Matsch trifft es gut

Nach dem Matschwetter vom letzten Sonntag gibt es heute noch mehr Matsch, aber ohne Foto (glaubt mir, das ist besser so).

Ich habe (aus Eitelkeit), einen zu engen Schuh getragen – schon Dienstag vor einer Woche. Mittwoch und Donnerstag konnte ich kaum laufen, auch ohne diese Schuhe, weil mir der Zeh so weh tat, dass abends der ganze Fuß schmerzte. Ich war so begeistert, dass ich mich am Freitag krank meldete – mein Zeh war rot geschwollen, jeder Schritt tat weh. Ich ging zur Apotheke und besorgte mir etwas zum Baden des Zehs – und eine Salbe, die bei Entzündungen helfen soll.

Achtung, Trigger-Warnung, nun wird es eklig:

Samstag Abend holte ich nach dem Baden den ersten Eiter aus dem Nagelbett. Es war Pfingsten … Sonntag, wieder nach dem Baden, mehr von dem gelblich-weißen  Zersetzungsprodukt … oh, war ICH produktiv. Zeh anschließend weiter mit dem Zugsalben-ähnlichen Produkt eingewickelt.

Montag wie gehabt, auch wenn es weniger wurde. Der Schmerz von Mittwoch bis Freitag war jetzt weg. Also ging ich Dienstag arbeiten. Wie sich das gehört – und dann, nach der Arbeit zum Arzt.

Mein Arzt ist ein Komiker, aber Lachen ist ja bekanntlich gesund:

Auszug aus seiner Homepage: „falls Sie während meines Urlaubs anrufen: bitte nicht erschrecken! Die Homepage läuft nicht ohne Grund unter dem Begriff „Vorsicht Arzt““ Kann ich bestätigen. Mir tönte auch schon mit sonorer Stimme vorgesungen, „Mein Arzt ist nicht da, klagt der kranke Patient!“ entgegen, als ich einmal wagte, ohne vorher zu überprüfen, ob er denn Urlaub hat, anzurufen.

Ich wurde mit dem üblichen „Was kann ich denn für Sie tun“ begrüßt (er versteht sich als Dienstleister, das hat er auch auf seiner Homepage klar gemach). Ich zeigte ihm, den Zeh.

Er war hochbegeistert (er ist IMMER hochbegeistert, wenn er eine ordentlich ausgeprägte klassische Krankheit sieht) und rief aus: „Höllenpein!“

„Ähm, ja, tut ordentlich weh, war aber schlimmer, als es noch nicht eiterte!“

Nein, ich hatte mich natürlich verhört, er rief aus: „Höllenstein!“

Und ich schaute wie ein kaputtes Auto …

Für alle die, die auch nicht wissen,worum es sich dabei handelt: Es ist Silbernitrat. Und wird zum Mumifizieren verwendet. JA, ihr habt das richtig gelesen. Mein Arzt wollte, dass ich den Zeh in einen Zustand versetze, in dem der ehemalige Chef-Archäologe Ägyptens einen Rückgabeanspruch an mich stellen würde …

Er holte auch gleich aus seinem Giftschränkchen einen Silbernitratstift hervor und präparierte ihn entsprechend und ging dann damit an den Stellen des Zehs entlang, die direkt am Nage waren und sehr entzündet waren. Mein Arzt warnte mich:

„Das wird sich schwarz färben“ – stimmt nicht, mein Lieber, das wurde eher grau-bläulich – wie ein Edelschimmel.

In der Apotheke, in der ich mein Antibiotikum holte, hatte man von Höllenstein schon gehört, aber „das gibt es nicht mehr!“ – Stimmt nicht ganz, es ist noch zu haben, die Lieferfrist ist allerdings eine Woche … und da wollte ich ja bereits mit dem Schlimmsten durch sein. Also holte ich mir eine weitere Färbesubstanz … JODsalbe.

Nun sieht mein Zeh in der Tat aus, als hätte ich ihn mir aus einer Pyramide geklaut … zu der Verfärbung vom Silbernitrat kam nun noch eine schöne rotbraune Patina. Daher verstecke ich ihn auch noch für eine ganze Weile. Aber es eitert nicht mehr! Die Entzündung ist raus (nicht mehr heiß, keine feuerrote Verfärbung mehr) – also nehm ich mein Antibiotikum noch bis einschließlich Montag morgen – und darf dann verabredungsgemäß damit aufhören. Ich konnte heute sogar die ersten Streifen der kauterisierten Haut abschneiden – ganz vorsichtig, sehr kleine Streifen … nun trage ich den Verband nur noch als Prallschutz.

Matschwetter? War für die Zehe erst, als es Sommer wurde.

Das Foto von dem „archäologischen Fundstück“ habe ich übrigens meinem Arzt geschickt – er wollte ja schließlich mumifizieren. Seine begeisterte Reaktion: Das sieht doch schon viel besser aus.

Ansichtssache. Zumindest sieht es nicht mehr krank, nur noch verfaulend (wegen der Jodsalbe), ausgetrocknet (die weiße Haut, wo der Eiter sich drunter gesammelt hatte) und angeschimmelt (die Spuren des Höllensteins).

Ich wünsche Euch guten Appetit, falls Ihr jetzt etwas essen wollt.😛

2 Antworten zu “Matsch trifft es gut

  1. mein gedanke beim lesen war hoellenPEIN und das war es wohl sicher auch bei jedem schritt :o( gute besserung und gedrueckte daumen+pfoten, dass der zeh schnell heilt und nicht im museum landet – zumindest nicht jetzt, vielleicht in 200 jahren oder so :o)

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s