Bye, bye

Nun ist er also gekommen, der Tag, an dem die Briten sich endgültig nicht nur anti-europäisch verhalten sondern auch so wählen.

Schadensbegrenzung ist nun angesagt. Die EU kann offiziell sowieso nichts machen, bis London (und wer auch immer dann Premierminister sein wird) den Entschluss, auszutreten, der EU anzeigt. Dann haben die EU und Großbritannien 2 Jahre Zeit, sich auf künftige Beziehungen zu einigen.

Soweit die Sachlage.

Dass der Brexit tatsächlich durchschlug, ist nicht schön. Nicht für die EU, deren rechte (sprich: nationalistische – nicht gleich nationale!) Tendenzen nun Aufwind bekommen, denen ein Netto-Zahler fehlt und die eine Menge Arbeitskraft mit den Austrittsverhandlungen binden.

Aber erst recht nicht für Großbritannien, das nach einer langen Siegesparty feststellen wird, dass die Experten recht hatten, die eine Rezession vorhersagten im Brexit-Fall.

Der deutsche Industrie-Chef mag noch so sehr rumjammern, keine „Straf“-Zölle einzuführen – die Wirklichkeit sieht so aus, dass jemand, der aus einem Club austritt, dort nun mal nicht als Mitglied light mehr geführt wird.

Was bewegte die Briten – wirklich der Unwille über Europa? Ja, für einige sicher genau das. Z.B. die Cornwall-Fischer, die mit der Fischereipolitik unglücklich waren. Sie haben wirklich gegen die EU gestimmt.

Aber Mr Whitevan? Der working class Typ? Der sich gegen die „verdammten Fremden, die hierher kommen und unsere Arbeitsplätze wegnehmen“ wehrt? Mr Whitevan hat vor allem gegen Sachen gestimmt, die nicht im Zuständigkeitsbereich der EU liegen.

Mr Whitevan wollte weniger Immigration – aber er MEINTE die sichtbare Immigration aus den Staaten des Commonwealth, er meinte Leute mit anderer Hautfarbe und Religion.

Mr Whitevan wollte weniger Bürokratie, doch wird er weiterhin seine Steuern erklären müssen – auch ein EU-Austritt wird da keine Erleichterung bringen. Und neue Subventionen, nun von der eigenen Regierung, so es denn welche gibt, werden ebenfalls nicht einfach so fließen sondern mit Bürokratie verbunden sein.

Mr Whitevan wollte die Kontrolle über seine Grenzen zurück – ohne zu berücksichtigen, dass die Grenzen nicht offen sind – Großbritannien gehört nicht zum Schengenraum.

Mr Whitevan wollte eine Lektion an die Reichen, die „herrschende Elite“ – die aber weitaus weniger unter dem Brexit leiden werden als Mr Whitevan und seine Kollegen, die ihren Job verlieren, wenn Fabriken sich aufs Europäische Festland zurück ziehen. So ein Banker hat einfach seine Milliönchen im Trockenen – wenn er seinen Job in der Londoner City verlieren sollte, geht er entweder mit – oder genießt seine Milliönchen. Mr Whitevan, so er nicht in einer Fabrik arbeitet, sondern in einem Kleingewerbe, verliert damit einen gut zahlenden Kunden.

Mr Whitevan hat ein Tor geschossen und feiert dies lautstark. Vermutlich wird er fest stellen, dass es ein Eigentor ist.

 

14 Antworten zu “Bye, bye

  1. Ich hoffe unsere britischen nachbarn bleiben trotzdem in france, waere schade und wir waeren dann ziemlich einsam hier…

    • Die britischen Nachbarn sind hoffentlich lang genug in Frankreich, um selber die französische Staatsangehörigkeit zu beantragen.

      • das ist leider nicht (mehr) so einfach :o(

      • Nun, sie müssen außerdem noch die französische Sprache sprechen – und ich schätze, eine Art Test (Geschichte und andere Tücken des Landes) kennen – aber wenn sie so lange dort schon leben, sollte es nicht unmöglich sein. Es gibt auch Vorbereitungskurse auf solche Tests.

      • sicher… aber wenn der tester net mag dann kannst du kopfstand machen und die nationalhymne rueckwaerts singen, es geht nix. leider passiert das viel zu oft :o(((

      • DAS ist ein Skandal!

      • jo… und einklagen ist immer ein schlechter start (ich sag das jetzt nicht weil ich selber durchgerasselt waere, mitnichten, ich hab das ding sogar genagelt, aber es passiert viel zu oft… unfair aber halt wie eiskunstlaufen – es kann ueberraschend enden)

      • Ich hab meinen Führerschein dreimal praktisch machen müssen … – und beim zweiten Mal hat der Prüfer von 8 Prüflingen 7 durchfallen lassen – der hatte wohl gerade von seiner Frau nen Einlauf bekommen😦

      • schade das an denen auszulassen die nix dafuer koennen :o( das muss ein gewaltiger einlauf gewwesen sein, die quote war ja nahezu hoellisch :o)

      • Vielleicht hat in seine Frau auch schon länger nicht mehr rangelassen …

  2. An unfortunate circumstance. I fear the UK citizenry will learn they made a poor choice, that the UK will be reduced to England and Wales when Scotland votes for independence so they can remain in the EU, and Northern Ireland achieves the same end by reunifying with Eire. I hope I am wrong about this. I guess the next few years will be the test. what will be, will be.

  3. Ball flach halten, solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zuende. Schottland und Nordirland werden ihre Schritte noch einmal neu überlegen, falls es ernst wird, aber bis dahin wird es noch dauern. Das Referendum hat ja noch nicht einmal bindende Kraft. Ball flach halten.

    • Wenn sich ein Boris Johnson, der vermutlich der nächste Premier wird, hinstellen würde und sagt, also, natürlich weiß ich, dass Ihr nicht mehr in der EU sein wollt, aber … also, eigentlich find ich es doch ganz schnuckelig drin, wir stellen den Antrag nicht – was glaubst du, was in GB passieren wird?

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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