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Buch 7/2019 – unchallenged

Nachdem es zuerst so aussah, als ob ich als nächstes Horrorstör beenden würde, hab ich, mal wieder vom Guardian, einen neuen Lesetipp bekommen, Alan Booth, The Roads to Sata. Und das führte dazu, dass ich bei Amazon vier Bücher bestellte, zwei von Alan Booth, einem Engländer, der in Japan lebte, ein Buch von Michael Booth (nicht verwandt, wenn ich das richtig gelesen habe). Aber zuerst gelesen habe ich Will Ferguson: Hokkaido Highway Blues. (Englischer Titel, ich habe die englische, vom Autor gekürzte, spätere Taschenbuchausgabe gelesen, auch veröffentlicht unter Hitching Rides with Buddha).

Ferguson, Kanadier, lebte ein paar Jahre als Englisch-Lehrer im  südlichen Japan, ehe er, ein wenig betrunken. bei einem Kirschblütenfest ein folgenschweres Versprechen abgab: Er würde der Kirschblüte durch Japan folgen – und zwar als Anhalter.

Die Kirschblüte ist DAS Frühlingsereignis in Japan, und wird von den Japanern mit viel Alkohol und Picknicks und Ausgelassenheit gefeiert.  Gleichzeitig ist Sakura auch eine sehr ernstzunehmende Sache, in den Nachrichten wird der Stand der Kirschblüte in den einzelnen Regionen gemeldet!

Unser Kanadier, nach zwei Jahren in Japan des Japanischen einigermaßen mächtig, zumindest gesprochen (Kanji brauchen ihre Zeit, sogar Japaner brauchen ungefähr 7 Jahre in der Schule, bis sie die erforderlichen Anzahl von Kanji erlernt haben, um eine Zeitung zu lesen), bricht also auf und erzählt nur ein paar Randnotizen von Japan, aber sehr viel von den Japanern, die ihn mitgenommen haben.

Bis dahin liebte ich das Buch. Leider hat er seine Unzufriedenheit darüber, dass man ihn nach 3 Jahren in Japan immer noch als Außenseiter bezeichnete und behandelte, den Autor dazu gebracht, seine durch japanische Tradition schon fast zum Mitnehmen gezwungenen Fahrer besonders kritisch zu beobachten. Er schont zwar auch sich selber nicht, aber für jemanden, der sich so durchschnorrt wie Herr Ferguson, war er sehr oft sehr hart mit den Leuten, die ihn mitgenommen haben (oder die er anderswo traf). Er beschrieb z.B. ein Freundinnenpaar, die aufgeschlossene junge Frauen waren, und vielleicht auch Liebende, sowas soll es ja auch in Japan geben, sehr eigenartig. Ja, in Freundschaften ist oft einer der Erfahrenere, der Wissendere und der andere eben weniger erfahren, weniger wissend. Aber dass Japan dieses Verhältnis mit Worten beschreiben kann ist doch noch lange kein Grund, sich darüber lustig zu machen. Hier zeigt er sein Außenseitertum in voller Ausprägung.

Er schreibt auch gerne den Japanern eine gewisse Arroganz zu (und ganz sicher gibt es auch in Japan arrogante Leute – die gibt es überall), aber übersieht, welche Arroganz es ist, eine ganz andere Kultur mit ganz anderen Prämissen an kanadischen (westlichen) Maßstäben zu messen.

Alles in allem war das Buch gut zu lesen. Flüssig und unterhaltend geschrieben. Aber es fordert mich eben auch zu Widerspruch heraus. Es ist eine Sache, sich über Sachen zu wundern, eine ganz andere, Sachen, die einen verwundern, als schlecht darzustellen.

Ich werde mich nun Alan Booth zuwenden, der die Tour in anderer Richtung BEGANGEN hat (also, in der Richtung, nicht unbedingt dieselben Orte, weil Herr Ferguson ja per Auto unterwegs war – oder per Fähre) und mich auf The Roads to Sata begeben. Wieder auf Englisch. Nur 281 Seiten dieses Mal.

Hokkaido Highway Blues – Hitchhiking Japan

344 Seiten

Will Ferguson (tatsächlich wohl William, so zumindest stellt er sich einem der Japaner im Buch vor)

2003 (abridged edition), die ungekürzte Version ist nicht mehr aufgelegt.

3 von 5 Kokosnüssen, weil ich seine harschen Beurteilungen von Leuten, die einfach nur eine andere Kultur als er haben, als unangenehm zu lesen empfand, wenn er auch eine flüssige, meist eben unterhaltsame Schreibweise hat. Immerhin noch drei, weil er sehr unterhaltsam schreibt. Und sich selbst auch nicht schont. Auch den einen oder anderen bewegenden Moment hält er gekonnt fest.

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Reiselektüre

 

 

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Verrücktes – update am 27.09.

Heute habe ich mal etwas ganz Verrücktes getan.
Für einen mulitlingualen Freund habe ich ein Buch bestellt. Da werdet Ihr sagen: Was ist denn daran verrückt, bei amazon fremdsprachige Bücher zu bestellen. Nun, diesen Titel gibt es nicht bei amazon. Ich habe ihn direkt auf einer portugiesischen Website bestellt – und mein Portugiesisch ist *hüstel* nicht existent.

Es gibt ja glücklicherweise dict.cc, die mir die wichtigsten Worte übersetzt haben.

Aber versucht es selber mal, geht auf eine polnische Website oder eine italienische – und klickt Euch da durch – Ihr braucht die Bestellung ja nicht abzuschicken. Es ist ein sehr merkwürdiges Gefühl, wenn man plötzlich nur noch AHNT, was man für Informationen geben soll. All die Nutzerbedingungen, die man auf deutsch- oder englischsprachigen Seiten ohne Hinzugucken blind akzeptiert, auf Portugiesisch genauso durchzuwinken – schluck – habe ich jetzt ein wöchtentliches Waschmaschinen-Abo auf Lebenszeit abgeschlossen?

Aber was wäre das Leben, wenn man nicht auch mal was Verrücktes tun würde? Und allein schon die Aussage des Autors, dass er sein Buch nur für portugiesische Augen gemeint habe, hat mich gereizt – nun wollte ich erst recht, dass dieser Fremdsprachen-affine Freund dieses Buch lesen kann. DER kann nämlich Portugiesisch, aber ich konnte ihn ja schlecht fragen, ob er sein Weihnachtsgeschenk mal eben bestellt … oder mir dabei hilft.

Um welches Buch es sich handelt? Ne, ne – das kann ich nicht sagen, rein theoretisch könnte dieser Freund ja mitlesen.

UPDATE: Ratet, was heute sicher, per EINSCHREIBEN bei mir eintraf?!

Nein, keine Waschmaschine …

Gartenschau und Sommer in Maine

Photos ergänze ich später, aber erstmal ein kleine Bericht über die Internationale Gartenschau in Hamburg (einer der Vorzüge von Hannover ist es, dass man auch mal schnell irgendwoanders hinkommt, wenn man möchte).

Ich bin mit zwei Freunden gefahren, wir haben den sündhaft teuren Eintritt mit dem Niedersachsenticket für drei querfinanziert (wenn man für 5 Euro pro Fahrt pro Kopf unterwegs ist, ist das schon ziemlich günstig) und sind unfallfrei mit der S-Bahn in Wilhelmsburg angelandet. Und mit uns die Massen, die das wunderschöne Wetter auch für einen Besuch nutzen wollten.

Vorneweg gab es diverse Container mit Infos zu Pflanzen wie Baumwolle, Tee, Maulbeerbaum (und damit Seidengewinnung) und Bambus – und ich dachte immer, dass ich alles über Tee wüsste, aber ich zeige Euch mit Foto 1, dass das doch nicht der Fall war.

Tee wird nicht mehr fermentiert

Tee wird nicht mehr fermentiert

Anschließend gingen wir ausgiebig den Rosenboulevard ab. Was nicht nur daran lag, dass meine Begleitung die Rosen alle auf ihren Geruch testen wollte, auch ich fand die Vielzahl an Blütenarten, Farben und Düften unwiderstehlich.

Rosen galore

Rosen galore

Auch wenn ich zugeben muss, dass eine „blau-violette“ Rose ein wenig ungesund aussieht. Nein, davon existiert kein Foto!

Dort, zwischen den Rosen machten wir dann ein kleines Päuschen ehe wir uns dem „Rest des Geländes“ näherten. Staudenbeete, eine Brücke über eine Schnellstraße, die sich mir nicht angenehm in Erinnerung brachte und gegen Mittag dann eine Wiese mit Restaurant am Ende und Sitzgelegenheiten unter Bäumen. Schattenplätze waren rar, aber wir fanden noch welche und es gab eine ausgiebige Mittagspause.

Anschließend sahen wir uns die Teile der Ausstellung an, die mehr mit Installation zu tun hatten, die Multi-Kulti-Gärten, die Wasserwelten,

Installation aus blauen Steinen und blanken Blechbüchsen

Installation aus blauen Steinen und blanken Blechbüchsen

die Bewegungswelten. Religiös-inspirierte Welten, moderne Grabgestaltung (und ich weiß jetzt, was für eine Stele ich gern auf meinem Urnengrab hätte – endlich habe ich mein Grabmonument gefunden – sollte nach dem Pflegeheim noch Geld für sowas da sein).

Nach dem Rosenboulevard hat mich am meisten beeindruckt die Kleingarrten-Ausstellung, in der sieben verschiedene Kleingartentypen vorgestellt wurden.

Und der Hexengarten – in dem es Giftpflanzen noch und nöcher gab. Sollte sich die Anzahl der Leute, die mich gern haben können, durch unerklärliche Todesfälle verringern – nun ..

*NUR EIN SCHERZ*

Alles in allem war es ein schöner Ausflug, LSF 50 + und meinem Hut sei Dank auch ohne Sonnenbrand.

Natürlich hatte ich gestern dann keine Zeit zum Lesen. Im Zug unterhielt ich mich mit meiner Begleitung – auf der Rückfahrt wäre ich auch zu müde gewesen.

Ich habe aber das Buch gewechselt, die Vampire Vampire sein lassen – und mich dem Roman Sommer in Maine heute gewidmet.

Familiengeschichte(n) – ein Sommer in Maine, drei Generationen, eine Vierte im Werden. Die „Patriarchin“ eine Katholikin der schlimmsten Sorte, die Töchter Rebellinnen, der Sohn übernahm den Wertekanon – für Männer ist die Katholische Kirche ja eher vorteilhaft.

Die nächste Generation hat sich von der Vormacht der Religion abgewandt, die perfekte Schwiegertochter kämpft damit, dass ihr Sohn wegen Pornos auf dem Dienstrechner gefeuert wurde, ihre Tochter eine Lesbe ist.

Die eine Rebellin ist wie die Mutter alkoholkrank, nur das sie seit 20 Jahren trocken ist, deren Tochter hat einem Hallodri ein Kind anhängen wollen – und der hat sie aus seinem Leben geworfen, als sie auch nur mit ihm zusammen ziehen wollte – und nun ist sie schwanger.

Die andere Tochter hat sich nie was aus der Meinung der Familie gemacht – hat einen Sohn, der am Theater ist – und lebt ihr Leben ohne größere Dramen.

Noch weiß keiner von der Schwangerschaft, noch ist die lesbische Enkelin ein Geheimnis – und dass die Patriarchin (und Patriarchin ist das richtige Wort, da sich die alte Dame nicht mütterlich verhält) das Haus der Familie nach ihrem Tod entziehen will und es der Kirche hinterlässt, ist auch noch nicht öffentlich. Aber ich hab ja gerade erst die Hälfte geschafft.

Auf das Buch bin ich durch eine Kurzbesprechung in der Zeitung aufmerksam geworden – und es hielt, was ich von Sommerlektüre erwarte. Abgründe aller Orten, aber keine Gewaltorgien, Dramen, aber keine Massaker. Viele Fäden, die alle zum Haus ziehen, einem kleinen Sommerhaus am Strand von Maine.

Der Schwiegertochter bröckelt ihre heile Welt weg, die eine Rebellin, die erst lernen musste, zu rebellieren, muss einsehen, dass sie ihrer Mutter ähnlicher ist, als es ihr lieb ist – und die Enkelin wird die Mutterrolle mit 32 übernehmen, auch ohne strikt nach den Regeln der Kirche zu leben.

Am Ende ist nur die Schwiegertochter wirklich unglücklich, die Frauen der Familie haben, wenn auch nicht den Frieden mit der Familie, so doch mit sich selbst gemacht.

Happy End? Nicht wirklich, ein wenig melancholisch, ein wenig hoffnungsvoll –  eher unspektakulär.

Bewertung

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN) Eher KANN MANN. Kann man auch verleihen. Aber ein MUSS ist es sicher nicht. Immerhin – ich habe bis nachts um 3 Uhr daran gelesen.

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

Strata

Geht es gut, wenn ein Fantasy-Parodist einen Science-Fiction-Roman schreibt?

Nun, immerhin konnte ich das dünne Bändchen schnell durchlesen, an die Technik-Ausdrücke hat man sich schnell gewöhnt, die Handlung ist auch schnell zusammengefasst:

Drei verschiedene Raumfahrer (einer mit vier Armen, eine 3 Meter hoch mit Fell und abschraubbaren Stoßzähnen, die dritte eine über 200 Jahre alte Frau) werden auf einen künstlichen Scheibenplaneten gelockt, wo sie auf eher mittelalterliche Einwohner treffen (hier macht sich der Fantasy-Schreiber bemerkbar) auf ihrer Suche nach den Erfindern dieses Scheibenplaneten. Es hat etwas vom Zauberer von Oz.

Lesen? Kann man es durchaus. Es fehlt aber noch viel zum eigentlichen Pratchett-Humor.

Meine Meinung:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

Mr. Chartwell

Wie schon Nachtzug nach Lissabon, war auch dieses wieder eine Leihgabe einer Kollegin (die dritte folgt).

Mr. Chartwell ist ein Hund, der sich bei einer jungen Londonerin einmietet, die vor zwei Jahren ihren Mann verloren hat. Mr. Chartwell, ein großer, schwarzer Hund ist die Depression, nach Churchill, der seine immer „einen großen schwarzen Hund“ genannt haben soll. Dieser Hund ist eklig, unhöflich, besitzergreifend und dominant.

Während Churchill, der in diesem Buch, das ein halbes Jahr vor seinem Tod spielt, seine politische Karriere beendet, mit viel Kraft gegen den Hund aufbegehrt, ist die junge Londonerin nur allzu willig, sich von dem groben Tier schubsen zu lassen. Erst die berufliche Begegnung mit Churchill verändert sie.

Dieses Buch, sehr viel kürzer als der Nachtzug, war spannender – von einem melancholischen Humor geprägt – und wenn es auch nicht ganz in die MUSS-MAN-LESEN-Kategorie fällt, so ist es doch eher bei KANN-MAN-LESEN als bei KANN MAN AUCH NICHT LESEN 😉

Die oben verlinkte Guardian-Rezensentin hätte sich hier weniger sprachliche Eskapaden gewünscht – ich hoffe, sie liest nie Nachtzug nach Lissabon 😉

Bewertungskategorien für die Buchrezensionen:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

Nachtzug nach Lissabon

Gemeint ist nicht dieser hier.

Sondern das gleichnamige Buch, das dieses Jahr auch in die Kinos kam.

Ein Buch über einen Schweizer in Midlifecrisis, der diesem Gefühl, dass er das Leben verpasst hat, nachfährt, in dem er das Leben eines anderen „erfahren“ möchte. Nur um Ende, wie alle Midlife-Crisis-Opfer zu erfahren, dass der Mensch altert und sterblich ist.

Das Buch hat 495 Seiten, in der Ausgabe, in der ich es gelesen habe, und ich fasse es in 2 Sätzen zusammen. Unfair? Ja, wenn man auf schwurbelige, selbstverliebte Sprache steht, die fehlt in den zwei Sätzen. Nein, wenn man nur wissen will, was diesen Mann bewegt, sein Leben fallen zu lassen und sich vor jeder Verantwortung auch für sich selber davon zu stehlen – dazu gehört das schöne Doppelwort Midlife-Crisis. Vielleicht bin ich noch zu jung, um es zu verstehen, vielleicht habe ich meine Selbstmitleidtour schon hinter mir und kann dies nicht mehr verstehen. Die Erzählperson ist ein weinerlicher Altsprachen-Lehrer, der in schwärmerischer Weise einem portugiesischen Arzt und Autor hinterherjagt, der längst gestorben ist und eine Menge heißer Luft, ungefähr so wichtig wie der in diesem Buch allgegenwärtige Zigarettenrauch, hinterließ.

Das Buch langweilt über weite Strecken, als ich die ersten Filmkritiken dazu las, wusste ich, der Plot ist einfach zu dünn, es geht nicht nur mir so. Wer gerne philosophisches (habe gelesen, dass der Autor Philosoph ist, also ist es nicht nur PSEUDOphilosophisch) Geschwurbel liest, dem würde ich es empfehlen.

Bewertungskategorien für die Buchrezensionen:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

inhannover wird auch gelesen

Zum einen natürlich wird dieser/s Blog hier gelesen – von Euch – DANKE mal dafür. Ein Blog ohne Leser ist ein Blost .. ein blog-ghost.

Aber eigentlich meine ich natürlich, dass hier in der Stadt auch gelesen wird. Ich selber tu’s gern – allerdings bin ich noch ein old-school-Anhänger – ich brauche ein BUCH.

Im Nahverkehr hier in der Stadt halten sich die old- und die new-school-Anhänger die Waage – man sieht immer noch viele Bücher, aber immer wieder auch Leute, die mit Hilfe eines Tablets oder eines e-book-readers ihre Lektüre konsumieren. Es gibt für beides gute Gründe. Old-schooler brauchen das Haptische, brauchen das Rascheln beim Umblättern, wollen ein schönes Cover oder lieben es einfach, am Weg des Lesezeichens durch das Buch zu sehen, wie weit sie vorangekommen sind. Old-schooler sind aber auch Leute, die gern ihre Bücher mit anderen teilen, oder auch mal echte Bibliophile – davon gibt es immer weniger – die Hardcover kaufen, Regalwände füllen und am liebsten eine ledergebundene Bibliothek daheim hätten. (Gibt es ja schon Tapeten für!)

Die New-Schooler sind zu einem kleinen Teil die, die immer alle technischen Gadgets ausprobieren, aber die nicht wirklich viel lesen damit. Die meisten benutzen e-book-reader wegen des reduzierten Gewichts, weil man dann (z.B. im  Urlaub) wenig Platz und Gewicht für Lektüre reservieren muss. Auch die, die im Nahverkehr viel Zeit mit Lesen verbringen, mögen die kleinen Maße, die leichte Handhabbarkeit (schlägt sich immer auf der letzten gelesenen Seite auf), das geringe Gewicht – und dass es weniger Probleme mit Schäden am Buch gibt (Knicke und Risse gehören der Vergangenheit an, aber ich würd mich nicht darauf verlassen, dass ein e-Book-reader eine ausgelaufene Trinkflasche besser übersteht als ein klassisches Buch – das trocknet man hinterher und liest es in gewelltem Zustand weiter).

Ich bin mehr der haptische Typ, ein Buch muss sich anfassen lassen, ich muss es auch mal wegwerfen können (wenn es grottig ist), nicht einfach löschen, das ist nicht dieselbe Befriedigung – und ich mag es, dem Lesezeichen bei seiner Wanderung durch das Buch zuzusehen – damit kommt die Fortschrittsanzeige beim Reader einfach nicht mit. Außerdem liebe ich Lesezeichen (Lesezeichenkalender sind hervorragende kleine Zusatzgeschenke und schon ab Juli erhältlich für das nächste Jahr, aber auch andere Lesezeichen sind immer wieder überraschend kreativ).

Eines der letzten Bücher, das ich gelesen habe, war „Er ist wieder da„(Da einige Blogleser noch das Buch von mir leihen und lesen wollen, gehe ich jetzt nur sehr grob auf den Inhalt ein.)

Ein Roman über Hitler, der im Sommer 2011 in einem Berliner Innenhof aufwacht, in Nazi-Uniform, und zum Comedy-Star avanciert, weil er einfach ausspricht, was Hitler in dieser modernen Welt aussprechen würde – und ihn keiner ernst nimmt.

Das Buch ist perfide. Es ist in Hitlers Ich-Perspektive geschrieben – und manche Dinge, die Hitler stören, reißen jetzt mich auch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin (tag-Schmierereien an Hauswänden sind da so ein Beispiel). Aber WER WILL SCHON HITLER ZUSTIMMEN?? ICH nicht.

Glücklicherweise löst der Autor das Dilemma, in das er mich bringt, halbwegs auf: Er lässt Hitler dann in der Folge so unmögliche Reaktionen darauf denken, dass ich mich als Leser wieder distanzieren kann. Aber ein kleiner Rest Unbehagen bleibt. Wäre ich zwischen 1933 und 1945 wirklich ein Nein-Sager gewesen?

Mein Selbstbild schwankt da noch … Und dabei habe ich eindeutig den notwendigen Widerspruchsgeist, eine eindeutige politische Stellung, die sich nicht mit Nazi-Ideologie verträgt – und kenne wenig Angst. Auf Brutalität und Einschüchterungsversuche reagiere ich eher mit Wut. Jedenfalls sobald eine gewisse Nichtigkeitsschwelle überschritten wird – darunter lache ich alles weg. Aber wie weit hätte mich der demagogische Apparat jener Zeit zur Zustimmung bekommen – ohne Druck? Wie sehr hätte ich mich von einem „Ordnungs“-Gebrülle beeinflussen lassen? Die Frage bleibt unbeantwortet. Zumal ich in jenen Zeiten nicht die wäre, die ich heute bin – bin ich doch in den 70ern und 80ern groß geworden und zum kritischen Hinterfragen in der Schule erzogen worden. Das wäre ja weggefallen.

Es ist ein gutes Buch, denn es bringt mich zum Nachdenken.

Den heute schreienden Demagogen kann ich jedenfalls widerstehen – dazu mag ich die bunte und chaotische Vielfalt des Lebens viel zu sehr.

Übrigens – ich habe es in der gebundenen Ausgabe gekauft – da kostet 1933 Cents. Das ist mir beim Kauf damals nur als „krumme Summe“ aufgefallen – gerade beim Artikelschreiben fällt es mir dann doch noch ins Auge.

Zurück zum ÖPNV-Leser – ja, dort wird viel gelesen – doch immer mehr vor allem jüngere (zwischen 14 und 25) Menschen haben auch einfach nur ein Smartphone vor der Nase und lesen Mails, Statusmeldungen, beteiligen sich an Chats … Wo früher eindeutig die Leser von Büchern auch noch diese Altersgruppe abgedeckt haben – und nicht alles waren nur Harry Potter und andere Fantasy-Bücher.  Bei dieser Altersgruppe ist Facebook so wichtig geworden, dass für andere Books keine Zeit mehr bleibt – nicht mal auf dem Smartphone gelesen. Was ja möglich ist. Doch AUSSCHLIESSLICHE Smartphone-Nutzung kann ich auch da nicht feststellen. Sogar ein analoges Buch sehe ich manchmal in den Händen dieser Altersgruppe – nur sind es halt deutlich weniger als sagen wir mal vor 5 bis 10 Jahren.