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Lammkeule (à l’Edeka)

Ich habe gestern mit Freunden gekocht. Und weil hier Feiertag war, konnten wir uns den ganzen Nachmittag dafür Zeit nehmen. Daher sollte es Lammkeule geben, das Rezept dafür fanden wir in der Edeka-Kundenzeitung:

1,8 Kilo Lammkeule

4 große Zweige Rosmarin

1/2 Knolle Knoblauch

Pfeffer und Salz

Die Keule wurde von „unserem Fleischspezialisten“ vom harten Lammfett befreit (sonst schmeckt das Tier zu sehr nach Schaf), dann gesalzen und gepfeffert, wobei wir die Hälfte des Knoblauchs durchgepresst hatten und mit dem Salz vermengten, so dass wir die ganze Keule damit einreiben konnten. Die andere Hälfte des Knoblauchs wurde geschält, die Zehen halbiert, der Rosmarin auf dem toten Tier festgebunden, der Knoblauch drauf gelegt und das ganze kam für 2:15 h in den Ofen bei 190 ° C. Und das war alles, was man mit dem Fleisch tun musste. Kein Spicken, kein Anbraten und auch kein ständiges Begießen!

Wir haben dazu dann nach 1,5 h ein Blech mit Backpapier ausgelegt, darauf 6 EL Olivenöl verteilt, ordentlich Salz drauf gegeben (aber nicht eine ganze Schicht), anderthalb Päckchen frische Thymianzweige gleichmäßig darauf verteilt und neue Kartoffeln (ca. 1,2 kg) ordentlich gewasche, halbiert und auf den Thymian gebettet.

Das schoben wir dann in den Ofen, auf die unterste Schiene, so dass es noch ca. eine Stunde mit dem Braten im Ofen verbrachte – wir waren uns einig, ganz so lang hätte es nicht sein müssen, aber die im Rezept angegebenen 35 Minuten erschienen uns doch zu wenig.

Gemüsebeilage war Chicoree mit einer Käse-Sahne-Sauce. 2 Zwiebeln wurden fein gewürfelt, in Erdnussöl angeschwitzt, dann wurde mit Sahne abgegossen, die Sahne wurde zum Kochen gebracht, der Taleggio (italienischer, cremiger Rotschimmelkäse) dort in Scheiben hinein gegeben und zum Schmelzen gebracht, dann wurde der geputzte Chicoree dort ziehen gelassen (laut Rezept 2 Minuten, bei uns länger, weil wir den Topf dann von der Platte nahmen und uns um Fleisch und Kartoffeln kümmerten).

Getränk dazu: Für die Gäste Rioja-Rotwein von 2011, ein Reserva.

Eine köstliche Kombination! Bis dahin wenig Aufwand.

Der Nachtisch waren dann kleine Pastetchen mit Erdbeeren und Rhabarber gefüllt (Mürbeteig mit 200 g Butter, 400 g Mehl, 100 g Zucker und zwei Eigelb dazu etwas Wasser, aber nicht viel – und lt. Rezept 150 g Erdbeeren und 100 g Rhabarber. Die Erdbeeren sollten in Stücke geteilt und mit 6 EL Rohrzucker bestreut werden, dann mit 1 cm kleinen Rhabarberstücken gemischt und auf die kleineren ausgestochenen Mürbeteig-Kreise gelegt werden. Mit den größeren ausgestochenen Kreisen wurde dann das Obst bedeckt und mit einer Gabel verschlossen, mit Eigelb bepinselt un in den 200 ° heißen Backofen für ca. 20 bis 25 Minuten). Dazu gab es – gekauftes – Vanille-Eis (man muss nicht ALLES selber machen – und vom übrigen Obst haben wir Kompott gekocht, den es noch als Soße dazu gab.

Schließlich war Feiertag. Wir hatten zwischendrin sogar Zeit für zwei Brettspiele. Nichts Anspruchsvolles – aber „Café International“ wurde mal wieder gelüftet – sowie „Hugo, das Schlossgespenst„* (wie Boardgamegeek so schön sagt – ein Kinderspiel, bei dem auch Erwachsene ihren Spaß haben), bei dem man Ballgäste in die Schlossräume treibt und die Unglücklichen, die nicht fliehen konnten, ins Verlies einsperrt. Erstaunlicherweise ist Hugo aus dem gleichen Jahr wie das Café – das Café wurde 1989 Spiel des Jahres.

*Ursprünglich als „Mitternachtsparty“ erschienen, damals auf der Auswahlliste zum Spiel des Jahres, 1996 dann neu unter diesem Titel veröffentlicht.

 

 

Deutsche Ikonen – Gesellschaftsspiele

/Heute ist Weltspieltag (das jedenfalls behauptet der Simons Katze-Abreißkalender).
Anläßlich dessen heute einen Beitrag zum Spielen. Ja, ich bin ein Spieler. Karten, Würfel, Risiko – aber nur selten um Geld (Lotto 😉 ).
Der Deutsche an sich spielt gern. Und zwar mit anderen oder auch mal alleine. Als Kind wird man mit Kartenspielen (MauMau oder heute eher Uno) und Mensch-Ärger-Dich-Nicht an die Realität schonend oder auch schonungslos herangeführt, dass man nicht immer gewinnen kann (außer an Erfahrung). Dame (chinese checkers) oder Mühle, auch Schach – diese alten Klassiker, wenn man ein wenig älter wird, spielt der Deutsche dann Skat oder Doppelkopf.
Mit Mensch-Ärger-Dich-Nicht, das es in ähnlicher Version bereits in Asien gab, 1907/08 in der jetzigen Version „erfunden“ von einem Herrn Schmidt (ja, genau, DER Herr Schmidt, der der bekannten Spiel-Fabrik seinen Namen gab!), sind wir dann im Bereich Brettspiele.
So beliebt und bekannt in Deutschland, dass, was im deutschen Familienspiel heißt, im englischsprachigen Raum als German boardgame bekannt ist (Spiele, die die Spieler alle bis zum Ende im Spiel halten, die mehr mit Strategie und weniger mit Glück zu tun haben, die einfache aber vielfältige Regeln haben).
Inzwischen sind es nicht mehr nur reine Brettspiele, sondern oft Kartenspiele, die mit klassichen Kartenspielen nicht viel gemeinsam haben, außer dass man Karten auf der Hand hat (Beispiel Wucherer).
Auch Rollenspiele (eines der ältesten: Dungeons&Dragons mal in Amerika entwickelt, das deutsche System Das Schwarze Auge hier am bekanntesten) ziehen von Endvierzigern bis runter zum Teenager ihr Publikum an.
Und natürlich Computerspiele – las ich doch heute in der Zeitung, dass immer mehr Spiele-Apps verkauft werden. Das ist dann oft mehr für den Solitär-Spieler – nicht umsonst heißt eines der bekanntesten Spiele aus der Anfangszeit von Windows – SOLITÄR.
Deutschland ist also verspielt. Der ernste, humorbefreite, bürokratische, unfreundliche, seriöse, langweilige Deutsche ist ein Spieler. Immerhin doch ein Hoffnungsschimmer.