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Punkt, Punkt, Punkt – (8) – Schlitten

So, eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dieses Mal eine Geschichte von mir zu veröffentlichen, den Weihnachtsmannschlitten … aber mir ist dann ja doch noch ein Foto in die Hände gefallen – Glück gehabt. Da ich mich schon so oft vor Fotos gedrückt habe, musste die Geschichte ausfallen.

Ich könnte auch einfach sagen, das Foto zu finden hat mir erspart, die Geschichte überarbeiten zu müssen. Erstmal hätte ich sie finden müssen (ich hab sie mal auf dem Computer gehabt, aber nicht auf diesem). Dann hätte ich sie editieren müssen (schließlich ist so ein Rohentwurf nichts fürs Internet) und zum Schluss hätte ich sie hier noch eintippen müssen, weil ich kein Word auf dem Rechner habe … und wie Ihr wisst, siegt bei mir die Faulheit immer.

Ich suchte in meinem Kinderfoto-Album nach einem alten Schnappschuss von mir, wo ich mit einer roten Mütze im blauen Anorak auf einem Schlitten sitze – aber ich habe zwar Fotos mit roter Mütze gefunden, aber ohne Schnee – und ohne Schlitten. Soviel zu Erinnerungen.

Also musste ich zu einer List greifen, um Euch heute ein Foto zu präsentieren. Da man im Deutschen ja auch gern das Auto als „Schlitten“ bezeichnet (wenn auch meist nur Sportwagen), stelle ich Euch mein erstes Auto vor, einen Polski-Fiat:

IMG_0864[1]

Die Person ohne weitere Abdeckung bin ich. Das weiße Auto war auf meine Oma zugelassen, aber ich fuhr es. Es war auf dem Lande (Ihr seht den Bauernhof im Hintergrund? Mit den Schweinen auf der Wiese?) ein sehr wichtiges Verkehrsmittel für mich, die ich bis dahin nur Bus fuhr – oder Fahrrad. Dann machte ich meinen Führerschein und ab dann war die Welt für mich etwas größer. Ich erledigte von nun an auch mal einen Einkauf für meine Großeltern, weil unser Aldi damals in dem Ort lag, in dem ich die 13. Klasse besuchte. Unser Dorf (mit immerhin ca. 1500 Seelen) hatte eine kleine Drogerie, einen Bäcker – beide mit Lebensmitteln, aber nur kleine Geschäfte. Unten weiter im Dorf lag noch ein Laden, ebenso klein, und oben in der Siedlung, das war dort, wo meine Großeltern ihr Häuschen hatten, lag noch ein Tante-Emma-Laden, der sich als Selbstbedienungsladen verkleidet hatte (es war ein winziges Geschäft, gehörte zu einer Kneipe, die dahinter lag und in der wir Familienfeiern feierten, wie die Hochzeit der Stiefschwester meiner Mutter oder meine Konfirmation).

Aber mit dem Auto konnte ich dann auch noch Freunde nach der Schule besuchen, die nicht bei uns im Dorf wohnten (da waren meine Schwester und ich nämlich die einzigen, die zu dieser Schule gingen), ich konnte ins Kino fahren (das lag in der Kreisstadt und ohne Auto war ein Kinobesuch nur möglich, wenn einen jemand abholte bzw. mitnahm) und die unregelmäßigeren Schulzeiten der Oberstufe ließen sich für mich so auch leichter bewältigen!

Daher heute mein Schlitten – ein Stück Emanzipation. Mein Großvater, Jahrgang 1910 und hier auf dem Bild nur mit verdecktem Gesicht zu sehen (Datenschutz, auch wenn er schon seit 1998 verstorben ist), war in gewisser Hinsicht ein großer Verfechter der Emanzipation:

Er bestand darauf, dass meine Schwester und ich Abitur machten, er bezahlte den Führerschein (er bestand auch darauf, dass meine Oma, als sie heirateten, den Führerschein machte – das war noch viel ungewöhnlicher, 1957!), er hat nie gesagt, wir müssten ja nichts lernen, weil wir sowieso heirateten – und er zog meine Schwester und mich zu handwerklichen Sachen heran. Ganz selbstverständlich. Da kann man ihm fast verzeihen, dass er uns lieber mal im Kleid oder Rock sah (was ich immer gehasst habe).

Bevor ich allein mit meinem „Schnucki“ (das erste Frauenauto hat wohl immer einen Namen) Ostwestfalens Straßen unsicher machen durfte, musste ich übrigens Radwechseln lernen – diese Art Schlitten fährt nun mal nicht auf Kufen oder Schienen. Und das war auch gut so – ich hatte nämlich prompt einen Platten zwischen 5 und 6 Uhr morgens, auf dem Weg zum Studentenjob – mitten in der Pampa!

Batteriewechseln kann ich übrigens auch.

Aber mein Auto hab ich inzwischen abgeschafft. Nach dem Polski Fiat  (zwei Anfänger hintereinander haben die Kupplung ordentlich strapaziert, auf der letzten Fahrt haben wir dafür gesorgt, dass der Anlasser mitlief – und da wir nicht wussten, was das für ein Geräusch war, fuhren wir munter nach Hause … keine gute Idee!), hatten wir einen Panda; erst sie, dann ich. Der hielt wesentlich länger, war 11, als ich ihn abstieß, da einen neuen Katalysator einzubauen den Wert des Autos überstiegen hätte – der alte war einfach weggerostet und die ASU stand an …

Und mein letztes Auto, das ich nach guter alter Tradition in der Familie weiterreichte, war ein Fiat Punto. Das war ein Neuwagen, da ich vom eigentlichen Autoreparieren nichts verstehe und ein zuverlässiger Gebrauchter meine Mittel überstieg – der Neue war leichter zu finanzieren. Und ich fuhr ihn 11 Jahre, dann bekam ihn meine Nichte, die ihm einen Namen gab (erstes Auto …) und ihn derzeit noch fährt. Das Auto ist jetzt 16! Ein FIAT: Fehler in allen Teilen. Für Italiener ausreichende Technik. Oder auch Fahr ihn auf Tempo!

Meine Kusine, Tochter der oben erwähnten Stief-Tante, die es erst mit einem deutschen Gebrauchten versuchte, hat übrigens beim ersten eigenen Neuwagen auch zum Fiat gegriffen, das wurde dann ein Fiat 500. Wir sind also eine Fiat-Familie. Obwohl unsere Seite der Familie zumindest vermutlich KEIN italienisches Blut in den Adern hat. Bei der Kusine weiß ich es nicht so genau, sie hat einen österreichischen Großvater. Andererseits kann man das bei uns auch nicht so genau sagen … s. mein Beitrag zum Thema Heimat.

Und noch eines: Meine Schwester hat Autofahren immer gehasst – und ich fahre auch nicht wirklich gern. Daher bin ich ja froh, dass ich seit 2011 auf ein eigenes Auto verzichte und mich seit noch nicht ganz 5 Jahren auch nicht mehr hinters Steuer setzen musste. Meinen Führerschein habe ich aber noch. Der war mühselig genug ergattert – ich habe wie meine Nichte drei Anläufe zur Prüfung gebraucht. Ist also besser so, wenn ich nicht mehr fahre.

So, und nun mache ich mal ein Punkt, schließlich habe ich kein Auto mehr, um damit fortzufahren 😛

 

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