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Museumsfest im Museum August Kestner

Vorgestern, gegen Mittag, besuchte ich das Museum August Kestner. Der Eintritt war frei, es gab Häppchen, Sekt, O-Saft und freie Führungen und einen Vortrag zum Thema Keks-Geräusch.

Außerdem gab es interessante Einsichten in Hannoversche Industrie-Geschichte. Feinkost-Appel? Gegründet in Hannover. Auch wenn sie JETZT in Cuxhaven sitzen.

Wann fuhren die ersten Elektroautos in Hannover? Die Firma Hawa stellte diese 1921 bis 23 her … Damals wie heute kein Verkaufsschlager. Damals lag es an der Verbesserung der Benziner – elektrische Starter, die ein Ankurbeln überflüssig machten und bessere Verteilung der Nachfüllstationen. heute fahren in deren Fabrikhalle übrigens Carts …

Auch Continental und Bahlsen wurden natürlich erwähnt, aber bei denen weiß man ja, dass sie aus Hannover kommen.

Die Firma Continental hat übrigens zuerst ganz andere Produkte hergestellt, Autoreifen waren mehr so ein Nebengeschäft, denn es gab ja nicht so viele Autos. Und sie hatten einen Konkurrenten in der Firma Excelsior. Die stellten sogar Kämme her.

In Pompeji wurde Wahlwerbung in Hauswände gekratzt  – Werbung war nämlich das zweite Thema am „Kekstag“.

Alles in allem: Die Führungen haben an Qualität verloren im Vergleich zu früheren Jahren (verglichen mit der langen Nacht der Museen vor vor ca. 5 Jahren), die Leute im Museum sind freundlich und hilfsbereit und wer seine Garderobenmarke verliert, bekommt seine Jacke trotzdem wieder – wenn er sie beschreiben kann und die Nummer noch weiß.

 

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101 Geschichten im Kestner-Museum

Ich habe hier schon öfter für das kleine, aber feine Kestner-Museum am Trammplatz in meiner schönen Stadt geworben. Und die Veranstaltung heute, das jährliche Museumsfest, ist ein weiterer Grund dafür.

Das Museum hat einen liebevollen Kurator für die ägyptische Sammlung, Leute, die voll Fachkenntnis und mit Hingabe ihr Fachgebiet (Münzen und Sakralkunst) oder auch die derzeitige Ausstellung zum Thema Reformation erläutern und umfasst 6000 Jahre Menschheitsgeschichte.

Museumsfest bedeutete: FREIER Eintritt, Sektempfang, freies Fingerfood, und 101 Geschichten (die maurische Version von 1001 Nacht, genauso sexy, genauso sexistisch, aber nur geringfügig deckungsgleich). Um es gleich mal hervorzuheben, der Kuchen war lecker! An die salzigen Leckereien kam ich nicht heran, nicht schnell genug, Sekt hab ich mir eh geschenkt. Aber schon der Kuchen war wirklich gut.

Zuerst schauten wir uns die momentane Ausstellung an. Die „erläuternden“ der Künstler lösten bei mir ein großes Bedürfnis nach einer Runde Bullshit-Bingo aus. Mir fehlte nur noch der Begriff „Transzendenz“.

Zu sehen war ein Plastik-Ball-Zelt als „sakraler Raum des Rückzugs und der Meditation“ … einige Plastikbroschen mit Herzen mit Flügeln … angeblich trugen sie einen Namen eines Verstorbenen, ich sah keinen. Eine Holzkugel mit Riss – wegen der Spaltung der Kirche .. Einige Objekte aus verschiedenen Materialien (Stein, Ton, Styropor, Holz) – gespalten … das einzig wirklich sehenswerte war eine kurze GIF-Installation, die sehr Monty-Pythonesque ausgefallen ist. Mit Schrödingers Katze und Stephen Hawkings … Ein weiteres Bild ließ mich mit einer Museums-unterstützerin streiten – auf einem Hintergrund der sehr an die verwaschenen Landschaften aus der Langen Nacht der Museen erinnerte, sah man einen Unterarm, hemdsärmlig – mit geballter Faust, bei der der Zeigefinger etwas abgespreizt war – klassische Haltung für eine Handfeuerwaffe. Das wollte die Mitarbeiterin darin nicht sehen. Klar kann ich meine Augen auch zuhalten und LaLaLa-singend durchs Leben gehen.

Dann gingen wir weiter, hoch zur Vorstellung der Kurzführungen. Wir entschieden uns für Fabeln bei den Ägyptern. Also, der Kurator hat einen Frontzahn im Unterkiefer eingebüßt – vielleicht hat er deshalb genuschelt. Und er ist hervorragend informiert, was in anderen Museen läuft, wo gerade renoviert wird (Leyden), wohin die Sachen derweil ausgeliehen werden (Bologna) … Nachdem er so mindestens 5 Minuten name dropping gespielt hat, kam er dann doch zum Thema. Überliefert sind nur wenige Geschichten der Ägypter, die man unter das Label Fabeln einordnen könnte. Aber auch wenige sind immerhin welche. Die ägyptischen Geschichten lassen nicht nur Tiere, sondern auch Pflanzen sprechen.
Die Quellenlage ist dünn, es gibt einige überlieferte Bilder, die dazu gehörenden Geschichten sind nicht überliefert.

Anschließend erkundeten wir auf eigene Faust die Münzausstellung – wunderschöne Fotos von wirklich arg mitgenommenen Münzen (nicht alle alt! – Es gibt einen Teil, der sich „Euro-Schmelze“ nennt). Die Fotos zeigen Farben, die man so nicht mit Münzen in Verbindung bringen würde. Sind aber nicht nachbearbeitet worden.

Eine Münze (Wallfahrtserinnerungsmünze der Kreuzlegung Christi) erinnerte mich und meinen Begleiter an Matisse Der Tanz.

Einige dieser Fotos würde ich mir ohne Weiteres als Kunstwerk an die Wand hängen!

Dann war es 14 Uhr, wir suchten uns ein Plätzchen für die Rahmengeschichte zur 101 Nacht – und genossen eine sehr engagiert, aber nicht theatralisch vorgetragene, grausame, frauenfeindliche und trotzdem faszinierende Geschichte.
Dann kam die Entdeckerin der Handschrift (also, die Dame, die entdeckt hat, dass es sich um eine Handschrift aus dem 13. Jahrhundert handelt, damit die früheste Version der 101 Geschichten) dazu, die Geschichte darzulegen – und dass die Geschichte sich natürlich auf die arabische Version mit 1001 Geschichten bezieht, die aber wiederum indische Quellen hatte!
Und schließlich wurden noch ein paar dieser durchweg frauenfeindlichen Geschichten erzählt, eine Aussage blieb mir besonders im Gedächtnis:
„Das Geschlechtsteil einer Frau ist wie ein Sattel, gehört einem Mann nur, solange er reitet.“
Es wurde von den ansässigen Damen mit stoischer Gleichmut ertragen, wohlwissend, dass ein Mann sehr schwach sein muss, wenn er solcher Art um seine Frau fürchtet.
Nachdem ich dann noch die unvermeidlichen Postkarten besorgt habe, ging es kurz vor 17 Uhr wieder nach Hause.