Punkt, Punkt, Punkt 2017 (16)

Die Bank, eine wahre Geschichte

Eines schönen, sonnigen Morgens ging ich zu einem kleinen Bäcker (noch ein echter Bäcker, keine Filiale mit Backofen zum Fertigbacken) und auf dem Weg dahin sah ich zwei alte Männer auf der Bank sitzen. Ja, ich wohne in einer Großstadt, trotzdem grüßte ich freundlich „Guten Morgen“.

Die Antwort, die zurück kam, war weit weniger freundlich. „Sie könnten auch ein Pfund weniger drauf haben!“

Für den Moment war ich sprachlos. Ich war nicht so erzürnt darüber, dass er mich fett genannt hatte – das bin ich und war ich damals schon. Aber dass er meinte, es ginge ihn etwas an, das fand ich unverzeihlich.

Ich ging weiter zum Bäcker, kaufte, was ich kaufen wollte, aber innerlich war ich immer noch am Kochen. Also nahm ich den Rückweg, wieder an der Bank entlang. Die beiden alten Männer saßen immer noch dort, einer Zigarre rauchend. Ich sagte zu dem, der seinen Mund so voll genommen hatte: „Ich mag fett sein, aber ich kann abnehmen, dann bin ich nicht mehr fett. Sie sind alt und sterben bald, dagegen ist kein Kraut gewachsen!“ Sprachs und ging fort.

Der zweite Mann lachte seinen vorlauten Kumpel aus.

Das war 2001, seitdem habe ich den Alten nicht mehr auf der Bank sitzen sehen.

Womit es bewiesen wäre, dass wir nur zwei Wahrheiten ausgetauscht haben. Die englische, humorvolle Redewendung dazu lautet: „Stating the bleeding obvious“ , oder wenn Ihr mal der Abkürzung STBO begegnet …

bleedin‘ obvious

  1. (humorous) So evident that it goes without saying, and is thus superfluous.

Übersetzt – so offensichtlich, dass es „nicht der Rede wert ist“ ist und daher überflüssig.

 

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17 Antworten zu “Punkt, Punkt, Punkt 2017 (16)

  1. 🙂 Habe diese englishe Ausdruck schon lange nicht mehr gehört, aber die Steigerungsform ist wenn gesprochen mit ein Cockney Akzent.

  2. Es gibt immer wieder Leute, die meinen, unqualifizierte Kommentare abgeben zu müssen. War zumindest gut gekontert.

  3. Sehr gut gekonntert.
    Lieben Gruss
    Elke

  4. Jetzt muss ich mal eben etwas ausholen…:-)
    Früher hätte mich das wohl auch geärgert, da hab ich aber selbst auch oft andere be- und verurteilt,.. Heute sehe ich das etwas anders. Sowas sind ja immer auch Spiegel, und der alte Mann hat da was Wahres gesagt, was man selbst gerne verdrängt, und durch so einen Spiegel, der einem da vorgehalten wird, wird man dann wieder daran erinnert. Ich finde das eigentlich inzwischen eher gut, denn die wenigsten Leute trauen sich zu sagen, was sie denken, selbst Freunde tun das oft nicht. Ist natürlich fraglich, wie das Fremden gegenüber ist…Jedenfalls ganz schön mutig. So eine Antwort wäre mir wahrscheinlich gar nicht eingefallen, aber so wurde er auch an seine Situation erinnert… Ich würde inzwischen einfach nur antworten: „Ja, stimmt, gut beobachtet!“ und mir meinen Teil denken „…puh, jetzt merkt das schon so ein alter fremder Mann…“ Es gibt da so einen Spruch, der lautet: „Was dich trifft, betrifft dich auch!“, und da ist was dran. Rechtfertigen muss man sich ja gar nicht, aber „Ich könnte abnehmen…“ weist schon darauf hin, dass es kein so unbekanntes Thema ist… Wie auch immer, aber Wahrheit ist immer der Rede wert, allein schon deshalb, weil sie immer seltener daher kommt… 🙂

    LG Sabine

    • Ich sehe das anders. Was hat es für einen Sinn, einer fetten Frau zu sagen, dass sie fett ist? Sie weiß es. Ich wusste es auch, ich weiß es auch heute. Es bringt nichts, es mir zu sagen. Das „merkt“ man nicht – man sieht es. Auf den ersten Blick. Ich erwähnte das „bleedin obvious“ – und das Überflüssige daran. Wenn jemand zu einer Person mit dunkler Hautfarbe sagt, „Schau, ein Schwarzer“ – ist das völlig unnötig. Wenn jemand zu einer Person mit nur einem Arm sagt: „Oh, Ihnen fehlt da ein Arm!“ … ist das nicht hilfreich. Es ist bekannt. Wenn es etwas ist, dass ich nicht wissen kann – mir hängt ein Popel aus der Nase, oder meine Hose ist offen – DAS ist etwas anderes. Aber zum einen geht die andere Person mein Gewicht NÜSCHT an – hey, meine Sache – und zum anderen – ja, ist bekannt, dass ich nicht an Untergewicht leide … Meine Kleidergröße kannte ich besser als der Alte auf der Bank.

      • Na klar weißt du es… Ich hab es ja auch in dem Sinne von „Was dich trifft, betrifft dich auch!“ gemeint. Wenn du dich mit dem Übergewicht gut und happy fühlst, ärgert dich so eine Bemerkung gar nicht. Wenn du aber z.B. schon lange abnehmen willst und es nicht schaffst, oder du eben nicht zufrieden mit deinem Gewicht bist, oder was auch immer, dann ist jemand der das ausspricht natürlich nicht grade dein Freund… 🙂
        Ich höre ja immer das Gegenteil, das nervt mich genauso weil ich es nicht schaffe zuzunehmen. „Du bist aber dünn geworden!“ Ich sag inzwischen manchmal: „Ach, das kommt dir nur so vor weil du so zugelegt hast!“ Das gibt dann auch schon mal Diskussionen…
        Und übrigens wusste der alte Mann bestimmt auch, dass er alt ist und bald sterben wird… Vielleicht hättest du besser gesagt: „Sie haben da einen Popel an der Nase!“ Lach…

      • Männer wissen nie, dass bereits alt sind … die kommen sich auch noch mit 70 vor, als wären sie gerade 40 oder jünger …

  5. Naja. Die Sabine hat schon im Kern recht. Aber die Frage ist halt wirklich, ob man sich eine solche Wahrheit, sprich: Frechheit rausnehmen darf. Wenn sich junge Leute sowas erlauben (was sie stellenweise auch tun) regen sich alle über die Jugend von heute auf.
    Ich kann deinen Ärger schon verstehen. Ich hätte auch gekocht.
    Allerdings hätte ich mich nicht mit einem Konter auf das Niveau des alten Sacks hinab begeben.
    LG Sabienes

  6. Hallo Frau Hunne,

    zumindest hast du dem Mann einen guten Spruch zur Antwort gegeben. Ich halte nichts davon fremden Leuten solche Dinge zu sagen. Du hast recht wenn du sagst, dass du es besser weißt als er. Unter Freunden ist das etwas anderes, aber da sagt man es auch netter und versucht zu helfen. Letztenendes muss man solche Dinge ohnehin mit sich selbst ausmachen Ich hätte mich an deiner Stelle auch sehr geärgert.

    Liebe Grüße
    Sandra

  7. Ich bin gerade sprachlos… Aber ein Konter wäre mir wahrscheinlich erst nach Tagen eingefallen, solange hätte ich vermutlich auch gebraucht, um mich zu erholen.

    Deine Karte ist angekommen. Vielen lieben Dank ❤

  8. Was für eine gemeine Sache für ihn zu sagen! Man erinnert sich an die kleine Lektion in Walt Disneys „Bambi“, wo Thumper der Hase sagt: „Wenn du nichts Schönes sagen kannst, sag gar nichts.“ Was er tat, war verpasst, was für eine intelligente, nachdenkliche, sehr nette Person du bist, und er hat dich ganz verletzt. Was für ein Axxxxxxxx!

  9. Google hat das ein bisschen falsch verlegt: Thumper hat dem Hasen nicht erzählt, sondern sagte es den versammelten süßen Tieren.

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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