Punkt, Punkt, Punkt – (40) – Einsam auf weiter Flur

Eine meiner Freundinnen hat da so ein Gedankenexperiment – und ich muss sagen, mir kam der Gedanke auch schon:

Was würden wir machen, wenn wir (jeweils) allein wären – also – ganz allein – keine weiteren Menschen auf der Welt?

Die ganzen plötzlich gefangenen Tiere, die nicht mehr versorgt werden – und das schließt die Raubtiere im Zoo und die großen Spinnen in den Terrarien ein – würde ich die befreien?

Würde ich, wenn ich sicher wüsste, die anderen Menschen wären für immer weg – mir Vorräte aus den Läden holen – und selber Gartenbau betreiben? Würde ich es schaffen, mich doch mit Strom zu versorgen? Oder müsste ich meine eingefrorenen Vorräte schnell aufessen? Ohne Elektrizität? Oder hätte ich von den weiterhin einspeisenden Solaranlagen noch genügend?

Nehmt Euch mal fünf Minuten und fragt Euch, was würdet Ihr tun? Was müsstet Ihr tun? Würden all die Omnivoren wie ich, wenn sie jeweils plötzlich mutterseelenallein wären, weiterhin Fleisch essen? Das müsste man selber jagen! Oder züchten und dann selber töten, häuten … Oder wäre ich plötzlich „Nur noch Fisch“-Esser? Einen Fisch zu töten, kann ich mir eher vorstellen.

Wie würde ich verkraften, keine Milch, keine Milchprodukte mehr zu haben? Schließlich müsste ich mir sonst eine Kuh zulegen – und lernen, wie man Käse macht.

Immerhin könnte ich noch Beeren sammeln, Marmelade auf einem Holzfeuer kochen und Brot würde ich wohl auch noch hinbekommen – wenn auch kein Notbrot mehr (da sind ja wieder Milchprodukte drin).

Gruselig wäre es schon – vor allem, wenn ich mir vorstelle, dass eben auch in anderen Zoos in Deutschland Tiere vom Menschen ohne Zugang zu Futter eingesperrt sind – die im Falle eines Falles einfach verhungern würden – wie käme ich dorthin, wie würde ich Arten, die auf besondere Lebensräume spezialisiert sind, in ihre natürlichen Welten zurück befördern können? Eisbären? Erdmännchen? Ich würde wohl kaum alle deutschen Zoos schaffen, und es WÜRDEN TIERE VERHUNGERN, wenn plötzlich nur noch ich, mutterseelenallein da wäre. Von den ganzen Zuchttieren und Masttieren mal abgesehen, von denen wir in Deutschland so viele haben, dass ein einzelner sie nicht mal alle freilassen könnte, damit sie selbst zur Weide gehen … Mal davon abgesehen, dass das moderne Deutsche Edelschwein auch nicht mehr mit dem Leben da draußen klar käme.

 

Mutterseelenallein – plötzlich würde man merken, wie spezialisiert die Gesellschaft ist – ich weiß nicht, wie lange das mit dem Wasser funktionieren würde – und ob es auf den Straßen nicht zum Himmel stinken würde,weil die Abwasserkanäle nicht mehr genug gespült werden.

Ich bin jetzt 48 – und nicht die Fitteste – wie lange würde ich überleben? Ohne Medizinische Hilfe? Die Antibiotika könnte ich mir ja noch aus den Apotheken mopsen, aber was, wenn ich, wie letztens spezialisierte Hilfe bräuchte? Wenn ich nicht wüsste, ob meine Krankheit viral oder bakteriell verursacht wäre – oder vielleicht doch ein Pilz?

Immerhin wäre es so ruhig wie jetzt, am Sonntag Morgen – kein Auto weit und breit zu hören. Ok, hier fährt nochmal eins.

Es gibt da eine fiktionale „Dokumentation“

Auf einmal fühlt man sich als Mensch wieder sehr klein.

Und genau das ist einer der Gründe, warum ich eben nicht glücklich wäre in einem kleinen Haus auf einer kleinen Insel … Ich BRAUCHE Menschen um mich herum. Ich brauche die Aussicht, meine Freunde zu treffen, die Möglichkeit, mit anderen zusammen zu arbeiten, die Gewissheit, dass ich andere (gegen Geld) habe, die für mich arbeiten (egal ob Ärzte oder Metzger – oder die Unterhaltungsindustrie).

Also, besser nicht allein auf weiter Flur. Einsam dagegen? Also – einsam fühle ich mich höchst selten. Aber auch nur, weil ich mich darauf verlassen kann, dass andere eben im Notfall da sind.

14 Antworten zu “Punkt, Punkt, Punkt – (40) – Einsam auf weiter Flur

  1. Ich hab die dokumentationen gesehen… ich denke ich wuerde nicht als letzte meiner art leben wollen….

  2. Liebe Frau Hunne,
    was für eine interessante Interpretation. Das Video ist echt beeindruckend. Wir sind nun mal ein „Herdentier“, ganz einsam und allein geht nicht!
    Angenehmen Sonntag in angenehmer Gesellschaft wünsche ich Dir,
    herzlichst moni

  3. Hallo Frau Hunne,

    ich finde den Gedanken sehr erschreckend, allein schon deshalb, weil ich ein sehr geselliger Mensch bin. Klar brauche auch ich Stunden der Einsamkeit um mich zu sammeln. Die nehme ich mir auch, aber mit dem Hintergedanken sie jederzeit wieder beenden zu können. Genau so, wie du auch schon schreibst. Diese Serie habe ich auf einem Dokukanal angesehen und manche Dinge dabei waren echt erschreckend. Zum Beispiel wie lange manches auf unserem Planeten brauchen würde, bis es die Existenz unserer Spezies abgeschüttelt hätte und nichts mehr davon zu erkennen wäre. Ich würde mit hoher Wahrscheinlichkeit verhungern. Die Vorräte nutzen, solange sie vorhanden und genießbar sind und danach? Eine Bleibe Suchen, in der ein steinerner Ofen steht, den man auch ohne Strom betreiben kann. Fleisch und Fisch würden von meinem Speiseplan verschwinden, aus den von dir genannten Gründen. Verhungern, hmmm vielleicht doch nicht, die Einsamkeit wäre wohl noch schlimmer für mich. Bleibt am Ende vielleicht doch nur der Strick ?!?

    Danke für den Ansatz, der einen wirklich ins Grübeln bringt.

    Liebe Grüße
    Sandra

  4. Mit meiner medizinischen Fragen, würde ich innerhalb von Tagen tot sein. Eine interessante „Was wäre wenn …?“ Gedanke! Zumindest würde ich die Entscheidung erspart machen mein Essen zu töten. Ich höre auf Fischerei vor Jahrzehnten, weil ich nicht den Fisch zu töten mochte, nachdem ich sie gefangen. Ich kann mir nicht vorstellen, eine Kuh zu töten, egal, wie viel Ich mag „prekilled“ Rindfleisch aus dem Supermarkt! Was für ein Dilemma.

    • Ich kann froh sein, kein Dialyse-Patient zu sein und auch, außer meinen Augentropfen, keine besonderen Medikamente zu benötigen. Ich würde vermutlich innerhalb weniger Jahre erblinden – und dann sterben, weil mir niemand mehr helfen könnte.

  5. Würde ich noch Gedichte schreiben, Lieder komponieren und Bilder malen, wenn ich wüsste, sie würde nie jemand lesen, hören, sehen?
    Aber ich könnte mir schon vorstellen, zu jagen. Realistischerweise würde ich mir durchschnittlich drei Jahre Überlebenszeit geben, bevor lechz an irgendeinem Infekt sterbe.

  6. Lechz? Keine Ahnung, was mein Notsosmartphone da meinte…

  7. Stimmt, das passt. Lechz😛

  8. Ich finde deine Gedanken sehr interessant. Mir zu überlegen, woher ich jetzt Strom kriege, damit meine Tiefkühlsachen nicht auftauen, und ich weiterhin auf meinem Elektroherd kochen kann, oder welche Apotheke ich ausräumen könnte etc. kämen mir nicht in den Sinn. Da bin ich wohl zu pragmatisch und weiß, dass ich z.B. sowieso keine Ahnung habe, wie ich Strom herstellen könnte, also würde ich mich eher fragen, wo ich am besten eine Feuerstelle hin baue, und wo ich Holz sammeln kann, denn Bäume mit der Hand zu fällen, schließe ich auch aus. Auf Fleisch und Fisch zu verzichten würde mir leicht fallen, denn ich weiß schon immer, dass ich das nicht essen würde, wenn ich selbst schlachten müsste. Lieber als eine Kuh würde ich mir ein paar Schafe halten, die liebe ich, und schon wäre ich auch nicht mehr alleine. Das mit der Milch ist natürlich fraglich, dann müssten die Tiere ja Nachwuchs produzieren, also lieber auch darauf verzichten. Mal eine wilde Kuh irgendwo zu melken um Käse zu machen, kann ich mir gut vorstellen…Falls sich eine das dann noch gefallen lassen würde.😉 Ein Garten wäre allerdings unverzichtbar, und zum Glück kenn ich mich ganz gut mit Beeren, Pilzen, Wildkräutern etc. aus. Und mit Naturheilmitteln und Selbstheilungskräften auch immer besser. Einen Arzt hab ich seit ca. 30 Jahren nicht mehr gebraucht…

    Ich bin ja generell kein Freund von solchen Was wäre-wenn-Konstrukten, denke lieber über reale Problemlösungen nach. Aber wenn ich mir schon wie hier Gedanken mache, muss ich feststellen, dass ich wohl ganz gut überleben könnte. In gewisser Weise hab ich vorgebaut, hab keine großen Ansprüche, mag das einfache Leben, und stelle auch immer wieder fest, dass man eigentlich sehr wenig braucht.

    Was die Abwesenheit anderer Menschen betrifft, kann sich wohl niemand vorstellen, dass das einfach wäre. Trotzdem ist das Leben für mich grundsätzlich so wertvoll, dass auch das für mich kein Grund wäre, mir einen Strick zu nehmen. Wie das dann aber wirklich in der Praxis aussehen würde, müssen wir hoffentlich nicht mehr erleben…

    LG Sabine

  9. Ohja, wir sind alle Gesellschaftstierchen. (So nennt sich die Lieblingshausziege, wenn sie es sich auf dem Sofa im Wohnzimmer gemütlich macht)😉

  10. Das ist ein Albtraum, denn der Mensch ist ein Rudeltier – der eine mehr, der andere weniger. Aber trotzdem.
    Ich empfehle dir zu dem Thema das Buch: „Großes Solo für Anton“ von Herbert Rosendorfer. Es beschreibt genau eine solche Situation. Anton wacht eines morgens auf und ist der einzige Mensch auf der ganzen Welt. Und das noch in München …
    LG Sabienes

    • Ich habe mal „Z wie Zacharias“ gelesen, das war ein dystopischer Roman über ein Mädchen, das nach dem Atomkrieg überlebt hatte – und dachte, es wäre ganz allein, sie hatte sich auch soweit arrangiert …
      Herbert Rosendorfer kenne ich – der hat doch auch Briefe in die Chinesische Vergangenheit geschrieben (die mir sehr gefallen haben).

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