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Punkt, Punkt, Punkt – (10) – Porzellan

Natürlich könnte ich die gesammelten Ergebnisse vieler Jahre des Erbens und Aufbewahrens aus meinen Schränken zeigen, aber nein, das macht Ihr so schön, das überlasse ich Euch, den anderen Teilnehmern von Punkt, Punkt, Punkt.

Ich möchte mal wieder etwas Hannoversches präsentieren. Nicht die vielen „Antik“- und Trödel-Läden, die immer Antikes verkaufen und immer Trödel ankaufen … Nicht den samstäglichen Flohmarkt am Leineufer, der erst von einem Mann gegründet wurde, der so wie ich mit Leib und Seele Hannoveraner war (nur, dass er auch hier geboren wurde, ich bin nur mit Seele Hannoveraner), 1972 richtete er den wöchentlichen Markt am Leineufer ein (vorher fand er woanders statt und auch nicht wöchentlich). Obwohl auf so einem Flohmarkt klassischerweise auch Porzellan vertickt wird, soll dies nicht das Thema dieses Beitrags sein.

Auch nicht das Fairkaufhaus, in dem viele Leute Porzellanspenden abgeben, wenn ältere Verwandte verstorben sind und der Haushalt aufgelöst wurde. Auch wenn ich die ökologische und soziale Idee dahinter großartig finde, soll sich mein Beitrag nicht darum drehen. Die Öffnungszeiten sind außerordentlich Mitarbeiter-freundlich – und Kunden-unfreundlich – ich bin fast nie bis 18 Uhr in der Innenstadt. Aber die Idee Langzeitopfern von Warenhaus-Pleiten und Zusammenlegungen eine neue berufliche Chance zu geben, finde ich wunderbar und dass Sachen mehr als einen Besitzer haben, ist außerordentlich ressourcenschonend.

Auch eine nette Idee, aber nicht Thema dieses Beitrags, ist das Porzellan-Café, in dem man Keramik selbst bemalen kann.

Nein, mein Beitrag soll heute einem kleinen Museum gewidmet sein: Museum August Kestner.

Es hat eine sehr gemischte Sammlung, man sieht dort Design-Objekte der Neuzeit, mittelalterliches Altargeschirr, Kunst aus Ägypten, Münzen – und eben auch Barock-Porzellan. Klar, Meißen ist einer der Haupt-Herkunftsorte.

„Unter dem Porzellan der Barockzeit heben sich die Manufakturen Fürstenberg und Meißen innerhalb unserer Sammlung besonders hervor.“

Immer wieder sieht man dort auch Sonderausstellungen, die letzte, die ich gesehen habe, war eine zum Thema Werbung Ende des 19./ Beginn des 20. Jahrhunderts.

Besonders aber hervor tut sich das kleine Museum, das wie das Museum Wilhelm Busch von Freiwilligen lebt (Spenden, Förderverein, Freiwillige, die durch die Sammlung führen) bei besonderen Tagen. Es hat einen Museumstag, an dem es ohne Eintritt zugänglich ist und auch noch Speisen und Getränke verteilt werden (alles Spenden von Freiwilligen, die Stadt Hannover tut da nix zu, – naja, außer der Kosten für Elektrizität und Heizung und Sicherheit). Es nimmt jedes Jahr an der langen Nacht der Museen teil. Kuratoren bieten dann leidenschaftliche Sonderführungen an, wir hatten u.a.  schon das Thema Geld (Münzen der Antike genauso wie das Münzenlose System der Ägypter und was man in Griechenland und Rom so alles zu Geld machen konnte – ich sag nur: Non olet.) – was mich sehr beeindruckt hat. Humor kam nicht zu kurz bei den Führungen und das finde ich immer wieder wichtig!

Die ägyptische Sammlung war mal so angesehen, dass sogar die Tutanchamun-Maske als Leihgabe für eine Austellung hier gezeigt wurde! Das kleine, provinzielle Hannover hat neben Weltstädten wie Berlin, München und Hamburg und neben dem auch größeren Köln diese Wanderausstellung für 10 Wochen beherbergen dürfen.

Es ist daher ein wirklich engagiertes, mit viel Liebe geführtes kleines Museum, gleich neben dem Neuen Rathaus (das gerade erst 104 wird dieses Jahr). Und es hat eben eine Menge verschnörkeltes Porzellan zu bieten, dem man ansieht, dass es noch Spülmägde gab, als es hergestellt wurde – denn eine Spülmaschine wäre der Farben Tod – und die ganzen Porzellanschnörkel (die sind nicht gemalt, die sind modelliert) werden auch nur in Handarbeit so richtig sauber.

Heute wird es natürlich nicht mehr verwendet, es steht hinter Sicherheitsglas und man kann bestaunen, wieviel Mühe, wieviel Detailarbeit, wieviel Phantasie man mal in so etwas wie einen Teller, eine Tasse oder gar eine Untertasse gesteckt hat!

Es gibt sogar (Fach-)Literatur dazu:

Elisabeth Reissinger: Porzellan aus Fürstenberg, Kestner-Museum, Hannover 1997, ISBN 3-924029-27-X

Sollte es mal wieder an einem Sonntag regnen, Ihr wisst nun, was Ihr zu tun habt: Ab ins Museum!

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Punkt, Punkt, Punkt – (6)- Großstadt

Huch, schon wieder Sonntag? Was ist denn heute das Thema? Großstadt? GROSSSTADT???!!! Wo soll ich denn das in Hannover finden???

Ich meine, wir sind doch so klein und provinziell.

Wir haben nur so ein paar kleine Theater (Schauspielhaus mit zwei Bühnen, Opernhaus, Ballhof – wo schon früher gern gespielt wurde, wenn auch eher sowas wie Federball,Theater am Aegi ist eh ein reiner Tournee-Theaterspielort, also sowas wie die örtliche Stadthalle nur ohne Politik zwischendrin, es sei denn hier gastiert mal Kabarett, einige Vereine, die sich aufs Theaterspielen fixiert haben – hier sieht man schon wie kleinstädtisch Hannover eigentlich ist, weil wir dann in die Stadtteile gehen, einige Gaststätten, die Kultur als Abendunterhaltung ihrer Gäste begreifen –  Theater als Variante zum Barpianisten, nur mit weniger Getuschel, ein bißchen wie der Irish Folk Singer im Irish Pub).

Wir haben tatsächlich noch Wochenmärkte (und gleich fünf Bauernmärkte, zwei davon zentral, einer zweimal), wir haben auch noch bäuerliche Anwesen (z.B. im Zoo, hust).

Wir haben einen Flughafen, der eigentlich zur Weltstadt Langenhagen gehört (Der Verein Klangbüchse in Hannover-Langenhagen veranstaltet seit 1980 das größte Kleinkunst-Festival Norddeutschlands, und es ist auch nicht Hannover-Langenhagen, sondern Langenhagen bei Hannover, Langenhagen legt Wert darauf, NICHT eingemeindet worden zu sein.)

Und „unser“ Messegelände liegt auch eigentlich in Laatzen. Allerdings wurde der Teil Laatzens Hannover-Mittelfeld zugeschlagen.

  • 1974: Neben zahlreichen Ortschaften wird auch das Messegelände nach Hannover eingemeindet und gehört von nun an nicht mehr zu der Stadt Laatzen, sondern der Landeshauptstadt Hannover.

(Und auch wenn immer wieder von Hannover-Laatzen geschrieben wird, oder von Hannover-Garbsen – DAS SIND ALLES EIGENSTÄNDIGE STÄDTE!)

Wir haben einen einigermaßen funktionierenden Personennahverkehr  und zwar schon seit 1852- das könnte man vielleicht als großstädtisch durchgehen lassen, zumal es zumindest am Wochenende so etwas wie Nachtsternverkehr gibt, so dass man zentral umsteigen kann und die Bahnen in der zentralen Station Kröpcke einen wirklich umsteigefreundlichen Aufenthalt haben.

Wir haben eine Uni, und eine Medizinische Hochschule, und eine Musikhochschule, und eine Fachhochschule – aber klar, wir haben auch eine Volkshochschule mit Yoga für Frauen am späten Vormittag.

Wir haben auch ein paar Zementbausünden – was sicher auch nicht gerade Dorfcharakter hat.

Wir haben eine zweitklassige Fußballmannschaft. Allerdings scheinen in letzter Zeit ja vor allem Dorfvereine erstklassig zu werden (Hoffenheim, hust). Immerhin kommt der Rekordtorschütze der zweiten Liga aus Hannover

Rekordtorschütze Deutschland Dieter Schatzschneider(153)

Wir erlauben uns den Luxus eines Stadtwalds, zentrumsnah (über die Eilenriede habe ich schon geschrieben). Natürlich kommen wir so über 500.000 Einwohner – oh, es zählen nur Menschen? Naja, die auch …

Denn was uns wohl wirklich zur Großstadt macht, ist die Bevölkerung. Hannover hat die Großstadtmarke das erste Mal 1875 geknackt – zur selben Zeit wie Frankfurt am Main und Bremen.

Heute zählt Hannover mit 532.163 Einwohnern (Ende 2015) zu den 15 größten Städten Deutschlands. Wir sind nicht in den Top 10, wie Ihr Euch bei so einer Formulierung schon denken könnt, sondern Platz 13 – mit den Bevölkerungszahlen von Ende 2015. Die von 2016 liegen noch nicht vor, nehme ich an.

Hannover hat eine Fläche von 204,15 km². Das ist ca. Zwei Drittel der Fläche von Münster oder Bielefeld, aber wir haben round about 200.000 Einwohner mehr als jede dieser beiden Großstädte. Ungefähr eine Bevölkerungsdichte wie Köln. Etwas MEHR Einwohner pro km² als Hamburg (ja, sollte man nicht meinen).

Und trotzdem sind die Mehrheit unserer Häuser hier eben keine Betonburgen (Ihme-Zentrum und noch ein paar Ausnahmen gibt es, aber es sind wenige, und einige wurden auch zurück gebaut), sondern die vierstöckigen Häuser, die Haus an Haus schon gezeigt hat. Übrigens – auch London hat nicht unbedingt die Hochhäuser Manhattans zu bieten – mit einigen wenigen Ausnahmen auch dort. Allerdings ist London natürlich VIEL RIESIGER als Hannover – nicht nur von der Einwohnerzahl.

Und so lebe ich denn in einer Großstadt mit Kleinstadtcharakter. Das ist OK … fühlt sich niedlich an, ist aber viel komplexer als man so meint.

 

Punkt, Punkt, Punkt – (43) – Wald

Hier, in der Großstadt Hannover gibt es auch Wald.

Und jetzt hört auf, Euch vor Lachen zu schütteln, ich meine nicht drei zusammenstehende Bäume, es sind immerhin 13 % der Hannoverschen Stadtfläche! – U.a. die 640 ha der Eilenriede. Mitten in der Stadt. Ok, östlich vom Stadtzentrum, aber immer noch mitten im Stadtgebiet, nicht etwa am Stadtrand!

Der Name ist ungewöhnlich, weil er schon so alt ist:

„Der erste Teil des Namens Eilenriede (Eilen) leitet sich ab von den dort früher hauptsächlich vorkommenden Erlen (Ellern). Der zweite Teil des Namens (Riede) (siehe auch: Ried) ist eine alte Bezeichnung für sumpfigen Boden.“

Ganz Hannover jenseits der mittelalterlichen Stadtmauern steht auf ziemlich sumpfigem Boden – auch unser Neues Rathaus . Es steht auf über 6000 Eichenpfählen – eben wegen des sumpfigen Bodens. Und unser Masch-See ist eben auch tiefergelegter Sumpf … Daher der Name.

Aber zurück zum Stadtwald.

In der Stadt gibt es eine Straße, über deren Namen ich mich schon oft gewundert habe, den Schiffgraben. Nun weiß ich wenigstens, was es mit diesem auf sich hat:

„Ein geschichtliches Relikt in der Eilenriede ist der Schiffgraben. Dieser war ein im Mittelalter erbauter Kanal, der das Aegidientor in der Stadt mit dem Altwarmbüchener Moor verband. Er diente dem Transport von Torf und Holz in die Stadt“

„Heute finden sich zu 75 % Laubbäume in der Eilenriede. Neben hauptsächlich Eichen, Rotbuchen, Erlen und Birken kommen auch zahlreiche andere Baumarten vor. Auf den sandigen Böden finden sich als Nadelbäume vorwiegend Kiefern und Lärchen. Früher wuchsen auf dem feuchten und sumpfigen Gelände hauptsächlich Erlen (Ellern). Im März und April ist der Waldboden großflächig mit Pflanzenteppichen bedeckt. Dann blühen Lerchensporn, Scharbockskraut, das Gelbe Windröschen und der weiße Bärlauch.“

So, nun wisst Ihr es, wir haben wirklich einen Wald in der Stadt. Wir sind halt ein wenig anders in Hannover. Wir singen sogar Lieder über unsere Serienmörder:

Im hannöverschen Wald gab es den im Lied besungenen Räuber nämlich auch, keinen knuddeligen Hotzenplotz, einen Serienmörder, der Name war Hanebuth.

 

Glossen

Eine meiner großen Leidenschaften sind Glossen, kleine, nicht ganz ernstgemeinte Meinungsstücke, über das Leben, das Universum und den ganzen Rest.

Gerne verkleidet in Geschichten aus dem Familienleben (Tim Dowling -weekend column- und Stuart Heritage -man with a pram- im Guardian), oder als nicht völlig ernsthafter Test von völlig überflüssigen Küchen-Geräten (Inspect a gaget von Rhik Samadder, auch im Guardian), gerne auch mit wechselnden Schreibern, wie die HAZ Lüttje Lage, oder über ein bestimmtes Thema wie Fußball (auch HAZ: Roter Platz, in Anlehnung daran, dass das Hannoversche Erstligateam „die Roten“ sind)

Heute fand ich also in der HAZ, wie jedenTag, eine Lüttje Lage, von Volker Wiedersheim.

Herr Wiedersheim betrachtet darin den chinesischen Nachbau Hannovers (allerdings nur als eine Hannoversche Straße) – und freut sich daran, „in diesem hannoverschen Hannover, dieser weltschönsten und (bis auf diese eine Straße in Changde) einzigartigen Stadt zu leben“.

Herr Wiedersheim, eine schnelle Wikipedia-Suche, nicht mal gegoogelt, hat ergeben:

Canada

Jamaica

South Africa

United States

Soviel zu einzigartig. Nicht, dass Hannover in der Norddeutschen Tiefebene nicht das älteste dieser Hannovers ist, nicht, dass die anderen Ortschaften nicht viel kleiner sind und alle nach Hannover in Norddeutschland benannt … Was allerdings nur indirekt erfolgte. Die Orte sind nach dem damals in England herrschenden Königsgeschlecht aus dem Haus Hannover benannt.

Und die Engländer schulden uns von daher noch den einen oder anderen George.

Aber EINZIGARTIG, nein, genausowenig wie Neustadt (auch gern als Newton – von new town verkürzt) oder Santiago …

Comments are free but facts are sacred, wie es im Guardian immer so schön heißt.

Autosuche

Norweger sucht deutschen Kleinwagen in Hannover.
Nun, er wollte ihn nicht kaufen: Er wollte ihn wiederhaben. Der Herr B. aus A. hatte ihn nämlich kurz abgestellt, weil er mal beim Geldautomaten vorbei musste. Und da der Geldautomat ihm kein Geld heraus gab, versuchte er es bei einer weiteren Bank. Vorher hatte er sich aber noch aufgeschrieben, wo das Auto stand. Diesen Zettel verlegte er – und von der zweiten Bank fand er nicht mehr zum Auto zurück.
Stattdessen schlug er in einem ganz anderen Stadtteil auf, jenseits des Maschsees.

Dort fand den völlig verzweifelten 78jährigenn eine 73jährige Hannoveranerin, die ihm anbot, ihm bei der Suche zu helfen. Zunächst ergebnislos. Daraufhin bot sie ihm an, er könnte auf ihrem Sofa übernachten. Und das tat er auch.

Die beiden suchten noch ein paar Tage weiter, auch die Polizei wurde informiert, konnte aber nicht helfen, solange keine Straftat zu befürchten war, dann musste er für ein Medikament weiter nach O. in Norwegen, wo sein Sohn lebt. Er kam zurück, auch die weitere Suche brachte kein Ergebnis, bis die Presse informiert wurde. Und mit Hilfe des Radios und der hiesigen Presse erreichten sie tatsächlich eine Frau, die sich schon darüber gewundert hatte, was der A-Klasse-Mercedes mit dem ausländischen Kennzeichen vor ihrem Haus da so trieb.

Mann und Auto wieder glücklich vereint. Ob der Herr B. und seine hilfsbereite Gastgeberin Telefonnummern ausgetauscht haben, weiß ich allerdings nicht …

Hannover mag ja in den Augen der Süddeutschen eine der schlimmsten Städte in Deutschland sein, aber mit Gastgeben kennen wir uns ganz ausgenscheinlich aus.

Ende gut, alles gut.

Must-see Museen

Gestern war es also wieder soweit:
die Lange Nacht der Museen fand statt. Erst war ich nur halb interessiert, weil der Kurator im Kestner-Museum gewechselt hat und das Haus wird auch, wenn ich einem HAZ-Artikel von gestern vertraue, eine totale Umstrukturierung erfahren (mehr Themen-durch-die Zeit, nicht mehr Epoche für Epoche mit allen Themen einer Epoche in einem Bereich dargestellt).
Aber für 7 Euro hätte ich bei zwei besuchten Museen und Ausstellungen ja bereits wieder Plus gemacht.
So traf ich mich also bei strahlendem Sonnenschein (angesagt waren Gewitter, Hagelschauer, Regen) vor dem Landesmuseum mit einem Freund, wartete bis pünktlich 18 Uhr die Pforten geöffnet wurden und erstand ein Ticket. Dazu gab es die Broschüre (ein französisches Lehnwort statt des Englischen Flyer) und wir beeilten uns gerade noch an der Hinter-Den-Kulissen-Führung der Aquarien teilzunehmen. Ein Teil der Fische wird selbst gezüchtet, ein weiterer Teil dazugekauft. Dass darunter auch Wildfänge sind, hat mich ein wenig verdutzt. Und nicht positiv. Ist das wirklich notwendig? Wildfänge sollten doch heutzutage kein Thema mehr sein!
Der Aquarienbereich (wir schauten uns natürlich auch den Publikumsbereich an) ist sehr schön gemacht: Neben den Aquarien sind kleine Displays, auf denen man Bilder der in den Aquarien vorhandenen Fische findet – und wenn man auf diese Bilder (sanft) drückt, öffnen sich weitere Infos. So konnte man jedes Aquarium auch als eine Art Wimmelbild auffassen – und mal schauen, ob man alle Fischarten sah. Es gelang uns nicht immer, obwohl ich wirklich im Training bin.
Danach haben wir dann noch im Innenhof bei herrlichem Wetter afrikanischen Klängen gelauscht – oder war es bei afrikanischem Wetter herrlichen Klängen? Es gab auch die Möglichkeit, dort Essen und Getränke käuflich zu erwerben. Wie eigentlich vor oder an jedem Ort. Es war auch notwendig, zu trinken.
Anschließend gingen wir in die Galerie „Vom Zufall und vom Glück“, wo eine Ausstellung von Anna Jander zu sehen ist. „Wastelands“ – verlassene Industrie-Gelände, aber auch verlassene Häuser in den USA und Nachtbilder von Los Angeles. Die Künstlerin hat Fotos dieser Orte gemacht und nach diesen später ihre Bilder in Acryl gestaltet. Die Technik wurde mit „Auswischen“ beschrieben, das gab einigen Bildern einen Hauch Aquarell-Qualität. Ich sah in einigen Bildern, die nun eindeutig NICHTS Italienisches hatten, Venedig. Entweder in den Farben, oder sogar Gondeln aller Orten 😉 Wie sagte eine weitere Ausstellungsbesucherin – die mich fragte, was ich dort sehen würde – und von mir die Antwort erhielt, „Venedig“ – „es ist doch schön, wenn man soviel Fantasie hat!“ (Das Bild dazu habe ich bisher nicht online gefunden, aber ich konnte meinen Begleiter sogar davon überzeugen, dass man geheimnisvolle Kuttenträger darauf sehen konnte!)
Nach soviel Kultur gab es erstmal eine kleine Auszeit in der Stadtbibliothek – auch Kultur, aber andere Art, mehr für die Ohren – wir bekamen dort ein paar angejazzte Chansons zu hören. Und ein Trophy-Wife zu sehen – hochhackige Schuhe, fest(lich) gestylter Dutt, Blazer, von einem Herrn im Anzug begleitet, der nicht ganz so überstylt, aber immer noch zu festlich für das Wetter und die eher lässige Veranstaltung daher kam. Und ganz Klischee schob diese Frau ihre ca. 8-jährige Tochter durchs Gedränge, kein Bummel, kein Stöbern, kein Trödeln, selbst abends um 21 Uhr wurde noch „Programm gemacht“. Relax, perfeke Mutter, du solltest dringend die Ausstellung im Sprengel-Museum besuchen, mit oder ohne Kind. Und mal etwas von der Kunst des Loslassens lernen. Aber zum Sprengel-Museum kommen wir noch.
Nach der Stadtbücherei gingen wir zunächst zum Museum August Kestner. Dort hatten wir eine Verabredung mit den Göttern. Sie sahen göttlich aus – wie hingegossen. Naja, das waren sie ja auch. Wir lernten, dass die Ägypter sehr fein gearbeitete Wachsmodelle herstellten, die sie mit Ton ummantelten, beim Brennen des Tons schmolz das Wachs und machte damit Platz für die Bronze. Aber eine so hergestellte Form ist nur einmal verwendbar. Heutige Bronzegießer trauen sich nicht an die Handwerkskunst der Ägypter heran, der Versuch eine Replik eines Leipzigers Stücks zu erhalten, scheiterte an der Weigerung heutiger Handwerker, diesen Job zu versuchen. Stattdessen wurde eine aus Silikon hergestellt … Dass diese vom Original abweicht und auch nicht so fein gearbeitet sei, muss ich der Wissenschaftlerin einfach mal glauben. Bei den heutigen Möglichkeiten, sogar elektronisch Zahnprothesen zu fertigen und aus 3-D-Druckern Handprothesen zu erstellen, bin ich allerdings ein wenig skeptisch. Das sei mir verziehen.
Nach den Göttern wurde es wieder Zeit für etwas Entspannung – ein wenig Lounge-Jazz im Museum sorgte für den begehrten Chill-Effekt.
Eigentlich wollten wir die Nacht mit der Taschenlampenführung beenden, aber da diese inhaltlich mit der Führung zu den Gegossenen Göttern übereinstimmte, wechselten wir noch einmal das Terrain, gingen rüber zum Sprengelmuseum und sahen uns dort eine Kurzführung zu ein paar Highlights an. Gestört wurde das ganze durch einen aggressiven, angetrunkenen Gast, der, als die Sprache auf die Zeit kam, in der Beckmann lebte, und die ihn und seine Kunst prägte, darauf bestand, dreimal nachzufragen, ob denn einem der USA-Bilder von Beckmann ein „Arischer Penis“ dargestellt sei. Bei der dritten Nachfrage verlor ich meine Geduld und herrschte ihn an, dass jetzt genug sei – der Rest der Führung ging ohne Störung vorüber. Es reicht doch auch wirklich aus, dass der junge Mann, Anfang 30 vielleicht, der Gruppe dreimal beweist, was für ein ignoranter, angetrunkener und dadurch hemmungsfreier Arsch er war.
Und da es nach dieser Führung, die im Übrigen vor einer Videoinstallation der oben angesprochenen Ausstellung endete, schon halb 1 war, wurde es Zeit, mal zu schauen, ob die Jazz-Funk-Soul-Party mir gegenüber im Sofa-Loft schon zuende war . War sie nicht, als ich kurz nach 1 nach Hause kam, konnte ich die Musik auf der Straße noch ein klein wenig hören. Bis ich soweit war, mein Licht auszumachen, war aber alles ruhig. Bisher kann ich mich über das Veranstaltungszentrum Loft eher nicht beschweren. Dieses Mal aber nur nicht, weil ich selber unterwegs war.

Und die Idiotie geht (noch) weiter

Erneut haben ca. 80 bis 100 geistig Verwirrte den Opernplatz als Sammelpunkt genommen. Vielleicht macht das Hannover ja ein Stück sicherer, immerhin war der Platz abgesperrt und man wusste, wo man die Idioten finden würde.

380 – 400 haben sich dagegen aufgestellt – sicher auch keine Kinder von Traurigkeit, denn eine Gegendemo war nicht angemeldet. Die legale Gegenveranstaltung war erneut ein Friedensgebet in der Marktkirche, bei dem aber auch deutlich weniger Teilnehmer als sonst gekommen waren.

Hoffentlich hört der Spuk bald auf – denn wenn jeder mit einer kruden Verschwörungstheorie mit etwas über 50 Gleichgesinnten eine ganze Innenstadt blockieren kann, werden deutsche Städte bald unbewohnbar.