Punkt, Punkt, Punkt – (44) – Architektur

Heute will ich mal eine Bresche für moderne Architektur schlagen. Nicht die langweiligen Glas-Baukästen in der immer gleichen Reckeckform – DAS wäre ja zu langweilig. Aber Hannover hat auch einige Perlen an moderner Architektur zu bieten.

Da ist zum einen wohl einer der bekanntesten internationalen Architekten, Frank Owen Gehry, ein kanadisch-US-amerikanischer Architekt und Designer. Und dass er eben nicht nur Gebäude im Blick hat, sieht man daran, wie seine Gebäude aussehen – mal was anderes! In Hannover ist es der Gehry-Tower, ein neunstöckiges Gebäude, dass sich durch eine eben nicht rechtwinklige Fassade auszeichnet. Sehr schönes Foto bei Wikipedia, daher von mir nur ein Link.

Ein weiteres modernes Gebäude, das sich mal traut, etwas ANDERS daher zu kommen, mit verschachtelten Gebäudeteilen und mit Wasser aufgefrischtem Innenhof ist die Nord-LB-Zentrale am Friedrichswall in Hannover. Ich gebe zu, ich musste mich erst daran gewöhnen. Aber nachdem ich einmal den Innenhof begangen habe, bin ich ein Fan. Auch hier – das Wikipedia-Foto kann ich nicht toppen. Obwohl es Glas und Stahl ist, haben die Architekten (Behnisch, Behnisch und Partner) daraus etwas Ungewöhnliches gemacht.

Schon etwas älter aber auch atypisch für Glas-Stahl-Architektur ist dieses chinesische Restaurant in der Nähe der MHH. Eine Glas-Pyramide. Von diesem Gebäude habe ich leider keine Infos über den/die Architekten.

Mein Lieblingsgebäude in „moderner“ Architektur ist aber eines, das von der Straße her erstmal sehr unscheinbar daher kommt. Es ist mit roten Ziegeln verkleidet, enthält nur wenige Glas-Stahl-Elemente und mit einem hohen Zaun, der sich direkt anschließt, und dem von der Straße sich wegorientierenden Eingang wirkt es weder sonderlich neu noch sonderlich spektakulär. Es wurde Ende der 80er Jahre gebaut, ist daher also schon etwa 30 und daher eher so alt wie die Pyramide, wirkt aber wenig futuristisch.

Was mich trotzdem so fasziniert?

Dieses Gebäude trägt deutliche Anspielungen auf eine klassische Burg. Die obere Fensterzeile hat nur schmale, Schießscharten-ähnliche Fenster. Der Haupteingang ist fast wie durch einen Burggraben von der Auffahrt getrennt, der Eingangsbereich hat daher etwas Zugbrücken-haftes. Und an den Ecken und in der Mitte der Front und der Rückseite sind Treppenhäuser, die sich an den Ecken wie Türme höher als das eigentliche Gebäude erstrecken. Es gibt in diesem Gebäude zwei Innenhöfe (Link zeigt Bilder von der Bauzeit, von der Dachfirma), getrennt durch einen Mittelflügel, der allerdings nicht in die letzte Etage (die mit den „Schießscharten“) reicht. Und auf drei Seiten sind diese Innenhöfe von einer Art Galerie umfasst, wie ein klassischer Wehrgang. Sehr schöne Bezüge auf eine mittelalterliche Burg.

Dieses Gebäude steht in einem alten Ensemble aus den 30ern – an deren rotbraune Ziegelarchitektur es sich anlehnt.

Was daran aber noch mehr fasziniert – das Gebäude wurde mal gebaut für die Verwaltung der Bundeswehr in Niedersachsen und Bremen. Eine „Burg“ für die Verteidigung – form follows function in höchster Vollendung! Seither hat sich in der Nutzung einiges getan. Aber schön ist das Gebäude immer noch.

9 Antworten zu “Punkt, Punkt, Punkt – (44) – Architektur

  1. Ich liebe Ghery Häuser, ich zeige heute ein Bild aus Düsseldorf.
    In Lübeck gibt es auch eine Glaspyramide, allerdings ist dort ein Griechisches Restaurant drin. Die eigentliche Pyramide wurde ja von Ming Pei entworfen (die im Louvre) wer aber die Nachbauer waren, weiß ich auch nicht.

    LG

    Anne

  2. Hallo Frau Hunne,

    ich hatte als Zweites auch überlegt Perlen der Moderne aus Frankfurt zu zeigen. Aber dazu fehlten mir einfach gelungene Aufnahmen. Der Tower von Frank Owen Gehry sieht klasse aus, aber das Verwaltungsgebäude finde ich noch beeindruckender. Deinen Vergleich mit Burgen kann ich nur bestätigen. Was früher taugte muss ja auch heute nicht schlecht sein🙂 .

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Das Lustige ist, dieses Verwaltungsgebäude sieht von außen total unspektakulär aus. Wir hatten aber mal einen Tag der offenen Tür – und die Seite, auf die ich verlinkt habe, ist ja auch öffentlich, ich habe also keine Dienstgeheimnisse verraten. Ich habe nämlich früher hinter den „Schießscharten“ gearbeitet😉

  3. Mir gefällt gut die Bankzentrale, weil der übliche Klotz so schön aufgelöst wurde.Beim Chinarestauran hinter Glas bekommen ich unwillkürlich Schweißausbrüche bei so viel Glas.
    LG iris

    • Sie werden eine entsprechende Belüftung haben. Beim Nord-LB-Gebäude ist an der einen Seite auch eine Gaststätte unten drin mit schrägen Seiten – eine Ständige Vertretung (Kettenkneipe). Fand ich jetzt nicht soo schrecklich gemütlich.

  4. Guten Morgen, Frau Hunne,

    ganz viel Schönes kann man sehen, wenn man deine Links klickt. Ich stand lange Zeit mit moderner Architektur auf Kriegsfuss. Das hat sich mit der Zeit geändert. Ich denke, je älter und unmoderner ich werde, desto moderner wird die Kunst, die mir gefällt.🙂
    Toller Beitrag. DANKE.

    Mit lieben Grüssen aus der Schweiz
    Barbara

    • Ich mag nicht jedes Stück moderner Architektur. Was nach modernem Einheitsbrei aussieht, bekommt von mir ein MEH … Unser Torhaus am Aegi ist so ein Fall. Beton, Glas, rechte Winkel, eine Passage unter dem Gebäude her, die durch Beton und Glas so abweisend wirkt …

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