Schlagwort-Archive: Tod

Ende mit Schrecken

Heute Morgen musste ich mit meinem Kater zum Tierarzt. Ich sah, dass er immer weniger fraß und immer mehr verfiel. Außerdem roch er ein wenig nach Urin. Also biss ich in den sauren Apfel, fing meinen 11 Jahre alten Kater ein und fuhr mit dem Taxi zur Tierklinik. Dort nahm man ihm Blut ab.

Nachmittags dann der Anruf der Ärztin:

„Ganz schlechte Nierenwerte!

Wir haben eine Behandlungsmöglichkeit: Dialyse – für drei Tage an die Infusion. ABER: Das hält nicht ewig. Es kann sein, dass nach zwei Wochen die Werte wieder schlecht sind.“

Und als ich sie dann fragte, was sie mit einem eigenen Tier machen würde, einigten wir uns darauf, dass mein Kater heute oder Morgen eingeschläfert werden muss.

Ich saß zu dem Zeitpunkt auf der Arbeit, beendete mein Computerprogramm – und loggte mich aus. Dann jagte ich meinen Kater erneut ins Körbchen, zum letzten Mal, fuhr zum Tierarzt und ließ meinen Kater töten.

Ich bin kein Freund von Regenbogenbrücken-Euphemismen. Ich bin auch kein Totenkult-Anhänger. Also hab ich, was vom Kater übrig blieb, beim Tierarzt gelassen. Und bin mit dem leeren Körbchen mal wieder nach Hause gefahren. Das war jetzt das zweite Mal, dass ich mit leerem Körbchen von dieser Klinik nach Hause fuhr.

 

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Trauer

Hier nun eine traurige Nachricht, für alle, die gestern keine Nachrichten gehört haben:
Sir Terry Pratchett, Autor der Scheibenwelt-Reihe, ist gestern verstorben.

Wer im Guardian die zahlreichen Kommentare seiner erschütterten Leser liest, bekommt sogar einen Pratchett gezeigt, der weit über seine Fähigkeiten als Autor hinausgeht. Viele, die ihn getroffen haben, berichten von seinem Humor, einige von seiner Menschlichkeit.

Da war der Kommentar von einer Person, deren Schwester einen Platz in einem Seminar bei Pratchett gebucht hatte. Und sie war nun schwer krank und konnte nicht teilnehmen. Die Person hat dies Pratchett mitgeteilt – und bekam dann einen Anruf von ihrer Schwester, dass Pratchett sich bei ihr gemeldet hatte! Sie bekam die Kursmaterialien zugeschickt und alle guten Wünsche.
Oder bei einer Buchsignierstunde, ein junger Mann kaufte den neuesten Band und Pratchett signierte es und der junge Mann scherzte: „Wenn sie noch eine Stunde da sind, könnte ich nach Hause fahren und meine anderen Bücher von Ihnen auch noch zum Signieren herbringen.“ Pratchett sagte: „Dann mal los!“ – Und hat sie alle signiert.

Einige Geschichten berichten von seiner Bescheidenheit, so z.B. Leute, die auf einem der DiscWorld-Treffen waren und ihn abends in der Stadt trafen. Sie grüßten ihn mit „hullo Terry“ – und er sagte „Endlich normale Leute!“
Und auch wenn ihm das gegen den Strich gehen würde – sorry, Sir Terry – die Welt hat gestern einen ganz Großen verloren.
Er starb übrigens im Kreise seiner Lieben – sehr passend mit seiner Katze auf dem Bett!

Nachruf auf einen Mitbewohner, den ich nicht mal wirklich kannte

Der dritte Stock hat final zurück geschlagen.

Die Mehrheit der Wohnungen in Hannover werden schon von Singles bewohnt. Alternden Singles. Es wird immer wieder vorkommen, dass jemand in seiner Wohnung stirbt.

Solange dieser Mensch (noch) im Arbeitsprozess steht, ist die Chance groß, dass man diesen Menschen findet. Aber Arbeitslose? Kranke und Behinderte? Senioren? Auch diese Gruppen sind unter den Singles vertreten. Auch wenn man sie eher „allein lebend“ nennt. Eine weitere Herausforderung einer alternden, sich immer weniger binden wollenden Gesellschaft.

Ein Mitbewohner verstarb, heute hat man ihn tot in seiner Wohnung aufgefunden. Vor einigen Jahren zugezogen, nachdem die nette Familie mit Migrationshintergrund eine familiengerechtere Wohnung fand (zwei Kinder im dritten Stock in einer Drei-Zimmer-Wohnung wird irgendwann zu eng), hatte dieser Mitbewohner in den paar Jahren seither nicht spektakulär auf sich aufmerksam gemacht.

Was, außer seinem Namen, den ich natürlich nicht ins Blog schreibe, weiß ich von ihm? Er wohnte vorher in Berlin, war ein paar „Tage“ älter als ich, hat geraucht und war zu Small-Talk an der Bushaltestelle fähig. Außerdem hat er hin und wieder mal Päckchen angenommen und auch welche bekommen. Irgendwas hat er gesammelt … aber ich weiß nicht mehr genau, was. Das „Persönlichste“, das ich weiß, ist wohl, dass er wie ich ein Postcrossing-Mitglied ist/war …

Über seinen Tod? Weiß ich nichts. Ich nehme an, sein Arbeitgeber hat ihn vermisst. Im Briefkasten war jedenfalls noch nicht Überfüllung angesagt – nicht, dass dies hier jemanden stören würde. Mein Briefkasten füllte sich letzte Woche bis Freitag Morgen – und kein Mensch hat mal geklingelt.

Ich habe bei Postcrossing mal eine Info hinterlassen. Kann ja nicht schaden. Dort wird man sicher mal eine Mail an den Nutzer schicken – um zu überprüfen, ob ich die Wahrheit gesagt habe. Könnte ja sonst jede/r kommen. Nun jedenfalls ist Herr *** an einem Ort, von dem es keine Postkarten zu senden gibt …