Monatsarchiv: März 2017

Punkt, Punkt, Punkt – (10) – Porzellan

Natürlich könnte ich die gesammelten Ergebnisse vieler Jahre des Erbens und Aufbewahrens aus meinen Schränken zeigen, aber nein, das macht Ihr so schön, das überlasse ich Euch, den anderen Teilnehmern von Punkt, Punkt, Punkt.

Ich möchte mal wieder etwas Hannoversches präsentieren. Nicht die vielen „Antik“- und Trödel-Läden, die immer Antikes verkaufen und immer Trödel ankaufen … Nicht den samstäglichen Flohmarkt am Leineufer, der erst von einem Mann gegründet wurde, der so wie ich mit Leib und Seele Hannoveraner war (nur, dass er auch hier geboren wurde, ich bin nur mit Seele Hannoveraner), 1972 richtete er den wöchentlichen Markt am Leineufer ein (vorher fand er woanders statt und auch nicht wöchentlich). Obwohl auf so einem Flohmarkt klassischerweise auch Porzellan vertickt wird, soll dies nicht das Thema dieses Beitrags sein.

Auch nicht das Fairkaufhaus, in dem viele Leute Porzellanspenden abgeben, wenn ältere Verwandte verstorben sind und der Haushalt aufgelöst wurde. Auch wenn ich die ökologische und soziale Idee dahinter großartig finde, soll sich mein Beitrag nicht darum drehen. Die Öffnungszeiten sind außerordentlich Mitarbeiter-freundlich – und Kunden-unfreundlich – ich bin fast nie bis 18 Uhr in der Innenstadt. Aber die Idee Langzeitopfern von Warenhaus-Pleiten und Zusammenlegungen eine neue berufliche Chance zu geben, finde ich wunderbar und dass Sachen mehr als einen Besitzer haben, ist außerordentlich ressourcenschonend.

Auch eine nette Idee, aber nicht Thema dieses Beitrags, ist das Porzellan-Café, in dem man Keramik selbst bemalen kann.

Nein, mein Beitrag soll heute einem kleinen Museum gewidmet sein: Museum August Kestner.

Es hat eine sehr gemischte Sammlung, man sieht dort Design-Objekte der Neuzeit, mittelalterliches Altargeschirr, Kunst aus Ägypten, Münzen – und eben auch Barock-Porzellan. Klar, Meißen ist einer der Haupt-Herkunftsorte.

„Unter dem Porzellan der Barockzeit heben sich die Manufakturen Fürstenberg und Meißen innerhalb unserer Sammlung besonders hervor.“

Immer wieder sieht man dort auch Sonderausstellungen, die letzte, die ich gesehen habe, war eine zum Thema Werbung Ende des 19./ Beginn des 20. Jahrhunderts.

Besonders aber hervor tut sich das kleine Museum, das wie das Museum Wilhelm Busch von Freiwilligen lebt (Spenden, Förderverein, Freiwillige, die durch die Sammlung führen) bei besonderen Tagen. Es hat einen Museumstag, an dem es ohne Eintritt zugänglich ist und auch noch Speisen und Getränke verteilt werden (alles Spenden von Freiwilligen, die Stadt Hannover tut da nix zu, – naja, außer der Kosten für Elektrizität und Heizung und Sicherheit). Es nimmt jedes Jahr an der langen Nacht der Museen teil. Kuratoren bieten dann leidenschaftliche Sonderführungen an, wir hatten u.a.  schon das Thema Geld (Münzen der Antike genauso wie das Münzenlose System der Ägypter und was man in Griechenland und Rom so alles zu Geld machen konnte – ich sag nur: Non olet.) – was mich sehr beeindruckt hat. Humor kam nicht zu kurz bei den Führungen und das finde ich immer wieder wichtig!

Die ägyptische Sammlung war mal so angesehen, dass sogar die Tutanchamun-Maske als Leihgabe für eine Austellung hier gezeigt wurde! Das kleine, provinzielle Hannover hat neben Weltstädten wie Berlin, München und Hamburg und neben dem auch größeren Köln diese Wanderausstellung für 10 Wochen beherbergen dürfen.

Es ist daher ein wirklich engagiertes, mit viel Liebe geführtes kleines Museum, gleich neben dem Neuen Rathaus (das gerade erst 104 wird dieses Jahr). Und es hat eben eine Menge verschnörkeltes Porzellan zu bieten, dem man ansieht, dass es noch Spülmägde gab, als es hergestellt wurde – denn eine Spülmaschine wäre der Farben Tod – und die ganzen Porzellanschnörkel (die sind nicht gemalt, die sind modelliert) werden auch nur in Handarbeit so richtig sauber.

Heute wird es natürlich nicht mehr verwendet, es steht hinter Sicherheitsglas und man kann bestaunen, wieviel Mühe, wieviel Detailarbeit, wieviel Phantasie man mal in so etwas wie einen Teller, eine Tasse oder gar eine Untertasse gesteckt hat!

Es gibt sogar (Fach-)Literatur dazu:

Elisabeth Reissinger: Porzellan aus Fürstenberg, Kestner-Museum, Hannover 1997, ISBN 3-924029-27-X

Sollte es mal wieder an einem Sonntag regnen, Ihr wisst nun, was Ihr zu tun habt: Ab ins Museum!

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Buch-Challenge – Tilly, die Katze, die niemand haben wollte

Da ich am Montag meinen Kater einschläfern lassen musste, war dieses Buch keine leichte Wahl, aber ich hoffte, dass Tilly das Ende des Buches lebend erreicht … Auch so kamen mir an einer Stelle die Tränen *seufz*

In diesem Buch beschreibt Celia Haddon, wie sie eine „half-feral cat“ – also eine, die nicht ordentlich an menschliche Nähe gewöhnt ist, erst zur Pflege aufnimmt, um ihr dann ein Forever-Home zu geben. Ich glaube, wir übersetzen das einfach als Zuhause …

Celia Haddon nahm 2010 eine Katze von der Tierschutzorganisation auf, um sie an menschliche Nähe zu gewohnen. Der Original-Titel lautet: Tilly, the ugliest cat in the shelter. Und ist eine Lüge (Kein Wunder, sie schreibt für den Daily Telegraph … Eine Boulevardzeitung ist für ihren Wahrheitsgehalt nicht gerade berühmt. Hier von Lügenpresse zu sprechen, halte ich trotzdem für infam!).

Eine wahre Geschichte, in der Ms. Haddon ein paar Namen geändert hat, um diese Personen zu anonymisieren.

Im Buch befinden sich ein paar Photos am Ende, die die Süße zeigen – und auf jedem dieser Photos sieht man eine dark tortoise (oder Dunkle Schildpatt), mit Birma-Fell (längeres Fell, muss regelmäßig gebürstet werden, aber keine Perserkatze). ICH find sie nicht nur niedlich, sie sieht auch meiner Kessy sehr ähnlich. Und über die höre ich andauernd, wie schön sie doch sei!

Aber jetzt zum Buch:

Tillys Vermittlungschancen stehen schlecht, sie verkriecht sich vor Menschen in ihr Körbchen beim Tierschutz und nur die Pflegerin darf sie hin und wieder mal über den Rücken streicheln. (Kommt mir irgendwie bekannt vor!)

Celia Haddon hat zu der Zeit aber noch eine andere Baustelle: Ihr Ehemann, Mitte 80, ist schwer krank und zu der Zeit (2010) im Krankenhaus. Auch wenn er heraus kommt, wird er zunächst eine Zeit in einem Krankenpflegebett verbringen. Sie zeigt ihrem Mann Photos von der Katze und Ronnie findet sie zu hässlich, um sie aufzunehmen. (Was mich sehr schockiert hat! Es ist nicht die Aufgabe einer Katze, das Haus zu dekorieren, sie tut das nebenbei … )

Tilly wird in ein Gästezimmer verbracht, wo sie über einen Tag lang nicht unterm Bett hervorkommt und in der Zeit weder frisst, noch das Klo benutzt. Das tut sie dann am zweiten Tag. (Auch das kommt mir wieder vertraut vor – dieses Mal nicht von Kessy, sondern von meinem gerade verstorbenen Kater, der auch einen Tag unterm Regalbrett hockte und der Kleinen, mit der ich ihn aufnahm, das Feld überließ. Mit dem Resultat, dass sie ihm nicht den Wassernapf gönnte, als er doch rauskam.)

Tilly erobert nach und nach das Haus und Celia Haddon beschreibt, welche Methoden sie angewendet hat, um aus der scheuen, panischen Katze mit den Jahren eine Schmuse- und Sofa-Katze zu machen.

Und, ich hatte richtig vermutet – Ms. Haddons Katze lebte am Ende des Buches noch.

Ich hatte zunächst die Befürchtung, dass es sich um die Bemühungen einer wohlmeinenden Katzenbesitzerin handelt, die, ähnlich wie Mutter von Emma McCune, meint, die rührende Geschichte unbedingt selber erzählen zu müssen. Aber wo Margaret McCune kläglich als Autorin versagte (tut mir leid, aber ich habe schon bessere Schulaufsätze geschrieben … geschweige denn gelesen – als „Nefertiti – Tochter der Sonne“), merkt man bei Ms. Haddon, dass sie eine Geschichte aufzubauen weiß, dass Sprache ihr Handwerkszeug ist, dass sie schreiben kann.

Sie erzählt auch von zahlreichen anderen Katzentieren, die sie hatte oder zur Pflege aufgenommen hat (bei einem von diesen kam die Stelle, wo sich meine Augen füllten) und bis auf die Falsch-Aussage, dass Tilly eine hässliche Katze sei, habe ich nichts an diesem Buch auszusetzen.

Fünf Kokosnüsse von fünf – auch deshalb, weil sie dazu auffordert, sich eine Katze nicht nach der Fellfarbe auszusuchen, sondern doch bitte schön nach dem Temperament des Tieres.

Celia Haddon, Tilly Die Katze, die niemand haben wollte, Weltbild-Verlag 2014, 205 Seiten

Kategorie: 5 in Daggis Buch-Challenge, ein Buch, das mich zum Grinsen gebracht hat – denn die ganzen Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Katzen haben mich öfter grinsen lassen.

Punkt, Punkt, Punkt – (9) – Früh-Ling(k)s-Erwachen

Ich wollte Euch eigentlich die munter geschwungenen Narzissenreihen zeigen, die hier in Hannover auf Verkehrsinseln zur Messe hin das Auge erfreuen, besitze davon aber kein vorzeigbares Foto – nicht mal ein unvorzeigbares.

Daher habe ich heute ein Foto aus Wikipedia für Euch, das eine andere Frühlingsblüte zeigt, die Scilla, die hier im März auf dem Stadtteilfriedhof Lindener Berg die Besucher anlockt.

Der alte Friedhof hat nur noch wenige alte, dafür sehr malerische Grabsteine. Doch die eigentliche Attraktion ist heute eindeutig die Scilla-Blüte.

Die Blausterne (Scilla), als Trivialname auch „Szilla“ geschrieben, sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Scilloideae innerhalb der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Sie kommen in ganz Europa, Teilen Asiens und an wenigen Stellen in Afrika vor. Unter den Vertretern finden sich auch einige Zierpflanzen. In Deutschland am bekanntesten dürfte der einheimische Zweiblättrige Blaustern sein, der auch in vielen Parks und Gärten angepflanzt wird.

Um genau diesen handelt es sich bei der Pflanze auf dem alten Friedhof.

Außerdem haben wir mit unseren Gärten, z.B. dem Barockgärten, natürlich sowieso zum Thema Frühling ganze Galerien an Fotos zu bieten.

Von mir also zum Thema Frühlingserwachen Blümerantes.