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Trägheit – oder Szenen aus der Vita activa

Und wieder eine Buchbesprechung. Aber was habe ich da gerade gelesen?

Extra wegen Daggis Buchchallenge gekauft, ein Buch, das im Titel eine Todsünde anführt. Doch – ein Roman in diesem Sinne war es nicht wirklich, eher, wie der Titel schon ganz richtig beschreibt, eine Ansammlung von Szenen, losen Gedanken. Ein Kritiker beschreibt den Autoren, Ingomar von Kieseritzky, als den deutschen Woody Allen. Ja, ich denke, das könnte hinkommen. Wenn man den Episodenfilm „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, sich aber nicht zu fragen trauten“ als Vorbild nimmt.

Sex ist allerdings hier nur am Rande das Thema. Hypochondrie – und auch die nur, um eine abgrundtiefe Faulheit zu tarnen.

Doch erstmal zum „Plot“:

Die Geschichte von Valev, der seinen Eltern auf der Tasche liegt, nichts Gescheites lernt, nichts Gescheites vollbringt und von Quacksalber zu Quacksalber eilt und immer abstrusere Theorien über den eigenen Gesundheitszustand aufstellt. Er verlobt sich mit einer Frau namens Vera, die er aber wegen der hygienischen Risiken nicht an sich heran lassen möchte, es dennoch tut, wobei er sich ihr am liebsten nähert, wenn sie einen Foto-ähnlichen Starrezustand einnimmt.

Außerdem wird in den Szenen eingeworfen die Geschichte eines Vorfahren von Valev aus dem 18. Jahrhundert, Roderick von Valev, einem Kurpfuscher, der eine ähnliche Trägheit an seinem Lebensende durchlief, begleitet von einem hypochondrischen Diener – und von einem „Arzt“ und dessen Gefährten, die im 19. Jahrhundert als Kurpfuscher unterwegs waren. Sowohl der Diener als auch der Gefährte des Arztes waren für die Überlieferung der Aufzeichnungen der beiden eher abträglich.

Irgendwann in der Geschichte verfällt der zukünftige Schwiegervater in eine Starre, aus der ihn erst eine Wallfahrt nach Lourdes rettet – wobei die Familie eigentlich protestantische Tischgebete spricht …

Ja, so wirr wie ich es schreibe, ist das Buch auch. Die Zeitebenen, die Orte, die Personen werden brutalst durcheinander geschüttelt. Einige Male kam ich in Versuchung zu schmunzeln, aber ich bin auch kein Woody-Allen-Fan. Daher geht Kieseritzkys Humor weitgehend an mir vorbei.

Vielleicht bin ich auch nur zu ungebildet, da Kieseritzky in diesem Büchlein mehr Fremdwörter verwendet, als ich je außerhalb von fachsprachlichen Publikationen gesehen habe.

Kokosnussfaktor: Weil ich ein paar Mal lächeln konnte gebe ich dem Buch 2 von 5 Kokosnüsse

Trägheit oder Szenen aus der Vita activa

Ingomar von Kieseritzky, ursprünglich 1978 geschrieben, diese dtv/Klett-Cotta-Ausgabe war von 1990.

Seitenanzahl: NUR 202 – viel mehr hätte ich auch nicht überlebt