NAKO Hannover

Vor einigen Wochen bin ich angeschrieben worden, dass mein Einwohnermeldeamt (alte Petze!) mich als Teilnehmerin für die NAKO vorgeschlagen hat.

NAKO? HÄ?

NAKO? Wasndas?

Die NAKO Gesundheitsstudie – ehemals Nationale Kohorte (NAKO) – ist Deutschlands größte Kohortenstudie, bei der 200.000 Menschen zwischen 20 und 69 Jahren zu ihren Lebensumständen und ihrer Krankheitsgeschichte befragt und medizinisch untersucht werden.

Also, da ich 48 bin falle ich die nächsten 20 Jahre noch in die Studien-Demographie. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass ich solange noch lebe …

Und auch wenn ich mir zuerst gedacht habe, na, mit deinem Fettgehalt und der Perimenopause wirst du bestimmt nicht dem Durchschnitt der Bevölkerung entsprechen – aber man braucht ja auch Extreme. Zur Vorbereitung wurde mir dann ein großer Umschlag zugesandt (mit Stuhlproben-Set) – mein Termin bestätigt und die Reichweite der Studie dargelegt. Außerdem musste ich ein paar Daten mitbringen (Adressen seit 2000 und Arbeitgeberadresse).

Heute also war der Tag der Tage, ich hatte einen Termin kurz vor Mittag und fand mich in der Hannoverschen Dependance ein.

Zunächst einmal gab ich das Set ab – und meine Impfausweise (ich habe einen älteren und einen aktuellen, aber nur im älteren ist z.B. aufgezeigt, dass ich trotz meines Alters nicht mehr gegen Pocken geimpft wurde. (Offiziell endete die Impfpflicht gegen Pocken erst 1976).

Dann kam ein längeres Interview zu Vorerkrankungen. Die junge Frau konnte gar nicht glauben, dass ich erst einmal eine Vollnarkose und noch keine echte OP hinter mich gebracht habe.

Anschließend hat sie meinen Blutdruck gemessen – natürlich waren wieder keine passende Armmanschetten vorhanden. Immerhin hat sie das ERSTE MAL in meinem Leben den Armumfang gemessen! Wir nahmen dann eine Manschette, die bis 42 cm vorgesehen ist (ich habe 46). Daraufhin waren die Werte natürlich höher als meine sonst beim Arzt gemessenen Werte (die er immer mit einer Handgelenk-Manschette misst). Aber trotz Aufregung war bei der zweiten Messung der Wert akzeptabel (wenn man die zu kleine Manschette abzieht) – also nicht vom Kardiologenstandpunkt – aber Kardiologen möchten sowieso, dass man semi-komatös durchs Leben schreitet – nicht meine Aussage, die meines Haus-Arztes.

Im Labor wurde dann Blut abgenommen (deutlich weniger als bei einer Blutspende) und eine Speichelprobe erbeten (ein geschmackloser Kaugummi wurde eine Minute gekaut und der produzierte Speichel in einen Becher gespuckt). Auch die Nasenflora wurde mit zwei leicht angefeuchteten Wattestäbchen eingesammelt. Und dann ging es auf die Toilette, denn natürlich wollten sie auch eine Urinprobe.

Dass sie keine Haar-Analyse durchführen wollten, war schon fast bemerkenswert.

Die nächsten Untersuchungen waren peinlich – Gewicht, Größe (hallo, ich bin jetzt anderthalb Zentimeter kleiner), BMI … Körperfett-Anteil, Taillen-Umfang (also, was man so Taille nennt), Dann wurde noch versucht, herauszufinden, ob meine Venen irgendwo verstopft sind – ich sag jetzt mal, ich bin über 20 Jahre übergewichtig, ich habe sowohl Vater wie Mutter mit Bindegewebsschwäche – und ja, man sieht Krampfadern an meinen eher noch strammen Waden (die sind jetzt nicht soo huckelig wie bei anderen ).  Dazu gab es wieder Manschettenprobleme. Aber das wurde dann gelöst. Und mein Zahnstatus wurde erfasst – außer den Weisheitszähnen fehlen noch zwei weitere bleibende Zähne, das eine war ein Wachstumsfehler – da wollten zwei Zähne in denselben Zwischenraum, das andere war meine Brücke.

Obwohl ich ein schlechtes Gebiss habe – Mutters Erbe – (viele Füllungen) habe ich doch noch weitestgehend meine eigenen Zähne, wenn auch vielfach überkront.

Und dann kamen wir zum Gedächtnis- und Konzentrationstest. Vor dem hatte ich mich gefürchtet. Der Vater hatte kurz vor seinem Tod Demenz, Doch Mutters Seite hatte da weniger zu Befürchtungen Anlass gegeben. UND – ich hatte die Nacht wegen der Wärme und der Aufregung schlecht geschlafen … bis Dreiviertel Eins konnte ich gar nicht schlafen – und dann bin ich immer wieder aufgewacht.

Also hatte ich wirklich keine große Hoffnung, da einigermaßen durchschnittlich abzuschließen.

ABER – Ihr seid ja schlau und kennt die Kniffe eines Erzählers inzwischen – ich habe da falsch gefürchet.

Zunächst kam ein Worttest – Zwölf Worte wurden einmal vorgesagt und ich sollte dann innerhalb einer bestimmten Zeit diese Worte wiederholen. 9 von 12 schaffte ich.

Dann wurde nochmal wiederholt – 11 von 12. Nicht übel.

Anschließend kam ein Test, bei dem ich Zahlenkolonnen rückwärts wiederholen musste. Die Kolonnen wurden immer länger … mit zweistellig begann es: 3 – 7 – ich musste dann 7 – 3 sagen … Nur beim letzten, 8stellig, hatte ich einen Zahlendreher.

Und anschließend kam ein Konzentrationstest, schon öfter im Internet gesehen:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2012/daz-46-2012/erst-gurgeln-dann-konzentrieren

Hier ist der Test mal dargestellt, er war so ähnlich. Erst wurden Farbblöcke gezeigt, die man benenen sollte, das WAR EINFACH – dann wurde es wie oben beschrieben gemacht – die Farben wurden als Worte geschrieben, aber nicht in der Farbe, die das Wort darstellte.

Ich war beim zweiten Teil nur 7 Sekunden langsamer – DAS war gut.

Und dann … musste ich die 12 Wörter nochmal wiederholen. Ohne Gedächtnisstütze durch den Computer. 11 von 12 – ich habe gar kein so schlechtes Gedächtnis.

Der Trick, den ich anwandte – ich versuchte Verbindungen zwischen einzelnen Worten zu finden … Wird auch immer wieder empfohlen, sowas. Eine Art Eselsbrücke.

Meine Worte waren:

Butter, Arm, Strand, Brief, Königin, Hütte, Gras, Karte, Latte, Teller, Vogel, Motor.

Puh – und ich befürchtete schon einen frühen Anflug von Demenz, DAS kann ich wohl beruhigt ad acta legen. Nach etwa sechs Stunden Schlaf (und unruhigem noch dazu), und mitten in meinem Nachmittagstief war das echt keine üble Leistung!

Anschließend wurde noch mal meine Kraft in den Händen gemessen, auch da nicht schlecht, links und rechts begann ich mit 35,8, links erreichte ich das auch beim zweiten Durchlauf fast, während ich rechts nachließ (29 komme irgendwas) und beim dritten Durchgang steigerte ich mich links sogar noch auf 37,2 – rechts erreichte ich da etwas über 33.

Alles in allem keine schlechten Ergebnisse für jemanden, der nicht sportlich ist, der viel zu viel wiegt und der genetisch bei vielen Dingen vorbelastet ist.

Die eigentliche Auswertung – auch von Stuhlprobe und Blut-, Urin- und Speicheltest bekomme ich noch.

Zeitaufwand:  4 Stunden.

Und ’nen Unkosten-Zehner gab es auch noch obendrauf. Aber dass ich es nicht deswegen machte, kann man sich ja denken – ich habe schließlich nicht mal das mir angebotene Brötchen genommen, obwohl ich gegen halb 8 gefrühstückt hatte …

Nur die Flasche Wasser gleich am Anfang nahm ich, auch wegen der Blut- und Urinprobe … Immer besser, dann mit Flüssigkeit versorgt zu sein.

So, nun wisst Ihr also, warum der Deutsche an und für sich demnächst als „fettleibig“ eingestuft wird … ich bin Schuld. Ich habe den Schnitt nach oben geschoben. Und ich habe die Kraft dazu 😛

Die junge Frau war übrigens zu niedlich – sie meinte, sie hätte ja auch andere „moppelige“ Probanden schon gehabt. Moppelig – wie reizend .. ich bezeichne mich ehrlicherweise als fett. Das konnte sie natürlich nicht so ausdrücken.

 

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2 Antworten zu “NAKO Hannover

  1. ich wusste gar nicht dass es so was gibt, find ich gut… und dass du mitgemacht hast ist spitze!!! drueck die daumen fuer gute news wenn die resultate der proben da sind…

    • Ich hab auch das erste Mal davon gehört, als sie mich angeschrieben haben. Es ist jetzt auch nicht oft, dass man dahin gebeten wird – ich meine, so alle 5 Jahre … (ist ja schließlich eine Langzeitstudie).

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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