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Punkt, Punkt, Punkt 2017 – (29) – Fundstück(e)

Bei einer Baustelle in der Innenstadt von Hannover fanden Kabelverleger (wieso verlegen die die Kabel eigentlich, die will man doch wiederfinden) 2015 menschliche Knochen.

Den Bericht und Fotos dazu hat die HAZ, die hat’s.

Immer wieder werden bei Bauarbeiten solche Fundstücke gefunden. Auch bei der Umgestaltung eines Friedhofs in der Innenstad (s. Alter Nikolaifriedhof bei Wikipedia) wurden Gebeine zu Tage gefördert.

Wenn man es am Stadtbild auch nicht unbedingt bemerkt, macht sich hier Hannovers lange Geschichte bemerkbar. Die älteste Kirche Hannovers (die schon mal verlinkte Marktkirche mit dem beeindruckenden Bronzeportal) hatte einen Vorgängerbau von 1125.

Mich schaudert, zu denken, was Archäologen wohl mal über unsere Zeit noch finden werden.

 

Punkt, Punkt, Punkt 2017 – (27) – Bogen

Zum Thema Bogen kann ich natürlich diverse Tür- und Torbögen zeigen – aber die kennt Ihr schon. Einen Flitzebogen habe ich nicht zu bieten, ich habe das nie gekonnt. Und auch keinen Geigenbogen, weil ich ziemlich unmusikalisch bin.

Daher stelle ich Euch heute meine Lieblings-Obszöne Geste vor. Nicht den Stinkefinger, sondern die englische Variante.

Die hat Ähnlichkeit mit dem Victory-Zeichen – zwei gespreizte Finger (Zeige- und Mittelfinger) – allerdings ist für das Victory-Zeichen erforderlich, dass der Handrücken zum Zeiger zeigt. Andersrum nämlich ist es die besagte Obszöne Geste.

Wieso die Engländer da wieder ihren Sonderweg fahren? Das hat historische Gründe:

Im hundertjährigen Krieg bekämpften sich Franzosen und – nein, nicht die Deutschen, sondern die Briten. Und diese verwendeten Langbogen, eine äußerst effektive Fernwaffe – sehr zum Leidwesen der Franzosen. Die schnitten daher jedem englischen Bogenschützen die entsprechenden Finger ab, mit denen die Sehne gespannt wurde.

Wenn es nun zur Schlacht kam, zeigten die Bogenschützen dem Feind, was sie von ihm hielten, in dem sie ihm ihre Finger präsentierten, eine Geste, die zuerst nur hieß: „Ich hab meine noch“ – aber sehr schnell sehr viel rüder zu lesen war – eine Art „Fuck You!“

So trugen also die BOGENschützen dazu bei, dass die Briten mal wieder eine Extrawurst bri(e)ten … Und da Hannover mit seinem Königshaus ja Verbindungen nach Großbritannien hat (ja, der Pipi- und Prügelprinz ist immer noch in der englischen Thronfolge vertreten, wenn auch sehr weit hinten), war das mal wieder ein Beitrag zum Thema Hannover.

Na, wie hab ich DEN Bogen gespannt? Überspannt? Verspannt? Spannend …

Punkt, Punkt, Punkt 2017 – (26) – In der Nacht

Das Thema sollte mir eigentlich leicht fallen:

In der Nacht

gehen Hannoveraner ins Theater

oder ins Museum

oder in die Kirche

oder fahren mit Skates

Also, natürlich nur in Speziellen Nächten. Lange Nacht der Theater/Museen/Kirchen – bzw. Skate by night oder auch mal der Evangelische Kirchentag.

Ansonsten haben wir natürlich Nachtclubs, aber doch eher … weniger … wir sind Provinz, nicht Berlin

Dann feiern wir nachts Party. Also – die WGs neben mir tun das … oder irgendjemand anderes, der meint, bei heißem Wetter viele Leute in seine Butze einladen zu müssen, dann das Fenster aufzureißen und die ganze Straße zu beschallen. Die WG nebenan hatte gestern Einweihungsfeier. Aber ich will fair bleiben – man hat es angekündigt und mit Ohrenstöpseln konnte ich schlafen.

Ob wieder jemand sich vom Balkon erbrochen hat (wie bei der VorgängerWG) oder wie bei der anderen WG im Stock darunter in den Hausflur – das habe ich noch nicht überprüft. Es ist ja auch schön zu sehen, dass die als sehr konservativ und überangepasst verschrieene Generation auch mal über die Stränge schlagen kann. Ihr wart mir schon unheimlich … (Die Jugend von heute ist alt vor ihrer Zeit. Ein bißchen wie ich damals, denn auch ich war mehr als brav. Nur ICH war eine exotische Ausnahme, wenn das eine ganze Generation an den Tag legt, ist es ein wenig … unheimlich – StepfordKids statt StepfordWives.)

Und ansonsten wird in Hannovers Nächten gelesen, gestritten, ge*ahem* (also, meist einvernehmlicher Sex gehabt), fern gesehen, das eine oder andere Feuerwerk gezündet, gearbeitet (z.B. die Fahrer der Üstra, die einmal pro Stunde Fahrgäste im Nachtsternverkehr durch die Stadt fahren, aber natürlich nicht nur die, es gibt hier zahlreiche Krankenhäuser, Not-Dienste bei Tierärzten/Apotheken/Humanmedizinern, Taxifahrer, dann Industrie, die im Dreischichtbetrieb arbeitet, Altenpfleger, Hotelpersonal und natürlich Polizisten und Soldaten etc. etc.)

In  Hannover in der Nacht

wird geweint und viel gelacht

wird gefahren und gelegen

und ist man mal so recht verwegen

wird gesungen und getanzt

(auch mal ein Telefon verwanzt).

In Hannover in der Nacht

ist’s nicht anders als woanders

es wird getrunken und gelacht

und jeder denkt, na er, er kann das.

doch bei allem nächtlichen Sehnen

sind die Nächte hier zum Gähnen.

Denn wir haben keine Grafen,

daher wird bürgerlich geschlafen!

(Das war mal wieder aus der Kategorie schlichte Gedechte.)

 

Punkt, Punkt, Punkt 2017 – (25) – Hinweise

„Hinweis: Die Beiträge auf meinem Blog geben MEINE Sichtweise der Dinge wieder, meine Meinung (mit der ihr nach Herzenslust argumentieren könnt) und meine Eindrücke. Sie sind nicht allgemeinverbindlich, die Welt ist bunt und wir sind nicht alle gleich.

Die Personen in meinen Geschichten sind rein fiktional, Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind zufällig (manchmal borg ich mir von realen Personen etwas, um meinen Charakteren einen Aufhänger zu geben, aber sie sind nie EinszuEins-Übertragungen!)“

Auch solche Hinweise sieht man immer wieder, nicht als Hinweisschild, wie im Straßenverkehr:

Ganz viele davon findet Ihr HIER, ab Seite 60 (Zeichen 350 bis 394, Hinweise).

In Hannover (wie in vielen anderen Städten in Deutschland) gibt es außerdem noch weitere Hinweisschilder, die nicht in der Verkehrsordnung stehen. Eines aus meiner Nachbarschaft habe ich Euch mal fotografiert:

IMG_1031[1]

Mit der kleinen Schrift und der (relativen) Masse Text ist dieser Hinweis auf den Namensgeber der Straße eher für Fußgänger gedacht. Keine Chance, das im Vorbeifahren zu lesen.

Und dann gibt es noch andere Hinweise, in 1099 deutschen Städten mittlerweile zu finden, sowie auch anderswo in Europa, diese hier sind aus der oben erwähnten Straße:

IMG_1033[1]

Das sind vier Stolpersteine.

Wenn es eine Straße mit vielen Opfern war, und die Sonne auf den Metallstiften glänzt, sieht das aus, wie ein leuchtender Pfad:

IMG_1032[1]

Daher mein letzter Hinweis für heute: Auch mal auf den Boden schauen.

 

Punkt, Punkt, Punkt (20) – Spontanität will wohl überlegt sein

Letztes Jahr bin ich zweimal Großtante geworden.

Ob sich meine Nichten das gut überlegt hatten? Ich weiß nicht, ob es Spontangeburten waren, aber die Zahl der Nicht-ganz-so-spontanen Geburten nimmt ja derzeit zu.

Ich jedenfalls habe mich ganz unspontan mit 16 bereits festgelegt, dass ich NICHT ein Kind auf die Welt bringen will – nicht spontan und nicht geplant per Kaiserschnitt.

Und je mehr ich darüber lese, desto mehr schüttele ich den Kopf, wie Leute sich dem freiwillig aussetzen. Nicht nur die Wehenschmerzen, auch die ganzen Veränderungen im Unterleib, die Inkontinenz, das Verletzungsrisiko in der Vagina … und das bei Spontangeburten – also „Natürlichen“, unkomplizierten Geburten … Mich schüttelt das.

Ich finde ja, man sollte diese Seiten des Kinderkriegens auch im Biounterricht behandeln. Damit frau weiß, worauf sie sich einlässt – und den Kerlen klar wird, was so eine Schwangerschaft anrichtet.

Soweit ganz spontan meine Gedanken.

Punkt, Punkt, Punkt 2017 – (18) – Treppen

Treppen gibt es in Hannover reichlich. Solche, die im Park verschiedene Plateaus miteinander verbinden.

In den vielen vierstöckigen Häusern (auch in dem, in dem ich lebe).

Solche, die aus U-Bahnstationen heraus – oder hinein – führen. Und – ROLLTREPPEN – die meist IN den Stationen.

Von einer solchen erzähle ich Euch jetzt eine kleine Familiengeschichte:

Vor vielen Jahren (es muss 1998 gewesen sein, mein Opa war gerade verstorben), lud ich meine Nichten zu einem Zoobesuch ein. Bis dahin waren sie nur in Ostwestfalen-Lippe herum gereist, sie waren also nicht wirklich welt-erfahren. Sie waren ja auch gerade mal 11 und 8.

Bereits die Anreise mit der Bahn war daher ein spannendes Erlebnis für die beiden. Was fanden sie besonders faszinierend? Dass in dem Bummelzug, der uns nach Hannover brachte, Klos eingebaut waren, die direkt auf die Gleise öffneten, wenn man abzog .. Ich musste sie mit sanftem Druck von der Toilette entfernen, damit noch Wasser im Tank war für die anderen Fahrgäste …

Dann gingen wir hinüber in die Stadtmitte, wo wir die größte U-Bahnstation der Stadt für unsere Fahrt zum Zoo aufsuchten. Sie fuhren die lange Rolltreppe mit GROSSEN Augen herunter – und unten angekommen, wollten sie das Ganze nochmal wiederholen. Da mir egal war, ob wir die nächste, oder die übernächste Bahn nahmen, ließ ich die zwei gewähren – schließlich sollten sie Freude haben. Ihre Eltern hatten gerade angekündigt, sich scheiden lassen zu wollen, da war mir daran gelegen, dass sie einen  Tag hatten, an dem sie die ganze Misere zu Hause vergaßen, nicht daran, dass sie möglichst viel vom Zoo sahen.

So fuhren sie also dreimal die Rolltreppe rauf und wieder herunter und ich stand unten und lächelte mit der ganzen Weisheit meiner (damals) 29 Jahre vor mich hin. Sie hatten halt noch nie eine so lange Rolltreppe erlebt.

Wikipedia findet sie immerhin erwähnenswert:

„Die U-Bahn-Station Kröpcke ist die wichtigste Kreuzungsstation der Stadtbahn Hannover. Hier kreuzen sich alle drei Tunnelstrecken. An sechs Bahnsteigen fahren die Linien 1 bis 9, 11, 16, 18 und N10. In der Station befinden sich die vier längsten Rolltreppen in Hannover. Mit einer Länge von je etwa 33 m führen sie von der Verteilerebene (-1) zu den beiden Bahnsteigen der C-Strecke (-4).“

Und ja, wir nahmen eine Bahn, die auf der C-Strecke verlief. Natürlich. Meine zwei Nichten ließen sich nach der dritten Fahrt auf der Rolltreppe dann langsam dazu bringen, zum Zoo zu fahren.

Als ich sie dann am Abend nach dem Schönsten vom Tag fragte, kam nicht irgend eine der Tiershows, oder das Essen, das Eis, die Bootsfahrt, der Kamelritt, dass sie selber die Karte navigieren durften – nein, das Schönste am ganzen Tag war … genau – die lange Rolltreppe – und die Zugtoilette.

Hätte ich DAS gewusst, hätte ich viel Geld sparen können *lach*

Punkt, Punkt, Punkt 2017 (16)

Die Bank, eine wahre Geschichte

Eines schönen, sonnigen Morgens ging ich zu einem kleinen Bäcker (noch ein echter Bäcker, keine Filiale mit Backofen zum Fertigbacken) und auf dem Weg dahin sah ich zwei alte Männer auf der Bank sitzen. Ja, ich wohne in einer Großstadt, trotzdem grüßte ich freundlich „Guten Morgen“.

Die Antwort, die zurück kam, war weit weniger freundlich. „Sie könnten auch ein Pfund weniger drauf haben!“

Für den Moment war ich sprachlos. Ich war nicht so erzürnt darüber, dass er mich fett genannt hatte – das bin ich und war ich damals schon. Aber dass er meinte, es ginge ihn etwas an, das fand ich unverzeihlich.

Ich ging weiter zum Bäcker, kaufte, was ich kaufen wollte, aber innerlich war ich immer noch am Kochen. Also nahm ich den Rückweg, wieder an der Bank entlang. Die beiden alten Männer saßen immer noch dort, einer Zigarre rauchend. Ich sagte zu dem, der seinen Mund so voll genommen hatte: „Ich mag fett sein, aber ich kann abnehmen, dann bin ich nicht mehr fett. Sie sind alt und sterben bald, dagegen ist kein Kraut gewachsen!“ Sprachs und ging fort.

Der zweite Mann lachte seinen vorlauten Kumpel aus.

Das war 2001, seitdem habe ich den Alten nicht mehr auf der Bank sitzen sehen.

Womit es bewiesen wäre, dass wir nur zwei Wahrheiten ausgetauscht haben. Die englische, humorvolle Redewendung dazu lautet: „Stating the bleeding obvious“ , oder wenn Ihr mal der Abkürzung STBO begegnet …

bleedin‘ obvious

  1. (humorous) So evident that it goes without saying, and is thus superfluous.

Übersetzt – so offensichtlich, dass es „nicht der Rede wert ist“ ist und daher überflüssig.