Kleines Fest im Nassen Garten 2016

 

Gestern Nachmittag war es dann wieder soweit: Gegen 15 Uhr begann die Vorfreude auf einen Abend beim Kleinen Fest.

Die Vorfreude startet, wenn ich an der Mauer stitze (also, stehe oder sitze) und darauf warte, dass die Kasse gegen 17 Uhr öffnet. Und auch dieses Jahr hat sich das wieder gelohnt! Dieses Mal war ich, für einen Samstag, relativ spät. Aber alles war gut, vor mir hatte sich die ganze Campingstuhlbrigade versammelt, so war der Teil der Schlange eher locker besetzt und es waren gar nicht so viele Karten vor mir absehbar weg. Alles war gut.

Ich hatte mich eigentlich eine halbe Stunde vorher bereits zum Warten verabredet, aber der junge Mann, der mit mir warten wollte, war pünktlich: Pünktlichkeit ist die Fähigkeit zu wissen, wieviel der andere zu spät kommen wird😉

So saßen wir dann eine gute Stunde in der Schlange, ehe ich hinter mir einen (noch jüngeren) Mann mit dem aktuellen Programmheft sitzen sah. Das erinnerte mich, dass Programme ja schon vorher verkauft werden! Nun, es gab natürlich auch ein paar Postkarten (Postcrossing läßt schön grüßen, schon über 1400 meiner Karten sind angekommen – und fast soviele habe ich schon erhalten, also, vielleicht 30 weniger) dort. Und eine neue Rosensorte, George I. Meine später hinzugekommene Freundin beschwerte sich, dass diese neue Sorte nicht riechen würde – ich sagte ihr, bei dem Namen sollte sie froh sein, da George, der Erste, noch aus einem Zeitalter kam, in dem Reinlichkeit als unschicklich galt, er ist immerhin geboren zu einer Zeit, in der man sich noch nicht komplett auf den Gregorianischen Kalender geeinigt hatte!

Der Rest der Zeit bis zur Kassenöffnung wurde dann damit verbracht, den Abend zu planen und die – mutmaßlichen – Darbietungen der im Programm beschriebenen Künstler zu erörtern. So früh schon ein Programm in der Hand zu halten, war wirklich vorteilhaft! Um 17 Uhr öffnete die Kasse dann, alles raffte seine Stühle, Decken und sonstige Campingausrüstung zusammen und man formte eine unordentliche Schlange (aber es ging sehr zivilisiert zu für Deutsche, die in einer Schlange stehen!).

Mit der Öffnung des Tores für die ersten Walkacts begann dann auch schon die fabelhafte Atmosphäre. Man wurde begrüßt von den bunten Gestalten, die sich dann später durch den Garten bewegten, während man von Spielort zu Spielort hastete.

Aber zunächst kam die Phase des Picknicks. Dieses Mal nicht begleitet von Panama Red (die waren in diesem Jahr nicht dabei, es gab eine Menge neuer Acts, was dem Fest gut tat – mehr Überraschungen!). Es tanzten auf der Nebenwiese die Stelzenläufer, wie jedes Jahr, dieses Mal in flammend Rot.

Mal abgesehen von der etwas überbordenden Gesellschaft, die neben uns immer mehr Decken ausbreitete blieb jede Fest-Besucher-Gemeinschaft für sich, man aß sein Mitgebrachtes, man trank sein Mitgebrachtes (bei uns u.a. eine sehr kleine Flasche Rotwein, aber die zwei „älteren“ – im Vergleich zu den Herren – Damen tranken halt keinen Wein mit, und die zwei „jungen“ – also, im Vergleich zu den Damen –  Herren wollten ja auch nicht durch den Park torkeln) und einer von uns erbarmte sich und brachte unsere Wünsche in eine gangbare Reihenfolge. Nicht jeder Act lief schließlich in jedem Slot.

Gleich der erste Act fiel auch prompt aus (nur diese eine Vorstellung) – und wir musste spontan ein paar Schritte mehr machen und endeten stattdessen bei Vaivén Circo aus Spanien. Eine Werkstatt, 4 Viertelkreise, drei Stangen, ein Kreuzgestell – und drei Herren und eine Dame. Geboten wurde Akrobatik und Comedy. Das Ergebnis der Bastelei erinnert ein bißchen an diesen Mausspot, allerdings nicht mit Eiern:

Hier nun die Version von Vaivén Circo (Spoiler Alert! Man sieht das Ende!! Dafür weicht die Vorstellung etwas von der KLEINEREN Bühne ab! Auf dieser kleineren Bühne muss es unendlich schwerer sein.):

Mir gefiel die Darbietung jedenfalls, ich lache gern und mag auch, wenn Leute ihr Handwerk (!) beherrschen!

Der nächste auf der Liste war Phillip Huber (Achtung, Vorname im Programmheft falsch geschrieben, zu wenig L, zu viele P), aus den USA, mit einem süßen und originellen Marionetten-Theater. Es waren klassische Marionetten, mit kleinen Überraschungen.

 

Ja, der Puppenspieler ist offen auf der Bühne zu sehen, aber schwarz vor schwarzem Hintergrund, sehr unauffällig. Auch diese Vorstellung gefiel mir sehr und ich war nicht die Einzige im fortgeschrittenen Lebensalter, die sich daran erfreute.

Wir sahen danach (vielleicht nicht ganz in der Reihenfolge, aber ich weiß nur noch sicher, dass am Ende die Laoten kamen) noch

Irmgard Knef, ein Travestie-Künstler, der Chansons im Stil von Hildegard Knef aufführte, ein deutscher Künstler.

In ein ähnliches Horn tutete Johannes Kirchberg, ebenfalls aus Deutschland, genauso böse, und mir gefiel er mit seinen Stories von seiner Frau Lisa fast noch besser:

 

Ganz anders Charlie Caper, ein schwedischer Magier mit „ein bisschen Niveau“

Hermanos Infoncundibles, aus Sevilla, zeigten uns Humor, und echte Geschwisterrivalität mit Diabolos:

Auch artistisch, auch spanisch sprachig, aber aus Venezuela Katay Santos, ein (Stuhl-) Hochstapler:

Und zuletzt gab es eine laotische Puppen-Truppe – nur mit Masken – Masken an Händen, an den Knien, ohne Worte, Khaoniew. Leider gab es von diesem Act nichts auf Youtube zu finden.

Danach gab es noch ein Höhenfeuerwerk. Aber da sich leider mit Beginn des letzten Acts ein feiner, gründlicher Niesel ausbreitete, ließ ich Feuerwerk Feuerwerk sein und fuhr nach Hause.

Der Regen im Lampenschein hätte übrigens auch zum Post Hundertwasser gepasst.

 

6 Antworten zu “Kleines Fest im Nassen Garten 2016

  1. Das Vaivén Circo video ist toll, wirklich alle achtung wenn so was auf einer kleinen buehne gemacht wird…. war schoen zu lesen, waere toll wenn wir hier auch solche events haetten (vor allem welche mit KLEINEN flaschen wein).

  2. Wow! What a post this was today! The first group reminded me of Pilobolus:

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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