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Punkt, Punkt, Punkt – (41) – Fernweh

Ihr wisst ja nun schon, dass ich fast immer versuche, einen neuen Dreh zu einem altbekannten Wort zu finden. Mit „Fernweh“ ging mir das ebenso, auch weil wir schon ein ähnliches Thema hatten und ich daher die Kategorie bereits einmal abgedeckt hatte. Und ich wollte Euch nun nicht mit einem ähnlichen Post langweilen.

Nun besteht das schöne Wort Fernweh, mit dem wir eigentlich die Sehnsucht nach der Ferne verbinden, zwei Wortteile, eines kennen wir vom Wort Fernsehen (auch ein Sinneseindruck –  Sehen), das andere vom Bauchweh. Ich interpretiere also heute Fernweh als Fernschmerz. Den anderswo verursachten und mithilfe eines technischen Gerätes vermittelten  Sinneseindruck des Schmerzes. Das gibt’s doch gar nicht?

Doch, das geht sogar so gut, dass man ganze Fernsehshows zu dem Thema „Katharsis“ entwickelt hat.

Wieso denn schon wieder Katharsis* und was ist das eigentlich?

Weil Fernweh, wenn man das Weh als Schmerz interpretiert, dem griechischen Theater wieder nahe kommt – man bewältigt eigene, starke Gefühle, in dem man anderen dabei zusieht, wie jene diese Gefühle durchleben. Oder um es hochgestochen zu formulieren:

*Die Katharsis (gr. κάθαρσις kátharsis „Reinigung“) bezeichnet nach der Definition der Tragödie in der aristotelischen Poetik die „Reinigung“ von bestimmten Affekten. Durch das Durchleben von Jammer/Rührung und Schrecken/Schauder (von griechisch éleos und phóbos, auch seit Lessing in irreführender Weise mit Mitleid und Furcht übersetzt) erfährt der Zuschauer der Tragödie als deren Wirkung eine Läuterung seiner Seele von diesen Erregungszuständen (Poetik, Kap. 6, 1449b26) (Aus Wikipedia geklaut)

(Im Englischen wird der Begriff allerdings vordringlich zum Thema Darmreinigung benutzt … aber das nur am Rande. Kann ja auch eine nicht allzu ferne Wirkung von großer Furcht sein.)

Fernsehshows wie „Verstehen Sie Spaß„, „Upps! – Die Pannenshow“ oder auch „Takeshi’s Castle„sorg(t)en mit ihrem Ansatz, uns Leute vorzuführen, die leiden, dafür, dass uns klar wird, man stirbt nicht vor Scham. Und selten vor Schmerz. Und irgendwann wird man darüber lachen können.

Hier ein paar Beispiele:

Und wenn man sich das nächste Mal den Zeh an der Tür ramponiert, oder an einem Stuhlbein, einer Kommodenecke, am Bett oder wo auch immer … ist es – im Verhältnis zu dem im Video gesehenen, dann doch nur eine Kleinigkeit … Perspektive ist alles. Und plötzlich ist es kein Drama mehr – sondern eine Komödie. Es sei denn, der Zeh muss eingegipst werden 😉 Obwohl auch das sehr lustig sein kann … hinterher. Wenn man in der Erinnerung nur noch an das Komische und nicht mehr den Schmerz denkt.

 

 

 

 

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