Monatsarchiv: Januar 2017

Man kann nicht 52 mal hintereinander eine schlechte Kurzgeschichte schreiben (3)

Seminarteilnahme
Ob Ihr es glaubt oder nicht, Ihr könnt es googeln – es gibt sie: Hexenseminare.
Nein, man lernt dort nicht, dem Feuertod zu entkommen, Milch zu säuern und wie lange man einen knochigen Hänsel im Backofen garen lassen muss. Es lernt sich dort etwas über Chakren, über die „innere Göttin“, über Meditation.
Ich wollte soetwas unbedingt mal ausprobieren, ich bin ein neugieriger Mensch. Ich buchte also so ein Wochenendseminar, mit vegetarischer Verköstigung (hat jemand etwas anderes erwartet?) und zog los.
Die Teilnehmerinnen (ja, Geschlechterverteilung Frauen 6 : Männer 0, auch da hat doch keiner etwas anderes erwartet, oder?) setzten sich zusammen aus drei Mit- bis Endvierzigerinnen, die einen tieferen Einblick in das Selbst gewinnen wollten und nach der Pleite mit ihrem letzten Mann/Lover/Job endlich die Macht in sich finden wollten. Ich gehörte zu diesen. Und dann waren da noch die zwei Teenager, die zuviel Charmed gesehen hatten. Sie kamen nur am ersten Abend.
Eine Teilnehmerin aber stach heraus. Ihr Alter war nicht wirklich definierbar, aber ihre Kleidung war fast noch wallender als die der molligsten unter uns (also, als meine) und sie hatte eine reizende kleine Warze auf der Nase, aus der ein Haar wuchs. Ich hatte sie im Verdacht, dass sie das ganze nicht ernst nahm und sich zu gut verkleidet hatte, um nicht sofort als Reporterin enttarnt zu werden.
An ihrem Gürtel hingen kleine Täschchen, wie man sie auf einem Mittelaltermarkt findet. Runde Lederstücke, die am Rand durchlöchert waren, eine Sehne durchgezogen und schon hatte man einen Beutel. Ihre schienen noch neu zu sehen, denn sie rochen sehr eigenartig, das war bestimmt das Färbemittel.
„Man nennt mich Selina,“ so hatte sie sich mit einer leicht schrillen Stimme vorgestellt. „Ich wollte schon immer eine Hexe werden.“
Am Anfang des Seminars stellten wir uns also vor. Dorothee, Ilsegard und ich, dazu Selina und die beiden Kinder (sie konnten noch keine 18 sein), Janine und Yvonne.
Die Seminarleiterin stellte, zu Dekozwecken, einen großen Kristallball in die Mitte, darum herum arrangierte sie Räucherstäbchen. „Schaut jetzt alle tief in diese Kugel und stellt Euch die Frage, was Euch dieses Seminar bringen wird. Lasst Euren Atem zur Ruhe kommen und versenkt Euch in die Tiefe des Kristalls!“
Die beiden Teenies kicherten die ganze Zeit, Ilsegard räusperte sich strafend. Yvonne steckte Ilsegard die Zunge heraus.
Mir machte es zwar viel Spaß, die anderen zu beobachten, aber ich wollte mich auch gerade in den Kristall vertiefen. Da sah ich Selina. Sie war ganz weiß und keuchte. „Ist dir nicht gut?“ murmelte ich, um die anderen nicht zu stören, doch es war noch nicht leise genug, nun musste auch ich Ilsegards Eisblick ertragen. Die zwei Teenager kicherten wieder.
Selina antwortete nicht. Ich sah zu unserer Seminarleitung hinüber, die diese Übung mitmachte, „wegen der magischen Zahl“, aber sie war so auf den Ball fixiert, dass ich ihre Aufmerksamkeit nicht erringen konnte, ohne wieder einen Laut von mir zu geben. Aus Rücksicht auf die anderen wollte ich das nicht. Ich schaute also zu Selina, die angefangen hatte, leicht zu zittern. Da schrie neben mir Dorothee auf und brach den Bann.
„Was ist denn Dorothee?“
„Da hat sich etwas in der Kugel bewegt! Etwas Warziges, Massiges, mit vielen spitzen Zähnen!“
„Wir sind hier nicht beim Herrn der Ringe, Dorothee“ wies sie die Seminarleitung zurecht. „Du solltest heute Abend mal ein paar Stunden in der Wanne liegen und Entspannungsmusik hören!“ Mit diesen Worten reichte sie Dorothee eine Doppel-CD über den Tisch.
Selina neben mir atmete jetzt wieder normal. Ich fragte sie leise, was sie denn gesehen habe, doch sie schüttelte nur den Kopf.
Dann war es Zeit in unsere Unterkünfte aufzubrechen.
Am nächsten Morgen, nachdem wir einen dieser unsäglichen Morgenkreise gebildet hatten und ihn sogar verlängert hatten, wussten wir, dass die zwei Kinder nicht zurück kommen würden. Ilsegard hatte sie weggestarrt. Nun, an mir war ihr böser Blick abgeperlt.
Selina sah nicht so aus, als wenn sie gut geschlafen hatte, trank nur einen Becher mit heißem Wasser, in das sie ein paar getrocknete Kräuter krümelte.
„Mmm, was sind denn das für Kräuter? Ich bin ja nicht grundsätzlich gegen das Kiffen, aber ich finde, wir sollten hier drogenfrei bleiben,“ sagte die Seminarleitung, als sie wieder eintrat, nachdem sie sich eine Zigarette vor der Türe gegönnt hatte.
„’s ist nur Sagenkraut.“
„Ach, Verbene. Ja, das ist natürlich etwas anderes, ich will halt nur nicht, dass uns irgendein Nachbar, dem das Ganze hier sowieso suspekt ist, die Drogenfahndung herschickt und die dann irgendwas Illegales hier finden.“
Selina hatte heute einen Besen mit.
„Besenrituale machen wir erst im Fortgeschrittenen-Seminar,“ wies sie die Seminarleitung zurecht. „Und dann auch nur spezielle Besen, nicht diese Allerweltsdinger aus Polen.“
Selina stellte ihr „Allerweltsding“ in die Ecke.
Die nächsten Stunden wurden wir über Steine und ihre Wirkungen belehrt, wozu die Seminarleitung ein von ihr geschriebenes Buch empfahl (wie gestern schon zum Thema Räucherwaren, ich glaube, zum Thema Kräuter gibt es auch noch eines).
Das Echo auf diesen dezenten Hinweis blieb verhalten, was ein leicht Frustiertes „Ihr könnt es euch ja noch bis zum Ende des Seminars überlegen,“ auslöste.
Beim Super-Seminar-Sonderangebot von 35 Euro (pro Büchlein) war nicht zu erwarten, dass sich die Nachfrage noch vergrößern würde. Ilsegard hatte natürlich bereits alle drei Bücher gestern erworben, noch vor der Vorstellungsrunde.
Vor dem Abschied wurde noch einmal meditiert. „Und jetzt stellt Euch etwas Schönes vor, etwas, das Ihr schon immer haben wolltet, etwas Kraftvolles und Beeindruckendes“ leitete die Seminarleitung die Meditation.
Wir starrten auf die Luft vor uns und Ilsegard malte sich bestimmt eine Eiserne Jungfrau aus. Mir wollte partout nichts einfallen, ich schaute zu Selina neben mir, und erschrak. Vor Selinas Nase hatte sich ein Loch in der Luft gebildet und durch dieses Loch tapste ein Drachenbaby, frisch geschlüpft auf sie zu. Selina lächelte selig und streckte die Hand nach dem kleinen Drachen aus. „Nein,“ entschlüpfte es mir. Wo ein Junges, da doch auch fast immer eine Mutter. Und Mütter mögen es nicht, wenn man ihre Kleinen stiehlt. Ich sollte recht behalten.
Ein massiger, warziger Kopf schoß durch das Loch und holte den Kleinen zurück. Doch das Loch war nicht wieder zu, sondern der Kopf kam zurück. Da griff Selina in einen ihrer Beutel und holte einen vor sich hin modernden Molch heraus. Was sie auch immer in der spinnwebigen Sprache der Magie sagte, es ließ den Molch anschwellen, bis er die Größe des Lochs erreicht hatte und sich ganz davor legte. Und keine Sekunde zu früh. Von der anderen Seite kam eine Flamme, aber der Molch hielt sie auf der anderen Seite des Lochs und als er platzte, schloss sich das Loch.
Selina saß da, Tränen in den Augen. „Ich war so nah dran“. Die anderen hatten sich in eine Ecke des Raums verzogen, ganz hinten die Seminarleitung. „Ich, ich … ich glaube, es ist besser, wenn du jetzt gehst!“ Selina nahm den Besen und stieg vor der Tür auf. Sie entschwand im Vollmond.

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Neues Jahr, Update Woche 3

Also, ich war diese Woche ein wenig lässlich, ich habe allerdings gekocht – den Hackbraten letzten Sonntag und heute Lammkoteletts auf Tomatenreis. Beides lecker. Aber heute bin ich an meine Grenzen gestoßen. Das Lammfleisch war innen noch rosa (wie sich das gehört, werden die Gourmets jetzt sagen, aber ich bin wohl kein Gourmet. Kam aber dann doch damit zurecht) und der Tomatenreis ist beim Kochen angebrannt (das Angebrannte war natürlich nicht im Endprodukt, das nochmal in den Ofen gewandert ist).

Gelesen habe ich wieder ein Buch (mehr schaffe ich einfach nicht, wenn ich Bücher lese, die zwischen 400 und 500 Seiten haben, schon gar nicht, wenn ich am Samstag Vormittag im Büro hocke).

An die Geschichte muss ich mich gleich noch setzen, bin also einen Tag später dran.

Aber ich habe gerade etwas Neues gelernt. In einem meiner kleinen Kochbücher von Anne Wilson werden die Worte „Sommerkürbis“ und „Winterkürbis“ verwendet. Ich konnte mir darunter nichts vorstellen – bis ich es gerade nachschlug. Was wir so klassisch als Kürbis kennen (z.B. der von mir so geliebte Hokkaido) ist ein Winterkürbis. Zucchini z.B. gelten als Sommerkürbisse! So, nun wisst auch Ihr es, wenn Ihr es nicht schon vorher wusstet.

Wenn ich beides bekomme (Zucchini sieht derzeit SEHR mau aus, Spanien hat Lieferprobleme), gibt es nächste Woche wohl mal ein vegetarisches Curry.

Freitags in der Faulen Kobra

Wieder ein Buch für daggis Buchchallenge 2017.

Freitags in der Faulen Kobra, Teil zwei in der Siebenstein-Reihe von Stefan Nink.

Wieder eine moderne Queste, auf die Stefan Nink Siebenstein schickt, während der Autor dessen zwei Kumpels dieses Mal in einem indischen Teehaus zwischen parkt.

Die Reise beginnt in Indien, wo Wipperfürth dem Inhaber des Hotels, zu dem sie gereist sind, um den letzten Erben zu finden, der ihnen im ersten Buch der Reihe („Donnerstags im Fetten Hecht“) noch fehlte. Da dieser letzte Erbe dort als Yoga-Lehrer fungiert, nimmt Siebenstein an einem Yoga-Kurs teil. Dort ereilt ihn das erste von einer Reihe fieser Missgeschicke, ein Insektenstich, der ihn ausknockt – nicht das einzige Mal, wo ihm ein paar Stunden fehlen. Wipperfürth verliebt sich in die Tochter des Maharadschas und als der Maharadscha einen schweren Verlust erleidet, erklärt er sich im Namen des besinnungslosen Siebenstein bereit, die Statue wieder zu beschaffen, die in diversen Teilen auf der Welt verstreut liegt.

Von Indien aus fliegt er nach Tonga, wo er einen bleibenden Eindruck bei einer marktleitenden Prinzessin hinterlässt. Die Reisen bucht wieder, wie in Band 1, Freund Wipperfürth, was interessante Reiserouten ergibt (von hinten durch die Brust ins Auge), aber den Siebenstein von Schatten (der im ersten Buch ein Vermögen erben sollte, wenn er die anderen Erben herschafft) widerwillig bewilligten Unterkünften weicht dieser durch reichliche Nutzung der von Schatten ebenfalls herausgerückten Kreditkarte aus.

In Neuseeland stößt seine amerikanische Freundin zu ihm, die er im ersten Teil kennen gelernt hat.

Mit ihrer Hilfe überlebt Siebenstein eine Straußattacke, sorgt für reichlich Spesen auf der Kreditkarte, fällt auf einem „Stuhl“ in einen Fjord (angeleint), geht tauchen und wandern (nicht so findet immer wieder statt der Statuenteile Origami-Figuren. Irgendwann haben sie dann die Person in Japan erwischt, die ihnen zuvor gekommen ist. Und die Geschichte nimmt eine neue Wendung.

Letztlich wird das Schicksal des Maharadschas von unseren Freunden zum Guten gewendet und auch ohne Maharadschas Töchterlein finden sich Siebenstein und seine Kumpel in ihrer Heimat wieder, im „Fetten Hecht“.

Es war wie Teil 1 außerordentlich unterhaltsam, weil ja nicht WIR durch die Welt gejagt werden und Schwärme von Mücken, Zugvögeln oder einem Eisbären ausweichen müssen. Eisbären mögen übrigens angeblich indisches Curry.

Von mir gibt es 5 Kokosnüsse von 5.

Titel: Freitags in der Faulen Kobra

Autor: Stefan Nink

Verlag: Blanvalet

Erscheinungsjahr: 2015

Seiten: 547

 

 

Punkt, Punkt, Punkt 2017 – (3) – Energie

Wenn ich Euch damit nerve, müsst Ihr’s sagen, aber ich habe mal wieder eine Hannöversche Location für Euch:

Wir haben hier in Hannover (damit sind wir nicht mal einzigartig) ein Museum für Energiegeschichte. Ein kleines Haus, von einer großen Energie-Firma betrieben, daher auch, anders als andere Museen, nur Di bis Fr von 9 bis 16 Uhr geöffnet – und nicht etwa am Wochenende, wo Leute schon mal ins Museum gehen.

Dieses kleine, aber feine Museum nimmt regelmäßig an der Langen Nacht der Museen teil, obwohl diese immer in einer Samstag-Nacht stattfindet (dickes Lob, weil das extra Geld kostet und kaum etwas einbringt – schließlich zahlt man einmal Eintritt und kann dann jedes der teilnehmenden Museen besuchen und ich sagte ja schon, ist eine Energiefirma, die das Museum betreibt).

Dort habe ich dann auch erfahren, dass Staubsauger früher mal in großen Wagen vor das Haus kamen, dort wurde dann mit langen Schläuchen der Staub aufgesaugt.

Dazu Wikipedia:

„Melville Bissell erhielt am 19. September 1876 ein US-Patent auf den ersten funktionierenden Staubsauger für Teppiche („Carpet Sweeper“). Viele Quellen berichten übereinstimmend, dass Anna und Melville Bissell angeblich über ein Gerät verfügten, das auf einem Pferdewagen montiert war. Von dort wurde dann per Schlauch das Haus gereinigt. Die Luftpumpe dieser Sauger wurde noch von Hand betrieben.“

Auch weitere kuriose Haushaltsgeräte sind dort ausgestellt. Am besten mit einer Führung zu genießen.

Kennt Ihr noch die alten Röhrenradios, die mit dem grünen „Auge“, und den exotischen Ortsnamen (wie Helsinki) auf der Vorderseite? In der Küche meiner Eltern stand so ein Gigant und unser Kater hielt dort immer ein Schläfchen drauf. Wir haben dieses Radio nicht ausgeschaltet, sondern einfach nur den Lautstärkeregler runter gefahren, weil wir nicht die lange Aufwärmphase abwarten wollten. Auch solche Schätzchen sind dort zu bewundern. Ich hatte übrigens später noch lange eines in meinem (Kinder-)Zimmer stehen.

Aber das ist noch nicht alles, was wir in Hannover zum Thema Energie zu bieten haben. Auch im Museum für Technikgeschichte präsentiert wird zur Zeit (noch bis nächstes Jahr!) Werner von Siemens, der im Königreich Hannover geboren wurde. Und bei Hannover, in Laatzen, gibt es immer noch eine Niederlassung der Siemens AG, die mal aus einer Firma hervorging, die Werner von Siemens in Berlin mit einem Compagnon gegründet hat. Sein „von“ erhielt Werner von Siemens übrigens erst 1888. Ein sozial denkender Mensch war er auch noch:

Wikipedia dazu:

„Siemens machte sich schon früh Gedanken um das Schicksal seiner Mitarbeiter. Die normale Entlohnung erschien ihm nicht ausreichend: „Mir würde das Geld wie glühendes Eisen in der Hand brennen, wenn ich den treuen Gehilfen nicht den erwarteten Anteil gäbe“. Neben altruistischen Motiven veranlassten ihn auch firmentaktische Beweggründe zu einem solchen Vorgehen, wie er in einem Brief an seinen Bruder Carl schrieb: „Es wäre auch nicht klug von uns, sie leer ausgehen zu lassen im Augenblicke großer neuer Unternehmungen.“

Leitende Mitarbeiter hatten schon seit Mitte der 1850er-Jahre Verträge, die ihnen erfolgsabhängige Tantiemen zusicherten, rangniedrigere Mitarbeiter bekamen – nicht vertraglich festgelegte – Prämien. Ab Mitte der 1860er-Jahre zahlte Siemens & Halske eine so genannte Inventurprämie an alle Arbeiter und Angestellten, eine frühe Form des Leistungsanreizes und ein Vorläufer der heutigen Erfolgsbeteiligung. Dies alles waren Maßnahmen, um qualifizierte Mitarbeiter an Siemens & Halske zu binden und einen festen Arbeiterstamm zu bilden.

1872 gründete Siemens die Pensions-, Witwen- und Waisenkasse, an der sich auch Halske, der dem Unternehmen schon nicht mehr angehörte, beteiligte. Eine weitere sozialpolitische Maßnahme war die 1873 erfolgte Einführung einer täglichen Arbeitszeit von neun Stunden, was bei der damaligen Sechstagewoche einer Wochenarbeitszeit von 54 Stunden entsprach. Üblich waren zu der Zeit noch 72 Wochenstunden.“

Diese soziale Ader teilte er mit dem später lebenden Robert Bosch:

„Von Anfang an war Bosch die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter ein besonderes Anliegen. Im Bewusstsein der sozialen Verantwortung des Unternehmers führte er bereits 1906 als einer der ersten in Deutschland die achtstündige Arbeitszeit ein. Dies brachte ihm den Beinamen „Der rote Bosch“ ein. Weitere vorbildliche soziale Leistungen für die Mitarbeiter folgten, z. B. eine stets gerechte Bezahlung. 1940 übergab er ein von ihm gestiftetes Krankenhaus in Stuttgart seiner Bestimmung. Der 1969 entstandene Neubau trägt noch heute den Namen Robert-Bosch-Krankenhaus.“

Wenn ich Euch nun noch sage, dass ich in einem Haus lebe, das 2001 der Bosch-Hilfe gehörte und mal nur Bosch-Mitarbeiter hier wohnten, zu günstigen Konditionen, weil die Bosch-Hilfe wohl aus der Zeit von 1920 stammt:

„Robert Bosch ruft nach 1920 zahlreiche Wohlfahrtseinrichtungen für Bosch-Beschäftigte und ihre Familien ins Leben. “ (Quelle: Robert Bosch Stiftung)

und dass auch in Hannover mal eine Bosch-Niederlassung existierte, dass in Hannover außerdem Conti-Elektrotechnik seinen Sitz hat (ja, die stellen nicht nur Reifen her), dann wird das ach so graue, langweilige, provinzielle Hannover wieder ein winziges bisschen interessanter.

Wir haben übrigens auch mit der Industrie-Messe und der CeBit zwei Messen, auf denen Elektrotechnik eine große Rolle spielt … aber das nur am Rande – am Stadtrand von Hannover …

Book-Challenge 2017 (3)

daggis-welt.de

hat zur Challenge aufgerufen. Ich nehme teil, auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich an den Verlag-Kategorien scheitern werde – oder einfach an der schieren Masse von Büchern.

Aber heute stelle ich mal ein etwas längeres Buch vor als die zwei letzten.

Kategorie Nr 2: Ein Buch mit einem roten Cover (Sollte eigentlich Sonderpunkte geben, weil nicht nur das Cover weinrot ist, sondern auch der Name des Autors ROTH)

Das Durchschnittsbuch im Buchhhandel hat so 400 bis 500 Seiten, und dieses hier ist keine Ausnahme, Philip Roth – Verschwörung gegen Amerika.

Philip Roth ist ein 1933 geborener jüdischer Autor aus den Vereinigten Staaten und erzählt in diesem Buch, was hätte passieren können, wenn Amerika 1940 Charles Lindbergh, den Antisemiten (!), zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt hätte. Alternative History.

Es ist ziemlich bedrückend, nicht, weil das Erwartbare passiert und Juden unter Repressalien zu leiden haben, Amerika sich dem 2. Weltkrieg verweigert und darauf baut, dass Nazi-Deutschland, mit dem sich Lindbergh und seine Leute zu gut verstehen, Russland zu besiegen droht (was in diesem Roman als Möglichkeit dargestellt wird, wir wissen, was wirklich passiert ist, noch bevor Amerika eingegriffen hat) – nein, bedrückend sind die Parallelen zum heutigen Amerika. Der Roman ist von 2009 – da war von Trump als Präsident noch keine Rede.

Irgendjemand muss dem Trump-Wahlkampfteam dieses Buch als Anleitung gegeben haben. Roth hat ganz offensichtlich die tatsächliche amerikanische Psyche gut erfasst – denn Trump wurde gewählt so wie im Buch Charles Lindbergh, der auch als nicht chancenreicher Kandidat anfing und vom republikanischen Establishment nicht geliebt wurde. Auch Lindbergh folgt in diesem Roman einem demokratischen Präsidenten, dem er Verrat am Volk vorwirft, auch Lindbergh diffamiert die Medien, die sich gegen ihn stellen.
Allein schon wegen dieser Parallelen ist das Buch lesenswert.

Die handelnden Personen
Der Ich-Erzähler (eine fiktive Version von Philip Roth selbst), sein älterer Bruder Sandy, der versucht, sich an das System anzubiedern, sein Vetter Alvin, der abhaut und über Kanada versucht, Hitler zu bekämpfen, sein Vater, ein Versicherungsvertreter am Anfang des Romans, seine Mutter, Hausfrau und zwischendurch mal Verkäuferin. Kleinbürgerliches Milieu.

Die Nachbarn der Roths in einem überwiegend von Juden bewohnten Wohnviertel von Newark. Einer davon ein Nachbarsjunge, der erst den Vater durch Selbstmord oder Krankheit verliert (hier verwirren sich die Fantasie des 9jährigen und die von den Erwachsenen dargebotenen Erklärungen) und am Ende des Romans als Waise wieder nach Newark zurück kehrt, nachdem seine Mutter mit ihm „umgesiedelt“ wurde und im Rahmen eines Pogroms getötet wurde.

Die Familienangehörigen:

Tante Evelyn, die sich an das System anbiedert, ihr Verlobter und dann Ehemann, ein Rabbi, der mit dem System zusammen arbeitet.

Der reiche Onkel, der einen Großhandel betreibt und erst Alvin, von dessen Vater er diesen Handel übernommen hat, später auch dem Vater von Philip Arbeit anbietet – der Familiensinn mit all seinen Verantwortlichkeiten ist noch am Leben.

Nicht alle Konflikte des Romans drehen sich um Politik. Manches sind einfach innerfamiliäre Streitigkeiten oder Verwirrungen, wie sie von Kindern in dem Alter einfach durchgemacht werden. Der Philip Roth des Romans wuchs jedenfalls nicht als „Kleine kostbare Schneeflocke“ auf, auch wenn die Erwachsenen natürlich versuchen, manche Ausprägungen des Lebens vor ihm zu verbergen.

Aber was in diesem Roman an Politik in den Alltag schon eines Neunjährigen schleicht, ist beklemmend. Es ist lange her, dass ich einen literarisch hochwertigen Roman so verschlungen habe wie dieses Buch. In aller Regel langweilen mich literarische Werke zu Tode.

Philip Roth

Verschwörung gegen Amerika

Rowohlt Taschenbuch Verlag

Erscheinungsjahr 2009

Seiten:  495 der eigentlichen Geschichte, plus Kurzbiografien der erwähnten historischen Persönlichkeiten und ein Ausschnitt aus einer tatsächlichen Rede von Charles Lindbergh. Insgesamt 541 Seiten.

Von mir: 5 Kokosnüsse

 

 

In der Zeitung

Demnächst soll die Verwaltung kundenfreundlicher werden. Indem man die Wartemarken absschafft in der Stadtverwaltung. Und nur noch nach telefonischer bzw. online-Voranmeldung Zugang zur Verwaltung bekommt.

KUNDENFREUNDLICHER, doch, sagte der zuständige Dezernent. Nix mehr mit spontan mal einen Nachmittag im gut gewärmten Warteraum verwarten, bis die hochherrschaftliche Verwaltung einen herein ruft, nein, jetzt muss man genau planen, um einen Termin nachsuchen, nach Möglichkeit mit der unpersönlichen Maschine, um dann gnädig eine Audienz zugesprochen zu bekommen.

Sicher, Stunden zu warten ist auch nicht schön! Und eine gleichmäßigere Auslastung der Ämter wäre auch wünschenswert (zur Zeit sammelt sich alles am Montag). Aber wenn ich meinen Personalausweis dringend neu beantragen müsste, weil ich überraschend ins europäische Ausland will – aber ich bekomme keinen Termin? Und ich kann mir meine Zeit noch gut einteilen, nicht jeder hat die Möglichkeit mitten im Arbeitstag mal eben für zwei Stunden alles fallen zu lassen, um von der Arbeitsstelle zur Behörde zu fahren, dort sein Anliegen zu erledigen und dann zurück zu fahren. Das wird dann laufen wie mit den Arztterminen, die auch alle nach 15 oder 16 Uhr wollen – weil zwischen 9 und 15 Uhr nun mal immer noch die meisten Leute unabkömmlich am Arbeitsplatz sind.

 

 

Man kann nicht 52 mal hintereinander eine schlechte Kurzgeschichte schreiben (2)

Setz dich hin, nimm dir’n Keks

Thorsten kam nach der Feier ein wenig später als sonst in sein Büro. Das hatte er sich auch verdient. Er hatte so lange auf die Beförderung warten müssen. Nun hatte er gestern, nachdem er die Benachrichtigung erhalten hatte, dass er beim nächsten Schwung dabei sein würde, mit den Kollegen gefeiert.

Alle hatten sie ihm gratuliert. Auch Burkhard, wenn auch mit dem falschen Grinsen eines Übergangenen. Burkhards Ansicht nach wäre jedes mal er selber dran gewesen, wenn eine Beförderung an stand.Eine Ansicht, die weder der Vorgesetzte noch die Personalstelle teilten.

Lotti hatte nicht versucht, ihre eigene Enttäuschung zu verbergen: „Wie gut, dass du ein Thorsten und keine Tanja bist,“ hatte sie ihm gesagt. Aber dem teuren Wein, den er gestern ausgab, hatte sie trotzdem reichlich zugesprochen.

Nur schwer einschätzen konnte er auch die Reaktion von Simone. Sie hatte ihm zwar gratuliert, mit den Worten: „Endlich hat es mal den Richtigen getroffen.“ Aber Thorsten war sich nicht so sicher, dass dies nicht doch sarkastisch gemeint war. Simone verzog nie eine Miene.

Aber einer zumindest gönnte ihm die Beförderung und hatte ihm heute Morgen einen Schokokeks hingelegt. Thorsten hatte noch nicht gefrühstückt, so ließ er sich den Keks genussvoll schmecken.

Der Rest des Tages ließ ihn ziemlich kalt. Irgendjemand kam rein und beschwerte sich, weil der Gemeinschaftsdrucker nicht funktionierte. Dann wurde eben mal nicht gedruckt. War doch egal, wann die Schreiben raus gingen, heute oder Morgen …

Kollege Bauer ließ sich bei Thorsten über den neuesten Schnitzer von Bürokraft Anna aus. Thorsten machte nur Mmm – er wurde schon wieder hungrig. Anna hatte doch eh nur eine befristete Stelle, das Problem löste sich also eh durch Zeitablauf, was sollte man sich da aufregen?

Auch die nächsten Tage lag jeweils ein einzelner Schoko-Keks auf seinem Schreibtisch – und Thorsten, dem der erste so gut geschmeckt hatte, aß sie alle.

Am Tag vor der Beförderung kam er früher, er musste noch zur ärztlichen Untersuchung, bevor er morgen seine Beförderung in die Hand gedrückt bekam. Dieses Mal lag kein Keks auf dem Schreibtisch.

Stattdessen meldete sich auf seinem Telefon sein snap-chat account:

„Kollegiale Grüße – das waren Haschkekse! Viel Spaß beim Drogentest heute!“