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Punkt, Punkt, Punkt – (10) – Porzellan

Natürlich könnte ich die gesammelten Ergebnisse vieler Jahre des Erbens und Aufbewahrens aus meinen Schränken zeigen, aber nein, das macht Ihr so schön, das überlasse ich Euch, den anderen Teilnehmern von Punkt, Punkt, Punkt.

Ich möchte mal wieder etwas Hannoversches präsentieren. Nicht die vielen „Antik“- und Trödel-Läden, die immer Antikes verkaufen und immer Trödel ankaufen … Nicht den samstäglichen Flohmarkt am Leineufer, der erst von einem Mann gegründet wurde, der so wie ich mit Leib und Seele Hannoveraner war (nur, dass er auch hier geboren wurde, ich bin nur mit Seele Hannoveraner), 1972 richtete er den wöchentlichen Markt am Leineufer ein (vorher fand er woanders statt und auch nicht wöchentlich). Obwohl auf so einem Flohmarkt klassischerweise auch Porzellan vertickt wird, soll dies nicht das Thema dieses Beitrags sein.

Auch nicht das Fairkaufhaus, in dem viele Leute Porzellanspenden abgeben, wenn ältere Verwandte verstorben sind und der Haushalt aufgelöst wurde. Auch wenn ich die ökologische und soziale Idee dahinter großartig finde, soll sich mein Beitrag nicht darum drehen. Die Öffnungszeiten sind außerordentlich Mitarbeiter-freundlich – und Kunden-unfreundlich – ich bin fast nie bis 18 Uhr in der Innenstadt. Aber die Idee Langzeitopfern von Warenhaus-Pleiten und Zusammenlegungen eine neue berufliche Chance zu geben, finde ich wunderbar und dass Sachen mehr als einen Besitzer haben, ist außerordentlich ressourcenschonend.

Auch eine nette Idee, aber nicht Thema dieses Beitrags, ist das Porzellan-Café, in dem man Keramik selbst bemalen kann.

Nein, mein Beitrag soll heute einem kleinen Museum gewidmet sein: Museum August Kestner.

Es hat eine sehr gemischte Sammlung, man sieht dort Design-Objekte der Neuzeit, mittelalterliches Altargeschirr, Kunst aus Ägypten, Münzen – und eben auch Barock-Porzellan. Klar, Meißen ist einer der Haupt-Herkunftsorte.

„Unter dem Porzellan der Barockzeit heben sich die Manufakturen Fürstenberg und Meißen innerhalb unserer Sammlung besonders hervor.“

Immer wieder sieht man dort auch Sonderausstellungen, die letzte, die ich gesehen habe, war eine zum Thema Werbung Ende des 19./ Beginn des 20. Jahrhunderts.

Besonders aber hervor tut sich das kleine Museum, das wie das Museum Wilhelm Busch von Freiwilligen lebt (Spenden, Förderverein, Freiwillige, die durch die Sammlung führen) bei besonderen Tagen. Es hat einen Museumstag, an dem es ohne Eintritt zugänglich ist und auch noch Speisen und Getränke verteilt werden (alles Spenden von Freiwilligen, die Stadt Hannover tut da nix zu, – naja, außer der Kosten für Elektrizität und Heizung und Sicherheit). Es nimmt jedes Jahr an der langen Nacht der Museen teil. Kuratoren bieten dann leidenschaftliche Sonderführungen an, wir hatten u.a.  schon das Thema Geld (Münzen der Antike genauso wie das Münzenlose System der Ägypter und was man in Griechenland und Rom so alles zu Geld machen konnte – ich sag nur: Non olet.) – was mich sehr beeindruckt hat. Humor kam nicht zu kurz bei den Führungen und das finde ich immer wieder wichtig!

Die ägyptische Sammlung war mal so angesehen, dass sogar die Tutanchamun-Maske als Leihgabe für eine Austellung hier gezeigt wurde! Das kleine, provinzielle Hannover hat neben Weltstädten wie Berlin, München und Hamburg und neben dem auch größeren Köln diese Wanderausstellung für 10 Wochen beherbergen dürfen.

Es ist daher ein wirklich engagiertes, mit viel Liebe geführtes kleines Museum, gleich neben dem Neuen Rathaus (das gerade erst 104 wird dieses Jahr). Und es hat eben eine Menge verschnörkeltes Porzellan zu bieten, dem man ansieht, dass es noch Spülmägde gab, als es hergestellt wurde – denn eine Spülmaschine wäre der Farben Tod – und die ganzen Porzellanschnörkel (die sind nicht gemalt, die sind modelliert) werden auch nur in Handarbeit so richtig sauber.

Heute wird es natürlich nicht mehr verwendet, es steht hinter Sicherheitsglas und man kann bestaunen, wieviel Mühe, wieviel Detailarbeit, wieviel Phantasie man mal in so etwas wie einen Teller, eine Tasse oder gar eine Untertasse gesteckt hat!

Es gibt sogar (Fach-)Literatur dazu:

Elisabeth Reissinger: Porzellan aus Fürstenberg, Kestner-Museum, Hannover 1997, ISBN 3-924029-27-X

Sollte es mal wieder an einem Sonntag regnen, Ihr wisst nun, was Ihr zu tun habt: Ab ins Museum!