Monatsarchiv: Januar 2017

Punkt, Punkt, Punkt 2017 – (3) – Energie

Wenn ich Euch damit nerve, müsst Ihr’s sagen, aber ich habe mal wieder eine Hannöversche Location für Euch:

Wir haben hier in Hannover (damit sind wir nicht mal einzigartig) ein Museum für Energiegeschichte. Ein kleines Haus, von einer großen Energie-Firma betrieben, daher auch, anders als andere Museen, nur Di bis Fr von 9 bis 16 Uhr geöffnet – und nicht etwa am Wochenende, wo Leute schon mal ins Museum gehen.

Dieses kleine, aber feine Museum nimmt regelmäßig an der Langen Nacht der Museen teil, obwohl diese immer in einer Samstag-Nacht stattfindet (dickes Lob, weil das extra Geld kostet und kaum etwas einbringt – schließlich zahlt man einmal Eintritt und kann dann jedes der teilnehmenden Museen besuchen und ich sagte ja schon, ist eine Energiefirma, die das Museum betreibt).

Dort habe ich dann auch erfahren, dass Staubsauger früher mal in großen Wagen vor das Haus kamen, dort wurde dann mit langen Schläuchen der Staub aufgesaugt.

Dazu Wikipedia:

„Melville Bissell erhielt am 19. September 1876 ein US-Patent auf den ersten funktionierenden Staubsauger für Teppiche („Carpet Sweeper“). Viele Quellen berichten übereinstimmend, dass Anna und Melville Bissell angeblich über ein Gerät verfügten, das auf einem Pferdewagen montiert war. Von dort wurde dann per Schlauch das Haus gereinigt. Die Luftpumpe dieser Sauger wurde noch von Hand betrieben.“

Auch weitere kuriose Haushaltsgeräte sind dort ausgestellt. Am besten mit einer Führung zu genießen.

Kennt Ihr noch die alten Röhrenradios, die mit dem grünen „Auge“, und den exotischen Ortsnamen (wie Helsinki) auf der Vorderseite? In der Küche meiner Eltern stand so ein Gigant und unser Kater hielt dort immer ein Schläfchen drauf. Wir haben dieses Radio nicht ausgeschaltet, sondern einfach nur den Lautstärkeregler runter gefahren, weil wir nicht die lange Aufwärmphase abwarten wollten. Auch solche Schätzchen sind dort zu bewundern. Ich hatte übrigens später noch lange eines in meinem (Kinder-)Zimmer stehen.

Aber das ist noch nicht alles, was wir in Hannover zum Thema Energie zu bieten haben. Auch im Museum für Technikgeschichte präsentiert wird zur Zeit (noch bis nächstes Jahr!) Werner von Siemens, der im Königreich Hannover geboren wurde. Und bei Hannover, in Laatzen, gibt es immer noch eine Niederlassung der Siemens AG, die mal aus einer Firma hervorging, die Werner von Siemens in Berlin mit einem Compagnon gegründet hat. Sein „von“ erhielt Werner von Siemens übrigens erst 1888. Ein sozial denkender Mensch war er auch noch:

Wikipedia dazu:

„Siemens machte sich schon früh Gedanken um das Schicksal seiner Mitarbeiter. Die normale Entlohnung erschien ihm nicht ausreichend: „Mir würde das Geld wie glühendes Eisen in der Hand brennen, wenn ich den treuen Gehilfen nicht den erwarteten Anteil gäbe“. Neben altruistischen Motiven veranlassten ihn auch firmentaktische Beweggründe zu einem solchen Vorgehen, wie er in einem Brief an seinen Bruder Carl schrieb: „Es wäre auch nicht klug von uns, sie leer ausgehen zu lassen im Augenblicke großer neuer Unternehmungen.“

Leitende Mitarbeiter hatten schon seit Mitte der 1850er-Jahre Verträge, die ihnen erfolgsabhängige Tantiemen zusicherten, rangniedrigere Mitarbeiter bekamen – nicht vertraglich festgelegte – Prämien. Ab Mitte der 1860er-Jahre zahlte Siemens & Halske eine so genannte Inventurprämie an alle Arbeiter und Angestellten, eine frühe Form des Leistungsanreizes und ein Vorläufer der heutigen Erfolgsbeteiligung. Dies alles waren Maßnahmen, um qualifizierte Mitarbeiter an Siemens & Halske zu binden und einen festen Arbeiterstamm zu bilden.

1872 gründete Siemens die Pensions-, Witwen- und Waisenkasse, an der sich auch Halske, der dem Unternehmen schon nicht mehr angehörte, beteiligte. Eine weitere sozialpolitische Maßnahme war die 1873 erfolgte Einführung einer täglichen Arbeitszeit von neun Stunden, was bei der damaligen Sechstagewoche einer Wochenarbeitszeit von 54 Stunden entsprach. Üblich waren zu der Zeit noch 72 Wochenstunden.“

Diese soziale Ader teilte er mit dem später lebenden Robert Bosch:

„Von Anfang an war Bosch die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter ein besonderes Anliegen. Im Bewusstsein der sozialen Verantwortung des Unternehmers führte er bereits 1906 als einer der ersten in Deutschland die achtstündige Arbeitszeit ein. Dies brachte ihm den Beinamen „Der rote Bosch“ ein. Weitere vorbildliche soziale Leistungen für die Mitarbeiter folgten, z. B. eine stets gerechte Bezahlung. 1940 übergab er ein von ihm gestiftetes Krankenhaus in Stuttgart seiner Bestimmung. Der 1969 entstandene Neubau trägt noch heute den Namen Robert-Bosch-Krankenhaus.“

Wenn ich Euch nun noch sage, dass ich in einem Haus lebe, das 2001 der Bosch-Hilfe gehörte und mal nur Bosch-Mitarbeiter hier wohnten, zu günstigen Konditionen, weil die Bosch-Hilfe wohl aus der Zeit von 1920 stammt:

„Robert Bosch ruft nach 1920 zahlreiche Wohlfahrtseinrichtungen für Bosch-Beschäftigte und ihre Familien ins Leben. “ (Quelle: Robert Bosch Stiftung)

und dass auch in Hannover mal eine Bosch-Niederlassung existierte, dass in Hannover außerdem Conti-Elektrotechnik seinen Sitz hat (ja, die stellen nicht nur Reifen her), dann wird das ach so graue, langweilige, provinzielle Hannover wieder ein winziges bisschen interessanter.

Wir haben übrigens auch mit der Industrie-Messe und der CeBit zwei Messen, auf denen Elektrotechnik eine große Rolle spielt … aber das nur am Rande – am Stadtrand von Hannover …

Book-Challenge 2017 (3)

daggis-welt.de

hat zur Challenge aufgerufen. Ich nehme teil, auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich an den Verlag-Kategorien scheitern werde – oder einfach an der schieren Masse von Büchern.

Aber heute stelle ich mal ein etwas längeres Buch vor als die zwei letzten.

Kategorie Nr 2: Ein Buch mit einem roten Cover (Sollte eigentlich Sonderpunkte geben, weil nicht nur das Cover weinrot ist, sondern auch der Name des Autors ROTH)

Das Durchschnittsbuch im Buchhhandel hat so 400 bis 500 Seiten, und dieses hier ist keine Ausnahme, Philip Roth – Verschwörung gegen Amerika.

Philip Roth ist ein 1933 geborener jüdischer Autor aus den Vereinigten Staaten und erzählt in diesem Buch, was hätte passieren können, wenn Amerika 1940 Charles Lindbergh, den Antisemiten (!), zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt hätte. Alternative History.

Es ist ziemlich bedrückend, nicht, weil das Erwartbare passiert und Juden unter Repressalien zu leiden haben, Amerika sich dem 2. Weltkrieg verweigert und darauf baut, dass Nazi-Deutschland, mit dem sich Lindbergh und seine Leute zu gut verstehen, Russland zu besiegen droht (was in diesem Roman als Möglichkeit dargestellt wird, wir wissen, was wirklich passiert ist, noch bevor Amerika eingegriffen hat) – nein, bedrückend sind die Parallelen zum heutigen Amerika. Der Roman ist von 2009 – da war von Trump als Präsident noch keine Rede.

Irgendjemand muss dem Trump-Wahlkampfteam dieses Buch als Anleitung gegeben haben. Roth hat ganz offensichtlich die tatsächliche amerikanische Psyche gut erfasst – denn Trump wurde gewählt so wie im Buch Charles Lindbergh, der auch als nicht chancenreicher Kandidat anfing und vom republikanischen Establishment nicht geliebt wurde. Auch Lindbergh folgt in diesem Roman einem demokratischen Präsidenten, dem er Verrat am Volk vorwirft, auch Lindbergh diffamiert die Medien, die sich gegen ihn stellen.
Allein schon wegen dieser Parallelen ist das Buch lesenswert.

Die handelnden Personen
Der Ich-Erzähler (eine fiktive Version von Philip Roth selbst), sein älterer Bruder Sandy, der versucht, sich an das System anzubiedern, sein Vetter Alvin, der abhaut und über Kanada versucht, Hitler zu bekämpfen, sein Vater, ein Versicherungsvertreter am Anfang des Romans, seine Mutter, Hausfrau und zwischendurch mal Verkäuferin. Kleinbürgerliches Milieu.

Die Nachbarn der Roths in einem überwiegend von Juden bewohnten Wohnviertel von Newark. Einer davon ein Nachbarsjunge, der erst den Vater durch Selbstmord oder Krankheit verliert (hier verwirren sich die Fantasie des 9jährigen und die von den Erwachsenen dargebotenen Erklärungen) und am Ende des Romans als Waise wieder nach Newark zurück kehrt, nachdem seine Mutter mit ihm „umgesiedelt“ wurde und im Rahmen eines Pogroms getötet wurde.

Die Familienangehörigen:

Tante Evelyn, die sich an das System anbiedert, ihr Verlobter und dann Ehemann, ein Rabbi, der mit dem System zusammen arbeitet.

Der reiche Onkel, der einen Großhandel betreibt und erst Alvin, von dessen Vater er diesen Handel übernommen hat, später auch dem Vater von Philip Arbeit anbietet – der Familiensinn mit all seinen Verantwortlichkeiten ist noch am Leben.

Nicht alle Konflikte des Romans drehen sich um Politik. Manches sind einfach innerfamiliäre Streitigkeiten oder Verwirrungen, wie sie von Kindern in dem Alter einfach durchgemacht werden. Der Philip Roth des Romans wuchs jedenfalls nicht als „Kleine kostbare Schneeflocke“ auf, auch wenn die Erwachsenen natürlich versuchen, manche Ausprägungen des Lebens vor ihm zu verbergen.

Aber was in diesem Roman an Politik in den Alltag schon eines Neunjährigen schleicht, ist beklemmend. Es ist lange her, dass ich einen literarisch hochwertigen Roman so verschlungen habe wie dieses Buch. In aller Regel langweilen mich literarische Werke zu Tode.

Philip Roth

Verschwörung gegen Amerika

Rowohlt Taschenbuch Verlag

Erscheinungsjahr 2009

Seiten:  495 der eigentlichen Geschichte, plus Kurzbiografien der erwähnten historischen Persönlichkeiten und ein Ausschnitt aus einer tatsächlichen Rede von Charles Lindbergh. Insgesamt 541 Seiten.

Von mir: 5 Kokosnüsse

 

 

In der Zeitung

Demnächst soll die Verwaltung kundenfreundlicher werden. Indem man die Wartemarken absschafft in der Stadtverwaltung. Und nur noch nach telefonischer bzw. online-Voranmeldung Zugang zur Verwaltung bekommt.

KUNDENFREUNDLICHER, doch, sagte der zuständige Dezernent. Nix mehr mit spontan mal einen Nachmittag im gut gewärmten Warteraum verwarten, bis die hochherrschaftliche Verwaltung einen herein ruft, nein, jetzt muss man genau planen, um einen Termin nachsuchen, nach Möglichkeit mit der unpersönlichen Maschine, um dann gnädig eine Audienz zugesprochen zu bekommen.

Sicher, Stunden zu warten ist auch nicht schön! Und eine gleichmäßigere Auslastung der Ämter wäre auch wünschenswert (zur Zeit sammelt sich alles am Montag). Aber wenn ich meinen Personalausweis dringend neu beantragen müsste, weil ich überraschend ins europäische Ausland will – aber ich bekomme keinen Termin? Und ich kann mir meine Zeit noch gut einteilen, nicht jeder hat die Möglichkeit mitten im Arbeitstag mal eben für zwei Stunden alles fallen zu lassen, um von der Arbeitsstelle zur Behörde zu fahren, dort sein Anliegen zu erledigen und dann zurück zu fahren. Das wird dann laufen wie mit den Arztterminen, die auch alle nach 15 oder 16 Uhr wollen – weil zwischen 9 und 15 Uhr nun mal immer noch die meisten Leute unabkömmlich am Arbeitsplatz sind.

 

 

Man kann nicht 52 mal hintereinander eine schlechte Kurzgeschichte schreiben (2)

Setz dich hin, nimm dir’n Keks

Thorsten kam nach der Feier ein wenig später als sonst in sein Büro. Das hatte er sich auch verdient. Er hatte so lange auf die Beförderung warten müssen. Nun hatte er gestern, nachdem er die Benachrichtigung erhalten hatte, dass er beim nächsten Schwung dabei sein würde, mit den Kollegen gefeiert.

Alle hatten sie ihm gratuliert. Auch Burkhard, wenn auch mit dem falschen Grinsen eines Übergangenen. Burkhards Ansicht nach wäre jedes mal er selber dran gewesen, wenn eine Beförderung an stand.Eine Ansicht, die weder der Vorgesetzte noch die Personalstelle teilten.

Lotti hatte nicht versucht, ihre eigene Enttäuschung zu verbergen: „Wie gut, dass du ein Thorsten und keine Tanja bist,“ hatte sie ihm gesagt. Aber dem teuren Wein, den er gestern ausgab, hatte sie trotzdem reichlich zugesprochen.

Nur schwer einschätzen konnte er auch die Reaktion von Simone. Sie hatte ihm zwar gratuliert, mit den Worten: „Endlich hat es mal den Richtigen getroffen.“ Aber Thorsten war sich nicht so sicher, dass dies nicht doch sarkastisch gemeint war. Simone verzog nie eine Miene.

Aber einer zumindest gönnte ihm die Beförderung und hatte ihm heute Morgen einen Schokokeks hingelegt. Thorsten hatte noch nicht gefrühstückt, so ließ er sich den Keks genussvoll schmecken.

Der Rest des Tages ließ ihn ziemlich kalt. Irgendjemand kam rein und beschwerte sich, weil der Gemeinschaftsdrucker nicht funktionierte. Dann wurde eben mal nicht gedruckt. War doch egal, wann die Schreiben raus gingen, heute oder Morgen …

Kollege Bauer ließ sich bei Thorsten über den neuesten Schnitzer von Bürokraft Anna aus. Thorsten machte nur Mmm – er wurde schon wieder hungrig. Anna hatte doch eh nur eine befristete Stelle, das Problem löste sich also eh durch Zeitablauf, was sollte man sich da aufregen?

Auch die nächsten Tage lag jeweils ein einzelner Schoko-Keks auf seinem Schreibtisch – und Thorsten, dem der erste so gut geschmeckt hatte, aß sie alle.

Am Tag vor der Beförderung kam er früher, er musste noch zur ärztlichen Untersuchung, bevor er morgen seine Beförderung in die Hand gedrückt bekam. Dieses Mal lag kein Keks auf dem Schreibtisch.

Stattdessen meldete sich auf seinem Telefon sein snap-chat account:

„Kollegiale Grüße – das waren Haschkekse! Viel Spaß beim Drogentest heute!“

 

Punkt, Punkt, Punkt 2017 (2), Lieblingssendung, ohne die es nicht geht

Ich sehe kaum fern. Von daher ist mein Fernseher oft wochenlang aus.

Aber natürlich habe auch ich ein paar Sendungsfavoriten. Da ist „Der kleine Lord“ vor Weihnachten. Oder die „Sportschau“, wenn Hannover es wieder in die erste Bundesliga geschafft hat.

Aber viel häufiger habe ich eine Lieblingssendung im Radio:

Ich bin schon als Kind darauf geeicht worden, bei Nachrichten leise zu sein. Und das habe ich mir so nachhaltig angewöhnt, dass ich auch am liebsten in Ruhe meine Radio-Nachrichten höre. Und am liebsten höre ich den Kurier um 12 auf NDR 2.

Diese Sendung hat immer mehrere Teile. Zuerst ein aktuelles Thema, das ausführlicher behandelt wird, dann ein zweites, gefolgt von einem Block mit Kurzmeldungen. Zum Schluss gibt es dann nochmal einen längeren Beitrag. Und erst danach wird zur Börse geschaltet. Auf diese Weise bekommt man auch im flüchtigen Medium Radio ein paar Hintergrundinformationen.

Und dass meine Kollegen nicht gerade in der Zeit von 12 Uhr bis 12:10 Uhr mein Büro stürmen sollten, wenn es irgendwie vermeidbar ist, habe ich auch schon klar gemacht 😉

Book-Challenge 2017 (2)

daggis-welt.de hat die besagte Book-Challenge laufen. In der letzten Woche habe ich mich vordringlich damit beschäftigt, die entsprechenden Bücher aus meinem SuB hervor zu ziehen – oder (gebraucht, wenn das günstiger war) zu bestellen.

Heute kam schon die erste Lieferung – also, zwei, eine kam per Post, die andere per Hermes, das war die größere von beiden.

Aber vorstellen will ich hier und jetzt natürlich das Buch, das ich in der gerade vergangenen Woche gelesen habe.

Kategorie 15: Ein Sachbuch oder eine Biografie. Ich wählte ein Sachbuch.

Holy Sh*t“ – nein, das ist kein Fluch von mir, das ist der Titel des Buches von Melissa Mohr. (Und er ist bewusst so gewählt. Dazu gleich mehr)

Untertitel: A brief history of swearing.

Zunächst teilt Ms Mohr Fluchen in zwei Kategorien auf: Oath – also, religiös geprägt (daher Holy) und Obszönitäten (sexuell – wer kennt den „Scheiß-“ nicht? – oder auch Körperausscheidungen betreffend – kennen wir auch, einfachstes Beispiel in unserer Sprache der inzwischen antiquierte „Rotzjunge“).

Ms Mohr beginnt ihre Exkursion in die Niederungen der Sprache im Lateinischen. Überlieferungen u.a. aus Pompeii (wie Inschriften an Hauswänden, ja, es gab auch schon vor über 2000 Jahren Graffiti) und diverse Vergleiche von Texten verschiedener Niveaustufen haben ihr dabei vor allem eines gezeigt: Thematisch waren diese Flüche/Verwünschungen/Beleidigungen und auch einfach nur verstärkende Ausrufe im Bereich „Shit“ anzusiedeln – also Sex und den menschlichen Körper betreffend.

Sie bringt Beispiele, Männer wurden dort vor allem damit beleidigt, dass man ihnen unterstellte eine eher „passive“ – also für die Römer eher weibliche – zu spielen.

Dies änderte sich im Englischen Sprachraum im Mittelalter. Wo die römische Gesellschaft von einer gewissen sexuellen Freizügigkeit geprägt war und die römische Götterwelt eben keinen monotheistischen Glauben verkörperte war das Mittelalter ein Zeitalter, in dem alles dem monotheistischen christlichen Glauben untergeordnet war. Während alle Körperfunktionen incl Vermehrung aufgrund der im Mittelalter üblichen Wohnformen sowieso ein Teil des Alltags waren, waren Worte, die diese Körperfunktionen benannten einfach nicht tabuisiert, und damit ungeeignet, zu schocken. Wohingegen jeder Verstoß des „du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen“ eine Sünde darstellte. Flüche wie „Gottverdammich“ waren daher im Mittelalter ein z.T. sogar von der Obrigkeit verfolgter Verstoß gegen die gesellschaftliche Ordnung.

Diese Einstellung milderte sich erst wieder ab mit dem 17./18. Jahrhundert. Die Privatsphäre war nun wichtiger geworden, Zeugungen wurden nicht mehr vor Zeugen vorgenommen und alles aus dem Bereich des menschlichen Körpers wurde in feiner Gesellschaft nicht offen angesprochen. Das gipfelte im viktorianischen Zeitalter in der bekannten Prüderie, die schon die Erwähnung eines Tischbeins als unfein darstellte.

Im 20. Jahrhundert wurde diesen beiden Kategorien  dann eine dritte zur Seite gestellt, die Beschimpfung durch den Gebrauch von rassistischen Ausdrücken. Sie wird auch in der heutigen Zeit als Tabubruch empfunden (Das Lied „10 kleine …“ wird in Kindergärten nicht mehr in der ursprünglichen Fassung gesungen, u.a. auch, weil ein Teil der Kinder heute eine dunklere Hautfarbe hat.)

Außerdem geht sie in ihrem Epilog auf die Funktion von Fluchen ein: Fluchen erlaubt uns, Dampf abzulassen, ohne körperliche Gewalt auszuüben. Mohr sagt außerdem voraus, dass Fluchen wieder das Heilige betreffen wird, einfach weil Sex heutzutage immer weniger zum Tabu taugt, wo schon in der Grundschule aufgeklärt wird.

Melissa Mohr

Holy Sh*t – a brief history of swearing,

Verlag Oxford University Press

Erscheinungsjahr: 2013

Umfang: 263 Seiten (excl. Literatur- und Stichwortverzeichnis)

Warum wählte ich dieses Buch?

Ich bin immer entsetzt, wenn Leute wegen jedem Scheiß gleich auf die Barrikaden gehen. Verzeihung, wegen jedem „Scheiß-„. Ich kann mich durchaus ohne Fluchen ausdrücken, und im Beruf und auch sonst so im Allgemeinen bin ich kein Mensch, der jeden Satz mit „verdammt“ oder „Scheiß-“ verziert. Aber ich finde, dass dieser Teil der Sprache seine Berechtigung hat, wie Ms Mohr sehe ich darin ein Ventil.

Und außerdem lese ich gerne etwas über die Entwicklung von Sprachen. Daher dieses Sachbuch.

Huch, jetzt hätte ich beinahe die Bewertung vergessen. Ich habe schon wesentlich lustigere Bücher zu langweiligeren Themen gelesen, hier hat Ms Mohr sicher etwas verschenkt, daher nur 4 von 5 Kokosnüssen.

 

Update 2. Woche Neues Jahr

Letzten Sonntag gab es den ersten Schweinebraten meines Lebens – also SELBSTGEMACHTEN … gegessen habe ich Schweinebraten schon tausende male. Ich habe einen Schlauchbraten gemacht, mit einem Bratschlauch von einer bekannten Gefrierbeutelmarke … Es hat funktioniert. Ich war noch nicht völlig begeistert, aber es war nicht sehr arbeitsintensiv, das ist schon mal gut. Das Fleisch wird mit ganz wenig Flüssigkeit in den Schlauch gegeben, mit Zwiebeln und Knoblauch, gewürzt (bei mir war es Senf, Pfeffer, Salz und Paprika) und dann für 1,5 bis 2 Stunden im heißen Backofen „links liegen gelassen“. Da hat man reichlich Zeit, Kartoffeln und Gemüse zu machen. Die Sauce ist mir nicht gelungen. Die Saure Sahne hat kleine Klümpchen produziert und der gute Dornfelder tat mir in der Pampe richtig leid.

Fast durch bin ich mit Holy Sh*t – (Buch No. 2 der Bücher-Challenge 2017 von daggis-welt.de) – Rezension folgt.

Über die (mir) neue Location habe ich ja schon geschrieben. Und die Geschichte der Woche steht noch aus.

Gekauft habe ich auch – ganz viele Bücher … Aber damit soll es dann dieses Jahr fast gewesen sein. Bei bestem Willen habe ich eben doch nicht für alle Kategorien etwas gefunden in meinem Stapel ungelesener Bücher – außerdem komme ich so dazu, auch mal neue Autoren zu lesen, Autoren, auf die ich sonst nicht aufmerksam geworden wäre.

Wenn ich die Stapel der jetzt für 2017 aufgestellten Bücher so betrachte (und ein paar der neu bestellten fehlen noch), weiß ich nicht, ob ich dazu komme, aber ich werde im Luther-Jahr 2017 vielleicht auch noch etwas mit Luther lesen. (Das ist keine Kritik an Daggis Liste, sie hat entweder nicht dran gedacht oder wollte nichts, was mit Religion zu tun hat in ihrer Liste).

Es gibt da eine Graphic Novel  „Luther“– sowas wollte ich schon immer mal testen. oder ein Buch über „Irrtümer über Luther: Hier stehe ich, es war ganz anders„. Wir haben schließlich einen Feiertag mehr in Niedersachsen aufgrund von Luther (und in allen Bundesländern, in denen der Reformationstag nicht Feiertag ist) dieses Jahr. Das sollte genug Zeit für einmal Luther sein.

 

Ein neuer Ort im Januar

Teil des Neues Jahr Projekts

Ich war gestern mit Kollegen bei einem Teamabend. Freiwillig. Mal ganz woanders, Limmerstraße, Weinbar, mit gegenüber liegender, angeschlossener Pizzeria.

Ich hatte, ausnahmsweise mal, ein alkoholisches Getränk – einen Aperol Spritz. So einen habe ich noch nicht gehabt, auch wieder etwas Neues. Außerdem hatte ich eine Pizza vegetaria – Käse-Gemüse-Verhältnis hätte für meinen Geschmack andersrum sein können, weniger Käse, mehr Gemüse, aber lecker war es auch so rum

Die Kollegen tranken sich durch die Weine, ich hatte noch ein Tiramisu – und kam mit einer sehr moderaten Rechnung raus: 17,30, für eine nicht gerade kleine Pizza, einen Aperitif und ein Dessert. Nicht übel. Ja, klar, Trinkgeld gab ich auch, aber das hielt sich in Grenzen. Nicht aus Böswilligkeit, der Deutsche gibt halt nicht viel Trinkgeld, weil die Löhne bei uns besser sind als z.B. im Service in den Vereinigten Staaten.

Die Musik war italienische Sommerurlaubsmusik der 70er und 80er. Eine CD auf Dauerschleife. Aber wenn man mit 6 Personen am Tisch sitzt, ist es nicht so entscheidend, man unterhält sich.

Alles in allem war der Barkeeper sehr freundlich (5 Kokosnüsse), die Pizza schmackhaft (4, da ich gerne mehr Gemüse gehabt hätte), das Dessert ein klein wenig zu fad im Geschmack – als wenn Sahne drin wäre, was sie aber, glaube ich, nicht war (2 – 3 Kokosnüsse), die Getränkeauswahl für Nicht-Alkoholtrinker sehr bescheiden (Mineralwasser oder je eine Limo Orange/Zitrone, keine Säfte!) (1 Kokosnuss), die Musik ein wenig eintönig (1 Kokosnuss) und so komme ich auf solide 3 bis 4 Kokosnüsse (Musik ist nicht gleichwertig mit dem Essen zu werten in meinen Augen, und die alkoholfreie Getränkeauswahl in einer Weinbar auch nicht unbedingt ausschlaggebend).

 

 

 

 

Daggis Buch-Challenge 2017 (1)

Daggi von daggis-welt.de hat auf ihrem Blog u.a. eine jährliche Buch-Challenge laufen. Dabei gibt sie 60 Kategorien für Bücher vor, aus denen man sich dann selber Bücher zum Lesen aussuchen kann.

Ich habe mich heute für die Kategorie 27 entschieden:

Schriftsteller, der nicht aus Deutschland, Großbritannien oder den Vereinigten Staaten von Amerika kommt. Das war eine echte Herausforderung, aber ich habe ein Buch in meinem Bücherstapel gefunden, das diese Kategorie erfüllt. Ein sehr dünnes Buch, allerdings: Das Komitee von Alex Gfeller.

Zum Autor:

Gfeller, geboren 1947 in Bern, eindeutig ein SCHWEIZER, erfüllt das Kriterium, aus keinem der drei genannten Staaten zu kommen.

„Das Komitee“ erschien 1983, meine Ausgabe ist fast 30 Jahre alt, dtv  von 1987. Ich habe das Buch allerdings bei einem Abverkauf von „Mängelexemplaren“ günstiger gekauft und nicht 7 DM 80 ausgegeben. Das war der Preis auf dem Buch.

Auf den nur 118 Seiten wird eine dystopische Gesellschaft nach einem Krieg mit allen zur Verfügung stehenden Massenvernichtungswaffen angerissen, in der die Überlebenden in Bunker“gemeinschaften“ existieren, die sie tagsüber verlassen, um irgendwas zum Überleben zu finden. Es gibt auch Mutanten und Kinder sind nur in Banden von Gesetzlosen unterwegs und werden selten älter als 10.

In dieser „Gesellschaft“ versucht jeder für sich zu existieren. Das Schadereignis liegt mehr als 30 Jahre zurück und eine echte Gemeinschaft gibt es nicht mehr. Empathie findet sich nur noch im Wörterbuch unter F wie Fremdworte und Wörterbücher gibt es nicht mehr.

An dem Tag, an dem die Novelle einsetzt, erfährt der Anti-Held der Geschichte von einem Ort, an dem es noch unzerstörte Gebäude gäbe. Doch zu Fuß ist dieser Ort nicht wirklich zu erreichen. Daher ist sein Interesse zunächst gering, sich auf den Weg zu machen. Das ändert sich, als er von einer Bekannten zu einer Bunkergemeinschaft geführt wird, die sich durchaus noch umeinander kümmert, ein Konzept, das ihm zunächst fremd und unverständlich erscheint. Doch er lässt sich schließlich motivieren, eine Expedition zu diesem Ort zu wagen, begleitet von seiner Bekannten, die als Prostituierte überlebt, von seiner Pritschennachbarin, von einer Frau aus dieser anderen Bunkergemeinschaft und einem Mutanten, der in der Lage ist, ein Fahrzeug zu führen. Fahrzeuge gibt es nämlich so gut wie keine mehr – aber in dieser Bunkergemeinschaft befindet sich ein Feuerwehrwagen mit Wassertank.

Die Expedition wird gewagt, die Gebäude werden erreicht – und die erhofften Materialien auch gefunden. Aber die Gebäude befinden sich in einer hochtoxischen Zone und die Expedition endet in einer Katastrophe.

Ein dystopischer Roman, eben. Und das Ende ist auch noch unbefriedigend, voller Fragen.

Aber ich habe es eh nicht so mit Schweizer Autoren, fürchte ich. Martin Suter fand ich auch schon nicht wirklich lesenswert und den hoch gelobten „Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Mercier (ein Pseudonym von Peter Bieri) eher langweilig. Ok, Spyri und Dürrenmatt andererseits … Also – ich werde mich wohl weiter durch Schweizer Schriftsteller lesen, um mir ein breiteres Bild zu machen.

Mein Urteil: „Das Komitee“ liest sich wie ein Fragment.Und was mich am Ende enttäuscht, bekommt nicht viele Kokosnüsse (mein Blogmaßstab) von mir. Hier würde ich 2 vergeben, aufgrund der Kürze und der Fragen am Ende. Wenn ich noch Fragen zur Geschichte habe, kann ich mir die wichtigen Fragen, die der Roman ja durchaus behandelt, ja nicht mehr stellen.

Es ist dem Roman auch seine Entstehungszeit anzumerken: Saurer Regen und Massenvernichtungswaffen aller Couleur – die Zeit der Grünen und der Friedensbewegung, als ich gerade im Endspurt der Schule war.

Short-Story 2017 1/52 (noch fehlendes Update zur ersten Woche des Neues-Jahr)

Es ist nun doch keine Supermarkt-Horror-Geschichte geworden … Sondern eine kleine Liebesgeschichte. 2017 kann ich ja mal gemächlich beginnen. Achtung, dies ist „the shitty first draft“ bzw. heute the second- frei nach Hemingway – (der soll mal gefragt haben: Don’t we all write shitty first drafts), heute, kurz nach Mitternacht geschrieben, mit leichter Überarbeitung heute, wo ich wieder wacher bin:

Man kann nicht 52 mal hintereinander Pech haben

Das war nun schon das 49. Date gewesen. Wieder mal ein Kerl, der nur ein Thema am ganzen Abend kannte. War es mal nicht sein Job, waren es seine sportlichen Höchstleistungen im Studio, im Stadion, auf der Straße oder im Bett. Keiner hatte auch nur einmal gefragt, was sie interessierte, was sie machte, oder auch nur, worüber sie sich gerne unterhalten würde.

Dabei waren ihre Interessen weit gefächert: Fußball, Kochen, Literatur, Historisches, Science-Fiction, Ökologisches, Politisches (lokal oder weltweit), Kunst. Doch keines ihrer Dates ließ sich darüber aus. Obwohl alle angeblich gerne lasen, so jedenfalls stand es im jeweiligen Profil, hatte sich noch keiner mit ihr über Bücher unterhalten. Oder auch nur über die Vor- bzw. Nachteile eines e-book-readers diskutiert. Obwohl alle angeblich vielseitig interessiert waren, sprachen sie nur von sich, und dann nur von einem Aspekt ihres Lebens. Wenn tatsächlich mal ein echter Freizeit-Fußballer dabei war, ließ er ihre Äußerungen nicht mal gelten, weil sie ja nur eine Frau war.

Dani hätte das Projekt gerne hier abgebrochen, es war schon Anfang Dezember, ein ruhiges Plätzchen für ein Date zu finden wurde immer schwieriger wegen der vielen Weihnachtsfeier. Es war doch albern, an der Zahl 52 fest zu halten.

Aber sie hatte sich nun mal am Jahresanfang vorgenommen, sich in 52 Wochen auf ebensoviele Dates zu begeben, es sei denn, ihr wäre dabei einer begegnet, der das überflüssig gemacht hätte. Man kann doch nicht 52 mal hintereinander Pech haben. Sie hatte sich deswegen bei „Blind Dates“ registriert, weil sie nicht auf irgendein manipuliertes Foto herein fallen wollte. Es war ihr natürlich bewusst, dass auch die Profile gelogen sein konnten, aber die App hatte ja zum Ziel, sich möglichst schnell irgendwo zu treffen und mal zu schauen, ob die Chemie stimmte. Sie stimmte nicht. Jetzt schon 49 mal nicht. Das Schicksal schien das mit dem „52 mal Pech“ in ihrem Fall als Herausforderung zu betrachten.

Sie zahlte beim Taxifahrer mit dem üblichen Zwanziger, ohne Wechselgeld. Wenigstens einer sollte an diesem Abend Grund zur Freude haben.

Der heutige Fahrer hatte sie schon viele Male gefahren in den letzten 49 Wochen. Sie hatte immer ein Taxi genommen, weil sie fürchtete, die nie gut ausgegangenen Dates würden sonst beim gemeinsamen Warten auf die Bahn unnötig verlängert.

Heute verabschiedete sie sich aus einer Laune heraus mal nicht mit dem Wunsch, er möge noch gute Fahrten diese Nacht haben.

„Jetzt fahre ich noch dreimal, und dann nimmermehr!“ rutschte es ihr stattdessen heraus. Vielleicht hätte sie den Sekt auslassen sollen, der heute Abend getrunken wurde (sie bestand IMMER auf eine Teilung der Spesen, um sich nicht anhören zu müssen, sie würde die Männer ausnehmen). Aber manche Dates waren mit ein wenig Alkohol einfach leichter zu ertragen.

Der Fahrer jedenfalls guckte bei dieser Verabschiedung komisch. Naja, was sollte er auch denken von ihr. Er hatte sie mal gefragt, ob sie so spät noch arbeiten würde, weil er sie so regelmäßig fuhr, da hatte sie ihm gesagt, dass sie einen Neujahrsvorsatz umsetzen würde und mit einer noch recht unbekannten Dating App ihren Marktwert testete. Nun, er schien nicht besonders hoch zu sein.

Als sie in der nächsten Woche, nach eine, wieder sehr zähen Abend, wieder ins Taxi stieg, wieder derselbe Fahrer, fragte er: „Was macht mein Reh, was macht mein Kind?“

Sie musste lächeln. Er hatte ihr zugehört letzte Woche. „Jetzt fahr ich noch zweimal …“

Und er fiel ein: „und dann nimmermehr!“

Aus seinem Radio erklang ein Titel aus der Till-Brönner-Show auf Klassik-Radio Es fiel ihr erst jetzt auf, dass sei heimlich gehofft hatte, auf ihrem Weg vom Steakhaus zum Taxi-Platz, dass genau dieser Fahrer vorne stand. Es wurde ihr bewusst, dass sie sich in seinem Taxi schon vorkam, als sei sie wieder in die beruhigende, ruhige Welt ihrer eigenen Wohnung zurück gekehrt.

„Wissen Sie, seit 50 Wochen schon treffe ich mich jede Woche mit einer neuen Verabredung. Nie, wirklich nicht einmal, habe ich mich dabei auch nur annähernd so wohl gefühlt wie in Ihrem Taxi!“

Er lächelte kurz zu ihr rüber.

Viel zu schnell waren sie vor ihrer Haustür. Sie reichte ihm den Zwanziger mit dem üblichen „stimmt so“. Nur dieses Mal fügte sie hinzu „und vielen Dank für die schöne Fahrt!“

In der Woche vor Weihnachten ergab sich kein Date. Jeder war zu beschäftigt so kurz vor dem Fest. Eigentlich sollte sie sich erleichtert fühlen, endlich mal wieder diesen Abend daheim zu haben, doch irgendwas ließ sie unruhig werden. Schließlich ging es ihr auf! Schnell zog sie sich um, stylte sich nett, nahm die Bahn, wenn auch später als sonst, wich einigen Besoffenen und einigen Weihnachtsmarktspätbesuchern aus und kam schließlich zur gewohnten Zeit am Taxi-Stand an. Gerade sah sie „ihren“ Fahrer an die erste Position rollen, lächelte und stöckelte in seine Richtung, als aus einer Kneipe kurz vor ihr zwei Business-Typen heraus kamen, mühelos vor ihr das Taxi erreichten und drin saßen, als sie ankam.

Heute würde es keine Till-Brönner-Show im Taxi für sie geben. Das nächste Taxi rollte heran, aber sie ging mit hängenden Schultern zur Bahn und fuhr nach Hause.

Zum nächsten Date ging sie nur, weil es das letzte war. Wie immer war sie ein paar Minuten zu früh, sie legte ihr Erkennungszeichen neben sich auf den Tisch und wartete auf das Blind Date. Wie dieser „Bruder Grimm“ wohl aussah? Bestimmt sehr grimmig. Er hatte sich gerade frisch angemeldet – vermutlich ein besonders Schneller mit den Neujahrsvorsätzen.

Die Tür der kleinen Eckkneipe ging auf und „ihr“ Taxifahrer trat ein. Ihr Herz pochte. Nein, nicht gerade hier, nicht gerade jetzt! Konnte er ihr nicht nach diesem Date begegnen, das doch sowieso zu nichts führen würde?

Er kam direkt auf sie zu und lächelte. Dann legte er ein Buch auf den Tisch:. „Gesammelte Märchen der Gebrüder Grimm“. Das Erkennungszeichen! Sie sah auf, sah sein Lächeln und begriff. Man kann doch nicht 52 mal Pech haben.