Noch ein Buch – mein viertes

Gestern Nachmittag habe ich Joachim Fuchsberger gewidmet. Oder besser seinem Buch „Denn erstens kommt es anders …“. Erschienen im Jahr 2007, noch zu seinen Lebzeiten (Herr Fuchsberger verließ uns 2014) erzählt er darin Geschichten aus seinem Leben. Nicht immer ganz wahrheitsgetreu, wie ihm seine Frau vorwarf, aber er antwortete in typischer Fuchsbergermanier, dass er seine Version lieber möge.

Nun kenne ich die Realität nicht, aber die Version, die er uns so präsentiert, gefiel mir auch.

Er wurde 1927 geboren, vier Jahre nach meiner Stiefgroßmutter, und teilt sich den Geburtstag mit meiner Schwester. Er wuchs also vor allem in der „dunklen Zeit“ Deutschlands auf. Deutlich jünger als meine Großväter (beide Jahrgang 1910) und deutlich älter als mein Vater (Jahrgang 1942). Er machte den Krieg als Feuerwart, Flakhelfer und später als junger Soldat mit (er war 18, als der Krieg endete). Seine Geschichten aus der dunklen Zeit erscheinen mir zumindest ehrlich, denn er schont weder seinen Vater, der zuerst ein sehr überzeugter Nazi, nur wenig später dann (schon vor der Reichspogromnacht) ein sehr enttäuschter Nazi war. Auch die anfängliche Begeisterung des jungen Fuchsbergers (der unausweichlich Mitglied der üblichen Jugendorganisationen war) ließ nach 1938 deutlich nach.

Der Krieg hat dann den noch jungen Fuchsberger schnell sehen lassen, welch grausames Geschäft Krieg war. Er hat von einem Turm auf dem Rathaus in Düsseldorfs Altstadt die erste Bombennacht in Düsseldorf erlebt. Immer wieder tauchen in diesen eigentlich ja sehr grauenvollen Geschichten unserer deutschen Geschichte dabei Menschen auf, die eben das Bild der anonymen Masse aufbrechen. Menschen, die versuchen, anderen gegenüber fair zu bleiben, Menschen, die Rücksicht auf die noch sehr jungen Beteiligten nehmen, Menschen, die das Schwarz-Weiß-Bild von Nazi-Deutschland aufbrechen.

Und Fuchsberger schont weder den Vater noch sich selber. Er erzählt von dieser Zeit, von der ersten Begeisterung des Vaters, dessen Stolz auf die Uniform, er erzählt von seinem eigenen Stolz als Ordensempfänger nach der ersten Bombennacht. Aber er spart eben auch nicht an Kritik mit seinem jugendlichen Arschloch-Ich (seine Worte, nicht meine).

Er nimmt uns mit zu seinem „ersten Mal“ (während der Nachtwachen mit einem der Mädels, die als Ersthelferinnen bereit standen), berichtet dann von seinem Glück, sowjetischer Kriegsgefangenschaft entronnen zu sein, und der Lüge, mit der er seine Kriegsgefangenschaft beendete (Bergleute wurden früher entlassen, also gab er an, in den Minen zu arbeiten, wo er dann auch später Kohle abbaute).

Er arbeitete dann mit seinem Vater zusammen, der Druckmaschinen reparierte, und kam so in Kontakt mit der Presse.

Seine schulischen Leistungen litten schon als Junge unter seinen Streichen, seiner Abenteuerlust – und dann später unter dem Krieg. Er sollte ein Notabitur nach dem Krieg nachholen, aber die Lehrer an der Anstalt waren weder nach seinem, noch nach dem Geschmack seines Vaters, so dass seine schulische Karriere mit mittlerer Reife endete.

Er machte Ausstellungsradio, fing dann beim Bayrischen Rundfunk an, wurde dort Nachrichtensprecher, heiratete eine Sängerin, der zuliebe er dann seine Karriere als Nachrichtensprecher aufgab, die Ehe hielt aber nur kurz.

Dann kamen erste Auftritte als Moderator (er sprang einmal für Hans-Joachim Kulenkampff ein), als Schauspieler (wobei er ziemlich schnell eine Hauptrolle in den 08/15 Filmen erhielt), eine neue Liebe, die seine zweite Ehefrau wurde (diese Ehe sollte dann fast sechzig Jahre halten, bis zu seinem Tod), ein Kind, das die Karriere seiner Ehefrau (auf deren eigenen Wunsch) beendete. Ab da flacht das Buch etwas ab. Das liegt wohl daran, dass sich Krisen und Rückschläge spannender lesen als Erfolge.

Seine szenische Erzählweise weicht einer Art Aufzählung, nur noch wenige Szenen werden aus der Zeit nach den 70ern erzählt. Am deutlichsten in Erinnerung aus den 70ern ist allerdings seine Tätigkeit 1972 als Chefsprecher der Olympischen Spiele in München.

Von seinen Filmen erzählt er wenig, so hätte ich mir noch einen Satz zu einem meiner Lieblingsfilme mit ihm gewünscht, zum Fliegenden Klassenzimmer. Doch da kam gar nichts.

Erst gegen Ende, in Australien, seinem zweiten Zuhause (Heimat blieb für ihn bis zu seinem Tode Deutschland, obwohl er die doppelte Staatsbürgerschaft hatte) nimmt seine Erzählweise noch einmal Szenen auf – und er erwähnt seinen letzten Kinofilm, Neues vom Wixxer. Anfangs stand er dem Projekt sehr, sehr skeptisch gegenüber, wollte partout nicht Teil des ersten Films werden. Aber als er dann den ersten Teil auf DVD zugeschickt bekam, änderte er seine Meinung. Sein letzer Kinofilm davor war aus dem Jahr 1982, „Der Fan“. Dazwischen kamen noch einige Fernsehfilme, doch von 1998 bis 2007 hat Fuchsberger keine Filme gedreht. Auch nach dem „Neues vom Wixxer“-Film hat er nur noch Fernsehfilme gemacht. Dafür Theater. U.a. mit Ralf Bauer.

Ich konnte das Buch heute Nacht nicht aus der Hand legen bis ich es beendet habe, aber wegen der abfallenden zweiten Hälfte gibt es doch nur 4 von 5 Kokosnüssen. Die aufzählende Erzählweise war sicher dem Buchumfang geschuldet (und dem halt doch sehr langen Leben, in dem sovieles passiert ist), aber ich fühlte mich am Anfang des Textes mehr mitgenommen.

„Denn erstens kommt es anders …“ von Joachim Fuchsberger

Erscheinungsjahr 2007

Verlag: Lübbe-Verlag (Hardcover-Ausgabe, gebraucht gekauft)

345 Seiten (es hätten bei 80 Jahren ruhig ein paar mehr sein dürfen!)

Erfüllte Aufgabe der Lesechallenge: 19 – Buch, das Musik/TV/Film oder Kunst zum Thema hat.

Nun, Fuchsberger war ein TV- und Filmstar, seine erste Ehefrau war Sängerin und er hat sogar Schlagertexte geschrieben. Wenn das nicht diese Aufgabe perfekt erfüllt, weiß ich nicht …

 

 

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2 Antworten zu “Noch ein Buch – mein viertes

  1. ich mochte herrn fuchsberger vor allem in den edgar wallace filmen, neben Klaus Kinsky war er einer meiner lieblingsdarsteller ;O)))

    • Ich mochte ihn gar nicht so sehr als Schauspieler, sondern seine Art zu moderieren. Auf los geht’s los war eine Spielshow, die ich sehr geliebt habe.

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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