Heute in meiner Bankfiliale

Es war schon gegen 8 Uhr abends, ich musste noch eine Rechnung begleichen – und Geld und Kontoauszüge waren auch fällig. Also suchte ich nach dem Dienst eine Filiale meines Vertrauens auf, um dort im Vorraum die Überweisung zu tätigen, die Kontoauszüge zu drucken und das Geld aus dem Automaten zu ziehen. Beide Terminals für die Eingabe der Überweisung waren belegt. Am Fenster saß noch eine weitere Person – ich konnte diese riechen – Bier. Dieser Mann brummelte die ganze Zeit vor sich  hin. Nicht aggressiv, aber eben beunruhigend instabil.

Ich hatte drei Möglichkeiten: Ich konnte einfach Geld abholen. Ich konnte die Filiale verlassen und die Polizei bitten, dafür zu sorgen, dass der vermutlich Obdachlose die Filiale nicht als Ruheplatz für die Nacht benutzt. Oder ich hätte den Mann ansprechen können.

Das letztere erschien mir angesichts der Instabilität und des Alkoholkonsums doch zu heikel. Das zweite war mir zu radikal – ich  wollte dem Mann, der nicht aggressiv und auch nicht aufdringlich war, nichts Böses – es ist kühl draußen und ich wollte nicht mit ihm tauschen, immerhin hatte ich eine warme Wohnung, die auf mich wartete. Er hatte nur noch zwei Flaschen Bier und da das Licht in der Bankfiliale die ganze Nacht an war, war der Schlafplatz auch nicht sooo ideal. Nein, er war nicht zu beneiden und wenn er keinem etwas tat, warum sollte ich einen Aufstand machen?

Also holte ich Geld ab und wartete dann, auf das nächste freie Terminal, um meine Rechnung zu bezahlen. Da stand der Obdachlose auf, klapperte ein wenig mit seinen Flaschen und ging dann nach draußen, seine Habseligkeiten in der Filiale (also, zugänglich ist nur der Vorraum) lassend. Er rauchte vor der Tür. DAS fand ich wohlerzogen!

Der ältere Herr, der heute Morgen schon in der U-Bahnstation auf seinem Rollator saß und dort verbotenerweise sein Döschen leerte, hatte weniger Anstand – er rauchte munter und aschte auf den Boden der Station.

Auch mit diesem Herrn wollte ich nicht tauschen. Auch ihn habe ich nicht (in diesem Fall dann der Üstra) gemeldet. Aber über den hab ich mich mehr geärgert.

Ansonsten wünsche ich all denen, die draußen übernachten müssen, einen trockenen und nicht zu zugigen, geschützten Schlafplatz. Deutschland ist ein reiches Land – wir sollten immer daran denken, wie gut es uns geht, wenn wir ein warmes Zuhause haben und wir uns eben keine Sorgen darum machen müssen, ob wir irgendwo einen warmen Platz zum Schlafen finden.

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Eine Antwort zu “Heute in meiner Bankfiliale

  1. Ich rauche ja in letzter Zeit wieder etwas mehr und seither fällt mir auch verstärkt auf, wo überall verbotenerweise geraucht wird. 😦

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