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Punkt, Punkt, Punkt – (46) – Besuch

Hannover (ach, geht es schon wieder um diese Stadt? Ja, wer hätte das bei einem Blog namens inhannover gedacht) hat eine besondere Eigenheit, die aus der Nachkriegszeit resultiert:

Messemuttis.

Nein, sie sind keine mittelalten Messehostessen, die sich besonders mütterlich darum kümmern, Produkte zu verkaufen. Das machen auch hier gutaussehende, junge Schülerinnen und Studentinnen.

Es sind auch nicht die Frauen, die sich mal die Messe ausgedacht haben – das waren nämlich die männlichen britischen Besatzer. 1947. Und die hatten ein Problem.

„Als die Stadt an Truppen der Britischen Armee übergeben wurde, waren diese entsetzt darüber, dass es für sie kaum ausreichende Übernachtungsmöglichkeiten gab.“

Sie wollten nun eine Industrieschau ausrichten lassen – ausgerechnet in Nachkriegsdeutschland, dessen Industrie von allen sehr skeptisch betrachtet wurde – aber es gab in Hannover nach der großen Zerstörung in den Bombennächten noch nicht genügend Hotelzimmer, um die entsprechenden Besucher unterzubringen.

Auftritt Messemuttis.

Die hannoversche, mittelalte Weiblichkeit musste sich oft ohne Mann durchschlagen, entweder, weil Papi noch in den Weiten Sibiriens weilte – oder weil er sogar gefallen war. Geld musste trotzdem reinkommen. Und so haben findige hannoversche Frauen in ihren engen und durch Einquartierungen eh schon überfüllten Wohnungen einen Raum hergerichtet, einen Messe-BESUCHER aufgenommen – und diesem das aus England bekannte Bed&Breakfast angeboten. Allerdings konnte sich BnB nicht generell durchsetzen, dazu waren deutsche Frauen wohl einfach zu skeptisch, man vermietete ein Zimmer kurzzeitig nur an Messe-Besucher und das tut man heute noch.

Heute, in Zeiten von RBnB nichts besonderes mehr, war das in den 40ern oft noch eine Sensation.

Auch in meinem Briefkasten landen die Flyer der Agenturen, die ständig Wohnungen suchen, die sie zu Messezeiten teuer vermieten können. Aber nicht mit yours truly.

 

 

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