehr nennt man sowas Leistungserschleichung.

Die Polizei jedenfalls findet es nicht seltsam, dass der Tote allein ohne seine Tasche in einem dichten Gebüsch lag – sie geht davon aus, dass kein Fremdverschulden vorliegt. Dann kann es ja nur noch Leistungserschleichung gewesen sein.

So passiert in Göttingen.

 

Oppositionssorgen in Hannover

Hannover ist wie jede deutsche Großstadt mit Schulden ausgestattet. Liegt einfach an der Einwohnerzusammensetzung.

Daher habe ich die Klage der Opposition über eine 250.000-Euro-Fete zum 100. Geburtstag eines städtischen Gebäudes auch noch nachvollziehen können – bis – ja, bis ich gesehen habe, WAS die oppositionelle Fraktion so störte.

Gebäude werden nicht gerade selten, wenn es nicht gerade Krieg oder Feuer – oder Flut oder Erdbeben – gibt, 100 Jahre alt. Daher erschien mir das als nicht so feierwürdig, dass ich dafür die viel zu knappen Steuermittel überhaupt raustun muss. Kann ich doch schon damit wieder eine Erzieherin bezahlen – über mehrere Jahre!

Aber nein, die Opposition störte sich zwar auch an den 250.000 Euro – aber nicht, weil sie das Geld gern eingespart hätte – NEIN – DIE OPPOSITION FINDET DIE FEIER ZU BILLIG! Das sei ein zu „dürftiges Rathausfest“!