Punkt, Punkt, Punkt – (39)- Bewegung

Heute wollt Ihr bestimmt etwas zum Thema Sport lesen, nicht wahr? Aber nicht mit mir!

HIER gibt es FRAUENBEWEGUNG!

Und nein, ich rede nicht von dieser.

Auch nicht von dem alten Macho-Spruch: „Ich liebe Frauenbewegungen, nur rhythmisch müssen sie sein!“ – Ja, danke, schön dass wir das auch abgehakt haben.

Nein, ich rede von der Bewegung, die gleiche Rechte für Frauen einfordert (jedenfalls wo machbar, dass Männer die Kinder kriegen und stillen kann tausendmal als Recht so im Gesetz stehen, das ist nicht machbar – noch nicht.)

Eine Bewegung, die diverse Gegenbewegungen erfahren hat.

Es begann zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als Frauen noch als Eigentum des Mannes galten, keine eigenen Rechte hatten und vom Vater an den Ehemann übergeben wurden.

DAS haben wir ja nun hinter uns, dachten die Frauen, als 1914 der Weltkrieg ausbrach, die Frauen dabei Arbeiten der Männer übernahmen und bewiesen, dass das „zarte“ Geschlecht so zart nicht war – wenn man es aus dem Korsett heraus ließ. Und tatsächlich, es kam ein Wahlrecht, bei dem auch die Frau wählen durfte.

Aber gleichberechtigt war sie noch lange nicht. Auch nicht nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem noch viel mehr Frauen ihren Mann stehen mussten.

Die Gegenbewegungen ließen nie lange auf sich warten – erst mit dem Aufstieg der Nazis, dann, nach dem Krieg, in dem die Frau trotz Nazi-Ideologie wieder die Lücken füllte, die der in den Krieg geschickte Mann hinterließ, kamen die 50er. Und Frauen wurden wieder ein Deko-Objekt. Wären da nicht diese Frauen gewesen:

Auch wenn zeitgenössisch von den „Vätern des Grundgesetzes“ gesprochen wird, waren unter den Abgeordneten auch vier Frauen (6 %), nämlich Friederike Nadig (SPD), Elisabeth Selbert (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrum), die heute als Mütter des Grundgesetzes bezeichnet werden. Es gab bei der Verabschiedung von Artikel 3, Absatz 2 („Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“) übrigens erheblichen Widerstand.

Helene Weber, jawohl, die CDU-Frau, war schon länger Mitglied der Frauenbewegung – der katholischen. Ja, es gab (und gibt) eine katholische Frauenbewegung!

Und Elisabeth Seibert war die treibende Kraft hinter Artikel 3, Absatz 2.

Um mal wieder mein Lieblingsonline-Lexikon zu zitieren:

„Es war ihr darum gegangen, dass die Gleichberechtigung als Verfassungsgrundsatz aufgenommen wurde, so dass viele der damaligen familienrechtlichen Bestimmungen (die aus dem Jahr 1896 stammten) im Bürgerlichen Gesetzbuch ebenfalls überarbeitet werden mussten, da sie diesem Grundsatz widersprachen. Die Adenauer-Regierung ließ den für eine Übergangsregelung im Artikel 117 gesetzten Termin „31. März 1953“ jedoch tatenlos verstreichen. Erst 1957 wurde das Gleichberechtigungsgesetz verabschiedet.“

Ohne eine Frau wie Elisabeth Seibert würden heute noch die Männer in einer Ehe bestimmen, ob eine Frau überhaupt arbeiten gehen darf und eine Frau müsste ihre Arbeit immer dann aufgeben, wenn sie „ihre familiären Pflichten“ vernachlässigt.

Von den weitergehenden Rechten wollen wir gar nicht reden. (Abtreibung-Straffreiheit, Scheidung ohne das Schuldprinzip, Nein-heißt-Nein, Vergewaltigung in der Ehe auch als Vergewaltigung bestrafbar, Frauenquoten, Recht auf Kinderbetreuung ab einem bestimmten Alter etc.)

Was jetzt vielfach die Frauen bedrückt, sind oft selbst (also von -anderen- Frauen) gemachte „Vorschriften“. Kolleginnen, die sich über die Figur/Kleidung einer anderen Kollegin lustig machen, Mütter, die sich über andere Mütter echauffieren, weil sie nicht den neuesten Ernährungs-, Erziehungs-, Lerntrend mitmachen, aber auch weibliche Verwandte, die die Wahlfreiheit ihrer weiblichen Familienangehörigen einschränken wollen.

Die nächste Frauenbewegung „muss“ Toleranz und Mur zur Vielfalt sein. Frauenleben können sehr bunt sein, da gibt es Mütter und Nichtmütter, Vollzeit- und Teilzeitarbeiterinnen, dicke und dünne, Rockträgerinnen und überzeugte Hosenfreundinnen, es gibt Lesben (ca. 10 %, wenn man der Statistik trauen darf) und Bisexuelle und Asexuelle – und natürlich auch die Heterosexuellen.

Wir müssen nicht alle gleich leben, oder um es mit einer Frau zu halten, die weise Worte geschrieben hat:

Zitat von wikiquote.

„Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“ – Obwohl regelmäßig Voltaire zugeschrieben, stammt dieser Satz von Evelyn Beatrice Hall (Pseudonym Stephen G. Tallentyre), die ihn in ihrem Buch „The Friends of Voltaire“ (1906, archive.org) benutzte, um Voltaires Einstellung zu Claude Adrien Helvétius zu charakterisieren: „‚I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it,‘ was his attitude now.“ Die Behauptung, Voltaire habe in seinem Brief an M. le Riche vom 6. Februar 1770 geschrieben: „Monsieur l’abbé, je déteste ce que vous écrivez, mais je donnerai ma vie pour que vous puissiez continuer à écrire“, trifft nicht zu.

 

 

 

21 Antworten zu “Punkt, Punkt, Punkt – (39)- Bewegung

  1. Danke für diesen schönen Beitrag und die etwas andere Art, sich mit dem Thema Bewegung auseinander zu setzen.
    Ich bin ziemlich froh, in der heutigen Zeit leben zu dürfen. Verglichen mit meinen Vorfahrinnen erlebe ich ein großes Maß an Freiheit und Selbstbestimmtheit. Es ist zwar noch nicht alles Gold, was glänzt, aber dennoch kann frau stolz auf das Erreichte sein.

    • Ich finde es immer wieder wichtig, daran zu erinnern, wie wenig selbstverständlich diese Selbstverständlichkeit eigentlich ist. Ich schau mich in anderen Gesellschaften um, und es graust mich.

  2. Moinsen!

    Danke für diesen tollen Beitrag! Aber wir sind noch lange nicht angekommen. Gleichberechtigung heißt (nicht nur in der eigenen Umgebung) sondern auch in anderen Ländern sich zu solidarisieren. Noch haben andere Nachteile, die mit dem Geschlecht zusammenhängen – und dass das ein Unrecht ist! Frauen und Männer müssen frei und auf Augenhöhe miteinander zu leben!!!

    LG

    Anne

    • Ich kann allerdings auch nicht den Kampf anderer führen. Es soll Frauen geben, die TOTAL FREIWILLIG die Unterwerfung wählen – woher sonst kommen die 16-jährigen, die freiwillig zu DAESH reisen?

  3. Danke, liebe Frau Hunne,
    dieser Beitrag ist wichtig, heute und gerade auch heute und immer wieder!
    Lieben Sonntagsgruß
    moni

  4. Hallo Frau Hunne,

    du hast recht eine Bewegung, die in Bewegung bleiben muss. Auch ich bin sehr froh nicht in die Zeit hineingeboren worden zu sein, in denen die familiären Pflichten vor allem anderen standen. Wie diese aussahen, kann ich zum Glück nur erahnen und ziehe meinen Hut vor denen, die in Bewegung bleiben um dies zu ändern. Am echten Gleich muss, wie du schreibst noch gefeilt werden.

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Ich stelle mich auch nicht auf eine Apfelsinenkiste, mit lila Halstuch und rufe Schwanzab! – Erstmal – ich bin natürlich dagegen, Männer „auf Verdacht“ zu verstümmeln. Zweitens stehe ich auf dem Boden des Grundgesetzes – auch solche Männer haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, die sich wie totale Arschlöcher benehmen. Und drittens – leide ich unter Höhenangst – Auf so ne Kiste klettere ich nicht, keine Chance!!
      Außerdem mag ich gewisse männliche Körperteile am liebsten am lebenden Objekt *hust*

  5. danke fuer diesen beitrag, war schoen zu lesen dass nicht immer alles so selbstverstaendlich war (und ist) wie wir gerne annehmen…. wir haben es hier auch geschafft frauen und maennern den gleichen zugang zu wahlmandaten und aemtern zu ermoeglichen… 1999 :o)

  6. Guten Morgen, Frau Hunne,

    auch ich danke dir für diesen sehr interessanten Beitrag, der einem animiert, sich geistig in Bewegung zu setzen.

    Für mich ist und war die Frauenfrage immer ein Teil der grossen sozialen Frage. Die Emanzipation der Frau wäre kein Thema mehr, wenn die soziale Emanzipation – freie Individualität des Menschen – dies auch wäre. Es geht meiner Meinung nach nicht darum, sich dafür einzusetzen, möglichst gleich viele Frauen wie Männer in Chefetagen zu haben, sondern die Chefetagen unnötig zu machen. Innerhalb der modernen Gesellschaft herrscht eine Minderheit über eine Mehrheit. HERR-Schaft ist das Thema, das hat aber nicht mit Mann zu tun, sondern mit Herr. Und Herren können auch Frauen sein.

    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche
    Barbara

    • Wohin es führt, wenn nur noch die Mehrheit entscheidet ungeachtet der Qualifikation, sieht man an Brexit – ich finde, ein gefährliches soziales Experiment. Herrschen? Auch in einem Staat wie Russland hat sich die „Herrschaft“ des Volkes als Tyrannei erwiesen.
      Brauchen wir immer eine Person, die entscheidet? Nun, wir MÜSSEN Entscheidungen treffen. Und wir MÜSSEN Probleme bekämpfen. Geht das, in dem wir alle gleich entscheiden? Ich denke, nein. Weil nicht alle gleich qualifiziert sind.

      Ist unsere Demokratie (schon im Namen steckt wieder das griechische Wort für Herrschaft) ideal? Auch wohl nicht – aber von allen schlechten Staatsformen die, die ich bevorzuge.

      Wenn du OHNE Herrschaft leben willst, bist du in Anarchie. Wer aber schützt dann die Schwachen vor den Starken? Wer gleicht gegenläufige Interessen aus?
      Es ist nicht einfach, diese Diskussion über Herrschaft.

      • Guten Morgen, Frau Hunne,

        nein, tatsächlich ist diese Diskussion nicht einfach. Ich habe mich diese Woche mit dem Thema etwas ausführlicher beschäftigt und einen Artikel dazu geschrieben. Ich verlinke ihn heute im PPP # 40-Beitrag.
        In einem Abschnitt zeige ich auch konkret, welches System die Schwachen gerde NICHT stützt.

        Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und eine gute Zeit!
        Barbara

  7. In Sachen Frauenbewegung gibt es wirklich noch viel zu tun. Und im Moment befürchte ich, dass viele Errungenschaften wieder rückgängig gemacht werden könnten oder ad absurdum geführt werden.
    LG
    Sabienes

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s