Punkt, Punkt, Punkt (2017) – (17) – Feuer

Hier habe ich eigentlich wenig zu zu sagen.

Ja, es gibt auch in Hannover Feuer, natürlich. Vor jeder Kneipe, wenn man höflich fragt.

Beim Feuerwerk in Herrenhausen.

Und außerplanmäßig. Wohl das bekannteste und zerstörerischste davon ist nun schon 74 Jahre her. Aber wer Synagogen in Brand steckt, darf sich nicht wundern, wenn’s brennt. (Ja, ich nehme den Godwin-Award mit Freuden entgegen, weil wir den Schrecken dieses Krieges NIE VERGESSEN dürfen).

Heutzutage sind die Feuer begrenzter, die Bauvorschriften sind vorsorglicher und die Feuerwehr ist besser ausgestattet. Allerdings – und das ist ein alarmierender Trend (kein Wortspiel beabsichtigt):

Immer mehr Freiwillige Feuerwehren, bei denen im ländlichen Raum die Hauptlast der Brandbekämpfung (und nicht nur dieser) liegt, leiden an Mitgliedermangel! Und von denjenigen, die bereit sind für unser aller Sicherheit Kopf und Kragen zu riskieren – ohne dafür Geld zu bekommen, haben noch einige Schwierigkeiten durch ihre Arbeitgeber. Dabei werden auch die Produktionsorte der Arbeitgeber geschützt … Wenn ALLES mit Berufskräften abgedeckt werden müsste, hätten wir in Deutschland mit unserer hohen Rate an Fettleibigkeit eh ein Besetzungsproblem. Denn Feuerwehrleute müssen verdammt sportlich sein, wenn sie in Vollzeug eine verqualmte Treppe hochmüssen und dann eventuell bewusstlose Leute bergen.

Um es mal auf den Punkt (Punkt, Punkt) zu bringen: Es brennt bei der Feuerwehr.

FEURIO!

Ich hier wohne in einer Großstadt, die Berufsfeuerwehr ist über die Straße, am anderen Ende des Häuserblocks (also, an der nächsten Kreuzung). Das höre ich. Das sehe ich auch oft genug. Und es gibt mir ein Gefühl relativer Sicherheit.

Ich sehe auch, welche Technik dort vorhanden ist – wenn sie mit drei verschiedenen Wagen an mir vorbei rasen, weil wieder mal jemand aus Schabernack einen Brandmelder ausgelöst hat – und sie nicht wissen, was sie erwartet. Dann rücken sie nämlich mit der kompletten Flotte aus: Leiterwagen (nein, nicht so ein Handwagen und auch nicht der vom historischen Bauernhof – wir reden hier vom Drehleiterwagen), dem ABC-Schutzwagen, dem Rüstfahrzeug (so genau kenne ich mich auch nicht aus, aber ich sehe sie öfter mindestens im Dreierpack hier langrasen). Das kostet alles Manpower, viel, viel Geld und Zeit.

Die Leute, die hier mitlesen, sind alt genug, nicht in Versuchung zu geraten, mal zu gucken, was passiert, wenn man so einen „Scheibe nur im Brandfall einschlagen“-Knopf drückt. Aber macht es bitte auch Euren Kindern klar, was so ein Fehlalarm auslöst – und dass die Feuerwehr den erstmal ernst nehmen muss und damit viel, viel Geld verplempert, das sie woanders braucht! Und besonders ärgerlich ist es, wenn es sich um eine Freiwillige Feuerwehr handelt. Denn da kommen Leute von ihrer Arbeit, sehr zum Ärger der Arbeitgeber, schmeißen sich in ihre Uniform (die ja Schutzfunktion hat), hasten zu ihrem Feuerwehrwagen, fahren los – und dann ist nix gewesen. DAS sorgt auch dafür, dass Arbeitgeber immer weniger Verständnis zeigen für die Mitgliedschaft einiger ihrer Arbeitnehmer in der Freiwilligen Feuerwehr.

Wir haben hier eine bisher ganz gut funktionierende Gesellschaft,´(ich kann nicht in die Zukunft sehen, daher bisher), die ein paar Reißleinen hat, damit wir nicht in mittelalterliche Zustände geraten. Eines davon ist die Feuerwehr. Die wir uns gerne leisten, auch gerne nur „auf Abruf“ zur Vorsorge, weil sie uns Sicherheit gibt davor, dass wieder ganze Städte abbrennen. Jeder sollte seinen Teil dazu beitragen, dass wir sie uns weiter leisten können, diese Reißleinen.

Ob das jetzt durch „zahlende“ Mitgliedschaft bei der Örtlichen Feuerwehr ist (wenn man selber halt nicht so sportlich ist), durch Vorsorge, dass keine Brände entstehen (weniger Brände, weniger Einsätze, weniger Belastung der knappen Ressourcen), durch NICHT GAFFEN (muss ich das sagen? Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man nicht im Weg rumsteht, wenn andere Leben retten oder ihr eigenes riskieren, oft beides zugleich), durch Respekt vor den Rettungskräften (nein, dein Handyfoto geht nicht vor, auch nicht, wenn du ganz dringend einen Beitrag für Punkt, Punkt, Punkt zum Thema „Feuer“ verfassen musst), als Arbeitgeber Verständnis für die freiwilligen Retter haben, (und VERSTEHEN heißt vor allem mal INFORMIEREN, damit Ihnen klar wird, was dahinter steht, was sind dagegen ein paar verpasste Stunden Arbeitszeit? Es ist kein Zuckerschlecken! Dafür haben sie einen körperlich fitten Arbeitnehmer) …

Es ist ein bißchen wie mit anderen Netzteilen unseres Sozialen Netzes. Der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – wenn man wirklich krank ist, ist es ein Geschenk, dass man weiter bezahlt wird. Wenn man sich nur einen freien Tag verschaffen will, ist es eine Unverschämtheit! Man hat schließlich verdammt viel Urlaubsanspruch. Ich habe 6 Wochen (die meisten Arbeitnehmer in Deutschland dürften das haben) – und brauche regelmäßig 5 Wochen (drei im Sommer, zwei vor Weihnachten) und ein, zwei Tage (für Sachen wie Schornsteinfeger, Thermenwartung). Dadurch schiebe ich mittlerweile 17 Tage ins neue Jahr. Ich brauche nicht krank „zu feiern“. Und ich habe das auch noch nie gemacht. Ich bin entweder krank – oder ich rufe an und begründe, warum ich spontan einen Tag Urlaub brauche, wenn ich mal einen Tag ohne Vorankündigung brauche. (Manche Termine kann man nicht steuern.) Wer hierbei „Feurio!“ schreit, ohne dass es brennt – also, sich krank meldet, ohne krank zu sein – riskiert, dass es Einschränkungen im Bereich Lohnfortzahlung gibt. Karenztage sind anderswo ein Ding. Ein Spiel mit dem Feuer.

Wollte ich, weil doch morgen erster Mai ist, mal so am Rande bemerkt haben.

 

Advertisements

7 Antworten zu “Punkt, Punkt, Punkt (2017) – (17) – Feuer

  1. unterschreib ich so wie es ist… wir haben zum glueck keine walpurgisfeuer heut nacht, wir feiern nur mit jeder menge feuer-wasser (ich nicht, die 2-3 alk-escapaden meiner jugendzeit reichen fuer immer)

  2. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, sehr geehrte Frau Hunne.
    Wir unterstützen nicht die Feuerwehr, aber dafür den THW und unsere Jungs waren dort auch mal sehr aktiv. Der Jüngste hat mal Nachts bei einem drohenden Hochwasser geholfen, Sandsäcke zu schleppen. Sein Arbeitgeber war ziemlich sauer, weil er ihn hat ausschlafen lassen müssen. Dabei wäre er von einem Hochwasser auch betroffen gewesen.
    LG Sabienes

  3. Hallo Frau Hunne,

    wir haben hier „nur“ eine freiwillige Feuerwehr, allerdings zumindest mit gut ausgerüstetem Gebäude und Einsatzwerkzeugen. Ich unterstütze sie ziemlich regelmäßig einmal im Jahr, wenn sie ihr Vatertagsfest abhalten. Da kaufen wir dann ordentlich ess- und trinkbare Ware. Klar ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein … ich weiß und denke da noch mal drüber nach jetzt. Zwei Rettungsdienste, denen es mitunter finanziell auch nicht viel besser geht, stehen auf meiner Spendenliste.
    Schön zu lesen, dass auch andere so viele Urlaubstage ins nächste Jahr schieben, viel besser als andersrum :-).

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Ich habe mal für meinen alten Dienstherrn am Einstellungsprozeß der Feuerwehrleute mitgeholfen (bei einem Schritt, der bei „normalen“ Feuerwehrleuten nicht notwendig ist) – und habe auch mal eine Liegenschaft verwaltet, auf der unsere Berufsfeuerwehr stationiert war. Die waren sehr freundlich, haben unsere Anwärter informiert über ihren Teil der Arbeit, haben auch nur wenige, sehr genügsame Ansprüche gestellt (wenn alle Nutzer so gewesen wären, wäre meine Arbeit „a piece of cake“ gewesen, leider beschwerten sich andere über „verzerrende Spiegel“ – Tipp: Weniger trinken am Abend vorher soll da helfen.)
      Seither haben Feuerwehrleute bei mir einen Stein im Brett. Nicht, dass ich vorher irgendetwas gegen sie gehabt hätte, aber seitdem ich von den Waldbränden um Celle herum erfuhr und was da geleistet wurde, ist mein Respekt gestiegen.

  4. :-), und wie ist der Spiegel ohne Wein?

    • Woher soll ich das wissen? Ich habe diese Verzerrung nie wahr genommen. Aber ich trank damals auch nicht so richtig viel Wein, mehr, muss ich dazu fairerweise sagen.
      Und falls du auf „Spiegel“ als Zeitschrift anspielst? Den habe ich immer ohne Wein gelesen.

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s