Schlagwort-Archive: Öffentliche Verkehrsmittel

Manieren – oder das Fehlen derselben

Heute saß ich, zunächst alleine, an der Bushaltestelle, nachdem ich den Bus verscheucht hatte. Ich holte mein Reclam heraus, das mich derzeit begleitet, wenn ich unterwegs bin (E.T.A. Hoffmann, Lebensansichten des Katers Murr) und begann zu lesen, da ich 10 Minuten Kälte überleben musste – das geht am Besten mit nicht da sein. Also – mit „so vom Buch gefesselt sein, dass man alles um sich vergisst“.

Ich hatte ungefähr zwei Seiten gelesen, da stellte sich unter das Wartehäuschen ein Mann mit Zigarette.

Ich habe mal wieder mit meinem Winterreifen-Husten zu kämpfen – von Oktober bis Ostern. Da ist Rauch unwillkommen. Und woher eigentlich kommt dieser Drang von Rauchern, ihren Qualm mit anderen zu teilen? Haben wir nicht schon genug Schadstoff-Ausstoß in dieser Stadt?

Fürs Protokoll. Ich habe ihn nicht beschimpft – ich saß da friedlich. Als er ankam und ich aufstand, zog ich eine Schippe, aber ich habe KEIN WORT gesagt. Warum dieses Arschverhalten? Und nein, ich sage nicht, jeder Raucher, der in meiner Nähe raucht, ist ein Arsch. Wenn so eine Haltestelle dicht gefüllt ist mit Menschen, oder wenn ich so blöd in, beim Aschenbecher zu stehen, kann ich es noch verstehen, wenn ich Rauch abbekomme. Aber wenn ich weit vom Aschenbecher sitze? Ganz allein?

 

Der Bus kam an, er auch  von weiter vorne nach hinten, um in dieselbe Türe einzusteigen, in die ich einstieg. Stand vor dem Türöffnungsknopf. Ohne ihn zu betätigen. Schaute mich provokant an. Ich war kurz davor, aber Gewalt ist keine Antwort, also habe ich mich gestreckt und den Knopf berührt. Den Kopf geschüttelt, aber den schönen schottischen See mit dem deutschen Gesäß vorne habe ich erst ausgesprochen, als ich außer Hörweite war.

Im Bus ging ich dann nach vorne, weit weg von diesem Typ. Ein netter Stehplatz war mir lieber als ein Sitzplatz in seiner Nähe.

Wenn ICH vor dem Türöffnungsknopf gestanden hätte, hätte ich ihn betätigt. Warum tat er das nicht?

Aber er war nicht der einzige Fahrgast heute, dem es an Mitdenken mangelte.

Ich hatte einen wundervollen Stehplatz. Stellte sich vor mich eine junge, schlanke Blondine hin. Von der Sorte, die den Kerlen gefällt. Soll sie, genug Platz war. Sie wischte sich dann nach einer Weile die Nase mit dem Gelenk des rechten Zeigefingers. Ich sah noch eines glitzernde Spur ihres Nasensekrets auf ihrer Hand. Fein …

Sagt mal, nur weil Trauma-Trump zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, heißt das noch lange nicht, dass man sich jetzt benehmen muss wie er, oder?

Werbeanzeigen

Gestern im Bus (2)

Mein Weg nach Hause findet ja oft spät statt – schließlich gehe ich auch nicht früh zur Arbeit. Daher war es auch gestern wieder gegen 20 Uhr, als ich im Bus saß. Ich saß da trotz der „fortgeschrittenen“ Stunde nicht allein. Eine Gruppe junger Männer, mit Migrationshintergrund, stieg noch kurz vor Abfahrt ein, einige andere Leute saßen vorne weiter im Bus, ich saß hinter der zweiten Tür und auf einem Sitz nicht weit davon, saß ein Mann, ca. 60, vielleicht ein bisken drüber, mit schlohweißem Haar, über Schulter lang, aber nur knapp, Cowboyhut, der sein Mobiltelefon benutzte, aber so laut, dass er das Telefon nur für die Beiträge der anderen Seite brauchte.

Er rühmte sich lautstark der Bekanntschaft diverser Hannoverscher Berühmtheiten: Unter anderem  erwähnte er Hahnebutt (halbseidener Rocker, der im Drogen- und Damenmilieu Geld macht), ein gewisser Ex-Bundeskanzler … Und alle mit „Kosenamen“.

Als die jungen Männer einstiegen, hatte er sein Telefonat beendet und quatschte sie voll. Ständig riss er „Witze“ – onliner, alle absehbar, alle vom Niveau mehr für einen Niederflurbus geeignet … So machte er auch Witze über unseren hochwichtigen Besucher aus den USA, dass der ja ohne seine Ehefrau käme und die Beatles nun nicht am Abend für ihn spielen würden – und er stimmte (mehr oder weniger erkennbar und eindeutig nicht mal textsicher) den entsprechenden Beatles-Song an. *Seitdem hab ICH nen Ohrwurm – allerdings – die FabFourversion, nicht seine*

Die jungen Männer waren eindeutig peinlich berührt – wie ein alter Mann sich so anbiedern kann. Aber kein böses Wort, mit der Nachsicht eines geistig überlegenen wünschten sie ihm noch einen schönen Abend, als sie ausstiegen. Eine Reife, die ich erst VIEL später erreichen werde (und ja, das Futur ist bewusst gewählt!). Ich dagegen bemühte mich wirklich ernsthaft, an dem Mann vorbei zu gucken. Nur nicht von ihm angelabert werden …

Eine Station, bevor es mich aus dem Bus trieb, stieg er dann aus, eine Shots-Flasche in der Hand … irgendein rotes Gesöff … Nun, wie gesagt, es war bereits nach 20 Uhr, als ich ausstieg – die Regel, nicht vor 17 Uhr, hat der Mann also eingehalten.

Den jungen Männern jedenfalls kann ich nur mein Kompliment aussprechen – Integration hervorragend geglückt. Aber vermutlich waren es eh alles deutsche Staatsbürger. Hier geboren, zur Schule gegangen, aufgewachsen und besser sozialisiert in einer bunten, vielschichtigen Großstadt als ich!

*Summt

„Michelle, ma belle,

c’est sont les mot qui vont très bien ensemble,

très bien ensemble“*

 

Heute in der Bahn

Draußen:

Sonniges Wetter, leichter Wind, Temperaturen so 10 Grad und mehr … (je nachdem, ob in der Sonne oder nicht).

In der Bahn:

Junger Mann, tiefschwarzes Haar (nein, das soll keine Nationalität begründen, für mich sah er wie ein Westeuropäer aus), Haar vorne eher auf einer Linie, die beide Ohren verbinden würde, hinten ein langer, langer Pferdeschwanz. Mit Trend-Rucksack. T-Shirt. Trekking-Hosen. Und Fahrrad. Fahrrad sah fit aus. (War zu erlaubten Zeiten, nicht vor 9 und nicht zwischen 15 und 19 Uhr, das ist hier nicht der Punkt.)

Mit dem Fahrrad fahren habe ich mir immer anders vorgestellt aber ich bin ja bereit, dazuzulernen.