Gestern Abend an der Bahnhaltestelle

Ich kam spät vom Dienst (fragt nicht) und ging gegen 21 Uhr auf meine Bahnhaltestelle zu. 21:04 Uhr sollte meine nächste Bahn fahren und da sah ich auf der Treppe einen blonden jungen Mann sitzen (eher Anfang als Mitte 20), den Kopf in den Händen, zusammengekauert. Es war 21 Uhr – und es wurde kühl. Die Stufen waren mit Sicherheit auch nicht kuschlig warm. Ich fragte ihn, freundlich (also, so freundlich wie ich das sein kann – ich bin eher vom Schlag raue Schale): „Geht es Ihnen nicht gut!“ Er guckte mich an, sprach leicht schleppend, aber nicht, wie einer der betrunken war, er bräuchte jemanden, der ihn zur anderen Haltestelle bringt. Ihm sei schwindelig. Aber er hätte nicht getrunken. Das war mir aber auch egal – auch Betrunkenen muss man helfen!

Also nahm ich ihn bei der Hand, pfiff auf die Bahn und ging mit ihm vorsichtig rüber zu der anderen Haltestelle, wo ich ihn auf den Bahnsteig (wieder Stufen) in seine Richtung begleitete. Er musste zu einer Haltestelle, an der es einen Hochbahnsteig gab. Ich bat trotzdem, einen jungen Mann, der mit ihm in die richtige Richtung fuhr, darauf zu achten, dass der junge Mann sicher aus der Bahn kam. Er ging nämlich sehr unsicher. Und viele werden wohl denken, dass er einen getrunken hat, aber er roch so nicht und er sah so auch nicht aus (keine glasigen Augen) – auch die behinderte Sprechweise war irgendwie anders. Er sagte, er sei Epilektiker, hätte wohl zu wenig getrunken (nur 1 Liter) – auch wenn das nicht viel ist – so ist das normalerweise keine Menge, mit der man an einem kühlen Tag dehydriert.

Ich hoffe, er kam sicher nach Hause. Ich hoffe, es war kein Schlaganfall. Ich hoffe, ich habe nichts falsch gemacht, als ich NICHT die 112 angerufen habe … Schlaganfallsymptome hatte er ja, auch wenn er nicht halbseitig gelähmt war (das war bei meiner Oma auch erst später der Fall!) – und ich frage mich wirklich, ob ich genug getan habe.

Ich habe sicher schon mehr getan als andere, auch in Anbetracht der Uhrzeit, immerhin bin ich eine  Frau mittleren Alters und habe einen jungen Mann angesprochen und ihn sicher dorthin gebracht, wo er hingebracht werden wollte. Aber war das wirklich genug?

Hätte ich nicht doch darauf bestehen sollen, Experten zu rufen? Hätte, hätte Fahrradkette … Ich wüsste trotzdem gern, ob es richtig war …

Zu meiner Entschuldigung – das mit dem Schlaganfall kam mir erst später in den Sinn. Dabei war ich doch gerade beim Erste-Hilfe-Auffrischer und sollte es eigentlich wissen. Dieses Ansprechen aber, das habe ich zumindest mitgenommen aus dem Erste-Hilfe-Kurs.

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2 Antworten zu “Gestern Abend an der Bahnhaltestelle

  1. gut gemacht! Ich mag net wissen wieviel leute einfach vorbeigegangen sind ohne zu helfen oder zu fragen… und vielleicht noch gemeine gedanken gehabt haben…

    • Nicht viele – um die Zeit ist die Haltestelle eher unbevölkert. Ist halt mitten in der Woche, links und rechts sind Verwaltungsgebäude, hinten weiter in der Straße sind ein Altenheim, eine Synagoge, noch ein Altenheim und ein Studentenwohnheim, sowie – näher an der anderen Haltestelle – ein griechisches Restaurant … Ein paar Wohnhäuser gibt es dort auch, aber Mauern und Hecken verstecken die auch ganz gut.

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