Daggis Buch-Challenge das nächste Buch

Ich habe eine große Ausnahme gemacht und mal ein elektronisches Buch gelesen – in diesem Fall Persuasion – Jane Austens Überredung.

Kurz zum Inhalt: die 27-jährige Anne Elliot, die vor 8 Jahren eine Verlobung mit einem jungen Marineoffizier wieder gelöst hat, weil ihre „ältere Freundin“ und ihre Familie gegen die Verbindung waren, trifft diesen jungen Offizier wieder. Inzwischen hat Mr Wentworth ein eigenes Schiff erhalten, Beute gemacht und ist daher recht wohlhabend, was man von Annes eitlem Vater nicht mehr so wirklich behaupten kann. Dass dieser ein Baronet ist hindert ihn nicht, Schulden zu machen, so dass er letztlich das Haus vermieten muss – an einen Admiral, der der Schwager von Captain Wentworth ist.

Anne hat noch zwei Schwestern, die jüngste der drei ist verheiratet, mit einem Mann, der zuerst um Annes Hand angehalten hatte, den sie aber nicht genommen hat. Mary ist nicht wirklich glücklich – ihre Kinder sind ihr eine Last und sie hat ständig den Eindruck, dass sie zu kurz kommt und ihr alle nicht die Butter auf dem Brot gönnen.

Die älteste Schwester, Miss Elliot, teilt des Vaters Standesdünkel und ist, solange der Vater nicht erneut verheiratet ist, die Frau des Hauses. Eine Position, die sie weidlich ausnutzt.

Anne wird von ihrer Familie ausgenutzt – die jüngere Schwester sieht in ihr eine Möglichkeit, die eigenen Kinder in Obhut zu geben, damit sie ausgehen kann, egal ob die Kinder krank sind oder nicht. Dann ist da noch die ältere Freundin, die sie als eine willkommene Gesellschafterin auf ihrem Landsitz benutzt, für die sie nicht aufzukommen braucht, wenn sie anderswo ist.

In die Familie eingeschlichen hat sich eine Mrs. Clay, die hofft, die nächste Ehefrau des Vaters zu werden, in dem sie die Freundschaft der ältesten Tochter sucht.

Die Familie zieht, erstmal ohne Anne, nach Bath, nachdem sie das Haus für ihre Mieter frei macht. Anne verweilt kurz bei ihrer „Freundin“ – ehe sie ihre Schwester besucht (nur ein paar Meilen entfernt), deren Schwiegerfamilie ein wenig Abwechslung in den Alltag bringt.

Mary geht einem nach zwei Seiten auf den Keks. Spätestens.

Captain Wentworth besucht seine Schwester, die jetzt im ehemaligen Zuhause von Anne Residenz genommen hat und da es nicht weit ist, besuchen die Musgroves (die Schwiegerfamilie von Annes Schwester Mary) dort den Admiral und seinen Frau und den Schwager, woraus sich Gegeneinladungen ergeben, so dass Captain Wentworth und die Musgroves gut bekannt werden. Die Musgroves haben zwei Töchter, beide im heiratsfähigen Alter, von der Älteren wird erwartet, dass sie einen Cousin (im geistlichen Stand) heiratet, die Jüngere ist ungebunden.

Beide Mädels bewerben sich um den stattlichen Offizier, bei einem gemeinsamen längeren Ausflug, an dem auch die Schwestern Mary und Anne teilnehmen, wird eine der beiden Musgrove-Schwestern schwer verletzt, woran sich Captain Wentworth die Schuld gibt. Die dort ansässigen Kameraden von Captain Wentworth, von denen einer mit Anne geflirtet hat, bemühen sich um Hilfe (der ältere der beiden ist verheiratet, bei ihm und seiner Frau wird die junge Miss Musgrove erstmal geparkt) – und letztlich verlieben sich der jüngere Kamerad von Wentworth und die jüngere Miss Musgrove. Die ältere wird auch nicht Mrs. Wentworth, sondern heiratet dann doch den Cousin.

Anne reist danach mit ihrer mütterlichen Freundin nach Bath, wo sie den immer noch eitlen Vater antrifft, die ebenso eingebildete Schwester und deren verwitwete Freundin – die die Absichten darauf noch immer nicht aufgegeben hat, die Freundin als Hausherrin abzulösen.

Der Vater hat in Bath eine über ihm stehende Verwandte ausgemacht, in deren Kreise er sich jetzt sonnt. Da kommt sein Erbe angefahren, mit dem er vor Jahren einen unerquicklichen Streit hatte. Da dieser Erbe nun selber zu Geld gekommen ist, fehlt ihm doch die Aussicht, den Titel zu bekommen, so freundet er sich mit dem Titelträger wieder an. Außerdem beginnt er sich für Anne zu interessieren. Anne allerdings erwidert dieses Interesse nicht, zumal inzwischen Admiral Croft mit seiner Frau auch nach Bath gereist sind und in kurzer Zeit auch Captain Wentworth dort auftaucht.

Captain Wentworth entwickelt eine gewisse Eifersucht auf den Erben – nicht wegen des Titels – sondern weil er immer noch Gefühle für Anne hegt. Die jüngere Miss Musgrove hat ihm nicht das Herz gebrochen. Er stellte allerdings mit Schrecken fest, dass es andersrum der Fall zu sein schien und war dann erleichtert, dass das Mädchen sich seinem Kameraden zuwandte.

Captain Wentworth und Anne finden natürlich zueinander. Wie könnte es anders sein?

Ein Frauenroman – Nr. 16 der Buchchallenge – aber nicht, weil es hier um Liebespaare geht. Sondern weil hier die historische Stellung von Frauen mit ihren starken Beschränkungen gezeigt wird. Man gestand den Mädels nicht mal zu, selber den Mann zu wählen …

Allerdings wissen wir aus dem Leben von Jane Austen, dass auch Herren nicht immer frei wählen konnten: Ihre erste Jugendliebe wurde von ihr fern gehalten, als heraus kam, dass die zwei zarte Gefühle füreinander empfanden. Miss Jane war nicht wohlhabend, ihre Familie hatte keinen Einfluss – für einen jüngeren Sohn war das keine passende Partie.

Doch nicht nur, dass die Familie darüber entschied, wer wen heiraten durfte. Die unverheiratete Frau konnte auch nicht selber entscheiden, wo sie lebte – sie wurde da eingesetzt, wo sie von ihrer Familie als nützlich erachtet wurde. Ohne Dank, ohne Anerkennung.

Das sieht man sehr hübsch an Marys Verhalten ihrer älteren Schwester gegenüber.

Die Stellung der Frau heutzutage ist da doch viel komfortabler. Freizügiger. Unabhängiger. Daher ist dies ein Frauenroman.

Natürlich hat Persuasion Fünf von Fünf Kokosnüsse von mir bekommen.

Persuasion, Jane Austen, Erscheinungsjahr 1818. Von mir gelesen in der online-Ausgabe auf JaneAusten.org

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7 Antworten zu “Daggis Buch-Challenge das nächste Buch

  1. Ich mag das buch sehr und irgendwie alles von jane austen. obwohl es auch irgendwie nervig ist zu sehen wie ihre figuren in ihr unglueck rennen, nur weil „es sich so gehoert“ oder das eben damals „so“ war… mein absoluter favorit ist pride and prejudice, irgendwie erinnern mich die bennets in vielem an meinen eigenen meist dysfunktionalen familien clan ;l))))

  2. Are you a Jane Austen fan fran?

    • Rather that than Bronte. I prefer her dry wit to Emily Bronte’s over-passionate teenagers in Wuthering Heights (I hated every page of that!). But I liked Jane Eyre. So not all Bronte are equally evil. Have yet to read the Tenant … by the third sister.

      • I agree that Austen is a massively better writers than all the Brontes. But Wuthering Heights its good if you look at it as a story within a story… a ghost story and a very good exposition of domestic violence and its consequences. Jane Eyre is also good if you look at it in terms of its undercurrent of violence and abuse. Though I hate the sicky prose in both, they are interesting. The Tenant also has an undercurrent of violence against women but its also boring as hell and very flat to read.
        Another terribly written book but one that is brilliant as a feminist text is Mary Shelley’s Frankenstein… or.. what happens when a man thinks he can make and birth a baby but then abandons his child.
        But Jane is my favourite writer in the entire world and it makes my blood boil when people say she writes romance books. Few people get what sh’s actually saying

      • Well, she HAS written romances – as that was the thing that society allowed a woman to write. She was not a member of the nobility, where she could leave all limits behind because no honourable family’s name guarded her. She had to show „deference“ – so she used satire and irony, A mistake many people make is to judge her from today’s society and today’s views. But this is no Georgette Heyer who wrote in a time when a woman could wear trousers and ride like a man, and who wrote romances with a touch of humour. This is a woman (she chose that description for her authorship rather well) – limited by the society she lived in in every choice. The books she was allowed to read, even the articles in the paper – she would be judged by her contemporaries for everything she said and did – and she had so much more limits to her life than a woman today. I wouldn’t want to live in those times. Women were made to feel like a burden – but they were not allowed to live independently so they would not be a burden. They were mainly seen as cattle to breed with.
        I do not remember much of Frankenstein – it’s been a quarter of a century I read it – but I remember how sad I was for the abandoned creature who was an outcast. I do not remember much of the style. But the sadness of the „monster“ I won’t forget – the real monster was indeed the (male) scientist.

      • They are ‚dressed‘ as romances for all the reasons you state. But they are not about romance. Pride and prejudice for instance is about lizzy learning what her faults are. . It is she who suffers most from pride and prejudice. They are bildungs roman. The love story is just a vehicle.

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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