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Strata

Geht es gut, wenn ein Fantasy-Parodist einen Science-Fiction-Roman schreibt?

Nun, immerhin konnte ich das dünne Bändchen schnell durchlesen, an die Technik-Ausdrücke hat man sich schnell gewöhnt, die Handlung ist auch schnell zusammengefasst:

Drei verschiedene Raumfahrer (einer mit vier Armen, eine 3 Meter hoch mit Fell und abschraubbaren Stoßzähnen, die dritte eine über 200 Jahre alte Frau) werden auf einen künstlichen Scheibenplaneten gelockt, wo sie auf eher mittelalterliche Einwohner treffen (hier macht sich der Fantasy-Schreiber bemerkbar) auf ihrer Suche nach den Erfindern dieses Scheibenplaneten. Es hat etwas vom Zauberer von Oz.

Lesen? Kann man es durchaus. Es fehlt aber noch viel zum eigentlichen Pratchett-Humor.

Meine Meinung:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

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Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Es beginnt so harmlos, in einem schwedischen Altersheim hat der Held des Buches keine Lust, sich feiern zu lassen, flüchtet also – und nimmt erstmal aus einer Laune heraus einem Gangster einen Koffer Schwarzgeld ab. Was sich danach in wahnsinnigem Tempo für eine mörderische, aber immer lustige, total skurrile und bei allen Leichen doch unterhaltsame und heitere Geschichte entwickelt, nur unterbrochen von zahlreichen Rückblenden, die die 100 Jahre bis zu diesem Geburtstag erhellen, ist eindeutig ein Fall für MUSS man gelesen haben.

Der angeschlagene Ton, in dem die Tötungen geschildert werden, ist pragmatisch, unterkühlt und gerade aus diesem scheinbar so leblosen Stil ziehen die skurrilen Geschehnisse ihren Glanz. Ein Parforceritt durch die Geschichte wie auch durch die schwedische Provinz.

Bewertungskategorien für die Buchrezensionen:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

Mr. Chartwell

Wie schon Nachtzug nach Lissabon, war auch dieses wieder eine Leihgabe einer Kollegin (die dritte folgt).

Mr. Chartwell ist ein Hund, der sich bei einer jungen Londonerin einmietet, die vor zwei Jahren ihren Mann verloren hat. Mr. Chartwell, ein großer, schwarzer Hund ist die Depression, nach Churchill, der seine immer „einen großen schwarzen Hund“ genannt haben soll. Dieser Hund ist eklig, unhöflich, besitzergreifend und dominant.

Während Churchill, der in diesem Buch, das ein halbes Jahr vor seinem Tod spielt, seine politische Karriere beendet, mit viel Kraft gegen den Hund aufbegehrt, ist die junge Londonerin nur allzu willig, sich von dem groben Tier schubsen zu lassen. Erst die berufliche Begegnung mit Churchill verändert sie.

Dieses Buch, sehr viel kürzer als der Nachtzug, war spannender – von einem melancholischen Humor geprägt – und wenn es auch nicht ganz in die MUSS-MAN-LESEN-Kategorie fällt, so ist es doch eher bei KANN-MAN-LESEN als bei KANN MAN AUCH NICHT LESEN 😉

Die oben verlinkte Guardian-Rezensentin hätte sich hier weniger sprachliche Eskapaden gewünscht – ich hoffe, sie liest nie Nachtzug nach Lissabon 😉

Bewertungskategorien für die Buchrezensionen:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

Nachtzug nach Lissabon

Gemeint ist nicht dieser hier.

Sondern das gleichnamige Buch, das dieses Jahr auch in die Kinos kam.

Ein Buch über einen Schweizer in Midlifecrisis, der diesem Gefühl, dass er das Leben verpasst hat, nachfährt, in dem er das Leben eines anderen „erfahren“ möchte. Nur um Ende, wie alle Midlife-Crisis-Opfer zu erfahren, dass der Mensch altert und sterblich ist.

Das Buch hat 495 Seiten, in der Ausgabe, in der ich es gelesen habe, und ich fasse es in 2 Sätzen zusammen. Unfair? Ja, wenn man auf schwurbelige, selbstverliebte Sprache steht, die fehlt in den zwei Sätzen. Nein, wenn man nur wissen will, was diesen Mann bewegt, sein Leben fallen zu lassen und sich vor jeder Verantwortung auch für sich selber davon zu stehlen – dazu gehört das schöne Doppelwort Midlife-Crisis. Vielleicht bin ich noch zu jung, um es zu verstehen, vielleicht habe ich meine Selbstmitleidtour schon hinter mir und kann dies nicht mehr verstehen. Die Erzählperson ist ein weinerlicher Altsprachen-Lehrer, der in schwärmerischer Weise einem portugiesischen Arzt und Autor hinterherjagt, der längst gestorben ist und eine Menge heißer Luft, ungefähr so wichtig wie der in diesem Buch allgegenwärtige Zigarettenrauch, hinterließ.

Das Buch langweilt über weite Strecken, als ich die ersten Filmkritiken dazu las, wusste ich, der Plot ist einfach zu dünn, es geht nicht nur mir so. Wer gerne philosophisches (habe gelesen, dass der Autor Philosoph ist, also ist es nicht nur PSEUDOphilosophisch) Geschwurbel liest, dem würde ich es empfehlen.

Bewertungskategorien für die Buchrezensionen:

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN)

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)

inhannover wird auch gelesen

Zum einen natürlich wird dieser/s Blog hier gelesen – von Euch – DANKE mal dafür. Ein Blog ohne Leser ist ein Blost .. ein blog-ghost.

Aber eigentlich meine ich natürlich, dass hier in der Stadt auch gelesen wird. Ich selber tu’s gern – allerdings bin ich noch ein old-school-Anhänger – ich brauche ein BUCH.

Im Nahverkehr hier in der Stadt halten sich die old- und die new-school-Anhänger die Waage – man sieht immer noch viele Bücher, aber immer wieder auch Leute, die mit Hilfe eines Tablets oder eines e-book-readers ihre Lektüre konsumieren. Es gibt für beides gute Gründe. Old-schooler brauchen das Haptische, brauchen das Rascheln beim Umblättern, wollen ein schönes Cover oder lieben es einfach, am Weg des Lesezeichens durch das Buch zu sehen, wie weit sie vorangekommen sind. Old-schooler sind aber auch Leute, die gern ihre Bücher mit anderen teilen, oder auch mal echte Bibliophile – davon gibt es immer weniger – die Hardcover kaufen, Regalwände füllen und am liebsten eine ledergebundene Bibliothek daheim hätten. (Gibt es ja schon Tapeten für!)

Die New-Schooler sind zu einem kleinen Teil die, die immer alle technischen Gadgets ausprobieren, aber die nicht wirklich viel lesen damit. Die meisten benutzen e-book-reader wegen des reduzierten Gewichts, weil man dann (z.B. im  Urlaub) wenig Platz und Gewicht für Lektüre reservieren muss. Auch die, die im Nahverkehr viel Zeit mit Lesen verbringen, mögen die kleinen Maße, die leichte Handhabbarkeit (schlägt sich immer auf der letzten gelesenen Seite auf), das geringe Gewicht – und dass es weniger Probleme mit Schäden am Buch gibt (Knicke und Risse gehören der Vergangenheit an, aber ich würd mich nicht darauf verlassen, dass ein e-Book-reader eine ausgelaufene Trinkflasche besser übersteht als ein klassisches Buch – das trocknet man hinterher und liest es in gewelltem Zustand weiter).

Ich bin mehr der haptische Typ, ein Buch muss sich anfassen lassen, ich muss es auch mal wegwerfen können (wenn es grottig ist), nicht einfach löschen, das ist nicht dieselbe Befriedigung – und ich mag es, dem Lesezeichen bei seiner Wanderung durch das Buch zuzusehen – damit kommt die Fortschrittsanzeige beim Reader einfach nicht mit. Außerdem liebe ich Lesezeichen (Lesezeichenkalender sind hervorragende kleine Zusatzgeschenke und schon ab Juli erhältlich für das nächste Jahr, aber auch andere Lesezeichen sind immer wieder überraschend kreativ).

Eines der letzten Bücher, das ich gelesen habe, war „Er ist wieder da„(Da einige Blogleser noch das Buch von mir leihen und lesen wollen, gehe ich jetzt nur sehr grob auf den Inhalt ein.)

Ein Roman über Hitler, der im Sommer 2011 in einem Berliner Innenhof aufwacht, in Nazi-Uniform, und zum Comedy-Star avanciert, weil er einfach ausspricht, was Hitler in dieser modernen Welt aussprechen würde – und ihn keiner ernst nimmt.

Das Buch ist perfide. Es ist in Hitlers Ich-Perspektive geschrieben – und manche Dinge, die Hitler stören, reißen jetzt mich auch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin (tag-Schmierereien an Hauswänden sind da so ein Beispiel). Aber WER WILL SCHON HITLER ZUSTIMMEN?? ICH nicht.

Glücklicherweise löst der Autor das Dilemma, in das er mich bringt, halbwegs auf: Er lässt Hitler dann in der Folge so unmögliche Reaktionen darauf denken, dass ich mich als Leser wieder distanzieren kann. Aber ein kleiner Rest Unbehagen bleibt. Wäre ich zwischen 1933 und 1945 wirklich ein Nein-Sager gewesen?

Mein Selbstbild schwankt da noch … Und dabei habe ich eindeutig den notwendigen Widerspruchsgeist, eine eindeutige politische Stellung, die sich nicht mit Nazi-Ideologie verträgt – und kenne wenig Angst. Auf Brutalität und Einschüchterungsversuche reagiere ich eher mit Wut. Jedenfalls sobald eine gewisse Nichtigkeitsschwelle überschritten wird – darunter lache ich alles weg. Aber wie weit hätte mich der demagogische Apparat jener Zeit zur Zustimmung bekommen – ohne Druck? Wie sehr hätte ich mich von einem „Ordnungs“-Gebrülle beeinflussen lassen? Die Frage bleibt unbeantwortet. Zumal ich in jenen Zeiten nicht die wäre, die ich heute bin – bin ich doch in den 70ern und 80ern groß geworden und zum kritischen Hinterfragen in der Schule erzogen worden. Das wäre ja weggefallen.

Es ist ein gutes Buch, denn es bringt mich zum Nachdenken.

Den heute schreienden Demagogen kann ich jedenfalls widerstehen – dazu mag ich die bunte und chaotische Vielfalt des Lebens viel zu sehr.

Übrigens – ich habe es in der gebundenen Ausgabe gekauft – da kostet 1933 Cents. Das ist mir beim Kauf damals nur als „krumme Summe“ aufgefallen – gerade beim Artikelschreiben fällt es mir dann doch noch ins Auge.

Zurück zum ÖPNV-Leser – ja, dort wird viel gelesen – doch immer mehr vor allem jüngere (zwischen 14 und 25) Menschen haben auch einfach nur ein Smartphone vor der Nase und lesen Mails, Statusmeldungen, beteiligen sich an Chats … Wo früher eindeutig die Leser von Büchern auch noch diese Altersgruppe abgedeckt haben – und nicht alles waren nur Harry Potter und andere Fantasy-Bücher.  Bei dieser Altersgruppe ist Facebook so wichtig geworden, dass für andere Books keine Zeit mehr bleibt – nicht mal auf dem Smartphone gelesen. Was ja möglich ist. Doch AUSSCHLIESSLICHE Smartphone-Nutzung kann ich auch da nicht feststellen. Sogar ein analoges Buch sehe ich manchmal in den Händen dieser Altersgruppe – nur sind es halt deutlich weniger als sagen wir mal vor 5 bis 10 Jahren.