Monatsarchiv: Mai 2017

Punkt, Punkt, Punkt – (19) – Abstraktes

Da ist in Hannover ja eigentlich nur ein Beitrag möglich. Oder zwei, oder drei – vielleicht sogar vier?

Erstmal das Offensichtliche: Nanas und andere Straßenkunst ist in Hannover seit den 70ern spätestens abstrakt. Die Nanas haben dementsprechend Kontroversen ausgelöst:

Von der art-Seite:

„Es ist 1974, Nikis bunte, dauerschwangere Nanas stehen vor der Altstadt und in Hannover ist die Hölle losgebrochen. Hunderte Wutbürger pöbeln im Kongresszentrum um Einlass zur Diskussion „Die Nanas und wir“. Die vom Veranstalter Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) initiierte Diskussion im Beethovensaal fasst nur 800 Plätze und ist bereits überfüllt. Also entschließt man sich dazu, während der laufenden Veranstaltung in die größere Niedersachsenhalle umzuziehen. Es wird gejohlt, gepfiffen und gebuht, das Verhältnis der Brüste zum Kopf diskutiert und man sorgt sich, dass Autofahrer von den fülligen Frauenfiguren abgelenkt würden.“

„Bei der Suche nach der hannoverschen Jeanne D’Arc findet sie im Gespräch mit Passanten die Namen für ihre drei Nanas: Caroline, nach der Astronomin und Kometenforscherin Caroline Herschel, Sophie, Garten-versessene Kurfürstin von Hannover, und Charlotte, nach Goethes Lotte Kestner (in echt Charlotte Buff) aus seinem Bestseller „Die Leiden des jungen Werthers“.“

So, nun wisst Ihr auch, dass die Nanas bei uns mit Namen versehen sind, die sie an Hannover binden. Ob es Frau Herschel, Kurfürstin Sophie von Hannover und Frau Buff gefallen hätte, in moderner Form gedacht zu werden? Ich glaube, die Kurfürstin, die durchaus für Erneuerung und Verschönerung zu haben war (wer hat bei uns den Barockgarten erfunden? Eben!), hätte sich nach anfänglichem Entsetzen gewöhnt, wie die Hannoveraner auch, die jetzt eben nicht mehr nächtens mit schwarzen Farbtöpfen vor den Figuren stehen und sie übertünchen.

Andere Straßenkunst war nicht ganz so augenfällig und daher auch nicht so vehement bekämpft. (Das verlinkte Beispiel war auch nicht wirklich abstrakt, eher … surreal).

Hannover hat eine Skulpturenmeile, die eine Menge abstrakter Kunst zu bieten hat.

Und was Hannover noch hat – Punkt 2 zu abstrakt – (außer zu viel Geld, wie manche Kritiker an abstrakter Kunst sarkastisch behaupten) – ein Museum für moderne Kunst. Das Sprengel-Museum beherbergt u.a. eine Menge anderer Werke von Niki de Saint Phalle (die in der Realität nicht so heißt, Ihr habt Euch das sicher schon gedacht, ihr richtiger Name ist: Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle), weil die Künstlerin der Stadt einen großen Teil ihres Nachlasses übereignete.

Außerdem sind dort Schwerpunkte deutscher Expressionismus und die französische Moderne.

Einer der bekanntesten hannoverschen Künstler, Kurt Schwitters, wird dort mit einem eigenen Archiv geehrt.

Und ja, das Museum ist benannt nach der Schokolade …

„Ausgangspunkt des Museums ist eine Schenkung von Margit und Bernhard Sprengel, die im Jahr 1969 ihre umfangreiche Kunstsammlung der Moderne weitestgehend der Stadt Hannover überließen. Der Schokoladenfabrikant Bernhard Sprengel unterstützte den Bau des ersten Museumsabschnitts mit einem Zehntel des veranschlagten Baupreises.“ In Hannover sind Kapitalisten* noch dem „Eigentum verpflichtet“-Grundsatz des Grundgesetzes treu, siehe als weiteres Beispiel die Familie Bahlsen.

*Ich meine das wertneutral, im Sinne von Unternehmer, Kapitalgeber, heute wird es ja oft als Schimpfwort gebraucht. So ist das hier nicht gemeint!

Und wo ich gerade Kurt Schwitters erwähnte – das wäre Punkt Nummer drei, über den ich bei Abstraktes in Hannover schreiben könnte. Kurt Schwitters war Hannoveraner, durch die Nazis verfolgt, floh er erst nach Norwegen und dann nach England, wo er auch 1948 starb. Erst 1970 wurden seine Überreste nach Hannover überführt und nun liegt er hier begraben.

So schändlich gingen wir früher gegen Abstraktes in Hannover vor

Und dann kam Niki … Danke, Niki!

Der vierte Punkt geht dann von der Bildenden Kunst weg zur Darstellenden Kunst hin:

Wir haben hier auch Modernes, teilweise „abstraktes“ Theater. Theater, das nicht nur, wie die guten alten Nanas, Kontroversen auslöst. Abstrakt ist im Theater natürlich anders als bei der Malerei. Aber eine abstrakte Inszenierung eines historischen Stückes kommt z.B. ohne einen großen Kostümfundus aus. Verändert manchmal auch die Aussagen des ursprünglichen Stückes. Betont Nebenstränge, oder verdreht und verändert, was im eigentlichen Stück geschrieben steht. Nicht alle Theaterzuschauer mögen das.

Tanztheater, hier in Hannover auch reichlich vertreten, MUSS sogar abstrahieren. Denn „seinen Namen“ – oder irgendeine andere Botschaft zu tanzen, erfordert die Umsetzung von Worten und Gefühlen in Bewegungen.

Und wenn wir schon beim Tanz sind, ist es zur Musik nicht weit: Welchen Musikstil würdet Ihr mit abstrakter Musik verbinden? Bei mir ist das Jazz. Und über Hannovers Open-Air-Jazzfestival zu Himmelfahrt habe ich ja schon mal berichtet.

Also, Hannover ist bei allem Pragmatismus und aller Provinzialität ziemlich abstrakt. Wie immer in Hannover erfordert es ein genaueres Hingucken. Hannover drängt sich auch abstrakt nicht auf.

 

 

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Am Galgen

Also, „Der Galgen von Tyburn“ hieß das nächste Buch, das ich für Daggis Buch-Challenge gelesen habe.

Ein Buch aus der Serie um Peter Grant, den Polizei-Constable, der dienstlicherweise eine Zusatzausbildung als Zauberlehrling erhält. Ich bekam das erste Buch der Reihe „Die Flüsse von London“ mal geschenkt, seither bin ich ein Fan.

Warum? Weil der Autor ordentlich recherchiert hat, dementsprechend Polizeiroutinen einbringt, die ich so selten in Krimis vorgeführt bekomme und das auch noch mit einem sehr eigenen Humor, ich gebe mal ein Beispiel:
Wir fingen mit der Belehrung plus an, bei der man den zu Befragenden zuerst mit der eigentlichen Belehrung zu Tode erschreckt (Sie haben das Recht, zu schweigen etc. pp) und dann, gerade wenn er sicher ist, jetzt würde er gleich abgeführt, hinzufügt: >>Aber Sie sind derzeit nicht unter Arrest und es steht Ihnen frei, jederzeit zu gehen.<<

(S. 32)

Ein weiteres Beispiel:

Das nennt man bei der Polizei Informationsfokussierung: Zuerst arbeitet man heraus, was man nicht weiß, dann sucht man sich ein armes Opfer und befragt es, bis man irgendwelche Antworten von ihm erhält. In den alten Zeiten war es ziemlich egal, ob die Antworten etwas mit den Tatsachen zu tun hatten, aber heute sind wir da ein wenig wählerischer geworden.

Trockener Humor vom Feinsten. Ein Grund, warum ich diese Reihe so liebe.

Außerdem erinnert sie mich ein wenig an die Lord Darcy Geschichten von Randall Garrett. Nur moderner. Und nicht ganz so Alternativ-Weltlich …

Ich habe dieses Buch mit viel Vergnügen gelesen, daher 5 Kokosnüsse von 5.

Buchtitel: Der Galgen von Tyburn

Autor: Ben Aaronovitch

Erscheinungsjahr: 2017

Verlag: dtv

Seitenanzahl: 413

Aufgabe, die erfüllt wurde: Buch, das ich vorbestellt habe (59)

 

 

Nudelsalat mal ganz anders

Ich habe gestern einen Nudelsalat gemacht, inspiriert von einem Salat, den ich auf Chefkoch gesehen hatte. Allerdings wollte ich nicht extra los, um Hackfleisch zu kaufen, ich hatte jedoch noch Tunfisch da.

Und ich wollte eine Packung Feta-Käse hineintun, da ich zwei im Kühlschrank vorgefunden hate *lach* – die ältere war einen knappen Monat abgelaufen, aber noch gut.

Und da ich, völlig prollig, Tunfisch in einer Tomatengemüsesoße aus der Dose liebe, aber nicht mehr bekomme bei Edeka (nur noch „feine“ Salate 😦  ) – habe ich also die Kritharaki, die schon länger geöffnet bei mir im Schrank schlummern, nach Packungsanweisung gekocht, in der Zwischenzeit, eine Zwiebel geschält und in Ringe geschnitten, die Paprikaschote in KLEINE Würfel geschnitten, den Schafskäse in eine Schüssel gebröselt, die Paprikawürfel dort hinein gegeben, dann in einer Pfanne Olivenöl erhitzt (ja, man darf auch EXTRA-VERGINE erhitzen, nur nicht zu heiß, aber da ich ja meine Zwiebelringe nicht schwarz haben wollte sondern nur angedünstet, war das ok!), die Zwiebelringe angeschmurgelt, dazu gefrorene Erbsen (so vielleicht 150 – 200 g) gegeben, eine kleine Weile mit schmurgeln lassen, danach Tomatenmark (so ca. 2 EL) hinzugefügt, zwei gute Spritzer Worcestersauce und gut Salz und Pfeffer dazugegeben, schließlich noch den Tunfisch aus der Dose in die Schüssel gegeben und dort zerteilt, die abgegossenen Nudeln dazu geschüttet, die noch warme Soße mit Zwiebelringen und Erbsen hinzugefügt und alles gut vermengt. *

MIR hat es gut geschmeckt. Ich werde wieder Kritharaki kaufen. 😉

Wenn das jetzt auch nach Eigenlob riecht: 5 Kokosnüsse von 5 – ok, 4, weil Tunfisch ja böse ist …

*Wie man ein Rezept ohne Luft zu holen in einen Satz packt

Punkt, Punkt, Punkt 2017 – (18) – Treppen

Treppen gibt es in Hannover reichlich. Solche, die im Park verschiedene Plateaus miteinander verbinden.

In den vielen vierstöckigen Häusern (auch in dem, in dem ich lebe).

Solche, die aus U-Bahnstationen heraus – oder hinein – führen. Und – ROLLTREPPEN – die meist IN den Stationen.

Von einer solchen erzähle ich Euch jetzt eine kleine Familiengeschichte:

Vor vielen Jahren (es muss 1998 gewesen sein, mein Opa war gerade verstorben), lud ich meine Nichten zu einem Zoobesuch ein. Bis dahin waren sie nur in Ostwestfalen-Lippe herum gereist, sie waren also nicht wirklich welt-erfahren. Sie waren ja auch gerade mal 11 und 8.

Bereits die Anreise mit der Bahn war daher ein spannendes Erlebnis für die beiden. Was fanden sie besonders faszinierend? Dass in dem Bummelzug, der uns nach Hannover brachte, Klos eingebaut waren, die direkt auf die Gleise öffneten, wenn man abzog .. Ich musste sie mit sanftem Druck von der Toilette entfernen, damit noch Wasser im Tank war für die anderen Fahrgäste …

Dann gingen wir hinüber in die Stadtmitte, wo wir die größte U-Bahnstation der Stadt für unsere Fahrt zum Zoo aufsuchten. Sie fuhren die lange Rolltreppe mit GROSSEN Augen herunter – und unten angekommen, wollten sie das Ganze nochmal wiederholen. Da mir egal war, ob wir die nächste, oder die übernächste Bahn nahmen, ließ ich die zwei gewähren – schließlich sollten sie Freude haben. Ihre Eltern hatten gerade angekündigt, sich scheiden lassen zu wollen, da war mir daran gelegen, dass sie einen  Tag hatten, an dem sie die ganze Misere zu Hause vergaßen, nicht daran, dass sie möglichst viel vom Zoo sahen.

So fuhren sie also dreimal die Rolltreppe rauf und wieder herunter und ich stand unten und lächelte mit der ganzen Weisheit meiner (damals) 29 Jahre vor mich hin. Sie hatten halt noch nie eine so lange Rolltreppe erlebt.

Wikipedia findet sie immerhin erwähnenswert:

„Die U-Bahn-Station Kröpcke ist die wichtigste Kreuzungsstation der Stadtbahn Hannover. Hier kreuzen sich alle drei Tunnelstrecken. An sechs Bahnsteigen fahren die Linien 1 bis 9, 11, 16, 18 und N10. In der Station befinden sich die vier längsten Rolltreppen in Hannover. Mit einer Länge von je etwa 33 m führen sie von der Verteilerebene (-1) zu den beiden Bahnsteigen der C-Strecke (-4).“

Und ja, wir nahmen eine Bahn, die auf der C-Strecke verlief. Natürlich. Meine zwei Nichten ließen sich nach der dritten Fahrt auf der Rolltreppe dann langsam dazu bringen, zum Zoo zu fahren.

Als ich sie dann am Abend nach dem Schönsten vom Tag fragte, kam nicht irgend eine der Tiershows, oder das Essen, das Eis, die Bootsfahrt, der Kamelritt, dass sie selber die Karte navigieren durften – nein, das Schönste am ganzen Tag war … genau – die lange Rolltreppe – und die Zugtoilette.

Hätte ich DAS gewusst, hätte ich viel Geld sparen können *lach*

Daggis Buch-Challenge

Ich habe sie nicht vergessen, heute kam eine neue Lieferung an, ich habe mal eben durchgezogen: „Ostern im Dezember“. Ob das noch als Buch durchgeht?

Eine kleine Zusammenstellung von Anekdoten einer Pfarrersfrau (jetzt: Witwe). Sie war mit einem 15 Jahre älteren Mann verheiratet, der zwei Kinder aus seiner ersten Ehe (auch durch den Tod beendet, allerdings logischerweise nicht seinem) mitbrachte, zwei gemeinsame gab es dann noch.

Sie erzählt hier muntere Geschichten, von ihren Kindern, die als Kleinkinder in den Gottesdienst hinein platzen – unbekleidet … Und ein wenig später sich die Kollekte schnappen, um diese am Kiosk in Süßigkeiten umzuwandeln (was die Mutti verhindern konnte).

Sie hat noch so manch andere Geschichte in dem dünnen Büchlein versammelt, dass es nur 85 Seiten waren, liegt zum einen  am eher knappen Erzählstil (Ausschmücken ist keine Stärke der Autorin) und zum anderen daran, dass sie nur knapp 10 Jahre Pfarrersfrau war. Ihr Mann starb 1989, übernahm die Pfarrstelle  1980 – das lässt nicht viel Raum für Histörchen. Bei den letzten Geschichten kamen mir die Tränen. Aber bei vielen habe ich auch geschmunzelt und bei der einen oder anderen doch laut aufgelacht.

Alles in allem, Kokosnusswertung: 4 von 5. (Abwertung wegen des manchmal abrupten Erzählstils, da merkt man den Amateur)

Autor: Marianne Reiß

Verlag: Books On Demand (damit: Selfpublishing)

Seitenzahl … nur 85

Jahr: 2016

Aufgabe, die damit erfüllt wurde: 18 – ein Buch, mit Frühling oder Ostern im Titel oder auf dem Cover

Nuss-Kirschkuchen

Ich habe zwei kleine Springformen, weil ein Single-Haushalt mit einer großen Form ja nur bei Besuch wirklich glücklich ist. Und für so eine kleine Form fand ich auf meiner Lieblingsrezeptseite (Ihr habt dies vielleicht schon mal auf meinem Blog gelesen … es ist Chefkoch.de) ein schönes Kuchenrezept gefunden.

Da ich sehr viel gemahlene Nüsse im Schrank habe, fand ich die Kombination eine gute Idee – Nüsse, Kirschen, Raspelschokolade, was kann da schief gehen?

Und es fanden sich auch die anderen Sachen in meinem Vorrat – 100 g Butter, 1/2 Glas Kirschen, 2 Eier, 60 g Zucker, 125 g Mehl, 1 Paket Vanillezucker, 1 TL Backpulver (ich hab das geöffnete Paket von den Müsli-Keksen genommen) – also kam ich heute ohne einen panischen Trip zum Supermarkt aus.

Ich rührte also meine Butter weich, streute Zucker und Vanillezucker ein, fügte dann die Eier dazu, das Mehl und das Backpulver, die Nüsse und die Schokolade. Der Ofen heizte derweil auf 175 ° vor. Und die Form hatte ich auch schon gefettet.

Diesen Rührteig füllte ich zur Hälfte in die Form, legte die abgetropften Kirschen darauf, füllte die andere Hälfte darauf – und stellte es für 42 Minuten in den Ofen. Dann kam der Holzspieß ohne nassen Teig wieder raus. Oben hatte sich die Oberfläche auch schön gebräunt, nicht zu dunkel, nicht zu hell. Aus dem Ofen, Ring abgenommen, Kuchen mit dem Kuchenretter (Ihr kennt so ein Ding, nicht?) vom Formboden abgenommen – einwandfrei. Dann aufs Gitter gestellt, reichlich Puderzucker darauf verteilt (obwohl ich keine schwarzen Stellen abdecken musste), nun kühlt er  aus …

Erster Eindruck – ist ganz schön flach geblieben. Vielleicht hätte ich den TL Backpulver doch nicht wieder gestrichen nehmen sollen? Aber – Kirschen scheinen nicht alle auf den Boden gesunken zu sein, ok, der Kuchen ist so flach, vielleicht 3 cm oder 4 hoch, da ist nicht viel Platz zum Einsinken … Vielleicht hätte ich auch die Eier trennen sollen und Eischnee unter den Teig ziehen …

Jedenfalls habe ich jetzt fürs Wochenende Kirschkuchen zu essen. Heute Abend wird noch probiert. Doch was soll geschmacklich schon schief gehen?

Neugierig wie ich war, habe ich ihn angeschnitten – schön geworden innen. Sehr nussig, die Kirschen saftig, aber der Teig durch und nicht klietschig!

Schmeckt gut, unkompliziert, mit Sachen, die ich eigentlich immer da habe.

Unfallohrenzeugin

oder auch: Gerade vor meinem Wohnzimmerfenster.

Ein Paketlieferwagen (nein, leider nicht der angekündigte DHL-Wagen … seufz) fährt in der kleinen Seitenstraße auf die Ampelkreuzung zu, die für ihn nur eine sehr kurze Grünphase bereit stellt. Dementsprechend bremst er, als die Ampel umschaltet. Der junge Mann im schicken Golf dahinter drückt – nein, leider nicht auf die Bremse – sondern auf die Hupe. Bei mir in der Fahrschule habe ich mal gelernt (aber ich bin ja auch schon steinalt), dass Hupen dem Benutzen der Bremse unterlegen ist, wenn es darum geht, Auffahrunfälle zu verhindern.

Der junge Mann hat heute den praktischen Beweis angetreten. Vielen Dank für die aufopferungsvolle Beweisführung. Er landete mit seinem Vorderspoiler auf dem Trittbrett-Unterfahrschutz des Lieferwagens vor ihm. Von hier aus hörte sich das ungefähr so an:

„Huuup!“ – RUMMS. Ein Bremsen hätte besser geklungen, wäre einen Ton kürzer gewesen – und nicht so teuer.

Mal ganz davon abgesehen, dass es dem Lieferanten wieder kostbare Zeit gestohlen hat.

Was sagte mein Fahrlehrer früher immer, also, vor 30 Jahren? „Abstand halten. Dann hat man den Platz für (eigene und fremde) Fehler.“ Und wenn das der Fahrlehrer nicht gesagt hat, dann hätte er es sagen sollen …