Entspannter im Alter – Kleines Fest

Gestern hab ich im Schatten der Mauer, eingecremt und mit kalt geduschten Füßen ausgeharrt, um für mich, eine Kollegin und drei Freunde Tickets zu sichern.

Welcher Mauer? Der Außenmauer des Großen Gartens in Herrenhausen. Ich bin ca. Viertel vor zwei dort gewesen, stand (und saß auch manchmal) ca. an der Mitte der Mauer und beobachtete so das Leben um mich herum. Eine Menge junger Männer (und es waren ausschließlich Männer) versuchten, das Ende der Schlange als „vor der Kasse“ zu definieren …

Eine junge Frau (aus dem fernen Kanada, wie ich später erfuhr, dankenswerterweise dem englischsprachigen Teil) sprach Englisch mit einer anderen jungen Frau, was mein anglophiles Ohr gern vernahm. Und ich holte mir ganz entspannt schon mal ein Programm (das der Blumenladen an der Ecke schon verkauft), war aber nicht ausgeruht genug, das schon zu verarbeiten.

Nach einer knappen Stunde kam dann einer meiner Freunde und besah sich das Programm genauer. Er ist traditionell unser Planer und er verträgt die Wärme auch besser. Ich ging ein Eis kaufen. Weil es einfach warm war. Und ich musste dann auch das Programm durcharbeiten – aber unter Zeitdruck kann ich halt am Besten arbeiten – und so hab ich in fünf Minuten meine Entscheidungen getroffen. Dann kam unser Häuslebauer (-um-Bauer) – und war so geschafft, dass er meine Decke okkupierte, was mir ganz recht war, mich auf die Decke und den harten Boden zu setzen war mir nur für begrenzte Zeit möglich. Dann schläft mein Bein ein. Auf dem Sofa passiert das eher selten.

Ich bin dann rüber gegangen, zu der Bank, auf der die Kanadierin dann allein saß, fragte, ob ich mich kurz hinsetzen dürfe, sie antwortete, sie spräche kein Deutsch. Ich  hatte meine Schleusen geöffnet … Englisch sprechen – endlich mal wieder. Mit einem gräßlichen Akzent informierte ich sie (nicht übers Kleine Fest, das muss man wohl erleben) über Hannover, über das Steinhuder Meer, dass eine Freundin von mir in Bristol Mathe studiert hat (kann so um die Zeit ihrer Geburt gewesen sein, oder kurz davor). Laberte sie auch über meine Schulzeit voll (also, nur über meine mangelhaften Französischkenntnisse, worauf hin sie lachte, dass sie ihre ganze Schulzeit über Französisch hatte und kein Wort sprechen würde.)

Wir sprachen über Wasserknappheit und die Sorgen, die so ein heißer Sommer verursacht, so schön das Wetter beim Kleinen Fest auch ist) … und dann ging ich wieder, weil ihr Freund wieder kam.

Hat die Wartezeit enorm verkürzt. Die restliche Stunde bis zur Kassenöffnung verging auch nett, und dann öffnete die Kasse kurz nach Eintreffen meiner Kollegin schon eine Viertelstunde früher! Wir waren ja weit vorn, also panisch zusammenpacken, Decke ausschütteln, abgefallene Samen der Linden überall verteilen … ich habe gestern Nacht noch geduscht …

Und dann ging das Warten weiter, weil das Tor in den Garten halt erst um 17: 30 geöffnet wird. Dann strömten die Massen, die 300 und die, die in der Lotterie Glück hatten, und auch sich den richtigen Tag ausgesucht hatten. Denn das Wetter war heiß aber angenehm, weil es nicht schwül war. Und dann gab es Picknick mit meinen Standard-Herzhaften-Muffins (aus einem GU-Buch, daher hier kein Rezept). Deren Standard-Herzhaft Rezept ergänzte ich mit Salami, roter Paprika und getrocknetem Thymian sowie Paprika edelsüß – und die 11 Muffins (einen hatte ich daheim schon probiert) sind bis auf 2 alle geworden. Muss also essbar gewesen sein.    Die fünfte Person stieß dann während des Picknicks dazu.

An alle Arbeitgeber: Marathon-Besprechungen während der Sommermonate legt man NICHT auf den Nachmittag. Niemals. Sorry, aber wenn nicht gerade der Bankrott droht und die Besprechung dazu dient, ihn abzuwenden, hat das alles entweder am Morgen, wenn die Mitarbeiter frisch sind, oder am nächsten Morgen zu erfolgen. Es ist einfach unentschuldbar, die Leute von einem verfrühten Feierabend bei so großer Hitze abzuhalten. Nein, ein klimatisiertes Besprechungszimmer ist KEINE Entschuldigung!

Was haben wir gesehen und gehört?

Einen Magier mit den üblichen Kartentricks, Comedy-Magier mit Tuch- und Stoffhasentrick – der auch ein Wasserglas in einem Reifen balancieren konnte, gehört mehr die Bauchsängerin. Eine Truppe Instrumente mit Akrobatik. Ein Zelt mit klassischem Cabaret-Jonglage-Tuch-Arsenal (sehr stimmungsvoll), Comedy-Akrobatik aus Russland, einen Schweizer Comedian, der eine Überraschung mit zwei deutschen kleinen Mädels erlebte. Er plante ein Gras-Ski-Rennen und lud die zwei Kinder ein, sich auf den Rasen zu legen – Pause – man bräuchte eine Buckelpiste. Und die zwei Mädels kamen. Da musste sogar er lachen. Die Kinder haben ihm als Erwachsenen halt vertraut, dass er dafür sorgt, dass sie keinen Schaden nehmen … Nun, er schickte sie zurück, mit den Worten, sie seien entweder sehr mutig – oder sehr dumm. Ich fand das mit dem dumm unangemessen. Sie waren vertrauend, dass die Erwachsenen sie beschützen und keiner ihnen was tut. Was ja auch so war … Am Ende war dann wieder die Schweiz gegen eine Region Hannover-Auswahl erfolgreich und es regnete „Gold für die Schweiz“ – als wenn die nicht schon genug hätten 😉

Die russischen Comedy-Akrobaten waren der letzte Akt, der Himmel verdunkelte sich langsam, die Sonne war ein paar Minuten vorher untergegangen – und gegen den frühen Nachthimmel war das sehr hübsch anzusehen!

Ich war dieses Mal viel entspannter, hatte weniger Rückenschmerzen und dementsprechend hatte ich mehr vom Fest und weniger zu meckern. Auch wenn ich der Kanadierin gesagt habe, dass Deutsche, die sich nicht beschweren, sehr unglücklich sind, weil wir uns einfach viel zu gern beschweren. Mir ging es diesen Abend richtig gut. Ich werde aber doch nochmal einen anständigen Faltstuhl anschaffen. Einen, der meine vielen Kilos aushält.

Die Kaltwasserdusche der Unterschenkel hatte sich bewährt, die Fußgelenke waren viel weniger angeschwollen, als ich befürchtete. Und das Eincremen mit Lichtschutzfaktor 30 war auch hilfreich, kein Sonnenbrand.

 

Verdammt, gab es denn gar nichts zu meckern? Natürlich – wie immer haben mich meine Landsleute nicht enttäuscht – es gab die Flaschen-Stehen-Lasser – wo ansonsten doch die Leute sich bemühten, möglichst wenig zu vermüllen (das hab ich bei anderen Veranstaltungen anders erlebt), wo die Leute neben uns beim Picknick immerhin schon Bambusteller verwendeten und Bambusgeschirr, da gab es eben auch die, die an einer Bank am Rand des Festgeschehens eine leere Flaschensammelstelle aufmachten.

Solche Leute sollten mit einem Öffentlichkeitsverbot belegt werden.

Das sind zwei meiner Lieblings-pet-peeves … Die Kartenschlangen-Drängler wie den Typ, der versuchte, sich bei einem Pärchen aufzudrängen und sie dazu bringen wollte, Karten für ihn zu kaufen – und natürlich ein Pärchen, das sehr weit vorn in der Schlange stand. Die haben ihn abblitzen lassen … Keiner mag solche Typen.

Und dann eben die, die es nicht schaffen, Abfall, den sie mitgebracht haben, auch wieder mitzunehmen. Wenigstens bis zum nächsten Mülleimer, von denen einige im Park stehen.

Außerdem gab es ein paar (aber nicht so viele) Handkarren-Drängler, einer davon fuhr mir schon am Eingang über die Füße … Die Handkarren gehören dazu, ich bin auch nicht gegen sie, aber man muss sich schon vorsichtig in einer großen Menge bewegen, wenn man damit unterwegs ist. Und dann gab es da noch die Mutti, die mit extra großen Ballons herumfuhr – leider an extra langer Leine – so dass die Ballons rechts und links die Mitmenschen belästigten …

Ja, das war eigentlich auch schon alles. Kleines Fest halt. Schön, warm, gut besucht, gut gelaunte Menschen (bis auf einen Säugling, der bei meinem Anblick in Weinen ausbrach, sorry Papa, es kann natürlich auch die Hitze gewesen sein, aber da das Kind vorher ausführlich mich musterte ..)

Und als ich zu Hause ankam, so gegen 23 Uhr hab ich dann mein Kätzchen gefüttert, mich ein wenig abgekühlt, und mich dann kurz vor 12 noch ganz kurz unter die Dusche gestellt – Schweiß und Sonnenmilch abwaschen – ich hab so fürchterlich geklebt …

Kleines Fest also wie gehabt, immer bei schönem Wetter, stabiler Wettervorhersage, bei bereits trockenen Böden und mit entspannter Stimmung.

Kosten 32 Euro (Ermäßigungen gibt es halt nicht für gut verdienende Beamte)

Fünf Kokosnüsse (bei dem Wetter eine sehr angebrachte Bewertungseinheit)

 

 

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