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Sollte man jedes angefangene Buch auch beenden?

Im Guardian fand ich heute eine Diskussion darüber, ob man wirklich jedes Buch, das man angefangen habe, auch beenden sollte.

Die Argumente dafür lassen sich ungefähr so zusammenfassen:

  • aus Respekt dem Autor gegenüber
  • weil es den eigenen Intellekt fördert, auch mal etwas zu lesen, was einem nicht behagt
  • um eine Zapping-Einstellung zu vermeiden (gerade mit den heutigen E-Books, wo es leicht ist, das Buch zu wechseln)

Die Argumente dagegen:

  • Es gibt zuviele Bücher und zuwenig Zeit, um alle zu lesen
  • Manche Bücher sind einfach nur schlecht, leider findet man das nicht immer vor dem Kauf heraus
  • Ein Buch, das einen langweilt, hat ein Zuende-Lesen nicht verdient.

Ich würde dem letzteren noch hinzufügen:

Ein Buch, das man von einem wohlmeinenden Mitmenschen geschenkt bekommen hat, muss einem selber ja nicht unbedingt zusagen. Mir ging das so mit einem Buch von einem Schweizer Autor, das mir meine ehemalige Mitbewohnerin mitbrachte. Martin Suter, Die dunkle Seite des Mondes. Nicht meine Tasse Tee, wie der Engländer so schön sagt. Warum sollte ich mich quälen mit einem „Helden“, dem ich nix abgewinnen konnte?

Oder ein Buch, das ich mir in England bei einem meiner London-Aufenthalte gekauft habe – ein Science-Fiction, bei dem es um ein merkwürdiges Gerät ging, das im Weltall auftauchte und das nun bei verschiedenen Mächten Haben-Wollen-Gelüste auslöste – und dann wurde die Geschichte so durch verschiedene Zeitebenen gejagt, ohne dass irgendwas passierte, dass ich nach einem Drittel des Buches dem Altpapiergott opferte. Ich liebe skurrile Science-Fiction – aber weitere 500 Seiten zu lesen, nur um nun heraus zu bekommen, was das „Ding“ denn nun war – das war es mir nicht wert.

Ich kann auf jeden Fall ein schlecht geschriebenes, nicht besonders überraschendes 08/15-RomCom-Büchlein leichter zu Ende lesen als ein Buch, das sich einen Spass draus macht, mir jegliche handelnde Person unsympathisch zu machen (JA, ich rede von dir, Games of Thrones). Wahlweise  wird der/die  Lesende auch durch verkünstelte Neusprech-Anwendung (man kann sowas auch übertreiben) oder psychiatrisch relevante Charaktereigenschaften der Hauptfigur (multiple Persönlichkeiten sind fast so schlimm wie Bobby Ewing beim Duschen) verwirrt. Alles für mich ein Grund, ein Buch ganz schnell beiseite zu legen und mir einen solide geschriebenen 08/15-Krimi oder eine RomCom-Geschichte aus meinem Bücherstapel zu ziehen. Meinetwegen auch gerne die 100. Um-Schreibung von Herr der Ringe, (solang es nicht gerade Shannara ist …) – es gibt immer mal wieder solche, die gelungen sind (S. ist dagegen ein wirklich schlechtes Plagiat).

Nun zu den Pros:

Respekt vor dem Autor? Und, hatte er Respekt vor dem Leser, in dem er ein Buch abgeliefert hat, das handwerklich i.O. war und Charaktere beinhaltet hat, mit denen man sich identifizieren konnte? In einer Sprache, die den Leser nicht einfach nur ermüdet? Sie kann ja herausfordernd sein, aber sollte verständlich bleiben.

Intellektuelle Herausforderung durch Bücher, die ich nicht mag? Bin ich denn in der Schule? Ich lese zum Vergnügen – manchmal sogar Klassiker oder sogenannte „Gute Literatur“ – und die manchmal sogar TROTZ Langeweile zu Ende (s. Nachtzug nach Lissabon). Aber ich fühle mich bei Klassikern, die mich nicht ansprechen, eben oft hinters Licht geführt oder übers Ohr gehauen. (Hallo, ich rede von dir Wuthering Heights).

Zapping-Einstellung? Ich sehe kaum noch fern, ich kann stundenlang Zeitung lesen, ich bin in der Lage, auch ermüdenden Erläuterungen über Stunden zu folgen, sogar im Sättigungs-Koma (irgendwann zwischen 13 und 15 Uhr, ohne Koffein-Gabe) – ich denke, manche Sachen darf ich einfach auch mal nur antesten und für schlecht befinden und mir dann etwas suchen, das mir mehr gibt.

Meine Meinung ist daher: Klar kann man Bücher auch nicht zu Ende lesen.

Was macht man mit den Büchern hinterher? Das hatte ich schon mal, hier zusammen gefasst für die nicht beendeten Bücher – wegwerfen (wenn sie so grottig sind, dass sie wirklich keinem anderen Leser zuzumuten sind – Shannara ist so ein Beispiel) oder weggeben an Büchereien (die damit zumindest ihr Budget verbessern, in dem sie sie als Flohmarkt-Bücher in der Bücherei verkaufen – wenn sie nichts für die Ewigkeit sind, aber zu schade zum Wegwerfen). Neuerdings kann man auch mal sehen, ob noch ein Plätzchen im Öffentlichen Bücherschrank vorhanden ist. Oder man spendet sie (Kirchenbasar, Tierheim etc.) Wer möchte, kann auch noch versuchen, nen Euro per E-bay zu erhalten (nicht bei S. versuchen, da muss man drauf zahlen, damit das jemand nimmt).

 

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Nachtzug nach Lissabon

Gemeint ist nicht dieser hier.

Sondern das gleichnamige Buch, das dieses Jahr auch in die Kinos kam.

Ein Buch über einen Schweizer in Midlifecrisis, der diesem Gefühl, dass er das Leben verpasst hat, nachfährt, in dem er das Leben eines anderen „erfahren“ möchte. Nur um Ende, wie alle Midlife-Crisis-Opfer zu erfahren, dass der Mensch altert und sterblich ist.

Das Buch hat 495 Seiten, in der Ausgabe, in der ich es gelesen habe, und ich fasse es in 2 Sätzen zusammen. Unfair? Ja, wenn man auf schwurbelige, selbstverliebte Sprache steht, die fehlt in den zwei Sätzen. Nein, wenn man nur wissen will, was diesen Mann bewegt, sein Leben fallen zu lassen und sich vor jeder Verantwortung auch für sich selber davon zu stehlen – dazu gehört das schöne Doppelwort Midlife-Crisis. Vielleicht bin ich noch zu jung, um es zu verstehen, vielleicht habe ich meine Selbstmitleidtour schon hinter mir und kann dies nicht mehr verstehen. Die Erzählperson ist ein weinerlicher Altsprachen-Lehrer, der in schwärmerischer Weise einem portugiesischen Arzt und Autor hinterherjagt, der längst gestorben ist und eine Menge heißer Luft, ungefähr so wichtig wie der in diesem Buch allgegenwärtige Zigarettenrauch, hinterließ.

Das Buch langweilt über weite Strecken, als ich die ersten Filmkritiken dazu las, wusste ich, der Plot ist einfach zu dünn, es geht nicht nur mir so. Wer gerne philosophisches (habe gelesen, dass der Autor Philosoph ist, also ist es nicht nur PSEUDOphilosophisch) Geschwurbel liest, dem würde ich es empfehlen.

Bewertungskategorien für die Buchrezensionen:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)