Gestern im Bus (2)

Mein Weg nach Hause findet ja oft spät statt – schließlich gehe ich auch nicht früh zur Arbeit. Daher war es auch gestern wieder gegen 20 Uhr, als ich im Bus saß. Ich saß da trotz der „fortgeschrittenen“ Stunde nicht allein. Eine Gruppe junger Männer, mit Migrationshintergrund, stieg noch kurz vor Abfahrt ein, einige andere Leute saßen vorne weiter im Bus, ich saß hinter der zweiten Tür und auf einem Sitz nicht weit davon, saß ein Mann, ca. 60, vielleicht ein bisken drüber, mit schlohweißem Haar, über Schulter lang, aber nur knapp, Cowboyhut, der sein Mobiltelefon benutzte, aber so laut, dass er das Telefon nur für die Beiträge der anderen Seite brauchte.

Er rühmte sich lautstark der Bekanntschaft diverser Hannoverscher Berühmtheiten: Unter anderem  erwähnte er Hahnebutt (halbseidener Rocker, der im Drogen- und Damenmilieu Geld macht), ein gewisser Ex-Bundeskanzler … Und alle mit „Kosenamen“.

Als die jungen Männer einstiegen, hatte er sein Telefonat beendet und quatschte sie voll. Ständig riss er „Witze“ – onliner, alle absehbar, alle vom Niveau mehr für einen Niederflurbus geeignet … So machte er auch Witze über unseren hochwichtigen Besucher aus den USA, dass der ja ohne seine Ehefrau käme und die Beatles nun nicht am Abend für ihn spielen würden – und er stimmte (mehr oder weniger erkennbar und eindeutig nicht mal textsicher) den entsprechenden Beatles-Song an. *Seitdem hab ICH nen Ohrwurm – allerdings – die FabFourversion, nicht seine*

Die jungen Männer waren eindeutig peinlich berührt – wie ein alter Mann sich so anbiedern kann. Aber kein böses Wort, mit der Nachsicht eines geistig überlegenen wünschten sie ihm noch einen schönen Abend, als sie ausstiegen. Eine Reife, die ich erst VIEL später erreichen werde (und ja, das Futur ist bewusst gewählt!). Ich dagegen bemühte mich wirklich ernsthaft, an dem Mann vorbei zu gucken. Nur nicht von ihm angelabert werden …

Eine Station, bevor es mich aus dem Bus trieb, stieg er dann aus, eine Shots-Flasche in der Hand … irgendein rotes Gesöff … Nun, wie gesagt, es war bereits nach 20 Uhr, als ich ausstieg – die Regel, nicht vor 17 Uhr, hat der Mann also eingehalten.

Den jungen Männern jedenfalls kann ich nur mein Kompliment aussprechen – Integration hervorragend geglückt. Aber vermutlich waren es eh alles deutsche Staatsbürger. Hier geboren, zur Schule gegangen, aufgewachsen und besser sozialisiert in einer bunten, vielschichtigen Großstadt als ich!

*Summt

„Michelle, ma belle,

c’est sont les mot qui vont très bien ensemble,

très bien ensemble“*

 

4 Antworten zu “Gestern im Bus (2)

  1. busse sollten ne fernbedienung bekommen mit denen man die fahrgaeste (inklusive hut&shots&handy) austauschen kann :o)

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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