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Punkt, Punkt, Punkt 2017- (12) – Kult

KultKult – ich muss gestehen, dass ist ein Wort, mit dem ich mich schwer tue.

Mein erster Gedanke:

Leute in dunklen Roben, in einem dunklen Gewölbe, nur erleuchtet von ein paar Fackeln, die dämonischen Singsang vor sich hin murmeln während sie ein Menschenopfer darbringen …

Also, erste Zuflucht Wikipedia:

Kult oder Kultus (von lateinisch cultus [deorum] „Götterverehrung“, von colere „anbauen, pflegen“) umfasst die Gesamtheit religiöser Handlungen. Das abgeleitete Adjektiv kultisch unterscheidet sich vom umgangssprachlichen kultig, dem Adjektiv von Kultstatus. Obwohl Kult vor allem als Bezeichnung für religiöse oder spirituelle Praxis benutzt wird, ist die Bedeutung in der Alltagssprache weiter gefasst und schließt auch andere Arten von ritualisierten Handlungen ein. Dabei wird ein Kult durch drei Aspekte bestimmt: ein Kultobjekt, eine den Kult ausführende Personengruppe sowie eine Anzahl mehr oder weniger ritualisierter Kulthandlungen.

Sozusagen, alles, was FANS oder Gläubige hat. Obwohl die Weltreligionen sich dagegen wehren, fallen auch sie unter KULT in der Bedeutung Götterverehrung und Gesamtheit religiöser Handlungen.

Die engere Bedeutung ist aber wohl bei religiösen Gemeinschaften eher wie eine obskure“Sekte“ zu verstehen, dem ein gewisser Fanatismus innewohnt. Ich zögere schon, den Jesuitenorden als Kult zu bezeichnen, da sich die Riten des Jesuitenordens nicht stark von denen der eigentlichen Kirche unterscheiden. Anders ist das z.B. bei kleineren Sekten, ein berüchtigter Fall, der in Kindesentzug endete: Die Zwölf Stämme.

Aus dem Wikipedia-Artikel dazu:

„Die Süddeutsche Zeitung berichtete über rassistische Unterrichtsinhalte und massive Gewaltanwendung gegenüber Kindern. Kleinkinder wurden nach diesem Bericht so eng in Tücher gewickelt, dass sie nicht mehr strampeln konnten; außerdem würden Kinder ab dem zweiten Lebensjahr mehrmals täglich mit einer Birkenrute geschlagen“

Das kommt dem dunklen Kutten-Kult schon ziemlich nahe … Auch dort gibt es Kleidervorschriften, Gewaltanwendung und ein undifferenziertes Nachbeten von „Glaubenssätzen“.

Aber es geht bei Kult ja nicht nur um echte Religion, auch die modernen „Quasi-Religionen“ sind Kulte. Das fängt damit an, dass man dort die Gemeinschaft-stiftenden Kleidungsstücke Kutte nennt:

„Der Begriff Kutte etablierte sich im 20. Jahrhundert neben den bereits erwähnen Parka für Westen in verschiedenen Subkulturen, so etwa für:

  • Kutte (Motorradfahrer), eine kragenlose Jeans- oder Lederweste unter Motorradfahrern,
  • Kutte (Metal-Szene), eine Jeansweste in der Metal-Szene oder
  • Kutte (Fußballfan), eine von Fußballfans getragene Weste.“

Und zumindest DAVON hat Hannover auch einige zu bieten.

Einer der berüchtigteren Hannoveraner war Vorsitzender der berüchtigtsten Motorradfahrer-Vereinigung, Hell’s Angels. Und diese sind bekannt für ihre Kutten.

Weitere Kuttenträger stellen natürlich die Fans der hiesigen Sportclubs dar, Fußball (96 – aber auch andere Vereine existieren), Eishockey (Indians) und Handball (Recken) (um nur die bekannteren zu nennen). Auch dort gibt es ritualisierte Handlungen, Gesänge – und bei den 96 Hardcore-Fans leider auch immer wieder Fackeln und manchmal auch Blut. Im absoluten Tiefpunkt  des Kultverhaltens ist von Braunschweiger Seite (rivalisierender Fußballclub aus Peine-Ost – 😉 ) ein Lamm geschlachtet und ans Trainingsgelände von 96 gehängt worden. Eine unerhörte Tat: Ich mag Lammfleisch und bin strikt gegen Lebensmittelverschwendung! Doch was will man von Peine-Ost-Kult-Anhängern erwarten (Kutten, dämonische Gesänge, Fackeln … alles da!)?

Manchmal artet auch die Fangemeinde eines Pop-Stars zu einer quasi-religiösen Verehrung aus. (Diese Konzerte habe ich nicht besucht, auch wenn ich selber mich hier als früherer Robbie-Fan oute. Ich finde nur, dass seine Qualität nachgelassen hat.)

Kult ist also nicht nur im Fantasy-Genre oder in historischen Romanen zu finden, nein, es gibt sie auch heute noch, auch in Hannover.

 

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Punkt, Punkt, Punkt – (33) – Tassen

Erwischt. Wie Frau Tonari habe ich nicht nur alle Tassen im Schrank – sondern langsam aber sicher Platzprobleme. Vielleicht fahre ich deshalb nicht mehr in Urlaub …

Ich habe ein Foto von Tassen ausgewählt, die mir BESONDERS am Herzen liegen:

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Und ich werde Euch zu jeder Tasse etwas erzählen: Zunächst einmal: Meine Tassen sind BECHER! Fast alle. Tassen nehme ich zum Reis abmessen.

Erst eine wehmütige Geschichte:

Links, die rosane. War eine der ersten von diesem Bild, die ich mir mit 5 anderen in wilden Farben gekauft habe in einem Haushaltswarenladen, den es heute nicht mehr gibt. Mir gefiel besonders an diesen Tassen, dass sie innen auch gefärbt waren – innen weiße Becher sehen schnell schäbig aus.

Ich habe damals viel Besuch gehabt, und eines Tages trug ich meine bunten Becher auf einem Tablett von der Küche ins Zimmer mit dem Esstisch, bleibe mit dem Tablett am Türrahmen hängen und herunter fallen die Tassen. ALLE. Kaputt waren 3, die mit den mir liebsten Farben, grün, orange und weinrot. Übrig blieben violett, blau und eben rosa (ich bin kein großer Freund von rosa …). Und weigern sich standhaft, ebenfalls den Weg allen Irdischen zu gehen und Platz für neue Generationen zu machen.

Der nächste Becher kam viel später in meine Sammlung, zweiter von links, mit Noten und einer Geschichte von Freundschaft und auch ein bißchen Wehmut:

Ich hatte bereits meine Fachhochschulausbildung in Mannheim beendet und besuchte eine Kollegin/Freundin von damals in ihrer Heimatstadt Würzburg. Wir bummelten durch die Straßen, sie wollte noch Gitarrenseiten besorgen – und ich sah im Schaufenster des Musikladens GENAU DIESE TASSEN … Ich habe mir zwei gekauft. Diese und eine mit Klaviertasten. Und eine hat mir die Freundin später nochmal zum Geschenk gemacht. Auch diese Becher sind innen durchgefärbt. Leider ist der Kontakt zwischen der Kollegin/Freundin und mir ziemlich versandet – sie hat jetzt Familie und wir arbeiten nicht mehr für denselben Dienstherrn.

Für ziemlich lange Zeit (immerhin bis etwa 2014) haben eine andere Freundin und ich uns regelmäßig dienstags abends getroffen und immer habe ich diese Becher auf den Tisch gestellt. Daher sind diese Becher für mich mit zwei Freundinnen verbunden, bei denen sich langsam aber sicher die Bindung lockerte. Bis mich diese Freundin, die sonst jeden zweiten Dienstag kam, am Donnerstag aus der Klinik abholte und ich fest stellte, Jahrzehnte verflachen nicht mal so eben. Danke A.

Becher Nummer drei ist wieder ein Reisemitbringsel, aus New York. Warum trieb es mich nach New York? Dunkles Geheimnis: Ich war mal ein glühender Robbie-Wiliams-Fan. Das hat sich – genau – gegeben … Und ich bin nach New York, weil ich noch nie dort war, schon immer mal hin wollte und ein amerikanischer Robbie-Fan und ich uns da treffen wollten. Auch dieser Kontakt brach ab, das wird Euch jetzt nicht mehr so erstaunen … Aber der Becher, gekauft in einem Store in China-Town wird mich immer an New York erinnern.

Mein „Guilty-Pleasure“-Becher ist Becher Nr. 4. Von jener Dienstag-Freundin (gleichzeitig Katzensitterin und die Schuldige, dass ich mal mit Rollenspiel anfing) geschenkt, hat sie meine zwei Leidenschaften festgehalten/begründet. Einerseits – ich liebe Katzen. Bin auch auf vielen Blogs unterwegs, die sich mit Katzen beschäftigen und blieb dabei sogar in einem Blog hängen, das mit Katzen nichts zu tun hat, sondern von einer Mutter eines Mädchens mit einer Entwicklungsstörung geschrieben wird – aber den schönen Namen trägt: Herding Cats.

Aber es gibt nicht nur diese eine Tasse aus der Reihe, und das ist Leidenschaft Nummer zwo: Es gab drei aus der Serie, drei aus einer ähnlichen, zwei ganz andere Tassen mit Katzen und vier weitere in ähnlichem Design, die ich mir alle geholt habe – und nur Platznot hindert mich, auch noch die Serie mit den Kitten zu kaufen! Die Becher sind riesig, 480 ml – also – gerade richtig 😉 Und sie sind auch ständig in Gebrauch!

Wenden wir uns dem anderen Ende des Spektrums zu – rechts außen steht ein Becher, zu dem es auch eine lustige kleine Geschichte über meine Schwabengene gibt. (Ich habe einen Urgroßvater, auf dessen Geburtsurkunde noch gestanden haben soll: „Ein echter und rechter Schwabe“ – und das merkt man mir manchmal an.) Ich besuchte London, ich mag kleine Sondermuseen, meist sind die sehr liebevoll gemacht, ich sah: Es gibt ein London Transport Museum . PRIMA – und dann stellte ich fest, dass der Spaß halb soviel wie Mme Tussaud kosten sollte (17 Pfund heutzutage gegenüber 35 Pfund Mme Tussauds) … Ich schluckte kurz, stellte dann fest, dass man in den Shop auch so konnte, kaufte mir dort besagten Becher … und ging wieder. Heute würd ich die 17 Pfund ausgeben 😉 Aber damals war der Schwabe in mir zu geizig.

Daneben steht ein Becher von einer Freundin, die ich noch nie getroffen habe. Sie wohnt in … Schwaben. Der Becher trägt natürlich auch meiner Katzenleidenschaft Rechnung, die Größe ist genau richtig für einen Cappuccino (Achtung, für Kaffeeliebhaber wird es jetzt eklig: Aus Instantpulver) und wenn ich mal krank bin und Erkältungs- oder Nieren- bzw. Thymian- oder Brennessel-Tee trinke, dann ist es die richtige Größe.

Daneben steht ein Becher von einem bekannten Schweizer Schokli-Hersteller, der zu Ostern und Weihnachten 10 kleine Schokoladenhohlfiguren mit diesen Bechern verkauft – dieser Osterbecher gefällt mir besonders gut! Auch den nehme ich zum Pulvercappuccino – wenn die kleinere Menge nicht hilft.

Und dann kommt ein Becher von meiner Lieblingskusine. Ohne Henkel. Daher trinke ich dort meist Bananenmilch draus. Ein kleines Wortspiel am Rande, ein paar geile Schafe … Und ein Becher, den ich nicht missen möchte.

Im Zentrum steht der rotglühende Becher mit dem 96-Logo. Auch dazu gibt es eine richtige Geschichte. Ich bin ja schon sehr lange Single und war mal bei Guardian Soulmates (ich habe es heute mit dunklen Geheimnissen) – nie als zahlendes Mitglied. Ich bekam nur wenige Zuschriften, weil ich kein Bild reinstellte, aber dafür die ehrlichst-mögliche Aussage über mein Gewicht machte. More to love – ich hätte auch ehrlich Fett oder Morbidly Obese angekreuzt – da zu lügen bringt nämlich GAR NIX. Nun, einer der wenigen, die mir schrieben, war ein Fußballfan aus Watford, der seinen Verein unterstützte und der mich nach etlichen Wochen bat, ihm einen Schal der 96er zu schicken. Ich besorgte ihm einen und mir diesen Becher mit. Kurz danach war der Fußballfan mit einer schottischen Mary liiert, wenn die mal nicht ihren Kopf verlor. Aber mein 96 Becher bleibt mir – auch in der zweiten Liga.

Und davor seht ihr eine Untertasse. Nein, sie fliegt nicht. Sie steht da für all die Becher, die ich nicht mehr habe, die mir aber auch etwas bedeutet haben.

Meine Schwester z.B. hat mir einen Becher mit naiver Kunst geschenkt – mit Katzen. Ich habe diesen Becher mit zu einer Arbeitsstelle genommen – und die Putzfrau stellte ihn in die Spülmaschine, das war da so üblich. Nun, eines Tages war mein Becher weg  – ganz weg … ich gehe davon aus, dass er kaputt war. Kann vorkommen, seither nehme ich nur noch Becher mit zur Arbeit, die mir nix bedeuten. Nicht, dass wir jetzt noch eine Spülmaschine hätten – ich habe aber auch mal in der Privatwirtschaft gearbeitet!

Die zweite Tasse, die es nicht geschafft hat, ging daheim kaputt: Ich hatte sie immer auf diese Untertasse abgestellt – es war eine RIESIGE Tasse aus grau lasiertem Ton mit bunten geometrischen Mustern drauf und unten sehr rau, daher die Untertasse. Diese große Tasse hatte ich in Dauergebrauch. Geschenkt wurde sie mir, als ich gerade mein Jurastudium zum zweiten Mal versiebte (noch so ein dunkles Geheimnis) … also, kurz davor – zum Geburtstag. Von einer Freundin und einer Kommilitonin. Eines Tages aber überlebte diese Tasse den Abwasch nicht, muss aber schon 10 Jahre oder so danach gewesen sein.

Tassen sind halt Gebrauchsgegenstände. Gebrauchsgegenstände nutzen sich ab, werden beschädigt, gehen auch mal entzwei – B positive ist nicht nur meine Blutgruppe, sondern auch ein (englischsprachiges) Lebensmotto. Jede entzwei gegangene Tasse – wie beliebt auch immer – schafft Platz für eine neue Tasse mit neuen Erinnerungen. Die Erinnerungen aber, die lässt die Tasse zurück. Also, bis Altersheimer zuschlägt.

PS: Ich wundere mich, dass keine/r gefragt hat: Das ROTE im glühenden 96-Becher ist Hagebuttentee, einfach und nicht verstrahlt – war sogar die Bio-Version der Bio-Supermarktkette bei mir ums Eck – das Leuchten stammt von einem dahinter platzierten Teelicht … Keine Tricksereien mit der Kamera oder einem Fotobearbeitungsprogramm.