Monatsarchiv: Oktober 2018

Insektizid

Sie hatte wirklich genug. Genug von den Alten, die ständig nur rumjammerten, dass sie sterben mussten (jeder musste sterben), genug von den Fruchtfliegen, die über das reife Obst herfielen, genug von den immer gleichen Schokoladengaben, die ihr die Angehörigen schickten, die sich selber nicht ins Hospiz trauten, mit dem Auftrag, Mama/Tante Auguste/Opa Hamelmann diese Schokolade zu verfüttern. Und das alles für 7,50 die Stunde, denn die ach so christlichen Betreiber dieser Einrichtung zahlten nicht Mindestlohn.

Sie bröckelte die Schokolade (sie hasste Schokolade) in einen großen Topf und schmolz sie, fing sich einige aus der Fruchtfliegenwolke und stopfte sie mit in den Topf, übergoß damit die schon leicht angefaulten Erdbeeren/Weintrauben/überreifen Bananenscheiben, ließ dieses fest werden und stellte es den Hospiz-Gästen hin:

„Heute ist Tag des Hospizes, bitte greifen sie zu, es gibt Schokoladen-Frucht-Konfekt zum Dessert!“

Die Alten und Kranken lutschten, oder knabberten begeistert die dargebotene Süßigkeit.

„Was sind denn das für schwarze Körner,“ fragte Opa Hamelmann, den seine Eltern auf den Namen Burkhard getauft hatten, aber keiner nannte ihn mehr so.

„Ich hatte noch Mohnkörner übrig,“ log sie ungerührt. Wobei es nicht wirklich gelogen war – die Mohnkörner waren nur immer noch übrig …

„Ah, Mohn, meine Mutter machte immer Mohnkuchen für uns Kinder zum Geburtstag,“ sagte Tante Auguste und lächelte „Mama“ zu. „Das ist aber eine nette Überraschung heute!“

Sie zog sich wieder in die heiße Küche zurück. Anstatt sich besser zu fühlen, fühlte sie sich nun mieser als zuvor. Was hatte sie sich dabei gedacht, ihre Laune an den Sterbenden auszulassen?

 

 

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Heute auf einem anderen Blog

Als Antwort auf einen Kommentar meinerseits wurde ich heute an die Events des Tages erinnert:

Iss-ein-mit-Schokolade-überzogenes-Insekt-Tag
Deutscher Hospiztag
Nationaler Tag des Desserts
Namenstag: Burkhard
Darunter schrieb die Kommentierende
„… mich macht heute nur, ein Schoki-Insekt als Dessert mit Burkhard im Hospiz glücklich 😉
*anonym*“
Nun, meine lieben Mitlesenden – diese wundervolle Zusamenfassung der Events des heutigen Tages schreit nach einer Kurzgeschichte. Wer ist dabei?
Ich mach mir dann mal Gedanken. Würde mich freuen, wenn sich von Euch auch jemand inspiriert fühlt.

Im Fernsehen

Neulich hatte ich Geburtstag (nein, ICH war nicht im Fernsehen) und wie wir uns so unterhielten im Kollegenkreis, als ich einen ausgab, ergab sich, dass wir fast alle „Bares für Rares“ gern ansehen. Diese Sendung, bei der Zuschauer Raritäten und Antiquitäten von Experten schätzen lassen (wie das auch beim viel älteren „Kunst und Krempel“ und den Nachahmern geschieht) gepaart mit einem Besuch vor einer Händlerkommission, die dann ihrerseits bieten, was sie für realistisch halten (sie wollen ja immer noch einen Gewinn machen, schließlich sind sie Händler), erhielt fast durchgehend Lob von mir und meinen Kollegen.

Der Umgang mit den Anbietern ist respektvoll, die angebotenen Stücke werden nicht künstlich runtergemacht, der Ton ist freundlich.

Die Sendung hat einen RTL-Ableger. Nicht zu empfehlen. Die Händler dort sind wesentlich weniger respektvoll und freundlich, die Anbietenden werden aufs Glatteis geführt, die Möglichkeit, nicht zu verkaufen, scheint auch nicht geboten.

Und nachdem ich mir davon einen Teil einer Episode angesehen hatte, bin ich reumütig zu „Bares für Rares“ zurück gekehrt.

Die Vorgängershows „Kunst und Krempel“ und deren Nachahmer

https://de.wikipedia.org/wiki/Kunst_und_Krempel#Adaptionen_anderer_Sender

sind informativer, aber es gibt keinen Verkauf. Es gibt schon viel länger die englische Antiques  Road Show (von vielen Ländern übernommen) ist so ähnlich, nur dass es die erste ihrer Art war.

Und nun stieß ich bei Youtube auf die BBC Antiques Road Trip Sendung. Dort werden zwei erfahrene Experten auf die Antikläden einer bestimmten Gegend losgelassen, wo sie für ein Budget von 200 Pfund Antiquitäten kaufen dürfen, die dann nach zwei Tagen auf einer Auktion verkauft werden – und mit dem dann vorhandenen Geld geht es dann weiter  … für insgesamt 5 Sendungen. Das Konzept ist lustig, auf Englisch, aber … wenn man nur sein Schulenglisch hat, sind die lokalen Dialekte der Personen in der Sendung nicht immer leicht zu verfolgen (gerade sehe ich Staffel 12 bei Youtube, die ersten 5 Sendungen sind mit einem Schotten – der WIRKLICH bös zu verstehen ist und jetzt sind sie auch noch mitten in Schottland!)

Am Ende der fünf Sendungen haben die Experten im Bestfalle das Startgeld vermehrt und das wird dann einem guten Zweck gespendet.

Seit letzter Woche kann ich mir nur noch Internetversionen ansehen, seit dem hab ich nämlich Bedarf an einem neuen Fernseher. Nicht, weil der alte den Geist aufgegeben hat, aber das Programm wird jetzt nur noch digital angeboten.