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Die Spionin im Kurbad

Nachdem ich das letzte Mal ein Buch aus dem „Gute Literatur“-Kanon beendet habe, heute nun „leichte Kost“.

„Die Spionin im Kurbad“ von Andrea Schacht ist ein unterhaltsamer kleiner Band aus den Gattungen „Frauenliteratur“*, „Historisches“, „Krimi“ … also mehr so ein Misch-Kategorien-Buch.

*Frauenliteratur: Alles, was Männer langweilt – Romanzen, Katzenromane, Historische Romane, die sich ausgiebig mit der Mode beschäftigen …

Altea, verarmte Komtess von Lilienstern, besucht mit ihrer Mutter Bad Ems, ein damals (nach 1870/71, deutlich vor dem 1. Weltkrieg) mondäner Kurort, an dem sich zu dem Zeitpunkt auch Kaiser Wilhelm und der Zar von Russland aufhalten (die in diesem Buch nur erwähnt werden). Altea wird von einer Streunerkatze  (aus deren Sicht das Buch erzählt wird) im Garten einer Pension mit einer wirklich unfreundlichen Wirtin entdeckt. Unter den Gästen der Pension befindet sich u.a. eine russische Frau (angeblich Opernsängerin), Olga, die der armen Katze, die mit ihren Jungen Hungers leidet, eher noch einen Tritt verpasst. Nicht so Altea, die ihr Brötchen mit der Katze teilt. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Weitere Freunde, die die Katze findet, sind nicht nur Alteas ebenfalls katzenfreundliche Mutter, sondern auch ein mit einem Karthäuserkater angereister Freiherr von Poncet, der in Bad Ems sein Gallenleiden behandeln möchte, dessen im Krieg (1870/71) verwundeter Neffe, der eine Kopfverletzung im Krieg erlitten hatte und nun angeblich an Gedächtnisschwund leidet, sowie ein Fotograf, bei dem sie schließlich eines ihrer Kinder „installiert“.

Schon kurz nachdem die Katze mit ihren Jungen in den Garten der Pension gezogen ist, stirbt eines ihrer Jungen. Vermutlich hat es etwas Giftiges gefressen. Und nur kurz darauf stirbt ein Mann im Badebetrieb, der den gleichen Geruch aufweist wie das Katzenjunge.

Die berühmte Neugier der Katzen lässt also die Streunerkatze ein wenig herumschnüffeln, wobei sie merkt, dass nicht alle sind, was sie vorzugeben scheinen. Ist der Chevalier de Mort seinem Namen („Ritter des Todes“) gerecht geworden? Oder hat der Neffe des Freiherrn etwas zu verbergen? Was ist mit der Russin, die auf vertrautem Fuß mit diesem Neffen steht? Und wieso bietet der verrückte Engländer immer diese wirren Wetten an? Nur kurz danach tauchen zur weiteren Komplizierung noch ein General mit Großnichte auf, von denen die Großnichte, die selber 5 Katzen daheim hat, Sina (unserer Erzählerin) nicht sympathisch ist und der General mehr Delikates zu verbergen hat, als man zunächst glaubt. Und was ist eigentlich mit dem ehemaligen Malermodell, das sich dem Fotografen aufdrängt – und auch sonst fast jedem Mann?

Mit Hilfe ihrer langsam Heranwachsenden Kinder, das Vater-Katers, ihrer Schwester von der anderen Flußseite und dem Kater des Freiherrn gelingt Sina natürlich die Lösung, alle drei überlebenden Kätzchen finden einen Platz für die Zukunft und auch Sina muss am Ende nicht mehr darauf hoffen, dass die Wirtin den Nutzen einer Katze erkennt sondern hat einen Menschen gefunden. Oder … zwei?

Die Geschichte ist locker und spannend erzählt – ABER – das Buch hat auch Nachteile. Die Katzenperspektive ist zwar clever gewählt, weil so die Hintergrundgeschichte von Altea ein Geheimnis bleibt und auch Sachen wahrgenommen werden können, die einem Menschen unzugänglich wären.  Doch bin ich nicht ganz mit so unkätzischem Verhalten wie dem Durchwühlen von menschlichem Papierkram und dem Wiedererkennen von Menschen auf Fotografien einverstanden. Katzen können nicht mal sich selbst im Spiegel erkennen!

Auch andere Momente in diesem Buch gab es, wo sich die Katze nicht wie eine Katze verhalten hat. Z.B. dass sich Katzen nur im Frühjahr paaren, halte ich für ein Gerücht. Unsere Katze hatte 1984 Mitte Mai Junge (sie lief uns trächtig im April zu). Als wir sie Ende Juni kastrieren ließen, war sie schon wieder trächtig. Hier sind die Jungen bereits älter als unsere damals – und damit wäre Sina normalerweise erneut beim Kater gewesen oder der bei ihr – Katzen werfen in manchen Jahren sogar dreimal.

Aber all diese kleinen Ungenauigkeiten beim Thema Katze verzeihe ich der Autorin gern, weil sie eine hübsche kleine und humorvolle Geschichte erzählt.  Genauso wie die allzu überschwängliche Verwendung von Adjektiven. Gibt daher nur eine Kokosnuss Abzug:

Vier von fünf Kokosnüssen.

Titel: Die Spionin im Kurbad

Autorin: Andrea Schacht (von der ihr im Lauf der Buch-Challenge noch Weiteres hier lesen werdet)

Verlag: Blanvalet

Erscheinungsjahr: 2012

Seiten: 366

Beitrag zur Buch-Challenge als Nr. 49, Buch das mir geschenkt wurde