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Gestern in der Apotheke

Ich habe eine Nacht drüber geschlafen, sonst wär das hier noch krasser ausgefallen.

Ich wollte ein von der Sprechstundenhilfe liebevoll zwei Stunden vorher dort deponiertes Rezept einlösen.

Auf dem Boden dicke rote Abstandhalter, die um Diskretion bitten.

Vor mir ein Pärchen, beide in weißen Hosen, vermutlich Pflegekräfte, die, nachdem sie ihr Präparat bekommen haben, noch lang und breit nach der Funktionsweise der Apothekenautomatik fragen. Ähm, ja, es ist kurz vor halb 8, die Apotheke hat noch recht viele Besucher (außer den beiden und mir noch zwei Herren, es kamen noch drei Personen hinzu …) – aber ihre Neugier war wichtiger … Und die Abstandhalter waren nicht weit genug entfernt, dass ich nicht diese Diskussion und die geduldigen, fröhlich vorgetragenen Erläuterungen der jungen Dame an der Kasse mitbekommen hätte. Man hat also Zeit …

Als ich dran komme, sind zwei Kassen, DIREKT NEBENEINANDER besetzt. Hinter meiner steht die junge Dame, der ich sage, dass für mich ein Rezept aus der Praxis B. abgegeben wurde und ich sage meinen Realnamen (der natürlich nicht Hunne ist). Den ich nochmal lauter wiederholen muss. Damit auch die ganze Apotheke mitbekommt, wer da steht, soviel zu den Diskretionsabstandshaltern. Aber schließlich soll sie das Rezept ja finden können, irgendwelche Infos muss ich rausgeben.

Ja, ob ich wüsste, welches Präparat? Ähm nein, weiß ich nicht. Sie geht los, kommt wieder „Kann da jetzt nichts finden. Wogegen war es denn?“

Nebendran steht ein Mann, der für seine Mutter Medis abholen will. Wenn ich das mitbekommen kann, kann er mitbekommen, was ich ihr antworte.Nachdem Sie nach meinem Realnamen zweimal gefragt hat …

Was soll ich ihr sagen? Sie sieht, dass es mir merklich unangenehm ist, ich verdehe die Augen, ich schaue in 1000 Richtungen – anstatt höflich sich nochmal auf die Suche zu machen, steht sie da und scheint sich noch darüber zu freuen. *In mir steigt langsam Zorn auf!*

Ich weise sie darauf hin, dass ich das unangenehm finde, in aller Öffentlichkeit mein Leiden mit ihr diskutieren zu müssen (meine Güte, es geht die anderen Kunden nichts an!).

Und letztlich muss ICH ihr vorschlagen, es aufzuschreiben. Ich bin mir langsam sicher, dass sie mich vorführen möchte!

Ich will ja gerne glauben, dass mein(e) Apothekeninhaber(in) in der Apotheke, die dankenswerterweise bis 20 Uhr geöffnet hat, nur Fachkräfte beschäftigt. Aber die PTAs sollten doch bitte über Datenschutz belehrt werden. Und wenn ich abends nur noch zwei PTAs da habe, dann kann ich auch die Kassen in verschiedenen Ecken aufmachen und nicht direkt nebeneinander, damit man leise sein Anliegen vortragen kann, ohne andere Kunden zu informieren.

Es muss doch nicht sein, dass ich ihr vor allen Kunden, und nach mir standen da noch drei,  laut und deutlich erkläre, dass mein Antibiotikum zu gut gewirkt hat. Ich bin wirklich nicht sehr schamhaft, aber ich ziehe die Grenze bei Erkrankungen in einem Bereich, den ich nicht der Öffentlichkeit präsentieren will.

Als sie dann endlich mit Rezept und Medizin ankommt, will sie noch wissen, wo denn die Erkrankung sitzt, damit sie mir sagen kann, wie die Dosis ist: Es ist eine Packung mit genau einer Tablette, was auch deutlich auf dem Karton steht.NATÜRLICH WILL SIE MICH VORFÜHREN.

Zu dem Zeitpunkt war ich kurz vor dem Amoklauf, aber mit nem Hausschlüssel kann man glücklicherweise (für alle Beteiligten) keine ganze Apotheke entvölkern. Deswegen bin ich FÜR Deutschlands äußerst restriktive Waffengesetze … Schließlich brauchen wir auch sozial eher inkompetente, oder sollte ich sagen, natürlich blonde Fachkräfte. Denn dass sie ihr Geschäft, die Pharmazie, versteht, will ich ihr nicht mal absprechen. Aber von Psychologie, von Datenschutz, von dem normalen Umgang mit Menschen hatte sie wenig Ahnung.

Die Apotheke wird trotzdem meine Standardapotheke bleiben. Weil sie so bequem liegt (in der unmittelbaren Nähe meiner Supermärkte und der Discounter – und des Arztes) und weil sie so herrlich lange Öffnungszeiten (von 8 bis 2o Uhr) hat. Aber ich werde demnächst wohl Zettel und Stift mitnehmen … Schließlich wollen die Kunden hinter mir nicht mitbekommen, was ich zu diskutieren habe.

Null Kokosnüsse (um auf die Bewertung vom Anfang des Blogs zurück zu kommen) – sonst hätte ich was zum Werfen gehabt und das wäre nicht gut ausgegangen – da ist alles voller Glas und verspiegelt und ich kann doch so schlecht zielen.

 

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