Book-Challenge 2017 (3)

daggis-welt.de

hat zur Challenge aufgerufen. Ich nehme teil, auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich an den Verlag-Kategorien scheitern werde – oder einfach an der schieren Masse von Büchern.

Aber heute stelle ich mal ein etwas längeres Buch vor als die zwei letzten.

Kategorie Nr 2: Ein Buch mit einem roten Cover (Sollte eigentlich Sonderpunkte geben, weil nicht nur das Cover weinrot ist, sondern auch der Name des Autors ROTH)

Das Durchschnittsbuch im Buchhhandel hat so 400 bis 500 Seiten, und dieses hier ist keine Ausnahme, Philip Roth – Verschwörung gegen Amerika.

Philip Roth ist ein 1933 geborener jüdischer Autor aus den Vereinigten Staaten und erzählt in diesem Buch, was hätte passieren können, wenn Amerika 1940 Charles Lindbergh, den Antisemiten (!), zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt hätte. Alternative History.

Es ist ziemlich bedrückend, nicht, weil das Erwartbare passiert und Juden unter Repressalien zu leiden haben, Amerika sich dem 2. Weltkrieg verweigert und darauf baut, dass Nazi-Deutschland, mit dem sich Lindbergh und seine Leute zu gut verstehen, Russland zu besiegen droht (was in diesem Roman als Möglichkeit dargestellt wird, wir wissen, was wirklich passiert ist, noch bevor Amerika eingegriffen hat) – nein, bedrückend sind die Parallelen zum heutigen Amerika. Der Roman ist von 2009 – da war von Trump als Präsident noch keine Rede.

Irgendjemand muss dem Trump-Wahlkampfteam dieses Buch als Anleitung gegeben haben. Roth hat ganz offensichtlich die tatsächliche amerikanische Psyche gut erfasst – denn Trump wurde gewählt so wie im Buch Charles Lindbergh, der auch als nicht chancenreicher Kandidat anfing und vom republikanischen Establishment nicht geliebt wurde. Auch Lindbergh folgt in diesem Roman einem demokratischen Präsidenten, dem er Verrat am Volk vorwirft, auch Lindbergh diffamiert die Medien, die sich gegen ihn stellen.
Allein schon wegen dieser Parallelen ist das Buch lesenswert.

Die handelnden Personen
Der Ich-Erzähler (eine fiktive Version von Philip Roth selbst), sein älterer Bruder Sandy, der versucht, sich an das System anzubiedern, sein Vetter Alvin, der abhaut und über Kanada versucht, Hitler zu bekämpfen, sein Vater, ein Versicherungsvertreter am Anfang des Romans, seine Mutter, Hausfrau und zwischendurch mal Verkäuferin. Kleinbürgerliches Milieu.

Die Nachbarn der Roths in einem überwiegend von Juden bewohnten Wohnviertel von Newark. Einer davon ein Nachbarsjunge, der erst den Vater durch Selbstmord oder Krankheit verliert (hier verwirren sich die Fantasie des 9jährigen und die von den Erwachsenen dargebotenen Erklärungen) und am Ende des Romans als Waise wieder nach Newark zurück kehrt, nachdem seine Mutter mit ihm „umgesiedelt“ wurde und im Rahmen eines Pogroms getötet wurde.

Die Familienangehörigen:

Tante Evelyn, die sich an das System anbiedert, ihr Verlobter und dann Ehemann, ein Rabbi, der mit dem System zusammen arbeitet.

Der reiche Onkel, der einen Großhandel betreibt und erst Alvin, von dessen Vater er diesen Handel übernommen hat, später auch dem Vater von Philip Arbeit anbietet – der Familiensinn mit all seinen Verantwortlichkeiten ist noch am Leben.

Nicht alle Konflikte des Romans drehen sich um Politik. Manches sind einfach innerfamiliäre Streitigkeiten oder Verwirrungen, wie sie von Kindern in dem Alter einfach durchgemacht werden. Der Philip Roth des Romans wuchs jedenfalls nicht als „Kleine kostbare Schneeflocke“ auf, auch wenn die Erwachsenen natürlich versuchen, manche Ausprägungen des Lebens vor ihm zu verbergen.

Aber was in diesem Roman an Politik in den Alltag schon eines Neunjährigen schleicht, ist beklemmend. Es ist lange her, dass ich einen literarisch hochwertigen Roman so verschlungen habe wie dieses Buch. In aller Regel langweilen mich literarische Werke zu Tode.

Philip Roth

Verschwörung gegen Amerika

Rowohlt Taschenbuch Verlag

Erscheinungsjahr 2009

Seiten:  495 der eigentlichen Geschichte, plus Kurzbiografien der erwähnten historischen Persönlichkeiten und ein Ausschnitt aus einer tatsächlichen Rede von Charles Lindbergh. Insgesamt 541 Seiten.

Von mir: 5 Kokosnüsse

 

 

Advertisements

Eine Antwort zu “Book-Challenge 2017 (3)

  1. Uff. Habe ich damals recht aktuell (d.h. nicht als Paperback) geschonken bekommen und gelesen. Ich glaube, irgendwann wurde es mir etwas zu abgefahren, aber insgesamt mag ich so alternative-history (kannte ich als Begriff noch nicht) mal ganz gerne, in diesem Fall war es so. Mag Philip Roth generell. Muss ich vielleicht nochmal lesen, jetzt mit neuem Vorzeichen.

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s