Fenstersturz mal ganz neu

Wir haben hier in Hannover (ah, mal wieder etwas Lokales!) eine alte Kirche am Markt stehen, wie das in jeder deutschen Stadt normalerweise der Fall ist (bei Wolfsburg bin ich mir nicht ganz sicher, weil es eine relativ junge Stadtgründung ist).

Diese Kirche ist im 14. Jahrhundert entstanden, hat aber einen noch älteren Vorgängerbau aus dem Jahr 1125. Die neue Kirche wurde, was sehr passend ist, mit den Buntglasfenstern begonnen! Die ersten Fenster wurden nämlich bereits 1340 fertig gestellt, der eigentliche Kirchenbau begann dann mit der Fundamentlegung, im Jahr 1347, um den Vorgängerbau herum, den man dann 1349 erst einriss.

Vorgespult ins Jahr 1943 (Juli und Oktober, heftige Bombenangriffe auf Hannover, die auch vor der Marktkirche nicht Halt machten), war die Kirche nur noch eine Ruine. D“er Wiederaufbau erfolgte 1946–1952 durch die Huta Hoch- und Tiefbau nach Plänen des Architekten Dieter Oesterlen, wobei der Ziegelstein im Inneren vollständig freigelegt wurde.“ Und um diesen Architekten geht es hier, oder besser, um seinen Erben.

Der Erbe ist nämlich der Meinung, dass er, der das Urheberrecht geerbt hat, nun bestimmen darf, welche Art Fenster die Kirche einbaut. Seine Argumentation: Oesterlen wollte einen besonders schlichten Innenraum, der würde durch das geplante Buntglasfenster gestört.

Darauf habe ich mehrere Einwände. Erstens – Herr Oesterlen hat höchstens eine sekundäres Urheberrecht – denn die eigentlichen Urheber waren die Kirchenbauer im 14. Jahrhundert, die Buntglasfenster planten und einsetzten. Ja, deren Urheberrecht ist natürlich lange vorbei, aber es bleibt, dass die eigentliche Kirche mit ihrer Einteilung, ihrem Grundriss, ihren Mauern etc. nicht von Oesterlen gestaltet wurde. Nur der Innenraum.

Zweitens – ein Fenster gehört zur Außenmauer, die aber hat Herr Oesterlen nicht neu gestaltet, die hat er übernommen. Die standen nämlich noch, als das Feuer mit der Kirche fertig war.

Drittens – dass Buntglasfenster den Innenraum umgestalten, halte ich für eine gewagte Annahme. Aber das kann man notfalls ja mal testen, geplantes Fenster auf eine große Plastikfolie ziehen, vor das jetzt gerade NICHT bunte Fenster halten und mal schauen, ob es wirklich eine so sensationelle „Umgestaltung“ darstellt.

Arschitekten und ihre Erben bilden sich wirklich ein, sie seien Künstler … dabei sind sie für mich mehr spezialisierte Ingenieure. Aber das ist meine Meinung.

 

 

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6 Antworten zu “Fenstersturz mal ganz neu

  1. Erben bringen Scherben oder so…

  2. Also das bunte Fenster den Innenraum nicht umgestalten, kann man so ganz sicher nicht sagen.
    Man kann diese Veränderung gut im Kölner Dom beobachten. Es gibt dort das wohl bundesweit bekannt gewordene Fenster von Gerhard Richter. Die zahlreichen bunten Scheiben, aus denen es zusammengesetzt ist, bilden je nach Jahreszeit Tageszeit und damit verbundener Sonneneinstrahlung oder eben auch nicht Sonneneinstrahlung , im gesamten Innenraum, besonders aber auf den gotischen Säulen, reizvolle Kontraste. Also so völlig Unrecht hat der Erbe nicht, nur stellt sich die Frage, wenn der Krieg die Ursache dafür war, das die ehemals bunten Fenster nunmehr einfarbig sind, wird das auch den für damalige Verhältnissen immensen Kosten geschuldet sein, die ein Buntglasfenster verursacht. Auch im Kölner Dom sind noch heute über 70 Jahre nach Ende des Krieges nicht alle Fenster wieder bunt verglast, die Kosten stehen da im Weg, man kann also problemlos immer noch die damalige Notverglasung finden.
    Dann würde sich also für die hannoversche Kirche die Frage stellen , war nicht auch die weiße Verglasung dem Kostendruck geschuldet? Und da wäre es nur anständig , wenn der Erbe nun nicht so ein Theater machen würde ,nachdem Hannover nun endlich das notwendige Geld zusammen hat ,die Kirche wieder bunt zu verglasen.
    Wortgestoeber

  3. Buntglasfenster ändern natürlich den Innenraum etwas, aber Kirchen ändern sich immer mit der Zeit. Ansonsten habe ich Wortgestöbers exzellentem Beitrag nichts hinzuzufügen.

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