Buch 19 in 19

Heute in den frühen Morgenstunden habe ich Michelle Obamas Biografie beendet, Becoming.

Darin schildert sie in drei großen Abschnitten erst ihr Leben als Michelle Robinson, wie sie aufwuchs in einer Arbeiterfamilie mit einer „Nur“-Hausfrau-Mutter (die Mutter hatte ihren Beruf aufgegeben, um sich um die beiden Kinder zu kümmern) und einem bei der Wasserversorgung arbeitenden Vater, sowie mit dem älteren Bruder Craig.

Was man ihr von Anfang an beibrachte, war, nach „Höherem“ zu streben, sich anzustrengen, mehr vom Leben zu wollen, sich gegen die Ungerechtigkeit zu wehren, die sie als schwarze Jugendliche aus Chicago erfahren hat.

Und das hat sie getan. Sie hat in Princeton und Harvard studiert und als Rechtsanwältin gearbeitet (in einer Firma, die sich um Vertragsrecht kümmerte, nicht bei so nem Feld-, Wald- und Wiesenanwalt). Sie hat dabei dann ihren Ehemann kennen gelernt, hat den Job gewechselt, hat sich für Benachteiligte eingesetzt, hat dabei auch Rückschläge in den Finanzen hingenommen – und hat dann die Politikkarriere des Ehemannes unterstützt und zwei Töchter bekommen, was nicht einfach war.

Sie ist als erste Schwarze „First Lady“ geworden, hat sich dabei nicht nur um ihre Initiative für Gesünderes Essen für Kinder gekümmert, sondern auch um eine Initiative, die es den Familien von Soldaten und Veteranen erleichterte.

Sie hat definitiv KEINE Ambitionen, sich selber in den Politikbetrieb zu stürzen. Ein wenig Schade, aber verständlich. Eine ihrer Schwächen, die sie einräumt, ist, dass sie mit (ungerechtfertigter) Kritik und irrationaler Ablehnung nur schwer umgehen kann.

Ihre Stärken sind ihre Fokussierung auf ein Ziel, das sie erreichen will, ihre wirklich aufopfernde Liebe für ihren Mann und die zwei Töchter und ihr Gerechtigkeitssinn. Sie übersieht nicht, dass sie es trotz der nicht gerade reichen Familie leichter hatte als andere Jugendliche, die ein instabiles Elternhaus hatten.

Ihre Eltern haben für die Kinder viel geopfert, wie das viele Eltern für ihre Kinder getan haben. Das war Michelle auch bewusst, weshalb sie ihren Eltern nichts von dem geplanten Frankreichtrip der Klasse erzählt hatte, in der Annahme, dass das eh viel zu teuer sei. Und die Eltern hörten es doch, von einer anderen Mutter und teilten ihrer Tochter mit, dass nicht SIE zu entscheiden habe, was zu teuer sei. Und so flog Michelle mit den anderen nach Paris.

Diese hingebungsvolle Liebe hat Michelle also zum Vorbild bekommen, etwas, das anderen fehlt.

Beschreibt sie auch Sachen, die eher peinlich für sie waren? Ja, aber nur wenige. Ein großes Lob galt auch der Queen, die sie einige Male getroffen hat, und die ihr bei einem Besuch sagte, sie solle doch aufs Protokoll pfeifen … (also, nicht genau in den Worten).

Welchen Eindruck hatte ich nach dem Lesen von Michelle Obama gewonnen? Dass sie eine pflichtbewusste und fleißige Frau ist. Dass sie intelligent ist – ICH käme weder in Princeton noch in Harvard an, und ich halte mich schon für nicht ganz blöd. Dass sie eine Kämpferin ist. Und dass sie mit Humor ein kleines Problem hat, weil sie das Leben viel zu ernst nimmt, aber sie selber sagt immer wieder, dass ihr Barack Obama in der Beziehung weiterhilft. Der ist nämlich etwas entspannter als sie – nach ihrer Aussage.

Hat mir das Buch gefallen? Ja, und ich kann es weiterempfehlen, wenn man etwas über die neuere amerikanische Geschichte hören will, das aus dem Alltagsleben der Personen kommt – und nicht nur die großen Schlagzeilen. Man sieht hier mal die andere Seite Amerikas, fern der weißen Vororte mit weißen Zäunen. Man sieht hier ein schwarzes Amerika jenseits der Ghettos und jenseits der Celebrities. Ein Amerika, das immer noch nicht die Hautfarbe ignoriert.

Michelle Obama

Becoming (englischer Titel, ich hab es auf Englisch gelesen)

2018

426 Seiten im Hardcover

 

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Buch 18 2019

Heute morgen musste ich erstmal ein kleines, nettes Büchlein beenden, das eine Empfehlung meiner Mitleser aus dem Guardian war: Old Filth von Jane Gardam.

Der Name ist der Spitzname des Hauptcharakters, eines alten Juristen, der, in Asien geboren, als der Sohn eines Kolonialbeamten nach England zur Ausbildung zurück kehrte (ohne Eltern, die Mutter starb bei der Geburt, der Vater hatte seinen Posten).

In Wales wächst der 5-jährige drei Jahre bei einer Pflegemutter heran, und geht auf die Dorfschule, dann besucht er mit 8 Jahren ein Internat, in dem er einen Freund gewinnt, bei dessen Familie er die Ferien jeweils verbringt, später gehen sie auch zur gleichen, weiterführenden Schule, wieder ein Internat.

Am Ende seiner Schulzeit, wir befinden uns in der Zeit des „Blitz“, besteht er eine Zulassungsprüfung in Oxford, im alten College seines Vaters, den er kaum kennt (als Kleinkind wuchs er in der Familie seiner Amme auf), später wird er ihm auch in die Armee folgen. Er bewacht für eine gewisse Zeit Königin Mary, damit sie nicht von Deutschen gekidnappt wird und nach dem Krieg studiert er Jura.

Er lernt eine Menge Leute kennen, die es immer wieder gut mit ihm meinen, die ihm manchmal auf sehr unorthodoxe Weise das Leben retten.

Das alles wird nicht linear erzählt, immer wieder werden die Zeitebenen gewechselt, bis schließlich im großen Finale das dunkle Geheimnis aufgedeckt wird.

Das Thema Englisches Empire wird thematisiert, vor allem aber, was es mit den Kolonisierenden machte. 256 Seiten und eine Welt voller interessanter Charaktere, mal abgesehen vom Titelcharakter haben wir seine Ehefrau, Betty, den Nachbarn, mit dem ihn eine lebenslange Abneigung verband, den Schulfreund, die Cousinen Claire und Babs, die er bei seiner Pflegemutter antraf, die Pflegemutter, seinen Gärtner und die „Zugehfrau“, seinen Schulfreund, dessen Eltern und Bruder sowie eine Cousine des Freundes, seine beiden einnehmenden (finanziell) Tanten, den ersten Internatsleiter, Lehrer aus dem zweiten Internat, eine „Zufallsbekanntschaft“ vom Schiff, auf dem seine Familie ihn sicher aus dem zweiten Weltkrieg bringen wollte, der ihn später in Hongkongs Rechtswesen unterbrachte sowie noch ein paar weitere Figuren. Kaum zu glauben, dass eine solche wohl bevölkerte Welt in so einem kleinen Buch Platz hat. Eigentlich schade, dass das Buch so kurz war.

Ein kleines Buch, nur etwa 260 Seiten, aber ein wirklicher Lesegenuss.

Old Filth

Jane Gardam

256 Seiten (ABACUS-books)

2004 zuerst veröffentlicht, 2005 das erste Mal von Abacus veröffentlicht

So geht das nicht!

Liebe DHL, heute Morgen fand ich ein an mich adressiertes Paket auf den Treppenstufen nach draußen.

Es kam von Book Depository, ein starker Hinweis darauf, dass es ein Buch enthielt.

Es war geöffnet! Glücklicherweise wollte niemand Michelle Obamas Biografie auf Englisch lesen. Aber so geht es nicht! Ich war am Samstag daheim, man hätte klingeln können, denn das Buch war zu dick für den Briefkasten.

Erboster Gruss Fran

Unfreiwilliges Candlelight-Dinner

Gestern Abend kam ich mir vor wie in einem Land, das mehr Entwicklung anstrebt. Ich war gerade in den letzten Zügen des Kochens, hatte mein Hühnchen zur Linsensuppe gegeben und wartete nun darauf, dass es gar zog, als es plötzlich dunkel wurde und auch der Herd nicht weiter heizte.

Stromausfall.

Das kommt hier ja nur sehr selten vor. Und so schaute ich aus dem Fenster, im Haus gegenüber waren die Lichter noch an. OK, also zu meinem Sicherungskasten – dort waren alle Sicherungen oben. Im Rest vom Haus rührte sich etwas. es betraf also nicht nur mich. Meine Mini-Taschenlampe gegriffen und raus auf den Flur, Schlüssel mitgenommen (das hätte noch gefehlt!). Im ganzen Haus Strom weg, der junge Mann schräg unter mir war in den Keller gegangen, aber dort war alles i.O.

Ok, ich dachte an mein Eis im Kühlschrank, vorgestern gekauft – und beschloss, mal meine Nachbarinnen zu fragen, ob sie auch ein Magnum wollten. Fanden die Studentinnen schwer i.O. – und so wurde zuerst mal der Eisgenuss gesichert. Ich hoffte, dass mein Suppenhuhn nicht auftauen würde bis der Strom wieder da war.

Anruf bei der Hausverwaltung – die Hotline, bei der ich noch den Wasserrohrbruch gemeldet hatte, war nicht geschaltet. Ok, vielleicht schon zu spät. Vielleicht gibt es sie auch nicht mehr.

Ich schrieb also eine E-Mail. Und dann probierte ich, ob mein Hühnerfleisch in der kochendheißen Suppe durchgezogen war – war es! Meine Schwester konnte ich auch nur noch per (dankenswerterweise aufgeladenem) Handy über den Messenger erreichen. Die zeigte mir dann gleich eine Seite, auf der man nachschauen konnte – es waren nicht nur wir, über 91 Personen hatten sich gemeldet, dass kein Strom da war – und soviele wohnen nicht in diesem Haus.

Also aß ich mein Linsensüppchen bei Kerzenlicht. Ich war noch nicht ganz fertig, da war der Stromausfall auch schon vorbei. Doch kein Entwicklungsland.

Heute im Internet: Kabelschaden, Kurzschluss im Erdkabel.

Und ich fühle mich immer noch energielos.

Fleißiger Sonntag

An Wochenenden bin ich notorisch faul. Einkaufen, wenn ich muss, Abwasch, wenn notwendig. Kochen? Kann, muss aber nicht.

Dieses Wochenende war anders. Ich habe gestern tatsächlich eingekauft und ein Mal abgewaschen – und stellte dabei fest, als ich meine Wohnung verließ, dass meine Zeitung nicht im Briefkasten war, sondern darüber hingestellt worden war. Egal, es war nichts rausgelesen, vermutlich hat sie auch niemand angefasst – ich schätze der Zeitungszusteller hatte einfach keinen Bock sie in den (leeren) Briefkasten zu stecken.

Im Supermarkt war es nachmittags dann jetzt nicht übermäßig voll. Aber eine Person an der Kasse in der Schlange von zwei hat es wieder geschafft, nicht ausgezeichnete Ware dabei zu haben. Meine Kräuter hatten keinen Barcode … Sorry.

Und wenn ich für jeden Radfahrer, der hier nicht die Regeln einhält, 10 Cent bekäme, wäre mein Lottospiel bezahlt. Ich hab übrigens gewonnen. Das erste Mal dieses Jahr. Die stolze Summe von € 2,50.

Heute hab ich dann Toskanischen Hähnchenauflauf von Chefkoch gemacht. (Ja, kann man auch ohne Hähnchen essen – Fisch muss nicht so lange drin sein, Pilze kann man auch nehmen. Bitte nicht mit Tofu ersetzen, Tofu ist ENTsetzlich). Ich habe etwas weniger Fleisch gehabt, so um 340 g statt 500 – es reicht also für eine zweite Mahlzeit, nicht für vier. Und ich hab ausnahmsweise mal nicht Dosentomaten genommen. Es ist Sommer. Aber ich bin mir nicht sicher, dass Niederländische Tomaten im Sommer weniger festes Wasser sind …

Außer zu kochen hab ich heute außerdem mein Bett bezogen, zweimal Wäsche gewaschen, und einmal abgewaschen … *mir selber auf die Schulter klopf* Die dritte Maschine Wäsche scheiterte nur daran, dass ich zur Zeit in meiner Küche nicht den Platz durch den Wäscheständer einschränken möchte, Seit Monaten schaute ich gegen die orange gefütterte Jacke an, die ich heute endlich gewaschen habe. Zu meiner Entschuldigung – ich hab nicht soviel orange-braune Wäsche, aber heute hab ich genug gesammelt gehabt.

Wichtiger ist ja immer die dunkle Wäsche mit den Jeans und die 60 ° Wäsche. Und hin und wieder die grüne, zumindest bei Sommertemperaturen, denn ich habe mehr grüne T-Shirts als braune oder orange. Aber ich dachte mir, bevor es friert und Brexit kommt (also Oktober endet) sollte ich mich doch mal aufraffen. Ihr kennt das, oder? ODER??

Immerhin hab ich derzeit nur eine grüne Decke in der Wäsche … darauf liegt die Katze auf dem Bett. Manchmal. Neuerdings liegt sie lieber direkt auf dem Laken.

Hier sind immer noch sportliche 25 ° in der Wohnung. Zumindest die Wäsche sollte so schnell trocknen. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 48% – was sich im Normalbereich bewegt.

Und was mache ich nun mit meinem Sonntag? Küche wieder und weiter aufräumen? Papierkram sortieren? Oder: BÜGELN *Gelächter auf allen Rängen, ich bügele seit Jahren nicht mehr*? Nein, ich werde meine Katze füttern und dann weiter meine Lieblingsyoutube-Serie gucken. Ich bin schon fast durch *seufz*

 

 

Große Füße

Ja, auch bei mir kam die Botschaft an, dass die Menschheit heute den Tag erreicht hat, an dem sie alle Ressourcen für dieses Jahr verbraucht hat. So früh, wie noch nie.

Ich habe also pflichtschuldigst den Fußabdruck-Rechner bemüht:

https://www.fussabdruck.de/

Und Erstaunliches festgestellt. Ich habe einen Fußabdruck, bei dem ich über 3 mal das verbrauche, was mir zusteht. So die Leute vom Fußabdruck-Rechner. Meine Schuldigen: Essen und Wohnen.

Die Frage nach dem Fleisch- und Wurstkonsum habe ich wahrheitsgemäß beantwortet mit „fast täglich“. An den meisten Tagen nicht mehr als drei Scheiben Aufschnitt. Außerdem füttere ich meine Katze artgerecht, d.h. mit Katzenfutter, in dem, JUCHHU, Fleisch ist. Selbst, wenn ICH mich also vegan ernähren würde, würde in dieser Wohnung Fleisch verbraucht. Meine Katze bekommt eine 85g Tüte Katzenfutter, ich esse, wenn ich zur Arbeit gehe, drei Scheiben Wurst. BÖSE .. Und dann ist da noch die Kleinigkeit mit anderen tierischen Lebensmitteln. Milch macht auch Große Füße, ganz offensichtlich. Mal davon abgesehen, dass ich nicht glaube, dass, wenn wir ehrlich sind, ein Liter Mandelmilch (künstliche Bewässerung, Transport) wirklich so viel besser da steht … Aber meinen (echten, nicht analogen) Käse bekommen sie nur „out of my cold, dead hands“.

Ja, ich weiß, dass Kühe CO2-Schleudern sind. Aber ich weiß auch, dass ich nicht in den Tropen lebe. (Noch nicht). Und ich finde Lederschuhe übrigens auch ökologischer (weil abbaubar) als Plastikschuhe …

Aber das mal am Rande – nirgendwo wurde gefragt, wie viel von dem „bösen“ tierischen Essen ich denn gierig fresse … Ich denke, dass sich das, wenn man die tatsächlichen Mengen nimmt, nämlich reduziert. Ich esse ja nicht eine Weißwurst zum Frühstück, ein Riesenschnitzel zu Mittag und abends nochmal eine Brotzeit mit Schwarzwälder Schinken und Minibulletten. Wenn eine Person das einmal in der Woche isst, ansonsten aber vegan lebt, hat sie einen kleineren Fußabdruck als ich, die ich drei Scheiben Wurst am Tag esse (und ein Schnapsglas voll fettarmer H-Milch in den Tee tue), dazu noch Käse esse. Wenn bei dieser Person der vegane Kaffee-to-go nicht zählt, obwohl der Einwegbecher große Probleme macht, aber mir jeder Schluck Milch vorgehalten wird, ist das eben nicht korrekt!

Und wenn dann noch gefordert wird, dass wir doch bitte mehr regional essen, aber nicht wirklich differenziert wird zwischen Bioware und regionale, saisonaler Ware, dann ist das auch nicht korrekt. Die Bio-Mango aus Indonesien (oder woher sie auch immer kommt) ist nun mal nicht ökologischer als der Apfel aus dem Alten Land, oder der (Plastik-)Becher Heidelbeeren aus Garbsen. Sie ist nur leckerer …

Meine Biobananen sind auch nicht regional. Sie sind nur ohne Pestizide hergestellt.

Ich finde es auch sehr bedenklich, wenn dann noch 20 % meines Fußabdrucks als „Grundrauschen“ hinzuaddiert werden.

Nächstes Problem: Wohnen. Ich sollte doch in eine um ein Drittel kleinere Wohnung ziehen … Halloooo? Ich bewohne eine Altbauwohnung. Will heute keiner mehr. Deswegen heize ich auch höher, denn meine Wärme geht zunächst mal nach oben und durch die nicht sonderlich gut isolierten Fenster und Wände. Um in eine kleinere Wohnung zu ziehen, müsste zunächst mal die kleinere Wohnung existieren. Da sie das nicht tut, muss sie neu gebaut werden. Und wer ist beim Bauen ein großer Umweltsünder? Beton ..

Das ist doch alles nicht realistisch, dieser Fußabdruckrechner. Ich werde weiterhin meine Scheiben Wurst auf mein Brot auf die Arbeit nehmen und meinen (nicht aus der Region stammenden) Tee mit Kuhmilch versehen.

Solange Veganer, die im Winter auch nicht von eingelegtem Kohl und Grünkohl leben wollen, weil es regional und saisonal nichts anderes gäbe, ihre Obst- und Gemüsevielfalt importieren, kann ich auch mein Schwein vom Bauer Janssen aus Ostfriesland aufessen. Und ich erwähnte es schon mal:

Ich lebe nicht in einer Region, die mit vielen Sonnenstunden im Winter gesegnet ist. Wir haben ein Vitamin D-Problem und ein Vitamin B 12 Problem. Und bevor ich zur „bösen Chemie“ greife, esse ich lieber tierische Nahrungsmittel.

Freut Euch, ich bin schon 50, ich lebe nicht mehr so lange …

Fenstersturz mal ganz neu

Wir haben hier in Hannover (ah, mal wieder etwas Lokales!) eine alte Kirche am Markt stehen, wie das in jeder deutschen Stadt normalerweise der Fall ist (bei Wolfsburg bin ich mir nicht ganz sicher, weil es eine relativ junge Stadtgründung ist).

Diese Kirche ist im 14. Jahrhundert entstanden, hat aber einen noch älteren Vorgängerbau aus dem Jahr 1125. Die neue Kirche wurde, was sehr passend ist, mit den Buntglasfenstern begonnen! Die ersten Fenster wurden nämlich bereits 1340 fertig gestellt, der eigentliche Kirchenbau begann dann mit der Fundamentlegung, im Jahr 1347, um den Vorgängerbau herum, den man dann 1349 erst einriss.

Vorgespult ins Jahr 1943 (Juli und Oktober, heftige Bombenangriffe auf Hannover, die auch vor der Marktkirche nicht Halt machten), war die Kirche nur noch eine Ruine. D“er Wiederaufbau erfolgte 1946–1952 durch die Huta Hoch- und Tiefbau nach Plänen des Architekten Dieter Oesterlen, wobei der Ziegelstein im Inneren vollständig freigelegt wurde.“ Und um diesen Architekten geht es hier, oder besser, um seinen Erben.

Der Erbe ist nämlich der Meinung, dass er, der das Urheberrecht geerbt hat, nun bestimmen darf, welche Art Fenster die Kirche einbaut. Seine Argumentation: Oesterlen wollte einen besonders schlichten Innenraum, der würde durch das geplante Buntglasfenster gestört.

Darauf habe ich mehrere Einwände. Erstens – Herr Oesterlen hat höchstens eine sekundäres Urheberrecht – denn die eigentlichen Urheber waren die Kirchenbauer im 14. Jahrhundert, die Buntglasfenster planten und einsetzten. Ja, deren Urheberrecht ist natürlich lange vorbei, aber es bleibt, dass die eigentliche Kirche mit ihrer Einteilung, ihrem Grundriss, ihren Mauern etc. nicht von Oesterlen gestaltet wurde. Nur der Innenraum.

Zweitens – ein Fenster gehört zur Außenmauer, die aber hat Herr Oesterlen nicht neu gestaltet, die hat er übernommen. Die standen nämlich noch, als das Feuer mit der Kirche fertig war.

Drittens – dass Buntglasfenster den Innenraum umgestalten, halte ich für eine gewagte Annahme. Aber das kann man notfalls ja mal testen, geplantes Fenster auf eine große Plastikfolie ziehen, vor das jetzt gerade NICHT bunte Fenster halten und mal schauen, ob es wirklich eine so sensationelle „Umgestaltung“ darstellt.

Arschitekten und ihre Erben bilden sich wirklich ein, sie seien Künstler … dabei sind sie für mich mehr spezialisierte Ingenieure. Aber das ist meine Meinung.