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Heute auf dem Weg zur Arbeit

Trauerspiel in zwei Akten

Akt 1:

An der Bushaltestelle. Fest die eifrigen Mülleinsammler im Blick, sehe ich ein Auto den Müllwagen überholen. Leider ist an dieser Stelle die Mittellinie durchgezogen. Man kann als Autofahrer nicht genau sehen, ob von vorne etwas auf der Gegenfahrbahn ankommt – weil die Straße leicht gekrümmt ist. … Der erste Wagen, der dies tat, war nicht von hier, vielleicht war der Fahrer einfach nur verwirrt. Aber das zweite war ein Taxi aus Hannover mit einem Weißbart am Lenkrad. DER sollte es besser wissen!

Akt 2:

Ich überquere die Freundallee an der Kreuzung  mit der Hans-Böckler-Allee. Dort fährt in der Mitte der Straße die Bahn, dementsprechend gibt es zwei Ampeln für Fußgänger. Für Radfahrer in meine Richtung gab es sogar kein Lichtzeichen. Ich gehe bis zur kleinen Fußgängerinsel zwischen den Gleisen und warte auf „Grün“ für die zweite Überquerung, als an mir ein Radfahrer vorbei düst.Gerade, als links von mir eine Bahn steht und rechts eine in die andere Richtung wartet – darauf, dass sie  ihre Fahrt fortsetzen dürfen. Da hat nicht viel gefehlt, und der junge, eilige Mann wäre mit Blaulicht weiter gefahren  allerdings nicht in seine Richtung – oder vom Bestatter abgeholt worden. Radfahrer dürfen immer noch nicht alles, junger Mann! Ich wartete die Bahnen ab. Schließlich ist so eine Bahn schwerer als ich – marginal.

 

 

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An der Bushaltestelle – Kurzes Update

Heute Morgen, die selbe Bushaltestelle, die selbe Situation – anderer Radfahrer. Das machte einen Riesenunterschied!

Dies war keine junge Frau, sondern ein Mann im mittleren Alter.(Ich denke, dass das Geschlecht weder am Montag noch heute ausschlaggebend war.)

Er pochte nicht auf ein imaginäres Vorrecht der Wegenutzung. Er fuhr langsam, wich auch langsam auf den Bürgersteig aus, hielt an, als es zu viele Buspassagiere wurden. Ohne ein Wort der Beschwerde, ohne ein Anzeichen von Ungeduld.

Kompliment! Ich war begeistert und konnte mich gerade noch stoppen, zu ihm hinzugehen und ihm zu gratulieren.

Es gibt Radfahrer, die KENNEN § 20 (2) S. 3 StVO!

SO wünscht man sich mehr Radfahrer.

Andere Bushaltestelle, eine gehbehinderte Frau (stark eingeschränkte Beweglichkeit) steigt aus dem Bus aus und erreicht den Radweg. Anstatt von dort weiter auf den Bürgersteig zu wechseln, ging sie auf dem Radweg lang. Obwohl der Fußweg zwei Schritte weiter war.

So wünscht man sich Fußgänger natürlich NICHT. Auch Fußgänger, und ja, auch behinderte Fußgänger, können sich wie Verkehrsrowdys benehmen.

An der Bushaltestelle

Gestern war MONTAG – und zwar ein ECHTER Montag – wie Montage so sind:

Ich hätte beinah noch den Bus verpasst (bei einer weniger freundlich gestimmten Busfahrerin hätte ich das auch), musste dem hinterher sprinten, was bei meinen Massen Erdbeben verursacht. Es hätte auch leicht als Versuch, den Bus zu verjagen, gedeutet werden können – und scheint auch gewirkt zu haben – heute kam kein Bus. (Danke ver.di für die gerade nicht sehr passende Gelegenheit, zum Dienst zu laufen. Mein Oberschenkel ist innen bereits aufgerieben, das heilt bei bei längeren „Spaziergängen“ auch besonders gut ab! Und wenn mich das nicht schafft, ist die Kombination aus Schweiß und Temperaturen um 6 bis 8 Grad auch noch da, nicht wahr. Das nennt man Beamte zum „Streiken“ zu zwingen, PFUI! Das ist es nicht, was die Koalitionsfreiheit des GG meint!!)

Dann stieg ich um, wie jeden Morgen. Der Bus hält direkt am Radweg, eine andere Möglichkeit, als umgehend auszusteigen, gibt es für die Buspassagiere nicht. Das sollte auch Radfahrenden klar sein. Diese Buspassagiere versuchen natürlich sofort, den Radweg zu verlassen und der dort befindlichen U-Bahnstation zuzustreben. Auch das sollte Radfahrenden klar sein.

Logische Konsequenz: Wenn ein Bus hält, hält auch der Radfahrer, wartet einige wenige Sekunden, bis die Busfahrenden den Radweg frei gegeben haben und fährt dann entspannt weiter.

Nicht so die junge Dame, die gestern weiter fuhr, genau in den Weg der vom Bus weg strömenden Fahrgäste hinein. Und als ich sie darauf aufmerksam machte, dass sie besser getan hätte, anzuhalten, pampte sie noch rum, dass sei IHR Radweg.

Also, von der StVO hat sie noch nicht gehört:

„(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“

Da die Buspassagiere hier aussteigen MÜSSEN und auch vom Bus weg MÜSSEN, damit die nachfolgenden Passagiere auch aussteigen können, war es an IHR, Rücksicht zu nehmen!

Aber Rücksichtnahme war wohl nicht ihre Stärke. Oder Regeln beachten. Oder Logik Oder alles zusammen.

Oder in anderen, allgemeineren Worten gesprochen – Radfahrende wie sie sind der Grund, warum Radfahrer einen so schlechten Ruf haben … scheinbar scheinen sie der Meinung anzuhängen, für sie existieren keine Regeln.

Ich hätte weitere Regeln aufzubieten:

§ 11  Absatz 3 StVO

„(3) Auch wer sonst nach den Verkehrsregeln weiterfahren darf oder anderweitig Vorrang hat, muss darauf verzichten, wenn die Verkehrslage es erfordert;“

Ich denke, nach meinen obigen Ausführungen kann man hier diesen Fall bejahen. Die Buspassagiere MÜSSEN den Bus umgehend verlassen, da ist kein Abwarten möglich. Daher ergibt sich für die Radfahrende, die EIGENTLICH ein Vorrecht auf ihrem Radweg hat, die Pflicht, die querenden Fußgänger vorbeizulassen.

Jetzt könnte mir besagte Radfahrende natürlich § 14 Absatz 1 vor die Nase halten:

„(1) Wer ein- oder aussteigt, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer am Verkehr Teilnehmenden ausgeschlossen ist.“

Aber wenn ich aus einem Bus aussteige, kann ich nur den gerade vor meiner Bustür befindlichen Radfahrer abwarten, nicht den, der noch von hinten heran kommt.

Freundlicherweise aber kann ich mir die ganzen Ausführungen oben eigentlich sparen, denn es gibt einen Spezialparagrafen für Buspassagiere:

§ 20
Öffentliche Verkehrsmittel und Schulbusse

(1) An Omnibussen des Linienverkehrs, an Straßenbahnen und an gekennzeichneten Schulbussen, die an Haltestellen (Zeichen 224) halten, darf, auch im Gegenverkehr, nur vorsichtig vorbeigefahren werden.

(2) Wenn Fahrgäste ein- oder aussteigen, darf rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in einem solchen Abstand vorbeigefahren werden, dass eine Gefährdung von Fahrgästen ausgeschlossen ist. Sie dürfen auch nicht behindert werden. Wenn nötig, muss, wer ein Fahrzeug führt, warten.

Also – auch der Gesetzgeber sieht hier einen besonderen Schutz für aussteigende Fahrgäste vor – und die Radfahrerin hätte hier gemäß Absatz zwei, Satz drei eine Wartepflicht gehabt! Denn ohne Behinderung der Fahrgäste kam sie hier nicht am Bus vorbei.

So, nun, liebe mitlesende Radfahrer, habt Ihr was gelernt. Die junge Dame wird es wohl nicht mitlesen – daher, weitersagen! Vielleicht erreicht es sie ja sogar. Denn: DIE REGELN der  StVO GELTEN AUCH FÜR UNSERE RADFAHRENDEN FREUNDE.
*Ich habe fast zwei Tage die Luft angehalten, um nicht in der ersten Wut zu schreiben.*

Der Rest der Woche wurde dann auch nicht besser – heute mit dem Streik. Ich bin ja hin- und hergerissen.
Ich bin selber im Öffentlichen Dienst. Ich profitiere vom Abschluss. Natürlich ist da ein kleiner Spaziergang (kostet mich 1 Stunde meines Lebens heute, beide Richtungen) ein kleines Opfer.
ABER – ich bin eben auch KUNDE des Öffentlichen Dienstes, wie wir alle. Ich bin momentan, wie oben erwähnt, gesundheitlich angeschlagen – Danke Großer Vorsitzender für die Erkältung. Ich muss jetzt bei KALTEM WETTER auf meine im Voraus bezahlten Leistungen verzichten und bekomme nichts erstattet, obwohl keine Leistung erbracht wurde. Dass ich keinen Schadensersatzanspruch gegen die Üstra habe, ist mir ja klar – Höhere Gewalt. Aber normalerweise, wenn man eine Leistung nicht erhält, muss man dafür auch nicht bezahlen, es sei denn, man hat die Nichtleistung verschuldet. Das ist hier nicht der Fall. Ich hätte also einen Erstattungsanspruch von 1/30tel meiner April-Monatskarte – das ist kein Schadensersatzanspruch (sonst würde ich Schmerzensgeld geltend machen, s.o.) – aber dass ich zahlen muss, ohne eine Leistung erhalten zu können, wurmt mich.
Mit dem Streik werde also ich als Kunde der Üstra geschädigt, der Arbeitgeber Üstra dagegen merkt es weniger. Keine Lohnkosten für den Tag, kein Strom, keine Treibstoffkosten – die Üstra ist fein raus.
Hier wird also in der Tat der Passagier, der ja KEINEN Einfluss auf die Tarifparteien hat, in seinem Vermögen geschmälert. Kann das sein? Ja, das Streikrecht von ver.di ist ein hochwertiges Gut. Aber kann ich nicht statt bei den Üstra-Leute beim Müll oder statt bei der Kinderbetreuung beim Finanzamt (da vor allem bei der Steuerprüfung, wo richtig Geld reinkommt) streiken? Irgendwo, wo es den Arbeitgeber richtig trifft, weniger die Bevölkerung??
Ja, ich weiß, Polizei darf nicht streiken, die sind nämlich Beamte. Aber die Üstra ist wirklich der falsche Ansatzpunkt. Bestraft werden vor allem Kranke (heute kam mir eine Frau mit Zwillingen und auf Krücken entgegen, weil ihr Bus nicht fuhr), Senioren (beim Arzt kam eine Frau mit Rollator raus – es war der Hautarzt, bei dem man einen Termin auf eigene Gefahr absagt, man bekommt nie wieder einen.) oder Leute, die gerade mit Gepäck unterwegs sein müssen (ein Postcrosser tritt heute seine Reha an – gut, dass er nicht in Niedersachsen zur Kur muss).
Das Allerschlimmste – dies ist „nur“ ein Wanrstreik. Man verhandelt eigentlich noch. MUSS DAS SEIN, ver.di, dann schon die Keule rauszuholen, auf den Esel einzuschlagen und doch nur den Sack zu treffen? Muss man gleich mit Atombomben auf Spatzen schießen? Das ist doch unverhältnismäßig! Zeigt Krallen, aber zerfleischt nicht gleich das unbeteiligte Publikum, nur um Eure Gegenseite zu beeindrucken.

 

Freitag Morgen

Heute war Blödmannsgehilfen-Morgen.

Ich stand an der Kasse des Discounters meines Vertrauens, hinter mir zwei Männer. Einer davon gab erst von sich, dass er „Handwerker liebe, aber Blagen hasse“ – merkwürdige Aussage, aber was solls. Damit wollte er den Handwerker vorlassen …

Er ließ sich nicht bremsen, laberte den Typ, den er vorgelassen hatte, zu, wie wenig ihm die augenblickliche Politik passen würde, dass man als Handwerker ja nicht mal vor dem Haus parken könne, in dem man arbeitet – und kam dann, in einem sehr gewagten Bogen, auf „Mutti“ zu schimpfen. Sie kümmere sich ja um die ganze Welt, aber sie sei doch Kanzlerin von DEUTSCHLAND (seine Betonung, nicht meine). *Und ich bin kein Mutti-Kind – wirklich nicht – aber ich habe gelernt, sie zu respektieren!*

Und dann das übliche, man dürfe ja nicht mehr seine Meinung sagen, sonst sei man gleich ein Nazi.

Meine Großeltern kamen mal als Flüchtlinge in diesen Teil Deutschlands – Großmutter aus Westpreußen, das unter polnischer Verwaltung stand und wo sie jeden Morgen in der Schule die polnische Nationalhymne singen musste – auf polnisch … obwohl sie Deutsche war. Und Großvater aus Ostpreußen. Beide nach dem Krieg heimatlos, beide angewiesen darauf, dass ihnen niemand streitig machte, dass sie ein Recht auf Leben haben, eine Unterkunft brauchten und dass sie eine Möglichkeit erhielten, als die jungen Leute, die sie waren, etwas Nützliches zu tun. Ja, sie sprachen die Sprache dieses Landes. Ja, Großvater hatte in der Wehrmacht gedient. Aber er war trotzdem ein Fremder. Und wurde auch oft so angesehen und behandelt. Doch als er 1998 starb, war fast das ganze Dorf auf den Beinen, um seiner Trauerfeier beizuwohnen und es gab wirklich kein Problem, Sargträger zu finden – freiwillig, unbezahlt! Hatte sich offensichtlich integriert.

Und daher geht mir bei diesem: „Die sind nicht von hier, die gehören hier nicht her“-Geschwafel wirklich die Geduld flöten! Benehmt Euch nicht so, als wenn Euch der Boden in diesem Land gehört! DEM IST NICHT SO! Niemand zwingt Euch, Euer Haus für Flüchtlinge zu öffnen, Eure Wohnung mit ihnen zu teilen, Eure Sachen für sie herzugeben. Aber ihnen das Recht auf Leben abzusprechen – denn wenn man sie nicht in diesem Land  aufnimmt, droht ihnen in Syrien, im Südsudan und ähnlichen Krisengebieten der Tod – DAS finde ich hat etwas von Nazigedankengut. Dieses „Was interessiert mich, ob es anderswo so schlimm ist, dass die Leute sterben; hier sind LÖCHER IN DEN STRASSEN“ ist eine sehr dämliche Nabelschau. Und zu meinen, dass uns die anderen nix angehen, ist mega-egoistisch. Check your privilege.

Dieser, dieser „AfD-Wähler“ …

Und dann war da noch der Idiot, der heute so an mir vorbeschrappte, um ein paar Plastiktüten zu ergreifen, dass er mein Gesäß berühren musste – obwohl ja genug Platz da war, diese Berührung zu vermeiden! Notfalls kann man mal einen Ton sagen. Halloo? So ist das ein sexueller Übergriff – und zudem noch echt nur peinlich, wenn man das bei einer schwer übergewichtigen, mittelalten und nicht gerade standardschönen Frau macht. Dieser Typ war so richtig verzweifelt …

Aber meine Sachen an der Kasse zu bezahlen, hat mich leider nicht von allen Blödmännern befreit.

Bushaltestelle. Gegenüberliegende Straßenseite. Ein Auto steht dort, eine Autotür öffnet sich. Herangedrohnt kommt ein schwarzer Golf. Weicht der Autotür aus, nix ist passiert. Aber der Blutdruck des Blödmannsgehilfen muss das irgendwo nicht mitbekommen haben – Blödmannsgehilfe dreht seinen Wagen, dröhnt zurück, pampt den Autofahrer an, der seine Tür geöffnet hat. Der antwortet ihm, dass er die Tür aufgemacht habe, weil er aussteigen wollte. Golf-Fahrer pampt weiter, dröhnt dann, zu schnell, in eine Seitenstraße weiter … Neben mir der Mann sagt: „Da freuen sich meine Kollegen schon, wenn sie den vom Baum kratzen!“ Er arbeitet bei der Feuerwehr.

Wenn nur nicht so oft Kollateralschäden zu befürchten wären, würd ich dem Herrn ja Recht geben … wäre das Beste, was passieren kann. Aber so tun mir die anderen Personen leid, die betroffen sein könnten.

Der Blödmannsgehilfe jedenfalls hat sich eine MPU verdient – ein Seminar im Anger-Management kann auch nicht schaden. Auto beschlagnahmen, Fahrerlaubnis einziehen – Tauglichkeit zur Führung eines Kraftfahrzeuges überprüfen. Hat der eigentlich nicht in der Fahrschule gelernt, dass man immer mit der Blödheit der anderen rechnen müsse? Dass an einem parkenden Auto vorbei zu fahren immer mit einer gewissen Achtsamkeit erfolgen muss? Dass man eben kein Recht darauf hat, beim Autofahren nicht von anderen „gestört“ zu werden?

Seufz – ich habe doch auch kein Recht auf einen blödmannsfreien Morgen. Aber wenigstens darf ich in diesem Lande meine Meinung sagen. Jawohl.