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15. Lange Nacht der Theater

32 Spielstätten hatten geöffnet, aber niemand hätte mehr als 8 geschafft. Wir haben fünf Aufführungen gesehen.

Begonnen hat es mit einem Zauberkünstler auf der Hinterbühne. Die Hinterbühne ist ein kleines, unabhängiges Theater mit zwei Bühnen, der Zauberkünstler „Wiesel“ trat auf der Bühne auf, die mehr Zuschauer unterhielt, nebenan wurde vor ca. 20 bis 30 Leuten Loriot gegeben. Also, natürlich nur ein Loriot-Tribute-Act.

Wiesel zeigte einen atemberaubenden Kartentrick – mit dem Kartenstapel in einer „Tier“-Falle (so wie man sie aus Zeichentrickfilmen kennt), aus dem er die „richtige“, von dem jungen Mann neben mir gekennzeichnete Karte herauslöste, ohne seine Finger zu brechen. Natürlich. Ich will auch gar nicht wissen, wie es genau funktioniert. Er zeigte einen Tuch in Ring-Trick, nicht neu, aber solide. So wie auch sein Seiltrick. Aber am Besten gefiel mir die Nummer, bei der er NICHT zauberte. Diese Nummer war zauberhaft:

Er hatte ein Stück Leinwand, auf eine bestimmte, komplizierte Art und Weise mit Falten versehen, die es ihm ermöglichte, mit wenigen Griffen aus diesem Stück immer neue Formen zu „zaubern“ – und er erzählte eine Geschichte, die er mit dieser Leinwand illustrierte. Das war unterhaltsam, das war originell und lustig war es auch!

Anschließend gingen wir die wenigen Schritte hinüber zu den Kulissenwerkstätten des Staatstheaters. Dort wurden wir von einem der Meister aus der Schlosserei durch Schlosserei, Tischlerei und Malerei geführt. Das dauerte eine geraume Zeit und war sehr beeindruckend. Nicht, dass ich mir die Zahlen alle merken konnte. Aber ich hatte keine Ahnung, wieviel Schlosserarbeiten für die Kulissen notwendig sind, heutzutage. Früher hat man vieles mit „Aufzügen“ gemacht, Kulissen, die auf Leinwände gemalt waren und nicht begehbar. Heute dagegen sind die Bühnenbildner diejenigen, die wegen zuviel Mathe nicht Architektur studiert haben, und die Kulissenwerkstatt all die „Arbeit“ machen lassen, (Statik, Machbarkeit in Bezug auf Höhe und Zusammenbaubarkeit). Zwei Fachkräfte entwerfen, natürlich heutzutage am Computer, die technischen Zeichnungen, die von den Bühnenbildnern abgesegnet werden müssen. Dann arbeitet die Schlosserei an den Rahmen und Stützen – wenn die Bühne auch in der Höhe bespielt werden soll, ist natürlich mehr Stütze notwendig.  Die Tischler verkleiden mit Platten die Gestelle und die Maler sorgen für die Illusion, dass man da nicht nur Holzplatten sieht. In der Malerwerkstatt wird auch viel mit Schaumstoff gearbeitet, man beschäftigt auch Leute, die dort Skulpturen und sogar aufwändigen Kopfputz  entwerfen. Aus Schaumstoff.

Eine sehr informative Führung, die länger dauerte als angekündigt, Fragen wurden auch beantwortet und wir hatten viel Spaß.

Als nächstes strebten wir einem Musikkabarettisten zu. Die Kleinkunstbühne liegt ein wenig aus der Innenstadt entfernt, aber der Weg hat sich gelohnt (wir sind mit der Bahn gefahren, zum Thema Kulturbus schreibe ich vermutlich etwas, wenn Punkt, Punkt, Punkt das Thema Chaos vorgibt).

In einem Kleingartenvereinsheim bespielt die Kleinkunstbühne (so der Name des Theaters, nicht die Einstufung) einen kleinen Saal, den man sicher auch für Familienfeiern mieten kann – so sieht er jedenfalls aus … Eine Bühne war aber vorhanden, nicht besonders groß, aber da die Acts der Kleinkunstbühne nicht Theater spielen sondern Kabarett und Gesang vortragen, völlig ausreichend. Zu Gast an diesem Abend war Thorsten Hitschfel, nach eigenen Angaben freute er sich, nicht aus den „gebrauchten“ Bundesländern zu kommen, sondern aus den neuen. (Natürlich hat der Mann recht! Nach fast 26 Jahren Wiedervereinigung noch immer von NEUEN Bundesländern zu reden, ist einen Seitenhieb wert. Zumal diese Sprechweise auch beinhaltet, dass die Leute, die dort leben, noch „grün“ hinter den Ohren sind, auch wenn sie zu einem guten Teil braun wählen. Übrigens wäre Herr Hitschfel der letzte, der dies bestreitet, einer seiner Gags war auf Dresden und Pegida hin gerichtet).

Die Quintessenz der Nummern, die wir dort sahen, war aber eher: Früher hat man noch ordentliche Musik gemacht, heute ist es nur noch Humpa-Humpa … Vielleicht hat er noch nicht mitbekommen, dass Scooter ein Produkt der 90er war – und jetzt nur noch eine Randerscheinung ist. Doch mal abgesehen davon, was als „Moderne Musik“ zu gelten hat, in den 90ern habe ich genau dasselbe gedacht.

Beispiel für seinen Humor: „Früher sang man Liebeslieder, heute gibt es nur noch Pop-Musik“. In Zeiten von Tinder hat er so Unrecht nicht.

Und singen konnte Herr Hitschfel übrigens auch noch! Meinem jungen Begleiter gefielen die Gags nicht besonders, die im unterschiedlichen Sprachverhalten von Ost und West begründet waren (hier ist eindeutig mehr Denglisch). Aber vielleicht waren die Gags auch einfach der Tatsache geschuldet, dass sich Herr Hitschfel in einer fast dialektfreien Stadt befand – und dieser Tatsache Rechnung tragen wollte.

Ich jedenfalls habe mich gut amüsiert bei einem Mann und seiner nicht mehr ganz tiefroten Gitarre – weil es früher ja nur rote Gitarren gegeben hätte.

Anschließend nahmen wir die Bahn zurück, bis in die Altstadt hinein, dort wollten wir im Ballhof einkehren, doch die Vorstellung begann doch um 21 Uhr und nicht, wie im Internet verkündet, um 21:30 Uhr. Die Schlange, die wir sahen, waren bereits Leute, die sich für die 22 Uhr Vorstellung anstellten – wir saßen auf der Bank daneben, weil wir nun unverhofft viel Zeit hatten – und genossen den wirklich netten lauen Abend mit ohne Regen. Die Sonne sank, wir unterhielten uns über anstehende Schulabschlussjubiläen (ja, ist bei mir nächstes Jahr um diese Zeit 30 Jahre her!) – und über dies und das – und gingen dann gemächlich zum Haupttheater Hannovers: Das Schauspielhaus.

Dort konnten wir in Ruhe noch Postkarten der aktuellen Produktionen mitnehmen – und ich nahm mir eine mit über das Stück, von dem wir an dem Abend Teil 2 zu sehen bekamen.

Dann schlossen wir unsere Rucksäcke weg, der dafür notwendige Euro kam wenigstens auch wieder heraus (nimm das, Theater am Aegi!) und gingen dann nach oben, um darauf zu warten, eingelassen zu werden. Mit ein wenig Verspätung kamen wir dann auf unsere Plätze – es war voll – und sahen uns den zweiten Teil einer von Struwwelpeter inspirierten „Junk-Opera“ an (so die Selbstbezeichnung im Flyer zur Langen Nacht). Es wurde viel gestorben (aber so richtig zahm ist die Vorlage ja auch nicht). Und das Gestell des Elephanten-Autos schloß einen Kreis zu der Werkstattführung – das kam natürlich von dort!)

Den Abschluss des Abends bildete ein Besuch im GOP. Eine spanische Truppe gastiert dort gerade und hat drei Equilibristen und eine Ring-Artistin aufgeboten. Letztere war poetisch, die ersten waren solide mit einem leicht homophobischen Humor. (Aber vielleicht ist das auch ein kulturelles Missverständnis zwischen den Macho-Kultur-Spaniern und der deutschen Betrachterin. Um das zu klären, müsste jemand anders sich das ansehen und seinen Eindruck schildern. Mein Begleiter jedenfalls hatte auch diesen Eindruck.)

Um überhaupt ins GOP hinein zu kommen, musste man übrigens auch als Karteninhaber sich in eine Schlange stellen. DAS war erstaunlich, aber den Örtlichkeiten geschuldet. So gab es kein Gedränge in dem engen Gang, der den Zugang zum GOP bildet – und die Feuerwehr dürfte das gefreut haben – Fluchtwege wurden so freigehalten.

Danach wollte ich eigentlich den Nachtbus nach Hause nehmen, aber der letzte war zehn Minuten vorher gefahren, der nächste fuhr erst wieder in fünzig Minuten. So entschied ich mich, doch noch zum Geldautomaten zu gehen und mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Vom Bahnhof bis zu mir nachts um Viertel vor eins – zehn Euro. Plus Trinkgeld …

Es war wieder ein gelungener Abend, fünf von acht möglichen Veranstaltungen haben wir uns angesehen, das TAK haben wir uns geschenkt (sonst jedes Jahr gern, aber dieses Jahr zog es mich nicht hin), einen neuen Veranstaltungsort habe ich dafür besucht (ich war noch nie bei der Kleinkunstbühne). Die war auch das erste Mal dabei!

Preis: Fünfzehn Euro. Unterhaltung von 18 bis 0:30 Uhr. Wenn das kein ordentliches Preis-Leistungsverhältnis ist.

Viereinhalb von fünf Kokosnüssen (den halben Nuss-Abzug gibt es für die Kulturbusse, die jetzt nur noch alle halbe Stunde fahren und für den Fehler im Internet mit der Anfangszeit im Ballhof! Und das war großzüig, aber ich habe mich amüsiert, da bin ich generös gestimmt.)

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Eine nicht so lange Nacht

Eigentlich heißt es ja LANGE Nacht der Theater.
Leider verkümmert diese Institution hier in eine kurze …

Am 25.4. bin ich also mal wieder mit einem Freund losgezogen, für 12 € uns eine Nacht bespaßen zu lassen. Nun, es fing gut an – ich stand am 14. eine Stunde im Vorverkauf, um uns zwei Veranstaltungen zu sichern, um 18 Uhr das TAK (Kabarett, Ich dagegen bin dafür, Johannes Kirchberg)und anschließend in der Werkstatt Galerie Calenberg eine Doppelveranstaltung (Jango Erhardo/ Lina Lärche). Wir schafften es auch ohne Ticket noch in die Faust (Stefanie Seeländer und Herr Schmid am Klavier), mussten dann aber logistisch eine Pause einlegen, weil die Vorstellungen in der Südstadt von der Faust aus nicht zu erreichen waren. Um 22 Uhr haben wir uns für Varieté entschieden und mein Begleiter setzte eine Stunde Wartezeit ein (um 23 Uhr war nicht mehr viel Auswahl und das Neue Theater schon ausgebucht), um um 0 UHr im Neuen Theater noch ein paar Rühmann-Stücke um die Ohren zu bekommen.
Was mich geärgert hat:
Dass bereits um 23 Uhr nur noch wenige Spielstätten sich überhaupt an der angeblich so Langen Nacht beteiligten. Bei wenig Auswahl und gewissen Präferenzen (kein Tanztheater, keine Oper) kam ich so um kurz vor 23 Uhr daheim an.
Dass die Theaterbusse so selten fahren, dass man kaum eine Chance hatte, damit irgendwo zur rechten Zeit zu sein.
Dass das Opernhaus sich völlig auf Oper festlegt. Das war in anderen Jahren anders, viel attraktiver, als noch Jazz nachts um 0 Uhr gespielt wurde (immer gern genommen) und auch mal nur Instrumentales/Skurriles gebracht wurde (ich denke immer noch gern an das Halbstunden-Solo für zwei Percussionisten zurück – das hat sogar meinen damals sehr skeptischen Begleiter überzeugt).
Was mich erfreut hat:
Die gute Laune aller Beteiligten. Sowohl der Profis wie auch der „Kunden“.
Die Vorstellungen im TAK, in der Faust und im Rampenlicht-Varieté, alles drei wirklich unterhaltsam. Johannes Kirchberg hatte ebenfalls einen eher musikalischen Abend, lästerte über unsere Generation genauso wie über die nachfolgende. Von Jango Erhardo war ich nicht so begeistert (humoristische Pantomime zu unbekannten deutschen Schlagern) und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Lina Lärche eine Dame oder ein Herr Dame war – aber das war nicht ausschlaggebend, Lina hatte Witz. Ich war mir einig, dass ein ganzer Abend Jango Erhardo (jedenfalls mit diesem Programm) vermutlich nicht befriedigend wäre, die Grann Damm de la Schangsang aber hätte ich mir auch noch länger angehört.
Frau Seeländers apokalyptisches Abenteuer in Ostdeutschland, eine Variante von Hotel California, unterhielt meinen Begleiter und mich genauso wie ihr Startsong, Eisprung … Die zwei schenkten sich wenig auf der Bühne, immer ein Brüller.
Und das Rampenlicht-Varieté ist schneller, moderner und damit jünger als die Variante im GOP. Es sind junge Künstler aus Hannover und Umgebung, eine Diavolo-Nummer, Äquilibristik, eine Drahtseilnummer und eine Tuchnummer (es ist ja nur eine knappe halbe Stunde Zeit) – nur der Conferencier muss noch ein wenig üben – der war bemüht abgeklärt – und kam damit ziemlich verkrampft an.
Die Rühmann-Show im Neuen Theater wurde mir hinterher von meinem Begleiter nahe gebracht: Von Charlies Tante über Feuerzangenbowle, von „Ich brech die Herzen der stolzesten Fraun“ bis zu „Ein Freund, ein guter Freund“ soll alles da gewesen sein. Und ein nachdenklicher Monolog aus „Der Hauptmann von Köpenick“.
Alles in allem – der Abend hat 12 Euro gekostet – ich war 2 Stunden unterhalten, ist wie im Kino, nur abwechslungsreicher. Und ich habe jetzt zwei neue Spielstätten besucht.
Mein Wunsch für 2016 (dann am 28. Mai!):
Mehr Abwechslung auch nach 22 Uhr, Busse, die es auch ermöglichen von Route Grün zu Route Blau oder Rot zu wechseln, ohne dass man eine Vorstellung aussetzen muss, und bitte, liebes Opernhaus, höre mit diesem Snobismus auf!

Gemahlener Pfeffer

Ich fürchrte, gestern habe ich keinen Pfeffer aus der Mühle gehabt, sondern vorgemahlenen Pfeffer, der einen Teil seiner Schärfe bereits verloren hat.

Gestern war Kabarett-Abend. Ich bin mit meinem kulturellen Begleiter ins Theater am Aegi gegangen, dort gastierte die Leipziger Pfeffermühle. Ich habe die Truppe bereits einmal gesehen – als sie in München bei der Lach- und Schießgesellschaft gastierten. Damals wie heute habe ich mich trefflich amüsiert. Aber es gab einen gewaltigen Unterschied.

Damals war der Spaß wesentlich bissiger, der Pfeffer war sozusagen grob gemahlen und hin und wieder wurde man mit einem ziemlich scharfen Stück konfrontiert.

Ich bin eigentlich ein großer Fan von ostdeutschen Kabarettisten, die wesentlich pointierter und schärfer zu Gesellschafts- und Politik-Kritik ausholen. Leider wurde ich darin gestern enttäuscht. Man kann sicher viel über die Bundeswehr lästern und die neue Verteidigungsministerin hat mit ihrer ERSTEN Forderung, nach mehr Kindertagesstätten, sicher Humorstürme ausgelöst. Nur – das ist schon lange her. Seither ist bei der Truppe einiges andere daneben gegangen. Immer noch wird aber vor allem auf Frau von der Leyens Familienfreundlichkeit herumgeritten. Als Quasi-Ex-Insider weiß ich, dass die Ministerin dabei vor allem durch in diesem Fall die Einseitigkeit des Presse-Interesses schlechter weg kommt als sie es verdient. Oh, nicht, dass Mutti Uschi nicht Kritik verdienen würde. Ob die Familienfreundlichkeit der Truppe wirklich als erste Maßnahme sein musste .. darüber kann man trefflich streiten. Aber Frau von der Leyen ist nun schon ein paar Tage im Amt – und es gab wesentlich größere Baustellen, die nur nicht so witzträchtig sind. Von Kabarett erwarte ich aber mehr als den Easy-Witz, der ist der Comedy vorbehalten.

Angela musste gleich mindestens dreimal im Programm herhalten -nun, das könnte man doch als Politik-Kabarett sehen? Nein, leider nicht. Es erreichte nicht die Tiefe, nicht die scharfe Überspitzung, nicht den BISS, den ich von politischem Kabarett erwarte. Stattdessen wurde ihre wohlbekannte Raute imitiert (und das auch noch schlecht), wurde darüber gelästert, dass alle in der Kritik stehenden Politiker, denen sie ihr VOLLSTES VERTRAUEN aussprach, nach wenigen Tagen abgesägt waren (Warum eigentlich hat Frau Merkel niemals Herrn Putin ihres vollsten Vertrauens versichert? – Aber nicht mal diese Frage wurde gestellt.)

Generell wurde in dem Programm ein Thema wiederholt und wiederholt – Ja, Deutschland hat ein Generationenproblem. Aber wie sieht es denn mit anderen Sachen aus? TTIP irgendjemand? Aber nein, dazu hätte man sich ja damit auseinandersetzen müssen. Stattdessen wurde ziemlich platte Anti-Reichtum-Prop gemacht. Jemand hat Geld? Dann ist er automatisch der Böse. Das war zu billig. Und ich bin nicht mal selber reich. Also eigentlich Zielpublikum für Neidpolemik.

Dass nicht mal eine winzige Zugabe den Cartoonisten von Charlie Hebdo gewidmet wurde, hat mich auch ein wenig enttäuscht – schließlich lebt man vom selben Zweig: Gesellschaftskritik.

Alles in allem, ja, ich habe mich zwei Stunden amüsiert – aber ich war enttäuscht. Wenn man politisches Kabarett liebt, war dieser Abend um Längen zu flach. Wenn man nur ein paar schnelle, billige Lacher wollte, haben die fünf (zwei Musiker und ein Kabarettisten-Trio) geliefert.

Diese fünf waren jedenfalls nicht Charlie Hebdo.

Von fünf Narrenkappen gibt es daher hier nur zwei. Ein Teil des Abzugs davon auch, weil ich weiß, dass sie mal besser konnten. Ist aber schon ca. 20 Jahre her, dass ich sie in anderer Besetzung gesehen habe.

 

Kleines feuchtfröhliches Fest

Hannover, unendliche Schlangen, wir schreiben Donnerstag den 25. Juli 2013.

Gut vorbereitet kam ich dieses Mal mit Verstärkung eine halbe Stunde später, um mich plötzlich an ca. 100. Stelle der Schlange wieder zu finden! Das ist mir ja noch nie passiert!! (Ok, einmal, aber da war ich spontan.)

Schattenplatz in der Warteschlange, Planung konnte ja hier schon erfolgen, Lektüre raus, Eis verschlungen – und eine Flasche Wasser geleert. (Erwähnte ich schon, dass es eher feuchfröhlich war?) Und – zahl- und orientierungslose Möchtegernteilnehmer darüber informiert, dass die Kurve nicht das Ende der Schlange war.

Dann wurde die Kasse schon um kurz vor 17 Uhr geöffnet, wir bekamen Karten (sonst gäbe es ja nix zu schreiben), gingen zum Massenpicknick und genossen den warmen Abend. Mit der Eröffnung steuerten wir dieses Mal gleich Lord Waterman an (Link schon beim letzten Mal gepostet) und siehe da, wir bekamen Stehplätze mit Aussicht. Und dann wurde es nass, da der Lord eine lebende Brunnenfigur (also inkontinent) war.  Erfrischt ging es weiter zu Tebe und Leiste, die auch schon am letzten Abend auf dem Programm standen, die vier Männern die Stühle unter den Knackärschen hervorzogen – ohne dass diese vier zu Boden gingen.

Emmi und Willinowski hatten immer noch eine bescheuerte Tonqualität und immer noch wenig Liebe füreinander.

Und dann wurde es noch feuchter – erwähnte ich schon, dass es ein feuchtfröhlicher Abend war?) – wir sahen uns Heinz Gröning an, der nach dem zweiten Stück wegen einsetzenden Regens die (E-)Gitarre in Sicherheit bringen musste, die falsche CD dabei hatte, so dass das Backup ausfiel – und dann mit uns allen „in the rain sang“.

Das war sehr lustig – aber auch eher – erwähnte ich schon, dass es regnete?

Der nächste Akt, so die Lautsprecher, sollte komplett wegen Regens ausfallen, aber einige bewiesen zumindest Rampensauqualitäten und machten einfach weiter. So kam ich dann doch noch in den Genuss von schlechter Stimmenimitation und einigen alten Witzen, aber ich war großzügig mit Beifall – wer bei Regen weiter spielt, obwohl er nicht muss, hat Beifall verdient.

Auch der Regen war beeindruckt und zog sich zurück!

Anschließend gingen wir zur Starbugs(kein Schreibfehler, es gab auch keinen Kaffee)-Bühne, wo dieselbe Nummer kam, die bereits letztes Jahr aufgeführt wurde – Tennis in Slomo – passend zur Musik – virtuelle Katzenquälerei inclusive.

Der vorletzte Act des Abends war für uns Tempei, der japanische Jongleur, der so ziemlich jonglierte, was nicht bei drei auf den Bäumen war: Bälle, Keulen, Ringe, Devilsticks und Diavolos. Bei den einfacheren Nummer zeigte der ansonsten wirklich beeindruckende Japaner aber leichte Konzentrationsschwächen. Vielleicht lag es auch an der nassen Bühne.

Und den Abend beschlossen wir mit klassischer Bildung: Shakespeare – zum Mitmachen und in 20 Minuten.

Die Luftfeuchtigkeit hatte inzwischen so hohe Werte erreicht, dass beim abschließenden Feuerwerk die Nebel- mit den Rauchschwaden konkurrierten.

Ich weiß nicht, ob Ihr es schon von mir erfahren habt, aber es war ein feuchtfröhlicher Abend!

Live long and prosper!

Kleines Fest

Eine beliebte Hannoversche Institution ist das Kleine Fest im Großen Garten.

Und wenn das Wetter nicht zu kalt und nass ist, sind wir auch immer wieder gern dabei. Weil diese beliebte Open-Air-Veranstaltung schon im März verlost wird (da wird nicht ausgelost, wer umsonst hindarf, sondern wer überhaupt für ein Ticket bezahlen darf) – und da vom Wetter noch nichts bekannt ist, haben wir uns als Stadtbewohner darauf verlegt, „spontan“, je nach Wetterlage, die Abendkasse zu nutzen. Das heißt, früh anstellen.

Dieses Jahr wäre auch „nicht ganz so früh“ noch drin gewesen – war den Leuten entweder zu kühl, oder es war in den Sommerferien. Nass war es jedenfalls nicht (ok, außer bei einem bestimmten Spektakel) und kühl wurde es erst so kurz nach 21 Uhr.

Wir saßen daher seit halb drei in der Schlange, nicht die ersten, aber auch nicht so weit hinten, dass man Angst haben musste, dass die 200 Abendkassen-Karten nicht hinreichen, und genoßen den nicht so heißen, aber doch sommerlichen Tag. Um halb sechs machte die Abendkasse auf (kurz vorher, um ehrlich zu sein) – und ich kaufte mir ein 28 Euro-Ticket (weil ich einfach keinen Studentenausweis mehr bekomme, obwohl ich doch ein Studium generale außerhalb jeder Uni mache – man nennt es auch Leben).

Dann kaufte ich noch für 2,50 ein Programm mit Plan – sonst ist man nämlich verloren. Und einen Stapel Postkarten (erwähnte ich schon mal, dass ich ein Postcrossing-Opfer bin?) … aber das war Privatvergnügen.

Mit Öffnung des Tores um ca. 17:45 bekam man Zugang zur Festwiese, wo ein Gitarren-Violin-Duo hervorragende Tafelmusik zum allgemeinen Picknicken machte. Decke ausgebreitet, Herrlichkeiten aus drei verschiedenen Rucksäcken darauf verteilt, und den trockenen, warmen, aber noch grünen und saftigen Rasen belagert.

Dann wurden Pläne geschmiedet – welche Acts, die wir uns vorher auf der Kleinen-Fest-Seite ausgeguckt hatten, wir uns ansehen wollten, in welchen Blöcken diese Aufführungen stattfanden und wo wir diese Acts fanden. Dann bekam ich unseren Ablaufplan in die Hand gedrückt, führte uns (auch mal in die Irre) zu den Veranstaltungsorten und wir genossen alles. Einiges war nicht ganz die gewohnte Qualität, aber alles in allem war die Atmosphäre wieder herrlich, die Laune gut, das Feuerwerk zum Abschluss sehenswert, die Walkacts bunt und alles war anstrengend und ich war redlich müde am Ende des Abends.

Jetzt wollt Ihr sehen, was wir gesehen haben? Gut, zwei Beispiele (eigene Fotos):

Emmy und Willnowsky, ja, bekannt aus dem Fernsehen

Emmy und Willnowsky, ja, bekannt aus dem Fernsehen

Puppenspieler von Trukitrek in einer Krimikomödie

Puppenspieler von Trukitrek in einer Krimikomödie

Außerdem sahen wir Jongleure auf dem Trampolin, Akrobaten am Trapez, eine Ruhrgebietskabarettistin, die sich übers Altern lustig machte, die anderen sahen eine Show, in der ein „englischer Lord“ zu einer Brunnenfigur mutierte (ich war leider zu klein, um über den 1,80 Mann vor mir hinweg zu sehen und reservierte gute Plätze für Trapezshow), akrobatische Komödianten u.a. mit dem langsamsten Duell der Bühnengeschichte und Einradartisten, die aber mehr Comedy daraus machten.

Da ich weder in den drei Stunden Wartezeit zum Lesen kam (ich wartete nicht allein), noch davor mich auf das Lesen konzentrieren konnte, habe ich gestern natürlich wieder kein Buch geschafft. Soviel dazu, ich würde ein Buch am Tag schaffen … Aber ich lese, soviel wie geht!