Punkt, Punkt, Punkt 2017 – (26) – In der Nacht

Das Thema sollte mir eigentlich leicht fallen:

In der Nacht

gehen Hannoveraner ins Theater

oder ins Museum

oder in die Kirche

oder fahren mit Skates

Also, natürlich nur in Speziellen Nächten. Lange Nacht der Theater/Museen/Kirchen – bzw. Skate by night oder auch mal der Evangelische Kirchentag.

Ansonsten haben wir natürlich Nachtclubs, aber doch eher … weniger … wir sind Provinz, nicht Berlin

Dann feiern wir nachts Party. Also – die WGs neben mir tun das … oder irgendjemand anderes, der meint, bei heißem Wetter viele Leute in seine Butze einladen zu müssen, dann das Fenster aufzureißen und die ganze Straße zu beschallen. Die WG nebenan hatte gestern Einweihungsfeier. Aber ich will fair bleiben – man hat es angekündigt und mit Ohrenstöpseln konnte ich schlafen.

Ob wieder jemand sich vom Balkon erbrochen hat (wie bei der VorgängerWG) oder wie bei der anderen WG im Stock darunter in den Hausflur – das habe ich noch nicht überprüft. Es ist ja auch schön zu sehen, dass die als sehr konservativ und überangepasst verschrieene Generation auch mal über die Stränge schlagen kann. Ihr wart mir schon unheimlich … (Die Jugend von heute ist alt vor ihrer Zeit. Ein bißchen wie ich damals, denn auch ich war mehr als brav. Nur ICH war eine exotische Ausnahme, wenn das eine ganze Generation an den Tag legt, ist es ein wenig … unheimlich – StepfordKids statt StepfordWives.)

Und ansonsten wird in Hannovers Nächten gelesen, gestritten, ge*ahem* (also, meist einvernehmlicher Sex gehabt), fern gesehen, das eine oder andere Feuerwerk gezündet, gearbeitet (z.B. die Fahrer der Üstra, die einmal pro Stunde Fahrgäste im Nachtsternverkehr durch die Stadt fahren, aber natürlich nicht nur die, es gibt hier zahlreiche Krankenhäuser, Not-Dienste bei Tierärzten/Apotheken/Humanmedizinern, Taxifahrer, dann Industrie, die im Dreischichtbetrieb arbeitet, Altenpfleger, Hotelpersonal und natürlich Polizisten und Soldaten etc. etc.)

In  Hannover in der Nacht

wird geweint und viel gelacht

wird gefahren und gelegen

und ist man mal so recht verwegen

wird gesungen und getanzt

(auch mal ein Telefon verwanzt).

In Hannover in der Nacht

ist’s nicht anders als woanders

es wird getrunken und gelacht

und jeder denkt, na er, er kann das.

doch bei allem nächtlichen Sehnen

sind die Nächte hier zum Gähnen.

Denn wir haben keine Grafen,

daher wird bürgerlich geschlafen!

(Das war mal wieder aus der Kategorie schlichte Gedechte.)

 

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14 Antworten zu “Punkt, Punkt, Punkt 2017 – (26) – In der Nacht

  1. Die „Langen Nächte“ finde ich toll, wir haben die auch und ich würde sie gerne öfter besuchen.

    Die Skate-Nights finden leider nicht mehr statt, ist dem.Stadtsäckel zum Opfer gefallen, wie auch der abendliche Umzug an Halloween, der zig tausend Menschen in die Stadt gezogen hat.

    • Ich glaube, die ersten langen Nächte in Deutschland fanden in Berlin statt (wo sonst) – und ich muss gestehen, ich musste erst googeln, ob es derzeit noch ein SBN gibt in Hannover. Ja, gibt es, mit Startgeld.

  2. Liebe Frau Hunne,
    was für ein feiner Beitrag zu dem offensichtlich ganz besonderen Thema der Hannoveraner Nächte. Dein Gedicht ist Spitze!
    Wir (Normalo/Spießbürger überlassen die orgiastischen Nächte gerne den Mega-Großstädtern, gell. 😉
    Angenehmen Sonntag und lieben Gruß
    moni

    • Danke für die Blumen, aber es hat schon einen guten Grund, warum ich dies mit „schlichte Gedechte“ tagge ….
      Es ist nicht gerade moderne Poesie
      mehr so, Reim dich, oder ich fress dich
      Kennst du noch Reimlein Lieder Frieder aus der Sesamstraße? Der ist übrigens lustigerweise von einem Schauspieler dargestellt worden, der in der Stadt geboren wurde, in der ich zum Gumminahseeum ging.

      • Gerne, liebe Frau Hunne,
        ich mag Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Schmunzel-Gedichte! 🙂

      • Na, dann ist ja gut! Ich wollte eigentlich damit auch nur ausdrücken, dass mir bekannt ist, dass dies jetzt keine literarische Sternstunde war – das war nicht mal ne Schnuppe.
        Spaß kann sowas auch machen – siehe mein alljährlicher Advents-Rätsel-Kalender.

  3. Hallo Frau Hunne,

    es scheint, deinem Gedicht nach, so zu sein, dass die Nächte in Hannover, viel mit denen hier gemein haben ;-). Lange Nächte finde ich auch klasse, besonders, wenn man Museen dann mal per Taschnelampe erkunden kann.

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Eine Taschenlampenführung gibt es hier eigentlich nur in der letzten Stunde, und nur im Museum August Kestner. War ich auch schon. Heute mit den Handys mit Taschenlampenfunktion hat das ganze fast ein wenig an Zauber verloren.

  4. Ich finde das Gedicht cool 🙂

  5. „Die Jugend von heute ist alt vor ihrer Zeit“ – das ist leider manchmal wahr und ich mache mir da auch Gedanken.
    Meine Jungs sind nicht so – und das ist auch irgendwie komisch, wenn man sie neben einem weichgespülten BWL-Studenten stehen sieht.
    LG Sabienes

    • Naja, ich finde es nicht besorgniserregend – ich finde es schlimmer, nicht erwachsen werden zu wollen und keine Verantwortung für das eigene Leben übernehmen zu wollen – und das ist in meiner Generation (und leicht drunter) weiter verbreitet.

  6. Hihi. Hannover Nächte können auch – etwas anders – und nicht langweilig, wie mir scheint.

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