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Die Spionin im Kurbad

Nachdem ich das letzte Mal ein Buch aus dem „Gute Literatur“-Kanon beendet habe, heute nun „leichte Kost“.

„Die Spionin im Kurbad“ von Andrea Schacht ist ein unterhaltsamer kleiner Band aus den Gattungen „Frauenliteratur“*, „Historisches“, „Krimi“ … also mehr so ein Misch-Kategorien-Buch.

*Frauenliteratur: Alles, was Männer langweilt – Romanzen, Katzenromane, Historische Romane, die sich ausgiebig mit der Mode beschäftigen …

Altea, verarmte Komtess von Lilienstern, besucht mit ihrer Mutter Bad Ems, ein damals (nach 1870/71, deutlich vor dem 1. Weltkrieg) mondäner Kurort, an dem sich zu dem Zeitpunkt auch Kaiser Wilhelm und der Zar von Russland aufhalten (die in diesem Buch nur erwähnt werden). Altea wird von einer Streunerkatze  (aus deren Sicht das Buch erzählt wird) im Garten einer Pension mit einer wirklich unfreundlichen Wirtin entdeckt. Unter den Gästen der Pension befindet sich u.a. eine russische Frau (angeblich Opernsängerin), Olga, die der armen Katze, die mit ihren Jungen Hungers leidet, eher noch einen Tritt verpasst. Nicht so Altea, die ihr Brötchen mit der Katze teilt. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Weitere Freunde, die die Katze findet, sind nicht nur Alteas ebenfalls katzenfreundliche Mutter, sondern auch ein mit einem Karthäuserkater angereister Freiherr von Poncet, der in Bad Ems sein Gallenleiden behandeln möchte, dessen im Krieg (1870/71) verwundeter Neffe, der eine Kopfverletzung im Krieg erlitten hatte und nun angeblich an Gedächtnisschwund leidet, sowie ein Fotograf, bei dem sie schließlich eines ihrer Kinder „installiert“.

Schon kurz nachdem die Katze mit ihren Jungen in den Garten der Pension gezogen ist, stirbt eines ihrer Jungen. Vermutlich hat es etwas Giftiges gefressen. Und nur kurz darauf stirbt ein Mann im Badebetrieb, der den gleichen Geruch aufweist wie das Katzenjunge.

Die berühmte Neugier der Katzen lässt also die Streunerkatze ein wenig herumschnüffeln, wobei sie merkt, dass nicht alle sind, was sie vorzugeben scheinen. Ist der Chevalier de Mort seinem Namen („Ritter des Todes“) gerecht geworden? Oder hat der Neffe des Freiherrn etwas zu verbergen? Was ist mit der Russin, die auf vertrautem Fuß mit diesem Neffen steht? Und wieso bietet der verrückte Engländer immer diese wirren Wetten an? Nur kurz danach tauchen zur weiteren Komplizierung noch ein General mit Großnichte auf, von denen die Großnichte, die selber 5 Katzen daheim hat, Sina (unserer Erzählerin) nicht sympathisch ist und der General mehr Delikates zu verbergen hat, als man zunächst glaubt. Und was ist eigentlich mit dem ehemaligen Malermodell, das sich dem Fotografen aufdrängt – und auch sonst fast jedem Mann?

Mit Hilfe ihrer langsam Heranwachsenden Kinder, das Vater-Katers, ihrer Schwester von der anderen Flußseite und dem Kater des Freiherrn gelingt Sina natürlich die Lösung, alle drei überlebenden Kätzchen finden einen Platz für die Zukunft und auch Sina muss am Ende nicht mehr darauf hoffen, dass die Wirtin den Nutzen einer Katze erkennt sondern hat einen Menschen gefunden. Oder … zwei?

Die Geschichte ist locker und spannend erzählt – ABER – das Buch hat auch Nachteile. Die Katzenperspektive ist zwar clever gewählt, weil so die Hintergrundgeschichte von Altea ein Geheimnis bleibt und auch Sachen wahrgenommen werden können, die einem Menschen unzugänglich wären.  Doch bin ich nicht ganz mit so unkätzischem Verhalten wie dem Durchwühlen von menschlichem Papierkram und dem Wiedererkennen von Menschen auf Fotografien einverstanden. Katzen können nicht mal sich selbst im Spiegel erkennen!

Auch andere Momente in diesem Buch gab es, wo sich die Katze nicht wie eine Katze verhalten hat. Z.B. dass sich Katzen nur im Frühjahr paaren, halte ich für ein Gerücht. Unsere Katze hatte 1984 Mitte Mai Junge (sie lief uns trächtig im April zu). Als wir sie Ende Juni kastrieren ließen, war sie schon wieder trächtig. Hier sind die Jungen bereits älter als unsere damals – und damit wäre Sina normalerweise erneut beim Kater gewesen oder der bei ihr – Katzen werfen in manchen Jahren sogar dreimal.

Aber all diese kleinen Ungenauigkeiten beim Thema Katze verzeihe ich der Autorin gern, weil sie eine hübsche kleine und humorvolle Geschichte erzählt.  Genauso wie die allzu überschwängliche Verwendung von Adjektiven. Gibt daher nur eine Kokosnuss Abzug:

Vier von fünf Kokosnüssen.

Titel: Die Spionin im Kurbad

Autorin: Andrea Schacht (von der ihr im Lauf der Buch-Challenge noch Weiteres hier lesen werdet)

Verlag: Blanvalet

Erscheinungsjahr: 2012

Seiten: 366

Beitrag zur Buch-Challenge als Nr. 49, Buch das mir geschenkt wurde

 

Trägheit – oder Szenen aus der Vita activa

Und wieder eine Buchbesprechung. Aber was habe ich da gerade gelesen?

Extra wegen Daggis Buchchallenge gekauft, ein Buch, das im Titel eine Todsünde anführt. Doch – ein Roman in diesem Sinne war es nicht wirklich, eher, wie der Titel schon ganz richtig beschreibt, eine Ansammlung von Szenen, losen Gedanken. Ein Kritiker beschreibt den Autoren, Ingomar von Kieseritzky, als den deutschen Woody Allen. Ja, ich denke, das könnte hinkommen. Wenn man den Episodenfilm „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, sich aber nicht zu fragen trauten“ als Vorbild nimmt.

Sex ist allerdings hier nur am Rande das Thema. Hypochondrie – und auch die nur, um eine abgrundtiefe Faulheit zu tarnen.

Doch erstmal zum „Plot“:

Die Geschichte von Valev, der seinen Eltern auf der Tasche liegt, nichts Gescheites lernt, nichts Gescheites vollbringt und von Quacksalber zu Quacksalber eilt und immer abstrusere Theorien über den eigenen Gesundheitszustand aufstellt. Er verlobt sich mit einer Frau namens Vera, die er aber wegen der hygienischen Risiken nicht an sich heran lassen möchte, es dennoch tut, wobei er sich ihr am liebsten nähert, wenn sie einen Foto-ähnlichen Starrezustand einnimmt.

Außerdem wird in den Szenen eingeworfen die Geschichte eines Vorfahren von Valev aus dem 18. Jahrhundert, Roderick von Valev, einem Kurpfuscher, der eine ähnliche Trägheit an seinem Lebensende durchlief, begleitet von einem hypochondrischen Diener – und von einem „Arzt“ und dessen Gefährten, die im 19. Jahrhundert als Kurpfuscher unterwegs waren. Sowohl der Diener als auch der Gefährte des Arztes waren für die Überlieferung der Aufzeichnungen der beiden eher abträglich.

Irgendwann in der Geschichte verfällt der zukünftige Schwiegervater in eine Starre, aus der ihn erst eine Wallfahrt nach Lourdes rettet – wobei die Familie eigentlich protestantische Tischgebete spricht …

Ja, so wirr wie ich es schreibe, ist das Buch auch. Die Zeitebenen, die Orte, die Personen werden brutalst durcheinander geschüttelt. Einige Male kam ich in Versuchung zu schmunzeln, aber ich bin auch kein Woody-Allen-Fan. Daher geht Kieseritzkys Humor weitgehend an mir vorbei.

Vielleicht bin ich auch nur zu ungebildet, da Kieseritzky in diesem Büchlein mehr Fremdwörter verwendet, als ich je außerhalb von fachsprachlichen Publikationen gesehen habe.

Kokosnussfaktor: Weil ich ein paar Mal lächeln konnte gebe ich dem Buch 2 von 5 Kokosnüsse

Trägheit oder Szenen aus der Vita activa

Ingomar von Kieseritzky, ursprünglich 1978 geschrieben, diese dtv/Klett-Cotta-Ausgabe war von 1990.

Seitenanzahl: NUR 202 – viel mehr hätte ich auch nicht überlebt

Daggis Book-Challenge 2017 – Kinderbuch

Heute wollte ich was Schnelles, weil ich beim eigentlich gerade aktuellen Buch nicht so recht voran komme, daher habe ich mal eben schnell das Extra für diese Challenge gekaufte Kinderbuch gelesen.

Ich wollte schon immer mal Beatrix Potter lesen, schließlich habe ich soviel von ihr gehört – und dann fand ich einen Sammelband:

Beatrix Potter – Sämtliche Geschichten von Peter Hase und seinen Freunden

268 Seiten voller lustiger kleiner Geschichten, manche fast ein wenig märchenhaft, andere eindeutig in der belehrenden Tradition der klassischen Fabeln geschrieben (besagter Peter Hase gehorcht nicht den Anordnungen seiner Mutter und gerät in Lebensgefahr, verliert seine Kleidung, wird krank und darf keine Himbeeren essen sondern muss Kamillentee trinken).

Am Besten gefiel mir wohl fast die Geschichte von dem kleinen Schwein Robinson, der von einem fiesen Schiffskoch auf ein Schiff gelockt wird, also geshanghait wird – und dort gemästet wird, um beim Geburtstag des Kapitäns der Ehrengast auf der Tafel zu werden … Es ist auch die längste Geschichte. Eine Version der klassischen Heinzelmännchen (bei Beatrix Potter sind es Mäuse) ist auch zu finden. Eine schöne Version! Das Buch enthält außer den Kindergeschichten (alle um 1900 geschrieben) auch noch die supersüßen Zeichnungen, oft in Farbe, aber es sind auch einige Schwarz-Weiß-Skizzen darunter.

In ihren Geschichten vermengt Miss Potter munter Tier- und Menschenwelt. So ist einer der Händler, zu denen das kleine Schwein Robinson geschickt wird, der einzige, der keine Wurstprodukte anbietet, nach Meinung einer Tante von Robinson sehr angenehm, wäre es doch unangenehm, „an einen Schinken zu stoßen, der von einem Cousin zweiten Grades stammt“. Schinken und Fleisch wird aber bei aller Tierliebe auch hier gegessen. Ein Frosch nimmt ein Schmetterlingssandwich zu sich, ein Hund verspeist eine eigentlich von ihm nicht gewünschte Mauspastete und dergleichen mehr.

Was ich im Übrigen sehr schön fand, dass sie Akteure aus einigen Geschichten wieder aufgreift.

Ich fand es sehr angenehm zu lesen, kann mich jetzt allerdings nicht in die Schneeflöckchen von heute hinein versetzen, denen ja oft unterstellt wird, dass sie mit Tod und natürlichem Verhalten von Carnivoren nicht umgehen könnten. Ich kann daher nicht sagen, ob es sich heute noch für Kinder wirklich eignet – ich würde es auf einen Versuch ankommen lassen – man liest ein solches Buch ja vor und ist dabei, um Fragen zu beantworten. Vielleicht würde ich es nicht gerade erst zum Schlafengehen vorlesen.

Meine Bewertung: 4 Kokosnüsse von 5 – die eine Abzug, weil mich die ersten Geschichten im Ton nicht mitgerissen haben.

Beatrix Potter

Sämtliche Geschichten von Peter Hase und seinen Freunden

Verlag: Anaconda

Erscheinungsjahr 2015

Seiten: 268

Aufgabe, die ich erfüllt habe: 14 – ein Kinder- oder Jugendbuch

Book-Challenge – Buch Nr.5

Christopher Moores bekanntestes Werk ist wohl „Die Bibel nach Biff“, doch das habe ich schon vor langer Zeit gelesen, danach habe ich mir einen Vampirroman von ihm gekauft, den ersten in der Reihe, den ich auch schon ewig und drei Tage gelesen habe – nicht das beste und nicht das Witzigste Buch, das ich je gelesen habe.

Trotzdem habe ich Teil zwei noch hier (aber nicht Teil drei) – „Liebe auf den ersten Biss“. Hatte das auch schon angefangen und war ungefähr 100 Seiten vor dem Ende, als ich beschloss, dass es mir nicht wirklich gefiel.

Ich wollte es jetzt im Rahmen der Challenge zu Ende lesen,  ein Buch mit einem überwiegend blauen Cover. Und das habe ich auch getan – allerdings musste ich von vorne anfangen, weil ich einfach nicht mehr wusste, was alles passiert war. Hahaha, da habe ich mich selber schön reingelegt, dachte ich noch.

Aber ich stellte fest, mit dem zweiten Lesen gefiel es mir besser. Oh, der Anfang, die ersten drei bis sieben Kapitel waren immer noch schrecklich – der Autor gehört zu der Sorte Männer, die nie erwachsen werden und hat seinen männlichen Hauptdarsteller daher als 19jährigen gewählt, dem vor allem der Sinn nach Sex steht. Ich bin nicht prüde genug, dass mich die Erwähnung von „ficken“ und „Schwanz lutschen“ dazu bringt, ein Buch zu verbrennen, war aber nach einiger Zeit wieder leicht gelangweilt. Doch dann wurde es doch noch interessant.

Die Handelnden:

Die junge Vampirin aus Teil 1: Jody

Ihr in Teil 1 noch lebendiger tagaktiver Helfer, der Supermarkthelfer Tommy.

Elijah, ein 800jähriger Vampir, der gewisse Regeln für das Vampirsein aufgestellt hat, sich mit Jodys Umwandlung aber selber nicht mehr dran hielt.

Die neue tagaktive Helferin: Abby, Goth, 16, Byron-Fan

Die ehemaligen Kollegen von Tommy, die „Barbaren“

Eine blauhäutige Nutte

Nebenfiguren: Der Kaiser von San Francisco, die beiden korrupten Polizisten Rivera und Cavuto, der Obdachlose William und sein fetter Kater sowie Jared, der schwule Freund von Abby.

Was ich an diesem Buch mag ist u.a., dass Moore, der noch mindestens zwei andere Reihen am Start hat (eine Dämonenreihe und eine, die sich mit einem Mann beschäftigt, der jetzt der Tod ist) – und einige Figuren in mehreren Reihen auftreten lässt. Rivera z.B. habe ich schon in einem Dämonenroman gefunden, der Tod hat hier einen Cameo-Auftritt als Geschäftsmann und der Kaiser von San Francisco ist auch in der Tod-Reihe unterwegs mit seinen beiden Hunden.

Was mich störte: Die Geschichte ist nur kurz, nur 303 Seiten. Davon wird viel zu viel mit Sex verschwendet, so dass ich beim ersten Versuch eben aufgegeben habe und beim zweiten auch nach 66 Seiten ein kleines Päuschen einlegte.

Was mich noch störte: Der Übersetzer hat geschlurt. Es gibt nun mal keine Entsprechung vom englischen Wortspiel mit dem Wort Cock, so dass auf S. 162 der Dialog auf Deutsch irgendwie bizarr wirkte:

„Ich so: >>Was soll der Scheiß, Biker? Was macht Ihr da?<<

Und einer von denen so::>>Isr bald das Jahr des Hahns.<<

Und ich so: >> Werd bloß nicht ordinär, du schmieriger Penner, Hol dein Ding raus, und du kriegst von mir Pfrfferspray in dir Fresse, bis du grinst.<<“

(Auszug aus einem Tagebucheintrag von Abby, der Stil von Moore ist flüssiger und nicht derartig kleinmädchenhaft.)

Hier gibt es im Deutschen keine Zweideutigkeit … Es geht um Hähne, Gockel, männliche Hühner. Wieso sie das so ordinär findet, weiß man erst, wenn man auf den englischen Originaltext zurück greift. Ich hätte das als Übersetzer vermutlich ganz gelassen – denn einfach die wörtliche Übersetzung funktioniert hier nicht. Und ein ähnliches Wortspiel fällt mir gerade nicht ein. Vielleicht Katze – Muschi … Aber nicht mit Schwanz und Cock …

Es ist nur die EINE unsaubere Stelle, aber so etwas bringt den Leser aus dem Lesefluss und stört.

Christoper Moore,

Goldmann Manhattan

Liebe auf den ersten Biss

Übersetzer Jörn Ingwersen

Erscheinungsjahr:2008 auf deutsch, englische Ausgabe 2007

Bewertung: 3 von 5 Kokosnüssen, weil ich heute großzügig bin

 

 

Freitags in der Faulen Kobra

Wieder ein Buch für daggis Buchchallenge 2017.

Freitags in der Faulen Kobra, Teil zwei in der Siebenstein-Reihe von Stefan Nink.

Wieder eine moderne Queste, auf die Stefan Nink Siebenstein schickt, während der Autor dessen zwei Kumpels dieses Mal in einem indischen Teehaus zwischen parkt.

Die Reise beginnt in Indien, wo Wipperfürth dem Inhaber des Hotels, zu dem sie gereist sind, um den letzten Erben zu finden, der ihnen im ersten Buch der Reihe („Donnerstags im Fetten Hecht“) noch fehlte. Da dieser letzte Erbe dort als Yoga-Lehrer fungiert, nimmt Siebenstein an einem Yoga-Kurs teil. Dort ereilt ihn das erste von einer Reihe fieser Missgeschicke, ein Insektenstich, der ihn ausknockt – nicht das einzige Mal, wo ihm ein paar Stunden fehlen. Wipperfürth verliebt sich in die Tochter des Maharadschas und als der Maharadscha einen schweren Verlust erleidet, erklärt er sich im Namen des besinnungslosen Siebenstein bereit, die Statue wieder zu beschaffen, die in diversen Teilen auf der Welt verstreut liegt.

Von Indien aus fliegt er nach Tonga, wo er einen bleibenden Eindruck bei einer marktleitenden Prinzessin hinterlässt. Die Reisen bucht wieder, wie in Band 1, Freund Wipperfürth, was interessante Reiserouten ergibt (von hinten durch die Brust ins Auge), aber den Siebenstein von Schatten (der im ersten Buch ein Vermögen erben sollte, wenn er die anderen Erben herschafft) widerwillig bewilligten Unterkünften weicht dieser durch reichliche Nutzung der von Schatten ebenfalls herausgerückten Kreditkarte aus.

In Neuseeland stößt seine amerikanische Freundin zu ihm, die er im ersten Teil kennen gelernt hat.

Mit ihrer Hilfe überlebt Siebenstein eine Straußattacke, sorgt für reichlich Spesen auf der Kreditkarte, fällt auf einem „Stuhl“ in einen Fjord (angeleint), geht tauchen und wandern (nicht so findet immer wieder statt der Statuenteile Origami-Figuren. Irgendwann haben sie dann die Person in Japan erwischt, die ihnen zuvor gekommen ist. Und die Geschichte nimmt eine neue Wendung.

Letztlich wird das Schicksal des Maharadschas von unseren Freunden zum Guten gewendet und auch ohne Maharadschas Töchterlein finden sich Siebenstein und seine Kumpel in ihrer Heimat wieder, im „Fetten Hecht“.

Es war wie Teil 1 außerordentlich unterhaltsam, weil ja nicht WIR durch die Welt gejagt werden und Schwärme von Mücken, Zugvögeln oder einem Eisbären ausweichen müssen. Eisbären mögen übrigens angeblich indisches Curry.

Von mir gibt es 5 Kokosnüsse von 5.

Titel: Freitags in der Faulen Kobra

Autor: Stefan Nink

Verlag: Blanvalet

Erscheinungsjahr: 2015

Seiten: 547

 

 

Book-Challenge 2017 (3)

daggis-welt.de

hat zur Challenge aufgerufen. Ich nehme teil, auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich an den Verlag-Kategorien scheitern werde – oder einfach an der schieren Masse von Büchern.

Aber heute stelle ich mal ein etwas längeres Buch vor als die zwei letzten.

Kategorie Nr 2: Ein Buch mit einem roten Cover (Sollte eigentlich Sonderpunkte geben, weil nicht nur das Cover weinrot ist, sondern auch der Name des Autors ROTH)

Das Durchschnittsbuch im Buchhhandel hat so 400 bis 500 Seiten, und dieses hier ist keine Ausnahme, Philip Roth – Verschwörung gegen Amerika.

Philip Roth ist ein 1933 geborener jüdischer Autor aus den Vereinigten Staaten und erzählt in diesem Buch, was hätte passieren können, wenn Amerika 1940 Charles Lindbergh, den Antisemiten (!), zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt hätte. Alternative History.

Es ist ziemlich bedrückend, nicht, weil das Erwartbare passiert und Juden unter Repressalien zu leiden haben, Amerika sich dem 2. Weltkrieg verweigert und darauf baut, dass Nazi-Deutschland, mit dem sich Lindbergh und seine Leute zu gut verstehen, Russland zu besiegen droht (was in diesem Roman als Möglichkeit dargestellt wird, wir wissen, was wirklich passiert ist, noch bevor Amerika eingegriffen hat) – nein, bedrückend sind die Parallelen zum heutigen Amerika. Der Roman ist von 2009 – da war von Trump als Präsident noch keine Rede.

Irgendjemand muss dem Trump-Wahlkampfteam dieses Buch als Anleitung gegeben haben. Roth hat ganz offensichtlich die tatsächliche amerikanische Psyche gut erfasst – denn Trump wurde gewählt so wie im Buch Charles Lindbergh, der auch als nicht chancenreicher Kandidat anfing und vom republikanischen Establishment nicht geliebt wurde. Auch Lindbergh folgt in diesem Roman einem demokratischen Präsidenten, dem er Verrat am Volk vorwirft, auch Lindbergh diffamiert die Medien, die sich gegen ihn stellen.
Allein schon wegen dieser Parallelen ist das Buch lesenswert.

Die handelnden Personen
Der Ich-Erzähler (eine fiktive Version von Philip Roth selbst), sein älterer Bruder Sandy, der versucht, sich an das System anzubiedern, sein Vetter Alvin, der abhaut und über Kanada versucht, Hitler zu bekämpfen, sein Vater, ein Versicherungsvertreter am Anfang des Romans, seine Mutter, Hausfrau und zwischendurch mal Verkäuferin. Kleinbürgerliches Milieu.

Die Nachbarn der Roths in einem überwiegend von Juden bewohnten Wohnviertel von Newark. Einer davon ein Nachbarsjunge, der erst den Vater durch Selbstmord oder Krankheit verliert (hier verwirren sich die Fantasie des 9jährigen und die von den Erwachsenen dargebotenen Erklärungen) und am Ende des Romans als Waise wieder nach Newark zurück kehrt, nachdem seine Mutter mit ihm „umgesiedelt“ wurde und im Rahmen eines Pogroms getötet wurde.

Die Familienangehörigen:

Tante Evelyn, die sich an das System anbiedert, ihr Verlobter und dann Ehemann, ein Rabbi, der mit dem System zusammen arbeitet.

Der reiche Onkel, der einen Großhandel betreibt und erst Alvin, von dessen Vater er diesen Handel übernommen hat, später auch dem Vater von Philip Arbeit anbietet – der Familiensinn mit all seinen Verantwortlichkeiten ist noch am Leben.

Nicht alle Konflikte des Romans drehen sich um Politik. Manches sind einfach innerfamiliäre Streitigkeiten oder Verwirrungen, wie sie von Kindern in dem Alter einfach durchgemacht werden. Der Philip Roth des Romans wuchs jedenfalls nicht als „Kleine kostbare Schneeflocke“ auf, auch wenn die Erwachsenen natürlich versuchen, manche Ausprägungen des Lebens vor ihm zu verbergen.

Aber was in diesem Roman an Politik in den Alltag schon eines Neunjährigen schleicht, ist beklemmend. Es ist lange her, dass ich einen literarisch hochwertigen Roman so verschlungen habe wie dieses Buch. In aller Regel langweilen mich literarische Werke zu Tode.

Philip Roth

Verschwörung gegen Amerika

Rowohlt Taschenbuch Verlag

Erscheinungsjahr 2009

Seiten:  495 der eigentlichen Geschichte, plus Kurzbiografien der erwähnten historischen Persönlichkeiten und ein Ausschnitt aus einer tatsächlichen Rede von Charles Lindbergh. Insgesamt 541 Seiten.

Von mir: 5 Kokosnüsse

 

 

Book-Challenge 2017 (2)

daggis-welt.de hat die besagte Book-Challenge laufen. In der letzten Woche habe ich mich vordringlich damit beschäftigt, die entsprechenden Bücher aus meinem SuB hervor zu ziehen – oder (gebraucht, wenn das günstiger war) zu bestellen.

Heute kam schon die erste Lieferung – also, zwei, eine kam per Post, die andere per Hermes, das war die größere von beiden.

Aber vorstellen will ich hier und jetzt natürlich das Buch, das ich in der gerade vergangenen Woche gelesen habe.

Kategorie 15: Ein Sachbuch oder eine Biografie. Ich wählte ein Sachbuch.

Holy Sh*t“ – nein, das ist kein Fluch von mir, das ist der Titel des Buches von Melissa Mohr. (Und er ist bewusst so gewählt. Dazu gleich mehr)

Untertitel: A brief history of swearing.

Zunächst teilt Ms Mohr Fluchen in zwei Kategorien auf: Oath – also, religiös geprägt (daher Holy) und Obszönitäten (sexuell – wer kennt den „Scheiß-“ nicht? – oder auch Körperausscheidungen betreffend – kennen wir auch, einfachstes Beispiel in unserer Sprache der inzwischen antiquierte „Rotzjunge“).

Ms Mohr beginnt ihre Exkursion in die Niederungen der Sprache im Lateinischen. Überlieferungen u.a. aus Pompeii (wie Inschriften an Hauswänden, ja, es gab auch schon vor über 2000 Jahren Graffiti) und diverse Vergleiche von Texten verschiedener Niveaustufen haben ihr dabei vor allem eines gezeigt: Thematisch waren diese Flüche/Verwünschungen/Beleidigungen und auch einfach nur verstärkende Ausrufe im Bereich „Shit“ anzusiedeln – also Sex und den menschlichen Körper betreffend.

Sie bringt Beispiele, Männer wurden dort vor allem damit beleidigt, dass man ihnen unterstellte eine eher „passive“ – also für die Römer eher weibliche – zu spielen.

Dies änderte sich im Englischen Sprachraum im Mittelalter. Wo die römische Gesellschaft von einer gewissen sexuellen Freizügigkeit geprägt war und die römische Götterwelt eben keinen monotheistischen Glauben verkörperte war das Mittelalter ein Zeitalter, in dem alles dem monotheistischen christlichen Glauben untergeordnet war. Während alle Körperfunktionen incl Vermehrung aufgrund der im Mittelalter üblichen Wohnformen sowieso ein Teil des Alltags waren, waren Worte, die diese Körperfunktionen benannten einfach nicht tabuisiert, und damit ungeeignet, zu schocken. Wohingegen jeder Verstoß des „du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen“ eine Sünde darstellte. Flüche wie „Gottverdammich“ waren daher im Mittelalter ein z.T. sogar von der Obrigkeit verfolgter Verstoß gegen die gesellschaftliche Ordnung.

Diese Einstellung milderte sich erst wieder ab mit dem 17./18. Jahrhundert. Die Privatsphäre war nun wichtiger geworden, Zeugungen wurden nicht mehr vor Zeugen vorgenommen und alles aus dem Bereich des menschlichen Körpers wurde in feiner Gesellschaft nicht offen angesprochen. Das gipfelte im viktorianischen Zeitalter in der bekannten Prüderie, die schon die Erwähnung eines Tischbeins als unfein darstellte.

Im 20. Jahrhundert wurde diesen beiden Kategorien  dann eine dritte zur Seite gestellt, die Beschimpfung durch den Gebrauch von rassistischen Ausdrücken. Sie wird auch in der heutigen Zeit als Tabubruch empfunden (Das Lied „10 kleine …“ wird in Kindergärten nicht mehr in der ursprünglichen Fassung gesungen, u.a. auch, weil ein Teil der Kinder heute eine dunklere Hautfarbe hat.)

Außerdem geht sie in ihrem Epilog auf die Funktion von Fluchen ein: Fluchen erlaubt uns, Dampf abzulassen, ohne körperliche Gewalt auszuüben. Mohr sagt außerdem voraus, dass Fluchen wieder das Heilige betreffen wird, einfach weil Sex heutzutage immer weniger zum Tabu taugt, wo schon in der Grundschule aufgeklärt wird.

Melissa Mohr

Holy Sh*t – a brief history of swearing,

Verlag Oxford University Press

Erscheinungsjahr: 2013

Umfang: 263 Seiten (excl. Literatur- und Stichwortverzeichnis)

Warum wählte ich dieses Buch?

Ich bin immer entsetzt, wenn Leute wegen jedem Scheiß gleich auf die Barrikaden gehen. Verzeihung, wegen jedem „Scheiß-„. Ich kann mich durchaus ohne Fluchen ausdrücken, und im Beruf und auch sonst so im Allgemeinen bin ich kein Mensch, der jeden Satz mit „verdammt“ oder „Scheiß-“ verziert. Aber ich finde, dass dieser Teil der Sprache seine Berechtigung hat, wie Ms Mohr sehe ich darin ein Ventil.

Und außerdem lese ich gerne etwas über die Entwicklung von Sprachen. Daher dieses Sachbuch.

Huch, jetzt hätte ich beinahe die Bewertung vergessen. Ich habe schon wesentlich lustigere Bücher zu langweiligeren Themen gelesen, hier hat Ms Mohr sicher etwas verschenkt, daher nur 4 von 5 Kokosnüssen.