Heute auf einem anderen Blog

Als Antwort auf einen Kommentar meinerseits wurde ich heute an die Events des Tages erinnert:

Iss-ein-mit-Schokolade-überzogenes-Insekt-Tag
Deutscher Hospiztag
Nationaler Tag des Desserts
Namenstag: Burkhard
Darunter schrieb die Kommentierende
„… mich macht heute nur, ein Schoki-Insekt als Dessert mit Burkhard im Hospiz glücklich 😉
*anonym*“
Nun, meine lieben Mitlesenden – diese wundervolle Zusamenfassung der Events des heutigen Tages schreit nach einer Kurzgeschichte. Wer ist dabei?
Ich mach mir dann mal Gedanken. Würde mich freuen, wenn sich von Euch auch jemand inspiriert fühlt.
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Im Fernsehen

Neulich hatte ich Geburtstag (nein, ICH war nicht im Fernsehen) und wie wir uns so unterhielten im Kollegenkreis, als ich einen ausgab, ergab sich, dass wir fast alle „Bares für Rares“ gern ansehen. Diese Sendung, bei der Zuschauer Raritäten und Antiquitäten von Experten schätzen lassen (wie das auch beim viel älteren „Kunst und Krempel“ und den Nachahmern geschieht) gepaart mit einem Besuch vor einer Händlerkommission, die dann ihrerseits bieten, was sie für realistisch halten (sie wollen ja immer noch einen Gewinn machen, schließlich sind sie Händler), erhielt fast durchgehend Lob von mir und meinen Kollegen.

Der Umgang mit den Anbietern ist respektvoll, die angebotenen Stücke werden nicht künstlich runtergemacht, der Ton ist freundlich.

Die Sendung hat einen RTL-Ableger. Nicht zu empfehlen. Die Händler dort sind wesentlich weniger respektvoll und freundlich, die Anbietenden werden aufs Glatteis geführt, die Möglichkeit, nicht zu verkaufen, scheint auch nicht geboten.

Und nachdem ich mir davon einen Teil einer Episode angesehen hatte, bin ich reumütig zu „Bares für Rares“ zurück gekehrt.

Die Vorgängershows „Kunst und Krempel“ und deren Nachahmer

https://de.wikipedia.org/wiki/Kunst_und_Krempel#Adaptionen_anderer_Sender

sind informativer, aber es gibt keinen Verkauf. Es gibt schon viel länger die englische Antiques  Road Show (von vielen Ländern übernommen) ist so ähnlich, nur dass es die erste ihrer Art war.

Und nun stieß ich bei Youtube auf die BBC Antiques Road Trip Sendung. Dort werden zwei erfahrene Experten auf die Antikläden einer bestimmten Gegend losgelassen, wo sie für ein Budget von 200 Pfund Antiquitäten kaufen dürfen, die dann nach zwei Tagen auf einer Auktion verkauft werden – und mit dem dann vorhandenen Geld geht es dann weiter  … für insgesamt 5 Sendungen. Das Konzept ist lustig, auf Englisch, aber … wenn man nur sein Schulenglisch hat, sind die lokalen Dialekte der Personen in der Sendung nicht immer leicht zu verfolgen (gerade sehe ich Staffel 12 bei Youtube, die ersten 5 Sendungen sind mit einem Schotten – der WIRKLICH bös zu verstehen ist und jetzt sind sie auch noch mitten in Schottland!)

Am Ende der fünf Sendungen haben die Experten im Bestfalle das Startgeld vermehrt und das wird dann einem guten Zweck gespendet.

Seit letzter Woche kann ich mir nur noch Internetversionen ansehen, seit dem hab ich nämlich Bedarf an einem neuen Fernseher. Nicht, weil der alte den Geist aufgegeben hat, aber das Programm wird jetzt nur noch digital angeboten.

 

 

 

Frauenfeindlich?

Im Guardian regt sich Eva Wiseman auf, dass sich Leute darüber aufregen, wenn Frauen ihr Makeup im Zug auftragen.

Sie sagt, es sei frauenfeindlich, weil man von Frauen doch erwarte, dass sie weiblich aussehen sollen, aber niemand sehen wolle, wie das erreicht wird. Das würde Frauen einschränken.

Liebe Frau Wiseman – nein, es ist nicht frauenfeindlich von Leuten zu erwarten, dass sie ihre Morgentoilette bitte daheim erledigen. Ich möchte auch keinem Kerl beim Rasieren zusehen oder mitbekommen, wie jemand seine Zähne reinigt, Dreck unter den Nägeln rauspult oder einen Pickel ausdrückt. Das ist ganz einfach etwas, dass man wie den Toilettengang im Privaten erledigt. Und wenn man dafür fünf Minuten früher aufstehen muss oder das Tempo morgens erhöhen muss, damit man rechtzeitig fertig wird, dann ist das halt so.

Ich weigere mich übrigens standhaft, überhaupt Makeup aufzutragen und bisher hat noch keiner gewagt, mir zu unterstellen, ich sei nicht weiblich genug. Weder Mann noch Frau. Die Leute haben sogar schon lange aufgegeben, zu versuchen, mir Kleider oder Röcke aufreden zu wollen. Man muss das aushalten, dass Leute Erwartungen haben, die man nicht erfüllen will.

Dass man die Leute trotzdem nicht an der täglichen Reinigung und Pflege teilhaben lässt, ist einfach gesellschaftliche Konvention. Aber das verstehen Leute wie Sie, die Sie in Zeiten von Oversharing per Facebook/Instagram und youtube groß geworden sind, wohl nicht.

Wenn mir Leute eine nicht perfekte Fassade im Zug zeigen, kann ich damit leben. Wenn Leute Badezimmer-Aktivitäten in den öffentlichen Raum tragen, stört mich das. Es sind private Momente, die ich nicht mitbekommen möchte. Und ja, für mich ist das Auftragen eines Lippenstiftes in der Öffentlichkeit dazugehörend. Niemand will einer Frau in die Gosch gucken, während sie den Rand dazu bemalt.

Aber vielleicht bin ich ja auch einfach nur mit 49 Jahren und 363 Tagen ein bißchen zu alt für soviel Oversharing.

Was ist da gerade passiert?

Es ist 5 Uhr, und alles ist wieder ruhig.

Gerade dagegen, vor vielleicht einer Viertelstunde, war der Hausflur mit Schreien erfüllt, und anderen lauteren, aber ruhigeren Stimmen. Knallgeräusche (ob da jemand nur gegen eine Tür geschlagen hat?) – dann sah ich dunkle Gestalten im Hausflur, eine mit Sturmhelm – alle mit einem großen roten Wappen und irgendeiner weißen Aufschrift (mehr konnte ich durch den Türspion nicht erkennen – ich bin nicht blöd genug, wenn es draußen laut wird mitten in der Nacht und mehrere Leute durch den Flur rennen, im Nachtpolter vor die versammelte Mannschaft zu treten und eine Erklärung zu verlangen).

Aber das rote, das könnte das Niedersächsische Landeswappen gewesen sein, und einige der dunkel gekleideten Gestalten (mitternachtsblau oder schwarz?) trugen, das sah ich, als ich sie beim Rausgehen durchs Fenster beobachtete, die eckigen Hüte von Polizisten.

Die Treppe RAUF ging dann der junge Mann von oben, dem vor kurzem sein Fahrrad aus der Wohnung abhanden kam, mit einer stark geschminkten, blondierten Frau mit Leopardenleggings.

So ein Türspion kann manchmal den besten Krimi ersetzen.

Mal wieder die Werbung -oder was sich dafür hält

Ein schönes Beispiel, wie man nicht werben sollte ist von den „dreien mit der Mütze“ produziert worden. Leider lädt das Foto nicht hoch, ich beschreibe es daher mal kurz:

Man sieht eine junge, weibliche, knackige Rückseite in kurzen Jeans beim Übersteigen eines Zaunes, der über Kopf hoch ist und dessen obere Stange noch mit (nicht sehr) Spitzen einen festen Griff zum Hochziehen verhindern soll. Neben diesem weiblichen Unterteil sieht man den Kopf eines jungen Mannes und rechts unten in der Ecke den Werbenden (die Telekom), die mit dem Spruch wirbt: „Zusammen geht mehr“.

Was soll mir diese Werbung sagen?

Dass die Telekom zum Hausfriedensbruch aufruft? Dass die Telekom  mehr Leute dazu auffordern möchte, eigentlich zu bezahlende Dienste kostenfrei in Anspruch zu nehmen? (Erschleichung von Leistungen)

Liebe Telekom – nein, so geht es nicht. Gar nicht. Ich weise dezent auf § 111 StGB hin:

(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) zu einer rechtswidrigen Tat auffordert, wird wie ein Anstifter (§ 26) bestraft.
(2) Bleibt die Aufforderung ohne Erfolg, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Die Strafe darf nicht schwerer sein als die, die für den Fall angedroht ist, daß die Aufforderung Erfolg hat (Absatz 1); § 49 Abs. 1 Nr. 2 ist anzuwenden.
Hausfriedensbruch ist eine rechtswidrige Tat. Und die Werbung ist öffentlich, ich fand diese in einer U-Bahnstation.
Jaaa – ich weiß, da werden die Juristen der Telekom sich rausreden, hier wollte doch nur jemand aufs eigene Gelände, nachdem man den Schlüssel verloren hat …
Aber der Eindruck wird hier nicht erweckt! Niemand lacht, wenn er gerade seinen Schlüssel verloren hat.
Wirklich, ihr solltet diese Kampagne beenden.

Verlassene Flaschen – auch außerhalb Hamburgs

Monstermeute und Zeuchs hat eine hübsche Rubrik, die ich aus gegebenem Anlass einfach mal ausleihe: Verlassene Flaschen.

Eine solche fand ich nämlich auch während meiner Abwesenheit:

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Diese rotköpfige Schwarzfahrerin fand ich im ICE auf der Strecke von Hamburg nach Kiel. Sie hat ihren Anschluss in Hamburg verloren und ist einfach weiter gefahren ohne ein entsprechendes Ticket zu besitzen. Ich mochte sie nun nicht stören, daher hab ich mich ihr nicht genähert, sie hat vermutlich einfach den Ausstieg in Hamburg verschlafen. Es kann jedenfalls nicht daran gelegen haben, dass sie voll gewesen wäre, sie kam mir eher völlig ausgesaugt vor.

Heute in den Nachrichten

600 Leute sprachen gestern mit ihrem Oberbürgermeister. Einer beklagte sich darüber, dass es nicht hinnehmbar sei, dass er Angst haben müsse, wenn er abends von der Arbeit komme.

Ein anderer wollte die Berichterstattung der Medien nicht hinnehmen, die hätten „das doch hochgekocht“ – und meinte damit die Berichterstattung über die rechtsradikalen Ausschreitungen, nicht etwa die über den Mord an einem 35-jährigen mit deutscher Staatsbürgerschaft, verdächtig sind (noch gilt die Unschuldsvermutung) zwei nicht deutsche Staatsangehörige, die sich bereits in der Untersuchungshaft befinden. (Wo ist da eigentlich die Aussage „Bin ich froh, dass sie den haben“, die bei jedem Deutschen Triebtäter kommt, weil man trotzdem davon ausgeht, trotz aller Berichte, dass dieser Täter eben ein Einzelfall ist.)

Ich stimme dem zweiten halb zu. Die Medien haben das hochgekocht, das mit dem Mord – die Angstmacher würd ich sie nennen. DIE deutsche Boulevardzeitung gefiel sich mit Viertelseiten-großen Lettern in denen sie das Wort MORD fasste. Daher sehe ich einen direkten Zusammenhang zwischen der Berichterstattung und der Angst!

Solang die Bürger sich nicht davon frei machen, ihren Gefühlen mehr Glauben zu schenken und ihre Gefühle für WAHRER empfinden als die Fakten (ja, Statistiken kann man fälschen, aber im Bereich Mord/Totschlag/Tötung ist da wenig Spielraum in der offiziellen Polizeistatistik), solange werden sie IMMER mehr Angst haben, als sie müssen.

Quelle für die folgenden Aussagen:

PKS Bundeskriminalamt, 2017, 

https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2017/pks2017Jahrbuch4Einzelne.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Und

https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2017/pks2017Jahrbuch2Opfer.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Das erste ist eine Publikation über einzelne Straftaten, das andere ist die Opferstatistik.

In dieser steht:

„die deutschen Opfer mit 77,5 % (781.861 Opfer)

…  nichtdeutschen Opfern (22,5 %)“

Und jetzt schauen wir uns mal an, wie sich die Einwohnerzahl aufteilt:

Wir haben 81 Millionen Einwohner in Deutschland, davon sind 17 Millionen Leute mit keinem deutschen Pass. Das sind 20.9 Prozent Leute, die entweder selber Ausländer sind. Und 22.5 % der Opfer sind Ausländer. Eine geringe Diskrepanz, die überdurchschnittlich viele ausländische Opfer hat.

Kommen wir jetzt zu den Tatverdächtigen:

1.375.448 Deutsche 599.357 Ausländer (ohne ausländerrechtliche Verstöße, also Verstöße gegen Aufenthaltsbestimmungen). Bei beiden Gruppen hat sich die Zahl zum Vorjahr 2016 verringert. Ja, Tatverdächtige sind zu 33 % Ausländer.

Quelle auch hier wieder die offizielle Polizeistatistik.

Was kann ich daraus ersehen? Dass die Gefahr Opfer einer Straftat zu werden, für Ausländer höher ist, als für Einwohner. Und dass mehr Ausländer als Deutsche (relativ gesprochen) einer Straftat VERDÄCHTIGT werden (ein Fall wird immer dann gezählt, wenn die Akte bei der Polizei ausermittelt ist und an die Staatsanwaltschaft abgegeben wird, weil der Polizei die Verdachtsmomente nach der Ermittlung ausreichen). Das kann, muss aber nicht bedeuten, dass Ausländer mehr Straftaten begehen – dass sie überproportional oft verdächtigt werden, kann auch daran liegen, dass gewisse Vorurteile eine Rolle spielen. Dass auch unsere Polizei-Beamten nicht immer neutral sind da Vorurteile wirklich JEDER hat (nicht nur jeder Polizist, nein, JEDER hat Vorurteile!), ist ja nicht erst seit dem derzeit wegen einer politischen Karriere in Bremen beurlaubten Bundespolizisten durchaus ein Thema.

Was ist für mich persönlich die Schlussfolgerung?

Gefühle dürfen nicht Grundlage des (politischen) Handelns sein. Wir sind hier nicht bei den Neanderthalern. Denen hat das auch nicht geholfen …

Wenn jemand ANGST hat, sollte er sich auch immer selbst hinterfragen, ist meine Angst denn rational? Und ich bin mir nicht sicher, dass das hier so gerechtfertigt ist.

Ich zum Beispiel bin Arachnophobikerin. Diese Angst ist heutzutage (im Gegensatz zu vor einigen Jahrmillionen) hier in Europa unbegründet. Wenn ich diese Angst habe, dann sollte ich bei MIR anfangen, wenn ich etwas ändern will. Denn man kann gegen diese unbegründete oder wenig begründbare Angst etwas tun. Aber die Schwelle dazu setze ich erst, wenn mein Leben dadurch beeinträchtigt wird. Und da ich durchaus mit Spinnen lebe (wenn sie nicht zu groß sind, in den Ecken bleiben und brav ihre Aufgabe der Insektenreduzierung ausführen), sehe ich derzeit keinen Grund, diese Angst in mir zu bekämpfen.

Nun, die Bürger in dem Ort, die mit ihrem Bürgermeister gesprochen und ihre Ängste dargelegt haben, sollten sich auch fragen, ist die Angst berechtigt. Ist diese eine Gewalttat gegen einen 35-jährigen mit deutscher Staatsangehörigkeit, bei der die Verdächtigen gefasst sind, wirklich ein Grund, jetzt zu zittern und sich bei Dunkelheit nicht aus dem Haus zu trauen? ICH sag nein. Ich fahre oft mit Leuten in der Bahn oder im Bus, die vermutlich keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Einige davon sprechen arabisch, einige türkisch, einige sprechen chinesisch, andere sprechen russisch (was viele nicht wissen, nicht alle, die über die Spätaussiedlerparagraphen kommen, kommen hier an und werden Deutsche). Ich habe mich in der Bahn schon mindestens dreimal mit Leuten gestritten. Alle drei waren Deutsche. ALLE DREI. Sprachen deutsch, beschimpften mich auf deutsch, „sahen aus wie Deutsche“ … ähem … man kann einer Person ihre Staatsangehörigkeit nicht von außen ansehen … bei keiner Person war ein Akzent oder ein Dialekt zu hören.

Wisst Ihr vor was ich Angst habe (also, außer vor Spinnen?)

Davor, dass wir wieder wie Neanderthaler werden. Dass unsere Gefühle unser Handeln bestimmen. In der Liebe sollen sie das meinetwegen. Aber bitte nicht in der Politik. Benutzt bitte Euren Verstand und hinterfragt, was Euch als Schlagzeile ATTACKIERT … Denn die Zeitung mit den großen Buchstaben, DIE lebt davon, dass die Leute Angst haben, dass Unfrieden im Land herrscht, dass ein Teil der Bevölkerung gegen einen anderen aufgebracht wird. Die reiben sich die Hände bei jeder Aussage, dass wir „Angst“ haben. Dann waren sie erfolgreich und können uns weiter ihr Gift füttern.